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6 Ebenso rabiat schrieb Heinrich Mann in seinen klassisch gewordenen Romanen Professor Unrat (1905) später mit Marlene Dietrich unter dem Titel Der blaue Engel verfilmt und Der Untertan (erschienen 1918) gegen Untertanengeist, Scheinmoral und Großmannssucht der Gründerjahre an. Durch die groteske Überzeichnung seiner Figuren gelang es ihm, die soziale Ungerechtigkeit und allgemeine ethische Aushöhlung vollständiger einzufangen und vor allem plastischer darzustellen als mit den Mitteln naturalistischer Aufzeichnung der Wirklichkeit. Der dritte in diesem geistigen Satiriker-Bund war Karl Kraus. Der Wiener Feuilletonist setzte sich in Essays und Aphorismen, die meist in der von ihm gegründeten und herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel erschienen, mit der literarischen, kulturellen, sozialen und politischen Realität provozierend und kompromißlos auseinander. In seinem Drama Die letzten Tage der Menschheit (1919) gestaltete er eine bitterböse Abrechnung mit der untergegangenen Donaumonarchie, indem er mittels einer Komposition aus Zitaten die wirklich Verantwortlichen am (nur in seiner letzten Konsequenz auch militärischen) Debakel entlarvte und sagte zugleich mit erschreckender Klarsicht die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs voraus. Kraus' freier Geist, seine durchdringende Skepsis und seine Montage-Technik werden von heutigen Kabarettisten wie Gerhart Polt und Dieter Hildebrandt nach wie vor zum Vorbild genommen. Axel SanJosé »Die Deutschen Klassiker«, CD-ROM. X·Libris, München 1995. Zur Epoche Jahrhundertwende. Seite 2 - 15
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