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REALISMUS

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Von der Jahrhundert-
Wende bis 1933



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Eine weitere wichtige literarische Strömung im Realismus ist das historische Erzählen. Zum einen ist darunter der sogenannte »Professorenroman« zu verstehen, zu dessen charakteristischen Vertretern Felix Dahn, Josef Victor von Scheffel (Der Trompeter von Säckingen, 1854) und Gustav Freytag (Die Ahnen, 1872–1880) zu zählen sind. Diese Romane sind stark mit historischem und kulturhistorischem Wissen unterfüttert und versuchen, eine Mischung aus Geschichtsschreibung und Roman zu bieten. Typischerweise werden große historische Umbrüche dargestellt, so etwa der Untergang Ostroms in Felix Dahns Ein Kampf um Rom (1876).

Diejenigen Autoren, die heute noch die höchste literarische Geltung beanspruchen können, also namentlich Theodor Fontane, Theodor Storm, Wilhelm Raabe und Conrad Ferdinand Meyer, lassen sich keiner der genannten Strömungen innerhalb des Realismus zurechnen. So schreibt Conrad Ferdiand Meyer zwar ausschließlich historische Erzählungen und Romane (u. a. Das Amulett, 1873, Jürg Jenatsch, 1874, Der Heilige, 1880, Die Versuchung des Pescara, 1887), doch ist sein Zugang zur Geschichte ein ganz anderer als der der Autoren des »Professorenromans«. Meyer geht es nicht um eine Ausbreitung historischen Wissens, sondern um die Darstellung der Verstrickung des Individuums in den politischen Verhältnissen seiner Zeit, in das ausschließlich am Machtgewinn orientierte Intrigenspiel. Dabei stehen für Meyer gerade die Figuren im Vordergrund, die aufgrund ihrer Weltfremdheit oder aber aufgrund ihres moralischen Ernstes nicht fähig oder gewillt sind, am Intrigenspiel mitzuwirken und die deshalb untergehen müssen.

Theodor Fontane, dessen Romanwerk (u. a. Schach von Wuthenow, 1883, Irrungen Wirrungen, 1888, Frau Jenny Treibel, 1892, Effi Briest, 1895) zum überwiegenden Teil durch den Begriff »Berliner Gesellschaftsroman« gekennzeichnet werden kann, stellt ebenfalls Figuren in den Vordergrund, die eine Ausnahmestellung in der dargestellten Gesellschaft innehaben, und zwar aufgrund ihrer Abweichung von den Normen der Gesellschaft. Der dominante Grundkonflikt bei Fontane resultiert aus dem Wunsch nach erotischer Selbstverwirklichung (zumeist bei der weiblichen Heldin) und der – auf die eine oder andere Weise – dadurch bewirkten Kränkung der Würde des jeweiligen (meist männlichen) Partners, die häufig zum Selbstmord führt.

Fortsetzung (4)
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