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Zum Werk
 
Die Leiden des jungen Werthers
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Götz von Berlichingen
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Torquato
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Faust II
Lyrik in Auswahl


Lyrik in Auswahl

Die Universalität Goethes spiegelt sich, ebenso wie in seinem umfangreichen Gesamtwerk, im Formen- und Themenreichtum seiner Lyrik. Von den gefühlsbestimmten Gedichten seiner Sturm-und-Drang-Zeit bis zur philosophischen Gedankenlyrik des Alters, von volksliednahen Formen über freie Rhythmen bis hin zu klassischer Strenge spannt sich der Bogen des poetischen Ausdrucks seines an allen Erscheinungen des Lebens teilhabenden Geistes.

Als beispielhaft für ein neues Dichtungs-Konzept kann das 1771 entstandene »Willkommen und Abschied« gelten. Es geht hier um die unmittelbare Darstellung, nicht um die rhetorische Beschreibung von Emotionen, die nicht nur den Inhalt bestimmen, sondern auch in der syntaktischen und metrischen Struktur ihren Niederschlag finden. Die bedrohliche Atmosphäre der ersten beiden Strophen steht in einem Spannungsverhältnis zum 'Thema' des Gedichts, das eine Liebesbegegnung schildert, und weist auf den – dem erotischen Erleben immanenten – Kontrast von »Wonne« und »Schmerz«. Goethe macht die Vergänglichkeit zum Gegenstand: der Abschied (und damit ist auch die Vorahnung eines definitiven Abschieds gemeint) überschattet bereits das Geschehen, wahres Glück ist nur in der bedingungslosen Hingabe an den Augenblick erlebbar.

Das Unreflektierte (»es war getan fast eh’ gedacht«) als Bedingung glückhafter Erfahrung begegnet uns im idyllisch-naiven »Mailied« wieder; die Verbindung von Liebe und Tod dominiert hingegen im zum Volkslied gewordenen »Heidenröslein«.

Vielschichtiger gestaltet sich dieselbe Thematik in der Ballade »Der König in Thule«. Hinter der scheinbaren Einfachheit verbirgt sich eine komplexe Verschachtelung von Liebes-Symbolen: der Becher als zentrales Motiv läßt die Assoziation mit dem Abendmahls-Kelch als Zeichen des »neuen und ewigen« (Liebes-) Bundes ebenso zu wie mit dem heidnischen Dionysos-Kult; die Relation von Eros und Thanatos wird um die Dimension des Rauschhaften erweitert, die kulturell in der christlichen Nächstenliebe (Agape) und der bacchantischen Ekstase verankert ist. Thule, das mythische Ende der Welt, steht sinnbildhaft für die Erfahrung der 'Entgrenzung'.

Eine völlig andere Art der Grenzüberschreitung vollzieht sich in der Hymne »Prometheus« von 1774, die als das programmatische Gedicht der Sturm-und-Drang-Bewegung gelten darf. Goethe artikuliert hier die Auflehnungshaltung einer Intellektuellen-Generation gegen bestehende Normen und Werte: »Ich kenne nichts Ärmeres / Unter der Sonn als euch, Götter!«. Die »Götter« stehen für die Autoritäten einer feudal-absolutistisch und klerikal geprägten Gesellschaft, die sich der freien Entfaltung des Individuums repressiv entgegensetzten, ohne ihre Machtstellung legitimieren zu können:

Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät.

Fortsetzung (2)
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