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4 Wilhelm Raabe hat mit seinen Figuren wohl die krassesten Außenseitergestalten des Realismus geschaffen (Der Hungerpastor, 1862, Abu Telfan oder die Heimkehr vom Mondgebirge, 1867, Horaker, 1876, Das Odfeld, 1889). Dabei fungiert häufig eine gesellschaftlich gut integrierte, biedere Figur als Erzähler (so in Die Chronik der Sperlingsgasse, 1857, Stopfkuchen, 1891 und Die Akten des Vogelsangs, 1893), während die Außenseiterfigur die eigentliche Hauptfigur ist. Theodor Storm ist allenfalls in seinem Frühwerk (u. a. Immensee, 1849) der Erzähler einer beschaulichen, harmonischen Welt. Mehr und mehr tritt in Storms späteren Werk ein düsterer Pessimismus hervor, der seine Helden tragisch scheitern läßt (Aquis submersus, 1875, Zur Chronik von Grieshuus, 1884, Der Schimmelreiter, 1888). Eine Ausnahmeposition nimmt auch Friedrich Hebbel ein, der einzige bedeutende Dramatiker dieser Epoche. Mag sein bürgerliches Trauerspiel Maria Magdalene (1844) in der Abbildung des kleinbürgerlichen Milieus durchaus 'realistische' Züge tragen, so sind seine vorwiegend historischen Dramen von der Außeinandersetzung mit dem deutschen Idealismus, vor allem mit Hegels Philosophie geprägt; in ihnen entsteht die Tragik aus dem Widerspruch zwischen dem Individuum mit seinem persönlichen Willen und den ihm entgegengesetzten Mächten der Gesellschaft und der Geschichte, die letztlich zur Vernichtung des einzelnen führen. So läßt sich für die heute noch als bedeutend geltenden Schriftsteller des Realismus (mit der erwähnten Ausnahme Kellers) konstatieren, daß ihre Welt ganz im Gegensatz zur Welt der frührealistischen Literatur des bürgerlichen Wirtschaftslebens meist eine grausame Welt ist, in der das Individuum mit seiner Hoffnung auf persönliches Glück an den Konventionen der Gesellschaft und den Intrigen seiner Mitmenschen scheitert. Florian Wolfrum »Die Deutschen Klassiker«, CD-ROM. X·Libris, München 1995. Zur Epoche Realismus. Seite 2 - 10
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