Quellensammlung zusammengestellt von Ingo Broer, Matthias Gräff, Sonja Heite, Thomas Schindler (alle Siegen), unter Mitarbeit von Rudolf Hoppe (Passau) und Peter Trummer (Graz)
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Texte ohne Übersetzungshinweis wurden von Ingo Broer, Matthias Gräff und
Stefan Groß übersetzt.
Antike Texte
zur Umwelt des Neuen Testaments - Deutsch
I. Außerchristliche Texte über Johannes, den Täufer,
Jesus und die ersten Christen
1. Josephus über Jesus (Jüdische Altertümer XVIII
3,3 §63f.)
2. Josephus über Johannes, den Täufer (Jüdische
Altertümer XVIII 5,2 §116-119)
3. Josephus über die Hinrichtung des Herrenbruders Jakobus
(Jüdische Altertümer XX 9,1 §199f.)
4. Talmudische Zeugnisse über Jesus und die Jünger
a) Sanhedrin 43ab
b) Âboda Zara 16b
c) Âboda Zara 27b
5. Caecilius Natalis, der Sprecher des Heidentums im Dialog
"Octavius" des Minucius Felix, über die Christen (VIII 4f. -
IX 2)
6. Tacitus über Jesus und die neronische Christenverfolgung
(Annalen XV 44)
7. Sueton und Severus über juden- und christenfeindliche
Maßnahmen der Kaiser
a) Sueton. Leben der Cäsaren
b) Sulpicius Severus (Chron II 29)
c) Brief des syrischen Stoikers Mara bar Serapion an seinen
Sohn Serapion (73-132 n. Chr.)
8. Brief des Plinius über die Christen an Kaiser Trajan
und dessen Antwort (Briefe X 96f.)
a) Brief X 96: C. Plinius an Kaiser Trajan
b) Brief X 97: Trajan an Plinius
9. Eusebius über die Verfolgung der Christen
a) Kirchengeschichte III 18,4
b) Kirchengeschichte IV 8f.
10. Justin der Märtyrer über die Christenprozesse
(apol I 68)
11. Tertullian über die Verfolgung der Christen
a) apol 40
b) apol 7
12. Die Standhaftigkeit der Christen als Beweis der Unbescholtenheit
(Justin apol II 12)
13. Das Leben der ersten Christen
a) Der sonntägliche Gottesdienst (Justin, apol I 67)
b) Der Gottesdienst nach dem Empfang der Taufe und das Verständnis
der Eucharistie (Justin apol I 65f.)
c) Die Abendmahlfeier in der Didache (Did 9)
d) Die Taufe in der Didache (Did 7)
e) Die Gebetspraxis in der Didache (Did 8,2f.)
f) Ethische Weisungen (Did 1,3-2,7)
g) Ethische Weisungen (2 Clem 17)
14. Eusebius von Cäsarea über die Flucht der Christen
nach Pella (Kirchengeschichte III 5)
15. Justin über die Wunder der Irrlehrer (Dialog mit dem
Juden Tryphon VII 3)
16. Das Todesurteil des Cyprian von Carthago (Prokonsularische
Akten des Hl. Cyprian 4)
II. Texte zum religiösen, politischen und sozialen Umfeld
der neutestamentlichen Zeit
1. Das Achtzehngebet (Schemone Esre)
2. Die Entstehungslegende der Septuaginta im Aristeasbrief (Arist
9-11.41.46. 50.121. 301f.307-311)
3. Sabbattexte
a) Jubiläen 50,6-13
b) Qumran (CD X,14-XI,18)
4. Messiastexte
a) PsSal 17
b) PsSal 18
b) weitere Texte der Apokryphen (4 Esr 12,31-33; 13; TestLevi
18; TestJuda 24; sBar 29,3; 30,1; äHen 90,37; OrSib III 46-56. 282-289. 652-656)
c) Qumrantexte (CD XII,22-XIII,1; XIV,18f.; XIX,9-11; XX,1;
1 QS IX,9-11; 1 QSa II,11-22; 4 Qpatr zu Gen 49,10; 4 Qtest zu Dtn 18,18f.,
Num 24,15-17, Dtn 33,8-11; 4 Qflor zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1)
5. Josephus über die jüdischen Religionsparteien
a) Jüdische Altertümer XIII 5,9 §171-173
b) Jüdische Altertümer XIII 10,5f. §288.297f.
c) Jüdische Altertümer XVIII 1,2-6 §11-25
d) Jüdischer Krieg II 8,2-7.9-11.14 §119-122.124.127-133.135-140.145f.152-154.156.162-166
6. Philo, Über die Essener
Pro Judaeis defensio (Eus. praep. ev., VIII, 11,1-8)
7. Jüdischer Umgang mit Heiden
a) 3 Makkabäer 3,4
b) Jubiläen 22,16
c) Joseph und Aseneth 8,5-6
d) Demai II 3
e) bSanhedrin 23a
f) Joseph und Aseneth 7,1
8. Josephus über das Zeugenrecht (Jüdische Altertümer
IV 8,15 §219)
9. Juden und der Militärdienst (Jüdische Altertümer
XIV 10,11f. §223-227)
10. Josephus über Pilatus (Jüdischer Krieg II 9,2f.
§169-174)
11. Josephus über die sog. "Propheten"
a) Jüdische Altertümer XVIII 4,1 §85-87
b) Jüdische Altertümer XX 5,1 §97-99
c) Jüdische Altertümer XX 8,6 §169-172.
d) Jüdischer Krieg VI 5,3 §300-309
12. Philo von Alexandria über den "Logos" (QE
II,51.68; QG II,62; De somn. I,227-239)
13. Texte zur Religionsfreiheit der Juden
a) Josephus zum Edikt des Claudius (Jüdische Altertümer
XIX 5,2f. §279-291)
b) Jüdischer Krieg VI 6,2 §333-336
14. Warnungen vor dem Betreten des Tempels
a) Jüdische Altertümer XV 11,5 §417
b) Jüdischer Krieg V 5,2 §193f.
c) Jüdischer Krieg VI 7,4 §124-126
d) Philo, Gesandtschaft an Gaius 212
e)Tempelinschrift, welche Nichtjuden den Eintritt bei Todesstrafe
verbietet (gefunden 1870)
f) Theodotos-Inschrift
16. Beschreibung der Landschaften Galiläas bei Josephus
a) Jüdischer Krieg III 3,1-2 §35.41-43
b) Jüdischer Krieg III 3,3 §44f.
c) Jüdischer Krieg III 10,7f. §506-520
17. Strabo über Judäa und Moses (Erdbeschreibungen
XVI 34-36)
18. Ein Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner aus dem Jahre 41 n. Chr.
19. Ratgeber für junge Frauen (Stobaios 4.28.10)
III. Antike Parallelen zu den Wundergeschichten im Neuen Testament
1 Jüdische Wundergeschichten
1.1. Rabbi Hanina (1. Jahrhundert) heilt durch Gebete (Berachoth
V,v 34b)
1.2. Dämonenaustreibung des Eleazar (Jüdische Altertümer
VIII 2,5 §46-49)
1.3. Totenerweckung durch einen Rabbinenschüler (LvR
10 (111d))
1.4. Wunderbare Brotspende (Tânith III,i-ix 24b/25a)
1.5. Naturwunder des Rabbi 'Eli'ezer (Baba mezia 59b)
1.6. Regenwunder (Tânith III, viii)
1.7. Stillung eines Sturmes durch Rabbi Tanhuma (Berachot
IX, 1 (ed. Crotoschin 1866, 13b)
1.8. Lebensalter der Patriarchen (Jüdische Altertümer
I 3,9 §104-108)
1.9. Epiphaniegeschichte (Jüdische Altertümer III
5,2 §79-82)
1.10. Ein Sturmstillungswunder Test Naphthali (Test XII Patr)
6
2 Hellenistische Wundergeschichten
2.1 Heilungsberichte aus Epidauros
2.2 Die Heilung des Winzers Midas (Lukian, Der Lügenfreund
11)
2.3 Vespasian heilt in Alexandria
2.4 Dämonenaustreibung des Apollonios von Tyana (Philostrat,
Das Leben des Apollonius von Tyana IV 20)
2.5 Ein Dämonenaustreiber aus Palästina (Lukian,
Der Lügenfreund 16)
2.6 Apollonios entlarvt und tötet den Pestdämon
von Ephesus (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana IV 10)
2.7 Eine Dämonenaustreibung des Apollonios (Philostrat,
Das Leben des Apollonius von Tyana III 38)
2.8 Apollonios erweckt ein Mädchen vom Tode (Philostrat,
Das Leben des Apollonius von Tyana IV 45)
2.9 Auferstehung und Erscheinung (Herodot, Historien IV 14)
2.10 Verschiedene Berichte über Weinwunder des Gottes
Dionysos
2.11 Ein Regenwunder (Herodot, Historien I 87)
2.12 Plutarch über die Wunder oder Wunderkritik der
Antike (Marcius Coriolanus 38)
2.13 Wunder - damals und heute (Augustinus, Vom Gottesstaat
XXII 8)
2.14 Die Geburt des Apollonios (Philostrat, Das Leben des
Apollonius von Tyana 15)
2.15 Befreiungswunder (Euripides, Bakchen 443-450)
2.16 Griechische Zauberpapyri (Papyri Graecae Magicae)
IV. Antike Texte über Mysterienkulte
1. Kybele und Attis: Prudentius über das Taurobolium (Peristephanon
X 1011-1048)
2. Mithraskult
a) Tertullian über die Weihe des Mysten zum miles Mithrae
(Über den Kranz des Soldaten 15)
b) Tertullian über den Mithraskult als teuflische Nachahmung
der christlichen Mysterien (Über die Prozeßeinreden gegen sämtliche
Häresien 40)
V. Christliche Texte über die Entstehung der Evangelien
1. Eusebius von Cäsarea über die Entstehung der vier
Evangelien
a) Über die Abfassung des Matthäus- und des Johannesevangeliums
(Kirchengeschichte III 24,6f.11f.)
