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Georg Büchner War Büchner ein typischer Intellektueller, linksorientiert (aber im Grunde weltfremd) und obendrein arrogant? Oder entsprach er eher dem pseudoromantischen Klischee des in Armut, Krankheit, Einsamkeit und seelischer Zerrüttung schaffenden Genies? Mancher Zeitgenosse sah in ihm tatsächlich den hochmütigen, vielleicht sogar zynischen Beobachter des Geschehens um sich herum, und Büchner war sich dessen durchaus bewußt: »Man nennt mich einen Spötter«, schrieb er im Februar 1834 an seine Familie, erklärte aber im selben Brief: »Ich verachte Niemanden.« Der Vorwurf des Hochmuts, »weil ich an ihren Vergnügungen oder Beschäftigungen keinen Geschmack finde«, erschien ihm ungerecht; über seine Neigung zum Spott erklärte er: Es ist wahr, ich lache oft, aber ich lache nicht darüber, wie Jemand ein Mensch, sondern nur darüber, daß er ein Mensch ist, wofür er ohnehin nichts kann, und lache dabei über mich selbst, der ich sein Schicksal teile. Also doch das einsame Genie in der Dachkammer? In Büchners Lebenslauf spricht einiges dagegen: In Goddelau, einem Dorf im damaligen Großherzogtum Hessen, wenige Kilometer südwestlich von Darmstadt, wurde Georg Büchner als ältester Sohn von Caroline Büchner, geb. Reuß, und Dr. Ernst Büchner damals Kreis-Chirurg des Amtes Dornberg am 17. Oktober 1813 geboren. Zu ermitteln, welche spezifischen Einflüsse das Elternhaus auf Büchners Denkweise und Persönlichkeit gehabt hat, muß spekulativ bleiben. Bemerkenswert allerdings ist, daß alle seine Geschwister eine deutliche, wenn auch unterschiedlich ausgeprägte ,demokratische Ader' zeigten, oder genauer: eine offensichtliche Abneigung gegen alles Repressive. Wilhelm, der mit seiner Farbenfabrik für Ultramarin zu großem Reichtum gelangte, war Landtags- und später auch Reichtagsabgeordneter für die liberal-demokratisch ausgerichtete »Fortschrittspartei«; Luise setzte sich mit mehreren Schriften (u.a. ihrem Buch Die Frauen und ihr Beruf, 1855) für die Rechte der Frauen ein; Ludwig Büchner verfaßte mit Kraft und Stoff (1855) eines der meistgelesenen philosophischen Werke seiner Zeit, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Er vertrat darin eine radikal materialistische Weltanschauung; darüberhinaus stand der praktizierende Arzt der sozialdemokratischen Bewegung nahe. Alexander schließlich, später Literaturprofessor in Frankreich, beteiligte sich an der 1848er Revolution und wurde sogar wegen radikal-demokratischer Ansichten vor Gericht gestellt. Nur die zweitälteste, Mathilde (geboren 1815), wurde keine Person der Öffentlichkeit. |
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