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Von der Jahrhundertwende bis 1933

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Von der Jahrhundert-
Wende bis 1933



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Dieses Schicksal mußte das Œuvre Thomas Manns (1875–1955) nicht teilen. Wie ein Koloß steht die Figur des einzigen nach Goethe als 'Dichterfürst' zu bezeichnenden Autors epochenübergreifend im literaturgeschichtlichen Kontext unseres Jahrhunderts. Bereits der 1901 erschienene Roman Die Buddenbrooks sicherte ihm die Position eines der führenden deutschsprachigen Literaten; aus seinem umfangreichen Werk ragen in der Zeit vor 1933 die Novellen Der Tod in Venedig (1913) und Tonio Kröger (1914) sowie – vielleicht sein großartigster Wurf – der Roman Der Zauberberg (1924) hervor. Lag der Schwerpunkt bei den Novellen im Konflikt zwischen der als banal erlebten, aber letztlich 'gesunden' Bürgerlichkeit und dem intellektuellen, dadurch aber 'kränklichen' Künstlertum, so erweiterte sich der Blickwinkel im Zauberberg auf kulturphilosophische Betrachtungen über die Entwicklung der abendländischen Zivilisation, die sich später im Doktor Faustus (1947) nochmals zu einem ästhetisch-theoretischen Meisterwerk verdichteten.

Auch bei Hermann Hesse (1877–1962) spannt sich das Werk von seinem ersten Erfolg Peter Camenzind (1904) bis zum letzten Roman Das Glasperlenspiel (1943) über mehrere Jahrzehnte und läßt sich nicht in die gängigen Periodisierungen einordnen. Hesses Blick ist primär nach innen gewandt, wiewohl er von jeglichem Ekklektizismus weit entfernt ist. Denn die Suche des Individuums nach seiner inneren Bestimmung, die sich in Demian (1919) zum ersten Mal in vollem Maße artikuliert, läßt sich vom zwischenmenschlichen Bezugssystem nicht ablösen. Der Grundkonflikt zwischen Sensualität und Spiritualität, der in verschiedenen Variationen seine Romane durchzieht (u.a. Siddharta, 1922; Der Steppenwolf, 1927; Narziß und Goldmund, 1930) erwächst aus der Doppelnatur des Menschen als soziales und biologisches Wesen, die ihn sowohl zu moralisch-ethischem Handeln befähigt als auch seine triebhaft-irrationalen Bedürfnisse legitimiert.

Eine Sonderstellung in jeder Beziehung nimmt Franz Kafka (1883–1924) ein. Gelegentlich dem Expressionismus zugerechnet, zu dessen Vertretern er allerdings keine Verbindung hatte, steht sein Werk monolithisch in der Literaturlandschaft nicht nur des erten Viertels des 20. Jahrhunderts und bleibt ein literaturhistorisch nicht einzuordnendes, völlig autonomes Phänomen.

Fortsetzung (8)
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