b) Über die Abfassung des Markus- und des Matthäusevangeliums
(Kirchengeschichte III 39,15f.)
c) Über die Entstehung der Evangelien (Kirchengeschichte
VI 14,5-7)
2. Johannes Chrysostomus über Unterschiede und Gemeinsamkeiten
der vier Evangelien (Matthäus-Kommentar I 2f.)
3. Irenäus von Lyon über die Entstehung der Evangelien
a) Über die vier Evangelisten und die Wahrheit ihrer
Evangelien (Gegen die Häresien III 1,1f)
b) Über den Evangelisten Johannes (Gegen die Häresien
III 11,7)
c) Über den Evangelisten Lukas (Gegen die Häresien
III 14,1)
4. Canon Muratorii
5. Salvians 9. Brief
6. Pseudepigraphische Erzählungen des Papias (Eusebius,
Kirchengeschichte III 39,11-13)
VI. Außerneutestamentliche Parallelen zu neutestamentlichen
Texten
1. Das Petrusevangelium
2. Die Familie Jesu (Eusebius, Kirchengeschichte III 20,1)
3. Papias über Judas Iskariot (Fragmente III 2f)
4. Über den Tod der Apostel Petrus und Paulus (1 Clem 5)
5. Josephus über die Schätzung des Quirinius
a) Jüdischer Krieg II 8,1 §117f.
b) Jüdischer Krieg VII 8,1 §253
c) Jüdische Altertümer XVII 13,5 §355 - XVIII
1,1 §6
6. Zum Kreuzestitulus Jesu in Mt 27,37 (Sueton, De Vita Caesarum, Caligula 32)
Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen
Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten
und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er
viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn
Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte,
wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen
am dritten Tag wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere
wunderbare Dinge von ihm vorherverkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen
Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 515f.
Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des
Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Johannes'
des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den letzteren nämlich hatte
Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt,
nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit
gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen.
Dann werde, verkündigte er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie dieselbe nur
zur Heiligung des Leibes, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten;
die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben
entsündigt. Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine
gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen
des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum
Aufruhr treiben, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu
räumen, als beim Eintritt einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und
dann, wenn es zu spät sein, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin
ließ also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus
bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten. Sein Tod aber war, wie
gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb des Herodes Heer
aufgerieben worden war, da Gott in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen
verhängt habe.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899),525f.
Der jüngere Ananus jedoch, dessen Ernennung zum Hohepriester ich soeben
erwähnt habe, war von heftiger und verwegener Gemütsart und gehörte zur Sekte
der Sadduzäer, die, wie schon früher bemerkt, im Gerichte härter und
liebloser sind als alle anderen Juden. Zur Befriedigung dieser seiner
Hartherzigkeit glaubte Ananus auch jetzt, da Festus gestorben, Albinus aber noch
nicht angekommen war, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben. Er
versammelte daher den hohen Rat zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder
des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige
andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen
ließ.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 666f.
Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jeschu. Vierzig Tage zuvor hatte der
Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei
getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner
Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner
Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.
Die Rabbanan lehrten: Fünf Jünger hatte Jeschu: Mathaj, Naqaj, Neçer, Buni
und Thoda.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin
/ Wien 1925, 181
Âqiba, du hast mich erinnert; einst ging ich auf dem oberen Markt von
Sepphoris und traf da einen von den Schülern Jesu des Nazareners, namens
Jâqob, aus dem Dorf Sekhanja; da sprach er zu mir: Es heißt in eurer
Gesetzeslehre: Du sollst nicht Hurenlohn bringen &c. [Dtn 23,19], darf man
aus diesem einen Abort für den Hochpriester errichten? Ich erwiderte ihm
nichts. Da sprach er zu mir: So lehrte mich Jesu der Nazarener: Denn von
Hurenlohn ist es zusammengebracht und zu Hurenlohn soll es wieder werden [Mi
1,7]; von Unrat kam es und zu Unrat soll es wieder zurückkehren.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin
/ Wien 1925, 851
Einst wurde Ben-Dama, ein Schwestersohn R. Jischmâéls, von einer Schlange
gebissen, und Jâqob, aus dem Dorf Sekhanja kam, um ihn zu heilen, da ließ es
R. Jischmâél nicht zu.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin
/ Wien 1925, 889
Es sind das Leute, welche aus der untersten Hefe des Volkes
unwissende und leichtgläubige Weiber, die ja schon wegen der Schwäche ihres
Geschlechts leicht zu gewinnen sind, sammeln und eine ruchlose Verschwörerbande
bilden. Sie verbrüdert sich in nächtlichen Zusammenkünften und bei
feierlichem Fasten und unmenschlichen Gelagen nicht etwa durch eine heilige
Zeremonie, sondern durch ein unsühnbares Verbrechen, ein duckmäuseriges und
lichtscheues Volk, stumm in der Öffentlichkeit, nur in den Winkeln gesprächig.
Die Tempel verachten sie als Grabmäler, die Götter verfehmen sie, über die
Opfer lachen sie. Sie bemitleiden, selbst bemitleidenswert, wenn man so sagen
darf, die Priester, verschmähen Ehrenstellen und Purpurkleider, obwohl sie
selbst fast nicht fähig sind, ihre Blöße zu decken. 5 Welch
merkwürdige Torheit und unglaubliche Keckheit! Sie machen sich nichts aus
gegenwärtigen Martern, während sie ungewisse in der Zukunft fürchten. Sie
sterben auf Erden ohne Furcht, fürchten aber einen Tod nach dem Tode. So
täuscht sie eine Hoffnung hinweg über die Angst und beschwichtigt sie durch
den Trostblick auf ein neues Leben...
IX 2 Sie erkennen sich an geheimen Merkmalen und Zeichen und
lieben sich gegenseitig fast, bevor sie sich kennen. Allenthalben üben sie auch
unter sich sozusagen eine Art von Sinnlichkeitskult; unterschiedslos nennen sie
sich Brüder und Schwestern: so wird sogar die gewöhnliche Unzucht durch diesen
heiligen Namen zur Blutschande. So prahlt ihr gehalt- und sinnloser Aberglaube
noch mit Schandtaten.
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 2, Minucius
Felix, Octavius.
Übersetzt von Alfons Müller (= BKV 14). München 1913, 147f.
(Tacitus berichtet über den Brand Roms:) Doch weder durch menschliche
Hilfe, weder durch kaiserliche Spendungen, noch durch Sühnungen der Götter
ließ sich der Schimpf bannen, daß man glaubte, es sei die Feuersbrunst geboten
worden. Um daher dies Gerede zu vernichten, gab Nero denen, die, durch
Schandtaten verhaßt, das Volk Christen nannte, die Schuld und belegte sie mit
den ausgesuchtesten Strafen. Der, von welchem dieser Name ausgegangen, Christus,
war, als Tiberius regierte, vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden,
und der für den Augenblick unterdrückte verderbliche Aberglaube brach nicht
nur in Judäa, dem Vaterlande dieses Unwesens, sondern auch in Rom, wo von allen
Seiten alle nur denkbaren Greuel und Abscheulichkeiten zusammenfließen und
Anhang finden, wieder aus.
