|
|
|||||||||||||||
|
Der hessische Landbote 1834 kann als das 'revolutionäre Jahr' Georg Büchners angesehen werden. Hatte er sich schon während seiner Schulzeit und dann in Straßburg mit der politischen Situation intensiv auseinandergesetzt und eine republikanische Position vertreten, die sehr stark die soziale Ungerechtigkeit als eines der zentralen Probleme ansah, so hatte er sich bis dahin von jeglicher Aktion zurückgehalten. Durch seinen Freund August Becker lernte er zu Beginn des Jahres Ludwig Weidig kennen, Rektor in Butzbach, eine der führenden Persönlichkeiten der Opposition in Oberhessen. In der ersten Märzhälfte gründete Büchner in Gießen eine »Gesellschaft der Menschenrechte«; hier wurde wohl die Abfassung eines Flugblattes beschlossen, die Büchner übernahm. In Butzbach ließ er sich von Weidig die notwendigen statistischen Unterlagen geben und schrieb den Text in der zweiten Märzhälfte nieder. Das Manuskript gelangte dann in Abschrift zu Weidig, der aufgrund seiner Kontakte für den Druck sorgen sollte. Allerdings schienen Weidig eine Reihe von Eingriffen nötig, da er befürchtete, daß die sozialrevolutionäre Linie Büchners bestimmte Kreise innerhalb der Oppositionsbewegung abschrecken würde. So wurden nicht nur »die Reichen« durch »die Vornehmen« ersetzt, sondern auch ganze Passagen, die auf die ungerechte Verteilung des Eigentums u.ä. eingingen. Von Weidig stammt auch der Titel Der hessische Landbote. Büchner hatte keine Gelegenheit, sich mit den Änderungen auseinanderzusetzen; Anfang Juli wurde die Druckvorlage bei Weidig abgeholt und zum Buchdrucker Carl Preller in Offenbach gebracht, wo am 31. Juli die ca. 1000 gedruckten Exemplare von Karl Minnigerode, Jakob Friedrich Schütz und Karl Zeuner abgeholt wurden. Durch eine Denunziation wurde Minnigerode am nächsten Tag mit über hundert Flugblättern verhaftet; Büchner machte sich am selben Abend noch auf den Weg, um die Beteiligten in Butzbach und Offenbach zu warnen. Trotz dieser Widrigkeit wurden die meisten der restlichen Exemplare in den darauf folgenden Wochen in der Region verteilt. Der hessische Landbote fand offenbar eine gute Aufnahme, so daß sich Weidig zu einer zweiten Auflage entschloß, die mit weiteren Abänderungen, z. T. vom Liberaldemokraten Leopold Eichelberg im November erschien. Den Druck besorgte diesmal Ludwig August Rühle, Angestellter einer Marburger Druckerei, der die Werkstatt, ohne das Wissen seines Arbeitgebers, nach Feierabend für derartige Projekte nutzte. Nach Abholung durch Gustav von Stockhausen und August Becker wurden die 400 Exemplare der November-Fassung bis zum März 1835 verteilt. |
|||||||||||||||