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Büchner hatte schon als Schüler ein scharfes politisches Bewußtsein entwickelt, das ihn auch im täglichen Leben (er trug einen »Polen-Rock« und angeblich auch eine »Jakobiner-Mütze«) seine republikanische Haltung zeigen ließ. Er war nicht der einzige: viele seiner Schulkameraden teilten Büchners Gesinnung und waren – anders als er – Mitglieder konspirativer oder zumindest oppositioneller Kreise. Davon hielt sich Büchner zunächst fern; nicht etwa aus Halbherzigkeit, sondern aus der Überzeugung, daß die Situation für revolutionäre Handlungen nicht reif sei.

Im November 1831 verließ Büchner das politisch bedrückende Darmstadt, um an der Universität in Straßburg das Studium der Medizin aufzunehmen. Dort wurde er von Verwandten mütterlicherseits – die Reuß waren seit dem 17. Jahrhundert im Elsaß ansässig – bei Anmeldung, Immatrikulation und Wohnungssuche unterstützt; er kam bei Pfarrer Johann Jakob Jaeglé, einem entfernten Verwandten, unter, und lernte auf diese Weise dessen Tochter Wilhelmine (Minna) (1810–1880) kennen. Zwischen beiden entstand bald eine enge Beziehung, die zur – allerdings zunächst heimlichen – Verlobung führte.

Hier zeigt sich die kolossale Macht, die der Vater auf Büchner ausgeübt haben muß: so stark war diese Autorität verinnerlicht, daß der sonst freidenkende, ja durchaus revolutionär gesinnte, noch dazu nun im Ausland sich aufhaltende Student aus Angst vor der väterlichen Reaktion sich nicht traute, die ihm wohl am nächsten gehende menschliche Verbindung dem Elternhaus zu melden. In der Tat folgte zwei Jahre (!) später auf die offizielle Ankündigung dann auch ein heftiges Donnerwetter seitens Dr. Ernst Büchners. Wie sehr es ihm dabei nur um tyrannisches Kontrollieren ging, wird an der Tatsache deutlich, daß er nach Kennenlernen Wilhelmines nichts gegen die Verbindung einzuwenden hatte – aber das ,eigenmächtige' Handeln des Sohnes verbat er sich offensichtlich.

In Straßburg wurde Büchners Auseinandersetzung mit politischen und sozialen Fragen noch intensiver. Durch Lektüre und Diskussionen in seinem dortigen Freundeskreis, zu dem vor allem Eugène Boeckel, Wilhelm Baum, Alexis Muston, August und Adolph Stoeber sowie deren Vater Ehrenfried Stoeber, seinerzeit ein recht bekannter Literat und Publizist, gehörten, schärfte sich Büchners Blick für die Tatsache, daß die Wurzeln des Übels nicht nur in der Vorenthaltung bürgerlicher Rechte, sondern in erster Linie in der materiellen Unterdrückung des Volkes lagen. Er konnte dies besonders gut an den Folgen der französischen Juli-Revolution von 1830 beobachten, aus der sich zielstrebig eine Diktatur des Großbürgertums entwickelte. Besonders im Rahmen von Abenden der Studentenverbindung »Eugenia«, die Büchner als Dauergast besuchte, legte er seine politischen Ansichten dar, die sich als wesentlich radikaler als diejenigen seiner Freunde und Bekannten herausstellten. Aber auch zu den französischen Linksrepublikanern knüpfte Büchner Kontakte, lernte ihre Organisationsform kennen und befaßte sich mit den politischen Theorien der sogenannten utopischen Sozialisten Saint-Simon, Babeuf und Fourier.

Fortsetzung (4)
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