Quelle: Cornelius Tacitus, Werke: Annalen, 2. Bd. (= Deutsche Hand- und
Hausbibliothek 123). Mit einer Einleitung und nach der Übersetzung von Wilhelm
Bötticher. Stuttgart 1873, 156
Tiberius 36
Er unterdrückte fremde Kulte, die ägyptischen und die jüdischen Riten ... Er verteilte die jungen Leute der Juden scheinbar wegen des Kriegsdienstes in die Provinzen mit strenger Witterung, er vertrieb die Übrigen dieses Volkes oder ähnliche Parteien aus der Stadt, unter ewiger Strafe der Sklaverei, falls sie nicht gehorchten.
Claudius 25,4
Er vertrieb die Juden aus Rom, die unter ihrem Anführer Chrestus
ununterbrochen Unruhe stifteten.
vgl. Apg 18,2.
Nero 16,2
Vieles unter ihm wurde einerseits streng beachtet und bestraft, andererseits wurde auch Neues eingeführt: ... die Christen, ein Geschlecht von Menschen mit einem neuen und gottlosen Aberglauben, wurden durch die Todesstrafe heimgesucht.
Von da an begann Nero gegen die Christen zu wüten; in der Folgezeit wurden Gesetze erlassen, durch die verboten wurde, Christ zu sein.
Was hatten die Athener davon, daß sie Sokrates töteten? Hungersnot
und Pest kamen als Strafe über sie! Was hatten die Bewohner der Insel Samos
davon, daß sie den Pythagoras verbrannten? Ihr Land wurde in einem Augenblick
vom Sand bedeckt. Was hatten die Juden davon, daß sie ihren weisen König hingerichtet
haben? Von jener Zeit an wurde ihnen das Reich weggenommen. Denn Gott verschaffte
diesen drei Weisen gerechte Rache: Die Athener starben vor Hunger, die Samier
wurden vom Meer überwältigt, die Juden wurden umgebracht, aus ihrem Reich vertrieben
und leben nun in der Zerstreuung.
Sokrates ist nicht tot, er lebt weiter durch Platon. Pythagoras ist nicht
tot, er lebt in der Herastatue weiter. Der weise König ist nicht tot. Er lebt
in den neuen Gesetzen, die er gegeben hat, weiter.
Es ist mir wichtig, Herr, alles, worüber ich im Zweifel bin, dir
vorzutragen. Denn wer kann besser mein Zaudern lenken oder meine Unkenntnis
belehren?
An Gerichtsverhandlungen gegen Christen habe ich niemals teilgenommen; daher
weiß ich nicht, was und wieweit man zu strafen oder nachzuforschen pflegt. Ich
war auch ganz unschlüssig, ob das Lebensalter einen Unterschied macht, oder ob
die ganz Jungen genauso behandelt werden wie die Erwachsenen; ob bei Reue
Verzeihung gewährt werden soll oder ob es dem, der einmal Christ gewesen ist,
nichts nützt, wenn er davon abgelassen hat; ob schon der blosse Name, auch wenn
kein Verbrechen vorliegt, oder nur mit dem Namen verbundene Verbrechen bestraft
werden.
Einstweilen bin ich mit denen, die bei mir als Christen angezeigt wurden,
folgendermaßen verfahren: ich habe sie gefragt, ob sie Christen seien. Die
Geständigen habe ich unter Androhung der Todesstrafe ein zweites und drittes
Mal gefragt. Die dabei blieben, ließ ich abführen. Denn ich war der
Überzeugung, was auch immer es sei, was sie damit eingestanden, daß auf alle
Fälle ihr Eigensinn und ihre unbeugsame Halsstarrigkeit bestraft werden müsse.
Es gab auch noch andere mit ähnlichem Wahn, die ich, weil sie römische Bürger
waren, zur Überstellung nach Rom vorgemerkt habe.Während der Verhandlung breitete sich gewöhnlich die Anschuldigung weiter
aus und es ergaben sich mehrere verschieden gelagerte Fälle.
Es wurde eine Schrift ohne Verfasserangabe vorgelegt, die viele Namen
enthielt. Diejenigen, die bestritten, Christen zu sein oder gewesen zu sein,
glaubte ich freilassen zu müssen, da sie mit einer von mir vorgesprochenen
Formel die Götter anriefen und vor Deinem Bild, das ich zu diesem Zwecke
zusammen mit den Bildern der Götter herbeibringen ließ, mit Weihrauch und Wein
opferten und außerdem Christus schmähten, Dinge, zu denen wirkliche Christen,
wie man sagt, nicht gezwungen werden können.
Andere, von den Denunzianten Genannte erklärten zunächst, Christen zu sein,
leugneten es aber bald wieder: sie seien zwar Christen gewesen, hätten dann
aber davon abgelassen, manche vor drei Jahren, manche vor noch mehr Jahren,
einige sogar vor zwanzig Jahren. Auch diese haben alle Dein Bild und die Statuen
der Götter verehrt und Christus geflucht. Sie versicherten darüber hinaus,
ihre ganze Schuld oder ihr ganzer Irrtum habe darin bestanden, daß sie sich
gewöhnlich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang versammelten, Christus
wie einem Gott einen Wechselgesang darbrachten und sich durch Eid nicht etwa zu
irgendeinem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen Diebstahl, Raubüberfall
oder Ehebruch zu begehen, ein Versprechen nicht zu brechen, eine angemahnte
Schuld nicht abzuleugnen. Danach seien sie gewöhnlich auseinander gegangen und
dann wieder zusammengekommen, um Speise zu sich zu nehmen und zwar ganz
gewöhnliche und unschädliche; selbst das hätten sie nach meinem Erlaß, mit
dem ich deinen Aufträgen entsprechend Vereine verboten hatte, unterlassen. Für
um so notwendiger hielt ich es, aus zwei Mägden, die Dienerinnen genannt
werden, unter der Folter herauszubekommen, was wahr sei. Ich fand nichts anderes
als einen wüsten, maßlosen Aberglauben. Deswegen ist die Untersuchung
aufgeschoben worden und ich habe mich beeilt, Deinen Rat einzuholen. Die
Angelegenheit schien mir nämlich einer Beratung zu bedürfen, insbesondere
wegen der Anzahl der gefährdeten Personen. Denn viele jeden Alters, jeden
Ranges, auch beiderlei Geschlechts sind jetzt und in der Zukunft gefährdet.
Nicht nur über die Städte, sondern auch über die Dörfer und das flache Land
hat sich die Seuche dieses Aberglaubens ausgebreitet. Es scheint aber, daß sie
aufgehalten und in die richtige Richtung gelenkt werden kann. Ziemlich sicher
steht fest, daß die fast schon verödeten Tempel wieder besucht und die lange
eingestellten feierlichen Opfer wieder aufgenommen werden, und daß das
Opferfleisch, für das kaum noch ein Käufer gefunden wurde, überall wieder zum
Verkauf angeboten wird. Daraus kann man leicht erkennen, welche Menge Menschen
gebessert werden kann, wenn man Gelegenheit zur Reue gibt.
Du hast, mein Secundus, bei der Untersuchung der Fälle derer, die bei dir
als Christen angezeigt wurden, die Verfahrensweise befolgt, die notwendig war.
Denn etwas allgemein gültiges, das gleichsam einen festen Rahmen bietet, kann
nicht festgelegt werden. Nach ihnen fahnden soll man nicht. Wenn sie angezeigt
und überführt werden, müssen sie bestraft werden, jedoch so, daß, wer
leugnet, Christ zu sein, und dies durch eine entsprechende Handlung beweist,
nämlich durch die Anrufung unserer Götter, wegen seiner Reue Verzeihung
erhält, selbst wenn er für die Vergangenheit verdächtig bleibt.
Anonym vorgelegte Klageschriften dürfen bei keiner Straftat Platz haben,
denn das wäre ein schlechtes Beispiel und paßt nicht zu unserer Zeit.
