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6 Ebenso wie die Weimarer Republik war auch die untergehende k. u. k. Monarchie Gegenstand literarischer Auseinandersetzung. Joseph Roth (18941939) zeichnete in seinen Romanen (u.a. Flucht ohne Ende, 1927; Hiob. Roman eines einfachen Mannes, 1930 und Radetzkymarsch, 1932) mit seiner charakteristischen, von Trauer durchzogenen Skepsis ein äußerst präzises Bild des zerfallenden Habsburger Reiches. Schärfer attackierte Ödön von Horváth (19011938) die verlogene Moral in der österreichischen Gesellschaft in seinen dicht konstruierten, volksstückhaften Bühnenwerken wie Bergbahn (1929), Geschichten aus dem Wiener Wald (1931). In seinem in Bayern spielenden »Erbaulichen Roman in drei Teilen« Der ewige Spießer (1930) beschrieb er die Geburt des Faschismus aus dem Geiste des Kleinbürgertums. Die Donaumonarchie bildet zwar ebenfalls die Folie für Robert Musils (18801942) weltliterarisches Opus Der Mann ohne Eigenschaften (entstanden 193042; die ersten beiden Teile erschienen 1931 und 1933), doch ist die gesellschaftskritische Komponente nur ein wiewohl zentraler Aspekt dieses Romans. Denn die Metropole Wien und die Hauptfigur Ulrich stehen für einen die gesamte abendländische Zivilisation betreffenden Zustand: den Zusammenbruch eines jahrhundertealten Wertesystems, das mit der Relativierung aller festen Größen in sich selbst den Keim für den Untergang gelegt hat. Musil läßt sich nur bedingt der Kategorie der sozialkritisch motivierten Autoren zuordnen. In der Zeit zwischen den Kriegen trat eine Reihe z. T. sehr bedeutender Schriftsteller an die Öffentlichkeit, deren Werke, wie dasjenige Musils, über die sozio-politischen Gegebenheiten hinaus einen allgemeineren ideen- und zivilisationsgeschichtlichen, existentiellen Horizont aufweisen. Zu diesen weitgehend unabhängigen Einzelpersönlichkeiten gehört zweifelsohne Hermann Broch (18861951), der mit seiner Romantrilogie Die Schlafwandler (193132 mit den Teilen Pasenow oder Die Romantik 1888, Esch oder Die Anarchie 1903 und Huguenau oder die Sachlichkeit 1918) wie Musil, wenn auch mit völlig anderen literarischen Mitteln, den Zerfall der Werte als kulturhistorisches Phänomen beschrieben hat. Zusammen mit Der Tod des Vergil und Die Schuldlosen, die erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges erschienen, hinterließ er ein erst spät in seiner Bedeutung erkanntes Werk von eminentem Rang.
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