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BIEDERMEIER

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Wenn von Zerrissenheit die Rede war, so kann dieses Attribut wohl selten treffender verwendet werden als in bezug auf das Leben und Werk Christian Dietrich Grabbes. Aus seiner nihilistischen Perspektive war die Welt nichts als ein »mittelmäßiges Lustspiel«; entsprechend dieser Grundhaltung gestaltete er historische Dramen (Napoleon oder die hundert Tage, 1831, Hannibal, 1835) als groteske Bilderbücher, in denen das Scheitern alles Großen an der Übermacht des Gemeinen und Banalen zynisch dargestellt wird. Grabbes radikale Skepsis und Illusionslosigkeit rückt ihn in die Nähe moderner Dramatiker wie Valle-Inclán, Ionesco und Beckett. Als frühes Werk des absurden Theaters kann seine Komödie Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (1827) angesehen werden; eine erste Ahnung der Postmoderne vermittelt der gigantische Versuch, in Don Juan und Faust (1829) zwei Stoffe der Weltliteratur mit einer eigenwilligen Zitat-Technik zu einer aus dem Widerspruch generierten Synthese zusammenzuführen.

Axel Sanjosé

»Die Deutschen Klassiker«, CD-ROM. X·Libris, München 1995. Zur Epoche Biedermeier. Seite 2 - 13

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