Zur erwähnten Zeit strahlte unsere Glaubenslehre bereits solchen Glanz aus,
daß selbst Schriftsteller, welche unserer Lehre fernstanden, ohne Bedenken in
ihren Geschichtswerken über die Verfolgung und ihre Martyrien berichteten. Sie
haben auch die Zeit der Verfolgung genau bestimmt, sofern sie erzählen, daß im
15. Jahre des Domitian neben vielen anderen Flavia Domitilla, eine Tochter der
Schwester des Flavius Klemens, des damaligen römischen Konsuls, wegen ihres
christlichen Glaubens auf die Insel Pontia verbannt worden sei.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 123
Justin erzählt auch, Hadrian habe von Serenius Granianus, einem ganz
vorzüglichen Beamten, ein Schreiben zugunsten der Christen erhalten des
Inhaltes, es sei nicht gerecht, die Christen ohne Anklage und ohne gerichtliche
Untersuchung auf das Geschrei des Pöbels hin zu töten. Daraufhin habe Hadrian
dem Minucius Fundanus, dem Prokonsul Asiens, in einem Antwortschreiben den
Befehl gegeben, niemanden zu verurteilen, wenn nicht eine Anklage vorliege und
der Prozeß nicht gewissenhaft geführt sei. Justin gibt eine Abschrift des
Briefes unter Beibehaltung der lateinischen Sprache, in der er geschrieben war.
Er schickt ihm folgende Einleitung voraus: "Schon unter Berufung auf einen
Brief des größten, erlauchtesten Kaisers Hadrian, eures Vaters, hätten wir
das Recht, von euch die Weisung zu verlangen, daß die richterlichen Urteile in
der von uns erbetenen Form gefällt werden. Doch haben wir darum nicht so sehr
deshalb gebeten, weil Hadrian dies befohlen hatte, als vielmehr aus dem
Bewußtsein, mit unserer Ansprache Gerechtes zu fordern. Damit ihr erkennet,
daß wir hierin die Wahrheit reden, fügen wir auch noch die Abschrift des
Briefes Hadrians bei. Er lautet wie folgt." Der erwähnte Schriftsteller
läßt nun das Reskript in lateinischer Sprache folgen. Wir aber haben es so gut
wie möglich ins Griechische übersetzt. Es lautet:
9. "An Minucius Fundanus. Von dem trefflichen Serenius
Granianus, deinem Vorgänger, habe ich ein an mich gerichtetes Schreiben
erhalten. Es scheint mir nun nicht gut zu sein, die Sache ohne Untersuchung
hingehen zu lassen; denn die Leute sollen nicht beunruhigt werden, und die
Angeber sollen keine Gelegenheit haben, ihrer Bosheit freien Lauf zu lassen.
Wenn sich nun die Provinzialen für ihre Forderung gegen die Christen auf klare
Gründe stützen, so daß sie sich auch vor dem Richterstuhle verantworten
können, dann sollen sie nur diesen Weg gehen. Nicht aber sollen sie sich aufs
Fordern und nur aufs Schreien verlegen. Denn es ist viel besser, daß du, im
Falle jemand eine Anklage erheben will, die Sache untersuchen läßt. Wenn also
jemand als Kläger auftritt und nachweist, daß sie in irgendwelcher Weise gegen
die Gesetze handeln, dann fälle dein Urteil entsprechend dem Vergehen! Wer aber
in verleumderischer Absicht Klage stellt, den fürwahr ziehe wegen seiner
Frechheit zur Verantwortung und für dessen Bestrafung trage Sorge!" Dies
ist der Wortlaut von Hadrians Reskript.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 166f.
Wenn euch nun dieses Sinn und Wahrheit zu haben scheint, so achtet es;
erscheint es euch aber als eitles Gerede, so verachtet es als törichtes Zeug,
verhängt aber nicht über Leute, die kein Unrecht begehen, wie über Feinde den
Tod. Denn wir sagen es euch voraus, daß ihr dem kommenden Gerichte Gottes nicht
entgehen werdet, wenn ihr in der Ungerechtigkeit verharret, und wir werden dazu
rufen: "Was Gott will, das geschehe!"
Obwohl wir nach dem Schreiben des großen, erlauchten Kaisers Hadrian, eures
Vaters, fordern könnten, daß ihr die gerichtlichen Untersuchungen unserem
Gesuche entsprechend abhalten laßt, so wollten wir doch nicht unsere Bitte auf
diese Entscheidung Hadrians gründen, sondern haben vorstehende Ansprache und
Darlegung verfaßt in dem Bewußtsein, daß wir Gerechtes verlangen. Jedoch
setzen wir hierunter eine Abschrift vom Schreiben Hadrians, damit ihr erkennet,
daß wir auch diesem gemäß die Wahrheit sagen. Die Abschrift lautet:
(Brief Hadrians über die Christen)
"An Minucius Fundanus.
Ich habe ein Schreiben empfangen, das von deinem Vorgänger, dem
hochansehnlichen Serenius Granianus, an mich gerichtet wurde. Es scheint mir nun
nicht angebracht, die Sache ohne Untersuchung hingehen zu lassen, damit die
Leute nicht in Unruhe versetzt werden und die Angeber Gelegenheit zur Schelmerei
erlangen. Wenn also die Provinzialen für ihr Verlangen gegen die Christen
sich auf klare
Gründe stützen in der Weise, daß sie auch vor dem Richterstuhle Rede und
Antwort stehen können, so mögen sie diesen Weg beschreiten, aber nicht einzig
auf Bitten oder Schreien sich verlegen. Denn es ist bei weitem angemessener,
daß du, wenn jemand eine Anklage erheben will, hierüber eine genaue
Untersuchung anstellst. Wenn also jemand als Ankläger auftritt und nachweist,
daß sie irgendwie gesetzwidrig handeln, dann fälle dein Urteil nach der
Größe des Vergehens; wenn er es aber in verleumderischer Absicht vorbringen
sollte, wahrlich, eine solche Schändlichkeit bring gehörig in Anschlag und
sorge für ihre Bestrafung."
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden
Apologien Justins des Märtyrers. Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12).
Kempten/München 1913, 137f.
Wenn der Tiber bis in die Stadtmauern steigt, wenn der Nil nicht bis über
die Feldfluren steigt, wenn die Witterung nicht umschlagen will, wenn die Erde
bebt, wenn es eine Hungersnot, wenn es eine Seuche gibt, sogleich wird das
Geschrei gehört: "Die Christen vor den Löwen!" So viele vor einen?!
Ich bitte euch, wie viele Kalamitäten haben nicht schon vor Tiberius, d. h.
vor
der Ankunft Christi, den Erdkreis und die Stadt betroffen? Wir lesen, daß
die Inseln Hiera, Anaphe, Delos, Rhodus und Cos mit vielen tausend Menschen
zugrunde gegangen sind. Auch berichtet Plato, daß ein Land größer als Asien
oder Afrika vom Atlantischen Meere verschlungen sei. Ein Erdbeben hat das
korinthische Meer entleert, und die Macht der Wogen Lucanien abgerissen und
unter dem Namen Sizilien abgesondert. Das alles konnte natürlich nicht ohne
großen Schaden für die Bewohner geschehen. Wo waren damals, als die große
Flut den ganzen Erdkreis, oder doch, wie Plato meint, das niedere Land
vertilgte, ich will nicht fragen, die Verächter eurer Götter, die
Christen, sondern sie selber, eure Götter? Denn daß sie einer späteren Zeit
angehören als die Not der großen Flut, das beweisen eben die Städte, in
welchen sie geboren sind und gelebt haben, sowie auch diejenigen, die von ihnen
gegründet wurden. Denn nur dann, wenn sie nach jener Kalamität entstanden
sind, konnten sie bis zum heutigen Tage bestehen.
Noch hatte Palästina den aus Ägypten ausziehenden Schwarm der Juden nicht
aufgenommen, noch hatte sich dort nicht jenes Volk, aus dem die christliche
Genossenschaft entsprungen ist, niedergelassen, als schon daran anstoßende
Gegenden, Sodoma und Gomorrha, durch einen Feuerregen versengt wurden. Die Erde
riecht jetzt noch brennerig, und wenn dort etwa Baumfrüchte zu wachsen
versuchen, so sind sie nur zum Ansehen, angerührt aber zerfallen sie zu Asche.
Auch Etrurien und Kampanien hatten sich noch nicht über das Vorhandensein von
Christen zu beklagen zu der Zeit, als Vulsinii vom Himmel und Pompeji von seinem
Berge mit Feuer überschüttet wurde. Niemand betete noch zu Rom den wahren Gott
an zur Zeit, als Hannibal bei Kannä die römischen Ringe infolge des von ihm
angerichteten Gemetzels mit dem Scheffel maß. Zur Zeit, als die Senonen das
Kapitol selbst eingenommen hatten, wurden ausschließlich eure sämtlichen Götter von allen
verehrt.
