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STURM UND DRANG

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Von der Jahrhundert-
Wende bis 1933



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Wie sehr auch eine politische Wirkung versagt blieb: das soziale Engagement der Stürmer und Dränger, die in ihren Werken Gerechtigkeit und Freiheit für das Individuum und die Gesellschaft einklagten und die Unterdrückung, die Willkür und das Intrigantentum an den Höfen schonungslos denunzierten, dieses Engagement war echt. Hier standen die jungen Literaten in einer Linie mit mit dem bürgerlichen Trauerspiel Lessings, dessen Emilia Galotti unumstritten war.

Daß der Sturm und Drang zugleich eine Rebellion gegen die Aufklärung war, ist kein Widerspruch. Das in ihr angelegte bürgerlich-emanzipatorische Gedankengut mußte zu einer Hinterfragung der eigenen Positionen und zur Befreiung des Individuums aus der Erstarrung eines nur auf den Intellekt gestützten Rationalismus führen. Schon die Phase der Empfindsamkeit hatte, als säkularisierte Fortführung des deutschen Pietismus, das Private über das Öffentliche, das Subjektive über das Objektive und das Gefühl über den Verstand gestellt. Unter angelsächsischem Einfluß (Addison, Shaftesbury, Young) waren Intuition und Genialität zu zentralen Begriffen geworden. Klopstocks gefühlsbetonte Sprachkunstwerke bildeten hier den einen Höhepunkt, den anderen der emotionsgeladene Göttinger Hainbund, dessen Schreiben und Gebaren oft ins Tränenreich-Pathetische abglitt.

Von der Sprache her hatte bereits Johann Georg Hamann entscheidende Kritik am vernunftsregierten Weltbild seines Königsberger Landsmanns Kant artikuliert; seine Ansichten, besonders seine Definition der Poesie als »Muttersprache der Menschheit«, hatten vor allem auf Herder große Wirkung. Noch entscheidender aber waren die Schriften Rousseaus, dessen Zivilisationskritik vom Sturm und Drang aufgegriffen und dramatisch umgesetzt wurde: der unlösbare Konflikt zwischen Naturgenie und gesellschaftlichem Zwang ist das Thema dieser Bewegung.

Goethes erste große Erfolge sind deutlicher Ausdruck dieser Entwicklung: eröffnet sich im Werther die Tiefe des Gefühls als übermächtige Triebfeder und unauslotbarer Abgrund, begegnet uns im Götz von Berlichingen (1773) der große Kerl, der sich den politischen Zwängen widersetzt – ebenso wie das Stück selbst den ästhetischen.

Fortsetzung (4)
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