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Zum Werk
Atta Troll
Ein Sommer-
nachtstraum
Deutschland
Ein Winter-
märchen


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Weit gefehlt aber, wollte man in Atta Troll, der ja den Aufstand probt, zur Revolution der unterdrückten Tiere gegen den Menschen aufruft und Einheit, Gleichheit, Freiheit postuliert (Caput VI) – die positive Gegenfigur zu den Biedermeierautoren sehen. Zu täppisch, unbeholfen, vergröbert und lächerlich erscheinen seine Reden, als daß ihre liberalen Inhalte noch ernst genommen werden könnten.

Seine Geschwätzigkeit wird den großen Idealen, die er im Maul führt, nicht gerecht und entwertet sie sogar. Die politischen Forderungen verkommen zu bloßen Zitaten, ja zu leeren Worthülsen.

Heine greift damit den damals herrschenden liberalen Zeitgeist an. Die Berufung auf die Ideale der Freiheit, Einheit und Gleichheit, die sich die Burschenschaften 1819 noch inbrünstig aufs Panier geschrieben hatten, wird durch solches Reden ohne Bezug auf die tatsächliche Situation zur Phrase und läßt sich, schlimmer noch, zur Legitimierung der bestehenden Verhältnisse mißbrauchen.

Zugleich richtet sich die Kritik Heines gegen die sogenannte Tendenzliteratur eines Herwegh oder Hoffmann von Fallersleben. Sie produzierten zwar Lyrik von 'richtiger' Gesinnung, die jedoch durch die Fixierung auf die politische Botschaft kaum noch ästhetischen Wert aufwies. »Die wahrhaft großen Dichter«, schrieb Heine, »haben immer die großen Interessen ihrer Zeit anders aufgefaßt als in gereimten Zeitungsartikeln«.

»Phantastisch zwecklos« ist Heines Lied somit, »zwecklos wie die Liebe, wie das Leben, wie der Schöpfer samt der Schöpfung!« (Caput III). Wobei 'zwecklos' hier nichts anderes meint als die Weigerung der Kunst, sich den Verwertungs- und Entwertungsmechanismen der Gesellschaft zu unterwerfen. Diese Thematik wurde gerade im 20. Jahrhundert immer wieder aufgegriffen – man denke etwa an Sartres Konzept der littérature engagée oder an Peter Weiß' Ästhetik des Widerstands – und hat bis heute an Aktualität nichts eingebüßt.

Dem Bären geht es zwangsläufig ans Fell. Und auf seinem Grabstein steht ironisch:

»Atta Troll, Tendenzbär; sittlich
Religiös; als Gatte brünstig;
Durch Verführtsein von dem Zeitgeist,
Waldursprünglich Sanskülotte;

Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung
Tragend in der zottgen Hochbrust;
Manchmal auch gestunken habend;
Kein Talent, doch ein Charakter!«
(Caput XXIV)

»Die Deutschen Klassiker«, CD-ROM. X·Libris, München 1995. Heinrich Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen – Atta Troll. Ein Sommernachtstraum. Zum Werk. Seite 2 - 6

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