Gut ist es nur, daß, so oft irgendeiner Stadt ein widriges Geschick
zugestoßen ist, auch die Tempel von demselben Unheil wie die Stadtmauern
getroffen wurden, so daß ich auch noch das hinzubeweise, daß diese Geschicke
nicht von jenen herrühren können, die selbst von ihnen in gleicher Weise
betroffen wurden.
Quelle: Tertullian: Apologetische, Dogmatische
und Montanistische Schriften. Übersetzt von Heinrich Kellner (BKV 24) Kempten/München
1915,
493f.
Wir werden große Verbrecher genannt wegen des im Kindermord bestehenden
Geheimkultus und des davon bereiteten Mahles und der auf das Mahl folgenden
Blutschande, zu der die Hunde, die das Licht umstürzen, als Kuppler der
Finsternis zur Beschwichtigung der Scheu über die ruchlose Lust uns die
Gelegenheit bereiten. Man sagt uns das in einem fort nach, und doch sorgt ihr
nicht dafür, gerichtlich das zu ermitteln, was man uns schon so lange nachsagt.
Folglich ermittelt es entweder, wenn ihr es glaubt, oder glaubt es nicht, wenn
ihr es nicht ermittelt! Eure eigene Nachlässigkeit erhebt gegen euch die
Prozeßeinrede, daß gar nicht existiere, was ihr nicht zu ermitteln wagt. Ihr
stellt dem Folterknecht eine ganz andere Aufgabe bei den Christen: sie sollen
nicht sagen, was sie tun, sondern verleugnen, was sie sind.
Quelle: Tertullian: Apologetische, dogmatische
und montanistische Schriften. Übersetzt von Heinrich Kellner (BKV 24) Kempten/München
1915, 403f.
Denn auch ich selbst kam, als ich noch in Platons Lehren meine Befriedigung
fand und von den verleumdeten Christen hörte, beim Anblick ihrer
Furchtlosigkeit vor dem Tode und vor allem anderen, was für entsetzlich gilt,
zu der Einsicht, daß sie unmöglich in Lasterhaftigkeit und Sinnenlust
befangen sein könnten. Denn welcher Lüstling oder Schlemmer, der gar
Menschenfleisch für einen Leckerbissen hält, könnte wohl den Tod willkommen
heißen, um so seiner Genüsse verlustig zu gehen? Würde er nicht, statt sich
selbst zur Hinrichtung zu melden, vielmehr um jeden Preis sein Leben hier auf
immer fortzuführen und vor der Obrigkeit verborgen zu bleiben suchen?
Quelle: Frühchristliche Apologeten
und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers.
Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/ München 1913, 152
Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn wir
können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem
aber, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch
seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man
Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem
Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften
der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so
gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur
Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden
Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde (c. 65), wenn wir mit dem Gebete zu
Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht
Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das
Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil
von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht.
Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er
will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem Vorsteher hinterlegt;
dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder
aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die
in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein
Fürsorger. Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil
er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des
Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tag
von den Toten auferstanden ist. Denn am Tage vor dem Saturnustage, kreuzigte man
ihn und am Tage nach dem Saturnustage, d. h. am Sonntage, erschien er seinen
Aposteln und Jüngern und lehrte sie das, was wir zur Erwägung auch euch
vorgelegt haben.
Quelle: Frühchristliche Apologeten
und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers.
Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 135-137
Wir aber führen nach diesem Bade (c. 61) den, der gläubig geworden und uns
beigetreten ist, zu denen, die wir Brüder nennen, dorthin, wo sie versammelt
sind, um gemeinschaftlich für uns, für den, der erleuchtet worden ist, und
für alle anderen auf der ganzen Welt inbrünstig zu beten, damit wir, nachdem
wir die Wahrheit erkannt haben, gewürdigt werden, auch in Werken als tüchtige
Mitglieder der Gemeinde und als Beobachter der Gebote erfunden zu werden, und so
die ewige Seligkeit zu erlangen. Haben wir das Gebet beendigt, so begrüßen wir
einander mit dem Kusse. Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein
Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem
Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht
eine lange Danksagung dafür, daß wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden
sind. Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt das
ganze Volk seine Zustimmung mit dem Wort "Amen". Dieses Amen bedeutet
in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des
Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns
Diakone heißen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser
mit und bringen davon auch den Abwesenden.
66. Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran
teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung
der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi
lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie;
sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos Fleisch
wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir
belehrt worden, daß die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht,
unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch
Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei.
Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche
Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben
worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Das tut zu
meinem Gedächtnis, das ist mein Leib", und ebenso habe er den Becher
genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Dieses ist mein Blut", und er
habe nur ihnen davon mitgeteilt. Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in
den Mithrasmysterien nachgeahmt und Anleitung dazu gegeben. Denn daß Brot und
ein Becher Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter
Sprüche hingesetzt werden, das wißt ihr oder könnt es erfahren.
Quelle: Frühchristliche Apologeten
und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers.
Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 134f.
Bezüglich der Eucharistie haltet es so: Zunächst in betreff des Kelches: Wir danken Dir, unser Vater, für den heiligen
Weinstock Davids, Deines Knechtes, den Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen
Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 3 Und in betreff des
gebrochenen Brotes: Wir danken Dir, unser Vater, für das
Leben und die Erkenntnis, die Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen
Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 4 Wie dieses gebrochene Brot
auf den Bergen zerstreut
war und zusammengebracht eins wurde, so möge Deine Gemeinde
von den Enden der Erde zusammengebracht werden in Dein Reich; weil Dein ist die
Ehre und die Macht durch Jesus Christus in Ewigkeit. 5 Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie,
außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat
der Herr gesagt: "Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben".
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 11f.
Bezüglich der Taufe haltet es so: (Wenn ihr all das
Vorhergehende gesagt habt,)a "taufet auf den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes" in fließendem
Wasser. 2 Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in
einem anderem Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es in warmen. 3
Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf "auf
den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes". 4 Vor der Taufe soll
fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage
zuvor fasten.
a Klammersatz in der Textausgabe von Audet nicht enthalten,
wohl aber in der von Rordorf/Tuilier
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 10f.
e) Die Gebetspraxis in der Didache (Did 8,2f.)
2 Auch "sollt ihr nicht beten wie die Heuchler", sondern wie der Herr in seinem Evangelium
es befohlen hat, "so betet: Vater unser, der Du bist in dem Himmel,
geheiligt werde Dein Name, zukomme uns Dein Reich, Dein Wille geschehe wie
im Himmel also auch auf Erden; unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns vom Übel"; weil Dein ist die Macht und die Ehre in Ewigkeit. 3
Dreimal im Tag betet so.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 11
f) Ethische Weisungen (Did 1,3-2,7)
3 In diesen Worten ist aber folgende Lehre enthalten:
"Segnet die, welche euch fluchen und betet für eure Feinde; ja fastet für
die, die euch verfolgen; denn welche Gnade (soll euch werden), wenn ihr die
liebet, die euch lieben? Tun nicht auch die Heiden dasselbea? Ihr aber sollt
lieben, die euch
hassen", und ihr sollt keinen Feind haben. 4 "Enthalte dich
der Lüste des Fleisches" (und des Körpers)b! "Wenn dich einer auf die
rechte Wange schlägt, reiche ihm auch die andere dar und du
wirst vollkommen sein; wenn einer dich eine Meile weit nötigt, gehe zwei mit ihm; wenn
einer dir den Mantel nimmt, gib ihm
auch den Rock; wenn dir einer das Deinige nimmt, fordere es
nicht zurück"; denn du kannst es auch nicht. 5 "Jedem,
der dich bittet, gib und fordere es nicht zurück"; denn der
Vater will, daß allenc gegeben werde von den eigenen Gnadengaben. Glücklich, wer
dem Gebote entsprechend gibt; denn er ist frei von Schuld. Wehe dem, der nimmt!
Zwar wenn einer in der Not nimmt, so soll er ohne Schuld sein; ist er aber nicht
in Not, dann muß er sich verantworten, weshalb er
genommen und wozu; man wird ihn ins Gefängnis werfen und ihn genau untersuchen
über sein Tun, und er wird "von dort nicht herauskommen,
bis er den letzten Heller bezahlt hat". 6 Aber auch über
diesen Punkt heißt es: "Schwitzen soll das Almosen in deinen Händen, bis du
erkannt hast, wem du es geben sollst".
