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Die Leiden des jungen Werthers
Wilhelm Meisters Lehrjahre
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Götz von Berlichingen
Egmont
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Egmont

Trotz des historischen Stoffes ist Egmont – deutlicher noch als Götz von Berlichingen – weniger ein historisches als ein Charakterdrama. Zwar stehen sich auch hier die Staatsräson des Absolutismus und das Beharren der Stände auf ihren Privilegien gegenüber. Doch erscheint diese Opposition bereits dadurch zusätzlich kompliziert, daß dem 'moderneren' Staatssystem der rückständige Katholizismus, dem Althergebrachten der Niederländer dagegen der fortschrittliche Protestantismus zugeordnet wird. Zudem handelt es sich bei der spanischen Besetzung der Niederlande um eine Fremdherrschaft, die nur durch Gewalt durchzusetzen ist und deshalb die Instabilität schon in sich selbst trägt. Die geschichtliche Entwicklung hat gezeigt, daß zumindest die niederländischen Nordprovinzen schließlich ihre Unabhängkeit und Glaubensfreiheit gegenüber Spanien durchsetzen konnten. So steht Egmont auf Seiten der Zukunft, und der Konflikt erscheint historisch gesehen nicht so unlösbar-tragisch wie derjenige, an dem Götz zugrundegeht.

Egmont scheitert – wenn man seinen Tod überhaupt als Scheitern begreifen will – so auch nicht an einer vergeblichen Auflehnung gegen das historische Schicksal; vielmehr geht er an seinem eigenen Charakter zugrunde, der als Dreh- und Angelpunkt das Stück bestimmt.

Und dieser Charakter ist gerade durch seine sorglose Nicht-Auflehnung geprägt. Egmont glaubt sich im Einklang mit dem Schicksal und mißtraut der Fähigkeit des Menschen, allzu tief in den Lauf der Welt eingreifen zu können, eben weil er auch der Erkenntnisfähigkeit des Menschen mißtraut. Im Bild des Wagenlenkers kommt diese Welthaltung deutlich zum Ausdruck:

Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch; und uns bleibt nichts, als mutig gefaßt, die Zügel festzuhalten und bald rechts bald links, vom Steine hier vom Sturze da, die Räder wegzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam. (II. Akt, Egmonts Wohnung)

Ähnlich spricht er sich noch aus, als er bereits die Todesnachricht von Ferdinand erfahren hat:

Es glaubt der Mensch sein Leben zu leiten, sich selbst zu führen; und sein Innerstes wird unwiderstehlich nach seinem Schicksale gezogen. Laß uns darüber nicht sinnen; dieser Gedanken entschlag ich mich leicht [...]. (V, Gefängnis)

Diese geradezu trotzige Weigerung zu »sinnen« durchzieht leitmotivisch das ganze Werk. Egmont nimmt das Leben spielerisch, er lebt nur im Augenblick und will über Gründe und Folgen seiner Handlungen nicht lange nachdenken:

Fortsetzung (2)
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