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Von der Jahrhundertwende bis 1933

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Von der Jahrhundert-
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Der marxistische Schriftsteller Walter Benjamin (1892–1940) trat vor allem als Essayist hervor; die sprachliche Präzision, mit der seine Analysen die geistige und ethische Unterhöhlung des Bürgertums aufdecken, zeigt sich besonders in seiner Aphorismensammlung Einbahnstraße (1928). Der virtuose Umgang mit Sprache ist auch das Kennzeichen des größten deutschsprachigen Satirikers: Kurt Tucholsky (1890–1935). Unter verschiedenen Pseudonymen (Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser) und unter eigenem Namen veröffentlichte er schonungslose Angriffe auf die politischen und sozialen Mißstände seiner Zeit, wobei seine Lyrik und der 'Kult'-Liebesroman Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte (1912) von großer Sensibilität gekennzeichnet sind.

Eher derb fallen die im bayerischen Raum angesiedelten erzählerischen Werke Oskar Maria Grafs (1894–1967) aus (Das bayrische Dekameron, 1928; Bolwieser, 1931), der, wie sein Landsmann Lion Feuchtwanger (1884–1958), ein Anhänger der Räterepublik war und die Verhältnisse der Weimarer Demokratie geißelte. Feuchtwanger setzte sich in Erfolg (1930) und Die Geschwister Oppenheim (1933) mit der Justiz seiner Zeit auseinander.

Mit der wilhelminischen Ära hat Heinrich Mann (1871–1950) aufs schärfste abgerechnet. Mit den Romanen Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen (1905) und vor allem Der Untertan (der aus zensurgründen erst 1918 erscheinen konnte) hatte er das obrigkeitshörige, zugleich aber geld- und machtgierige nationalistische Bürgertum schonungslos bloßgestellt; in späteren Romanen wie Der Kopf (1925) oder Ein ernstes Leben (1932) griff er das verlogene Pathos in der Weimarer Republik an, konnte aber an den Erfolg seiner vorangegangenen Werke nicht anschließen.

1928 erschien Erich Kästners (1899–1974) berühmtes Kinderbuch Emil und die Detektive. Gesellschaftskritisch setzte er sich in seinem Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (1931), einer satirischen und gleichzeitig äußerst pessimistischen Geschichte, mit der ausweglosen Situation in der Weimarer Republik auseinander. Ohne ironische Brechung, aber ebenso iIlusionslos behandelte Erich Maria Remarque (1898–1970) im vielleicht berühmtesten Antikriegsroman der Weltliteratur Im Westen nichts Neues (1929) die so oft idealisierten Frontgeschehnisse des Weltkrieges und stellte sie unbeschönigt als sinnloses Massaker dar. Auch Hans Falladas (1893–1947) Romane, allen voran Kleiner Mann – was nun? (1932), beschäftigen sich mit der als deprimierend erlebten Alltagsrealität, wobei es gerade die mitfühlende Darstellung aus der Perspektive der unteren Schichten war, die für den seinerzeitigen Erfolg seiner Bücher sorgte.

Fortsetzung (6)
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