2,1 Das zweite Gebot der Lehre aber (heißt): 2 "Du sollst nicht
töten, du sollst nicht ehebrechen", du
sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht Unzucht treiben, "du sollst nicht
stehlen", du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen,
du sollst nicht das Kind durch Abtreiben umbringen und das Neugeborene nicht
töten, "du sollst nicht begehren nach deines Nächsten Gut". 3
"Du sollst keinen Meineid schwören, kein
falsches Zeugnis geben", du sollst Schlimmes nicht nachreden, du sollst Böses
nicht nachtragen. 4 Du sollst nicht doppelsinnig und doppelzüngig
sein; die Doppelzüngigkeit ist nämlich ein Fallstrick zum Tode. 5 Deine
Rede sei nicht lügnerisch, nicht leer, sie sei inhaltsreich durch (die) Tat. 6 Du sollst nicht
habgierig sein, nicht auf Raub bedacht, nicht verschlagen, nicht boshaft, nicht hoffärtig. Du sollst
keine schlimmen Pläne schmieden wider deinen Nächsten. 7 Du sollst
niemanden hassen, sondern die einen zurechtweisen, [mit anderen Mitleid haben,]d für
andere beten, wieder andere lieben mehr als deine Seele.
a Audet hat hier die LA tou=to
b In der Ausgabe von Audet nicht enthalten, wohl aber in der von
Rordorf/Tuilier
c Hier folgt die Übersetzung der LA pa=sin, vgl. Rordorf/Tuilier
d Dieser Klammersatz hat weder in der Ausgabe Audets
noch bei Rordorf/Tuilier ein
textliches Äquivalent
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 6f.
g) Ethische Weisungen (2 Clem 17)
Daher wollen wir aus ganzem Herzen Buße tun, damit keiner
aus uns verloren gehe. Wenn wir nämlich Auftrag haben, auch das zu tun,
nämlich von den Götzen abzulenken und (in der christlichen Lehre) zu
unterrichten, um wieviel weniger darf eine Gott schon kennende Seele verloren
gehen? 2 Helfen wir also einander, auch die Schwachen an das Gute
heranzubringen, damit wir alle gerettet werden, wir einander bekehren und
ermuntern. 3
Und nicht nur jetzt, da wir von den Presbytern Ermahnungen bekommen,
wollen wir gläubig und aufmerksam erscheinen, sondern auch wenn wir von hier
nach Hause kommen, wollen wir der Gebote des Herrn eingedenk sein und uns nicht
von den weltlichen Begierden verleiten lassen, sondern, indem wir fleißiger
(hierher) kommen, wollen wir versuchen, in den Geboten Gottes Fortschritte zu
machen, damit wir alle eines Sinnes versammelt seien zum Leben. 4 Denn
der Herr hat gesagt: "Ich komme, um alle Völker, Stämme und Sprachen zu
versammeln". Damit meint er den Tag seines Erscheinens, wenn er kommen und
uns erlösen wird, jeden nach seinen Werken. 5 Und sehen werden
seine Herrlichkeit und seine Macht die Ungläubigen, und sie werden verwundert
anstaunen das Weltreich Jesu und sagen: Wehe uns, da du warst, und wir wußten
es nicht und glaubten nicht und gehorchten nicht den Presbytern, die uns
von unserem Heile predigten; und ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht
erlöschen, und sie werden am Pranger stehen für jegliches Fleisch. 6 Er
meinte jenen Tag des Gerichtes, wenn sie diejenigen sehen werden, die unter uns
gottlos lebten und die Gebote Jesu Christi übertraten. 7 Wenn
aber die Gerechten, die Gutes taten, die Prüfungen bestanden und die Lüste der
Seele haßten, sehen, wie die vom Ziele Abgeirrten, die in Wort und Tat Jesus
verleugneten, mit schrecklichen Qualen durch das unauslöschliche Feuer
gepeinigt werden, werden sie ihren Gott verherrlichen und sprechen: Gute
Hoffnung wird sein für den, der Gott aus ganzem Herzen gedient hat.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 305f.
Als nun nach der Himmelfahrt unseres Erlösers die Juden zu dem Verbrechen an
dem Erlöser auch noch die wiederholten Vergehen an seinen Aposteln gefügt
hatten, als zunächst Stephanus von ihnen gesteinigt, sodann nach ihm Jakobus,
der Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, enthauptet und schließlich
Jakobus, welcher nach der Himmelfahrt unseres Erlösers zuerst den
Bischöflichen Stuhl in Jerusalem erhalten hatte, auf die angegebene Weise
bestätigt worden war, als die übrigen Apostel nach unzähligen Todesgefahren,
die man ihnen bereitet hatte, das Judenland verlassen hatten und mit der Kraft
Christi, der zu ihnen gesagt hatte: "Gehet hin und lehret alle Völker in
meinem Namen!" zur Predigt des Evangeliums zu allen Völkern hinausgezogen
waren, als endlich die Kirchengemeinde in Jerusalem in einer Offenbarung, die
ihren Führern geworden war, die Weissagung erhalten hatte, noch vor dem Kriege
die Stadt zu verlassen und sich in einer Stadt Peräas, namens Pella,
niederzulassen, und als sodann die Christgläubigen von Jerusalem weggezogen
waren und die heiligen Männer die königliche Hauptstadt der Juden und ganz
Judäa völlig geräumt hatten, da brach das Strafgericht Gottes über die Juden
wegen der vielen Freveltaten, die sie an Christus und seinen Aposteln begangen
hatten, herein und vertilgte gänzlich dieses Geschlecht der Gottlosen aus der
Menschengeschichte. Wieviel Elend über das ganze Volk damals überall
hereinstürzte, wie vor allem die Bewohner von Judäa in äußerste Not
gerieten, wieviele Tausende von militärpflichtigen Männern samt ihren Weibern
und Kindern durch Schwert, Hunger und tausenderlei andere Todesarten zugrunde
gingen, wie zahlreich und verschiedenartig die Belagerungen jüdischer Städte
waren, wie furchtbar, ja über alle Maßen furchtbar die Erlebnisse derer waren,
welche sich nach Jerusalem selbst geflüchtet hatten, weil sie die Hauptstadt
für eine sehr feste Burg hielten, wie der Krieg im ganzen und in allen seinen
Teilen verlief, wie schließlich der von den Propheten verheißene Greuel der
Verwüstung in dem seit alter Zeit berühmten Gottestempel selbst sich
verwirklichte, sofern dieser vollständig zerstört und ganz und gar durch Feuer
vernichtet wurde, dies kann jeder, der will, in der von Josephus geschriebenen
Geschichte im einzelnen nachlesen.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 104f.
Jedoch auch wegen der
Wundertaten, welche sie wirkten, waren sie glaubwürdig, da sie (damit) Gott,
den Weltschöpfer und Vater, verherrlichten und seinen von ihm kommenden Sohn
Christus verkündeten. Das Wirken der vom Geiste der Lüge und Unreinheit
erfüllten falschen Propheten war und ist dagegen nicht das gleiche. Im
Gegenteil, sie erfrechen sich, Wunder zu wirken, um die Menschen zu schrecken,
und sie verherrlichen damit die Lügengeister und Dämonen.
Bete aber, daß dir vor allem die
Tore des Lichtes geöffnet werden! Denn niemand kann schauen und verstehen,
außer Gott und sein Christus gibt einem, die Gnade des Verständnisses.
Quelle: Justin, Dialog mit dem Juden Tryphon.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV 33). München 1917, 13
Nachdem Galerius
Maximus sich mit seinen Räten besprochen hatte, fällte er mit Widerwillen das
Urteil etwa in folgendem Wortlaut: Du hast lange mit verbrecherischem Sinne
gelebt, hast viele Menschen in deine gottlose Verschwörung hineingezogen und
hast dich zum Feinde der römischen Götter und der heiligen Gesetze gemacht;
auch haben dich die frommen und geheiligten Fürsten, die Kaiser Valerianus und
Gallienus und der erlauchte Cäsar Galerianus nicht zur Gemeinschaft ihrer
Religionsgebräuche zurückführen können. Darum sollst du, nachdem du als der
Urheber und Bannerträger der gemeinsten Verbrechen gefaßt worden bist, denen
zum warnenden Beispiel werden, die du in deine Freveltat hineingezogen hast:
dein Blut soll die Weihe für das Gesetz sein. Als er das gesagt hatte, las er
von einer Tafel das Urteil: Thascius Cyprianus soll mit dem Schwerte
hingerichtet werden. Der Bischof Cyprian sagte: Gott sei Dank!
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. II.
Übersetzt von Kaspar Julius (= BKV 14). München 1913, 368f.
Palästinische Rezension
1. Benediktion, Aboth: Gepriesen seist du, Jahve [unser Gott und Gott
unsrer Väter], Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs [großer, mächtiger
und furchtbarer Gott], höchster Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, unser
Schild und Schild unsrer Väter [unser Vertrauen in allen Geschlechtern]!
