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5 Nach einer existenziellen und künstlerischen Krise wandte sich Hofmannsthal einerseits der Nachdichtung weltliterarischer Dramen zu (u. a. Elektra, 1904, König Ödipus, 1910, Jedermann, 1911) und entdeckte andererseits den Weg zum Lustspiel (Der Rosenkavalier, 1910, Die Frau ohne Schatten, 1919), in welchem er in heiter-gelassenem Grundton die Klangfülle seiner lyrischen Sprache weiterentwickelte. Der Komponist Richard Strauss erkannte in Hofmannsthal den idealen Partner für seine musikdramatischen Werke, zahlreiche Opern zeugen von der engen Zusammenarbeit der beiden geistesverwandten Künstler. Auch Arthur Schnitzler, der dem Kreis Junges Wien angehörte, hat mit seinen Stücken Liebelei (1895), Reigen (1896/97), Der grüne Kakadu (1899) ausgesprochenes Jugendstil-Theater geschrieben: frivol und zugleich melancholisch, kritisch und doch imprägniert von der Wiener Caféhaus-Atmosphäre der Sezession sind seine als Dialogfolgen aufgebauten dramatischen Werke schillernde, bei aller Zeitgebundenheit hochaktuelle literarische Dokumente der austro-ungarischen Dekadenzperiode, in denen vor allem die verlogene Sexualmoral den Ausgangspunkt für die entstehenden Konflikte darstellt. Frank Wedekind, der als Mitarbeiter der berühmten Zeitschrift Simplicissimus ebenfalls zu Festungshaft verurteilt wurde, schockierte das Publikum mit dem Pubertätsdrama Frühlings Erwachen (1891). Die freie Entfaltung der Sexualität im Widerspruch zu gesellschaftlichen Konventionen thematisierte er in seinem Lulu-Doppeldrama (Erdgeist, Die Büchse der Pandora, 1895/1904), das Alban Berg zu seine großen Oper veranlaßte; die Konzentration auf die Gewalt des Geschlechtstriebes und das Fehlen jeglichen moralisierenden Ansatzes sorgt noch heute bei manchem Literaturwissenschaftler für ablehnendes Unverständnis. Drei Autoren fallen völlig aus dem Rahmen dieser Epoche, und doch müssen sie wegen der Bedeutung, die sich aus der Kombination von schonungsloser Gesellschaftskritik und literarischer Könnerschaft ergibt, hier erwähnt werden. Ludwig Thoma geißelte auf Bayern konzentriert mit bissigem Humor und scharfer Beobachtungsgabe die Borniertheit seiner Mitmenschen und die Verlogenheit des Bürgertums (in Komödien wie Die Lokalbahn, 1902 und Moral, 1909, sowie den beliebten Lausbubengeschichten, 1905) und beschrieb im Roman Andreas Vöst (1905), einem bajuwarischen Michael Kohlhaas, die Ruinierung des eingesessenen Bauerntums durch das Vordringen des Kapitalismus. Schwer zu fassen sind Thomas spätere reaktionäre und antisemitische Ausfälle im Miesbacher Anzeiger.
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