Gepriesen seist du, Jahve, Schild Abrahams!
2. Benediktion, Geburoth: Du bist ein Held [der Hohe
erniedrigt], der Starke [und der die Gewalttätigen richtet], der ewig lebende,
der die Toten auferstehn läßt [der den Wind wehen läßt und den Tau
herniederfallen], der die Lebenden versorgt und die Toten lebendig macht [in
einem Augenblick möge uns Hilfe sprossen]. Gepriesen seist du, Jahve, der die
Toten lebendig macht!
3. Benediktion, Qeduschschah: Heilig bist du und furchtbar
dein Name, und kein Gott ist außer dir. Gepriesen seist du Jahve, heiliger
Gott!
4. Benediktion, Chonen ha-da'ath: Verleihe uns, unser Vater, Erkenntnis
von dir her und Einsicht und Verstand aus deiner Tora. Gepriesen seist du Jahve,
der Erkenntnis verleiht!
5. Benediktion, Teschubah: Bringe uns zurück, Jahve, zu dir,
daß wir umkehren (in Buße); erneuere unsere Tage wie vordem. Gepriesen seist
du, Jahve, der Wohlgefallen an Buße hat!
6. Benediktion, Selichah: Vergib uns, unser Vater, denn wir
haben gesündigt gegen dich; tilge [und entferne] unsre Verfehlungen vor deinen
Augen weg [denn groß ist deine Barmherzigkeit]. Gepriesen seist du, Jahve, der
viel vergibt!
7. Benediktion, Ge'ullah: Sieh an unser Elend und führe unsre
Sache und erlöse uns um deines Namens willen. Gepriesen seist du, Jahve,
Erlöser Israels!
8. Benediktion, Rephu'ah: Heile uns, Jahve, unser Gott, von
dem Schmerz unsres Herzens [und Seufzen und Stöhnen entferne von uns] und
bringe Heilung unsren Wunden (Schlägen). Gepriesen seist du, der die Kranken
seines Volkes Israel heilt!
9. Benediktion, Birkath ha-schanim: Segne an uns, Jahve unser Gott,
[dieses] Jahr [zum Guten bei allen Arten seiner Gewächse und bringe eilends
herbei das Jahr des Termins unsrer Erlösung und gib Tau und Regen auf den
Erdboden] und sättige die Welt aus den Schätzen deines Guten (deiner Güter)
[und gib Segen auf das Werk unsrer Hände]. Gepriesen seist du, Jahve, der die
Jahre segnet.
10. Benediktion, Qibbuç galijjoth: Stoße in die große Posaune zu
unsrer Freiheit und erhebe ein Panier zur Sammlung unsrer Verbannten. Gepriesen
seist du Jahve, der die Vertriebenen seines Volkes Israel sammelt!
11. Benediktion, Haschibah schopetenu: Bringe wieder unsre
Richter wie vordem und unsre Ratsherren wie zu Anfang, und sei König über uns,
du allein. Gepriesen seist du, Jahve, der das Recht liebhat!
12. Benediktion, Birkath ha-minim: Den Abtrünnigen sei keine Hoffnung
und die freche Regierung (= Rom) mögest du eilends ausrotten [in unsren Tagen,
und die Nazarener (nozrim = Christen) und die Minim (= Häretiker) mögen
umkommen in einem Augenblick], [ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens (der
Lebendigen) und mit den Gerechten nicht aufgeschrieben werden]. Gepriesen seist
du, Jahve, der Freche beugt!
13. Benediktion, Birkath çaddiqim: Über die Proselyten der
Gerechtigkeit (= Ganzproselyten) möge sich dein Erbarmen regen, und gib uns
guten Lohn mit denen, die deinen Willen tun. Gepriesen seist du, Jahve,
Zuversicht der Gerechten!
14. Benediktion, Boneh Jeruschalajim: Erbarme dich, Jahve
unser Gott, [in deiner großen Barmherzigkeit über Israel, dein Volk, und]
über Jerusalem, deine Stadt, und über Çion, die Wohnung deiner Herrlichkeit,
[und über deinen Tempel und über deine Wohnung] und über das Königtum des
Hauses David, des Messias deiner Gerechtigkeit (= deines gerechten Messias).
Gepriesen seist du, Jahve, Gott Davids, der Jerusalem erbaut!
15. Benediktion, Schomea' tephillah: Höre, Jahve unser Gott,
auf die Stimme unsres Gebetes [und erbarme dich über uns]; denn ein gnädiger
und barmherziger Gott bist du. Gepriesen seist du, Jahve, der Gebete erhört!
16. Benediktion, 'Abodah: Es gefalle Jahve unserem Gott wohl zu wohnen in
Çion, daß deine Knechte dir dienen in Jerusalem. Gepriesen seist du, Jahve,
daß wir dir dienen werden in Furcht!
17. Benediktion, Hoda'ah: Wir danken dir, [du bist] Jahve unser Gott [und
Gott unsrer Väter], für alles Gute, die Liebe [und die Barmherzigkeit, die du
uns erwiesen und] die du an uns getan hast [und an unsren Vätern vor uns; und
wenn wir sagten, unser Fuß wanke, hat deine Liebe, Jahve, uns gestützt].
Gepriesen seist du, Jahve, Allgütiger, dir muß man danken!]
18. Benediktion, Sim schalom: Lege deinen Frieden auf dein Volk Israel
[und auf deine Stadt und auf dein Eigentum] und segne uns alle allzumal.
Gepriesen seist du Jahve, der den Frieden schafft!
Quelle: (Strack, H. L.)/Billerbeck, P.: Kommentar zum Neuen Testament
aus Talmud und Midrasch. Bd. 4,1. München 1926, 210-214
9Der Vorsteher der königlichen Bibliothek, Demetrios von
Phaleron, erhielt große Geldsummen, um womöglich alle Bücher der Welt zu
sammeln. Durch Ankäufe und Abschriften erfüllte er nach Kräften den Wunsch
des Königs. 10Einst wurde er in meiner Gegenwart gefragt, wie viele
tausend Bücher wohl vorhanden seien, und er erwiderte: Mehr als
zweihunderttausend, o König! Ich will aber in Kurzem die noch fehlenden
besorgen, so daß fünfhunderttausend voll werden. Es ist mir aber berichtet,
daß auch die jüdischen Gesetze einer Abschrift und Aufnahme in deine
Bibliothek wert seien. 11Was hindert dich denn, fragte [d]er
[König], dies auszuführen? Stehen dir doch alle Mittel zur Ausführung zur
Verfügung! Demetrios entgegnete: Sie bedürfen einer Übersetzung. Denn man hat
in Judäa eine eigene Schrift (wie auch die Ägypter ihre [besondere] Schrift
haben) und redet eine eigene Sprache. Die Annahme, daß man die syrische Sprache
rede, ist nicht richtig, sondern es ist ein anderer Dialekt. Nachdem der König
dies alles vernommen hatte, befahl er, an den jüdischen Hohenpriester zu
schreiben, damit der erwähnte Plan zur Ausführung komme. ...
41Auf diesen Brief antwortete Eleazar (der Hohepriester)
sofort Folgendes: ... 46In Anwesenheit aller aber wählte ich aus
jedem Stamme sechs ältere und tüchtige Männer, die ich mit dem Gesetz
abgesandt habe ..., 50... im ganzen 72. ... 121Er (der
Hohepriester) wählte also die besten und durch Bildung ausgezeichneten
Männer aus angesehener Familie, die sich nicht nur Kenntnis der jüdischen
Literatur angeeignet, sondern auch eifrig die griechische studiert hatten. ...
301Drei Tage später ging Demetrios in ihrer Begleitung über den
sieben Stadien langen Meeresdamm zur Insel [Pharos], überschritt die Brücke
und ging nach den nördlichen Teilen [von Pharos]. Dann versammelte er sie in
einem am Strand erbauten, prächtigen und still gelegenen Hause und forderte die
Männer auf, die Übersetzung auszuführen, da alles, was zu der Arbeit nötig
war, wohl vorgesehen war. 302Und sie führten sie aus, indem sie
durch gegenseitige Vergleiche in einem Wortlaut übereinkamen. Was sich aber
gehörig nach ihrer übereinstimmenden Meinung ergab, wurde so von Demetrios
aufgezeichnet. ... 307Wie ich es aber vorher schilderte, so
versammelten sie sich täglich an dem durch seine Ruhe und Helligkeit angenehmen
Ort und erfüllten ihre Aufgabe. Es traf sich aber so, daß die Übersetzung in
zweiundsiebzig Tagen vollendet wurde, als sei es so mit Absicht geschehen.
308Nach der Vollendung versammelte Demetrios die jüdische
Gemeinde an der Stätte, wo die Übersetzung vollendet wurde, und las sie allen
vor in Anwesenheit der Übersetzer, die auch bei der Menge große Anerkennung
fanden, da sie sich große Verdienste erworben hätten. 309Ebenso
lobten sie den Demetrios und baten ihn, ihren Obersten eine Abschrift des ganzen
Gesetzes mitzuteilen. 310Nach der Verlesung der Bücher traten die
Priester und die Ältesten der Übersetzer und der Bürgerschaft sowie die
Vorsteher der Gemeinde zusammen und erklärten: Da die Übersetzung in schöner,
frommer und durchaus genauer Weise gefertigt ist, so ist es recht, daß sie in
diesem Wortlaut erhalten werde und keine Änderung stattfinde. 311Und
nachdem alle den Worten beigestimmt hatten, befahl er nach ihrer Sitte, den zu
verfluchen, der eine Bearbeitung unternehmen werde, indem er etwas hinzusetzte
oder irgend etwas von dem Geschriebenen änderte oder ausließe. Und das taten
sie mit Recht, damit [die Schrift] beständig für alle Zukunft unverändert
erhalten bliebe.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Apokryphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2.,
unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 5; 9; 15; 30
6Und siehe, auch das Sabbatgebot habe ich dir aufgeschrieben und
alle Rechte seiner Satzungen. 7Sechs Tage sollst du dein Werk tun,
aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, eures Gottes. Tut an ihm
keinerlei Arbeit, ihr und eure Kinder und eure Knechte und eure Mägde und all
euer Vieh und auch die Fremden, die bei euch sind. 8Und ein Mensch,
der an ihm irgendeine Arbeit tut, soll sterben, - jeder Mann, der diesen Tag
befleckt, der seinem Weibe beiwohnt, und auch, wer irgendeine Sache beredet, an
ihm zu tun, daß er an ihm eine Reise mache wegen allerlei Verkauf und Kauf; und
auch, wer an ihm Wasser schöpft, das er nicht vorbereitet hat am sechsten Tag,
und auch, wer allerlei aufhebt zu tragen, um es aus seinem Zelt oder aus seinem
Hause zu bringen, soll sterben. 9Und tut am Sabbattage keinerlei
Arbeit, ohne daß ihr sie euch am sechsten Tage vorbereitet habt, zu essen und
zu trinken und zu ruhen und von aller Arbeit an diesem Tage Sabbat zu feiern und
den Herrn, euren Gott, zu preisen, der euch den Festtag und den heiligen Tag
gegeben hat. Und ein Tag des heiligen Reichs für ganz Israel ist dieser Tag
unter ihren Tagen immerdar. 10Denn groß ist die Ehre, die Gott
Israel erwiesen hat, daß sie an diesem Festtag essen und trinken und sich
sättigen und an ihm ruhen sollen von aller Arbeit, die zu menschlicher Arbeit
gehört, außer daß sie Rauchwerk räuchern und Gabe und Opfer vor Gott
darbringen für die Tage und die Sabbate. 11Diese Arbeit allein soll
an den Sabbattagen im Heiligtume des Herrn, eures Gottes, getan werden, damit
sie beständig Tag für Tag das Sühnopfer für Israel darbringen, zum
Gedächtnis, das vor Gott angenehm ist, und [damit] er sie annimmt für ewig Tag
für Tag, wie dir geboten ist. 12Und jedermann, der an ihm eine
Arbeit tut und auch, wer einen Weg geht, und auch, wer sein Grundstück besorgt,
sei es zu Hause oder an irgendeinem [anderen] Ort, und auch, wer Feuer
anzündet, und auch, wer irgendein Tier bepackt, und auch, wer zu Schiffe auf
dem Meere reist, und jedermann, der jemanden schlägt und tötet, und auch, wer
ein Tier oder einen Vogel schlachtet, und auch, wer [etwas] fängt, sei es
[Feld-] Tier oder Vogel oder Fisch, und auch, wer am Sabbat fastet und Krieg
führt: 13ein Mensch, der irgendetwas von diesem am Sabbattage tut,
soll sterben, damit die Kinder Israel Sabbat feiern gemäß den Geboten der
Sabbate des Landes, wie in den himmlischen Tafeln geschrieben ist, die er mir in
meine Hände gegeben hat, damit ich die Ordnungen der Zeit und die Zeit je
nach der Einteilung ihrer Tage aufschreibe. Hier ist zu Ende die Rede von der
Einteilung der Tage.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962
(2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 118f.
14Über den Sa[bb]at, daß man ihn halte entsprechend seiner
Anordnung. Niemand soll am 15sechsten Tage eine Arbeit ausführen von
der Zeit an, zu der die Sonnenscheibe 16von dem Tor um die Länge
ihres Durchmessers entfernt ist. Denn das ist es, was er gesagt hat: Halte 17den
Sabbattag ein, um ihn zu heiligen (Dtn 5,12). Und niemand darf am Sabbattag ein 18törichtes
oder eitles Wort sagen. Nicht darf man etwas an seinen Nächsten ausleihen.
Nicht soll man über eine Angelegenheit von Besitz und Gewinn richten. 19Nicht
darf man über Fragen der Arbeit sprechen oder das Werk, das am nächsten Tag zu
tun ist. 20Nicht darf man auf das Feld hinausgehen, um eine Arbeit
nach seinem Gutdünken zu verrichten 21am Sabbat. Nicht darf man aus
einer Stadt weiter hinausgehen als tausend Ellen. 22Niemand soll am
Sabbattag etwas essen außer dem, was schon vorbereitet ist, und von dem, was
verdirbt 23auf dem Feld. Man darf nichts essen und nichts trinken
außer dem, was sich im Lager befindet.
XI,1Auf dem Weg, wenn man hinabsteigt, um zu baden, darf man da
trinken, wo man steht, aber man darf nicht schöpfen 2in irgendein
Gefäß. Man darf nicht einen Fremden schicken, daß er seinen Wunsch am
Sabbattage ausführe. 3Niemand darf schmutzige Kleider oder in einer
Kammer aufbewahrte tragen, ohne daß 4sie mit Wasser gewaschen oder
mit Weihrauch abgerieben worden sind. Niemand darf nach eigenem Gutdünken einen
'Erub anlegen 5am Sabbat. Niemand soll hinter dem Vieh hergehen, um
es außerhalb der Stadt zu weiden, es 6 sei denn 2000 Ellen weit. Man
soll seine Hand nicht heben, um es mit der Faust zu schlagen. Wenn 7
es störrisch ist, soll man es nicht aus dem Haus führen. Niemand darf etwas
aus dem Haus 8 nach draußen bringen oder von draußen in das Haus.
Und wenn man sich in einer Hütte befindet, soll man nichts aus ihr
hinausbringen 9 und nichts in sie hineinbringen. Nicht darf man ein
zugeklebtes Gefäß am Sabbat öffnen. Niemand soll 10 bei sich
Medikamente tragen, um damit aus- und einzugehen am Sabbat. Man darf nicht in
seinem Wohnhaus 11 einen Stein oder Erde aufheben. Ein Pilger darf
nicht den Säugling tragen, um aus- und einzugehen am Sabbat. 12
Niemand darf einen Knecht oder seine Magd oder seinen Tagelöhner erzürnen am
Sabbat. 13 Niemand soll Vieh beim Werfen helfen am Sabbattag. Und
wenn es in einen Brunnen fällt 14 oder in eine Grube, so soll er es
nicht am Sabbat wieder herausholen. Niemand soll den Sabbat an einem Ort in der
Nähe 15 der Heiden verbringen. Niemand darf den Sabbat entweihen
wegen Besitz oder Gewinn am Sabbat. 16 Einen lebendigen Menschen, der
in ein Wasserloch fällt, oder sonst in einen Ort, 17 soll niemand
heraufholen mit einer Leiter oder einem Strick oder einem (anderen) Gegenstand.
Niemand soll am Sabbat etwas auf den Altar bringen 18 außer dem
Sabbatbrandopfer; denn so steht geschrieben: ausgenommen eure Sabbate (Lev.
23,38).
Quelle: Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch. Mit masoretischer
Punktation, Übersetzung, Einführung und Anmerkungen hrsg. von Eduard Lohse.
Darmstadt 41986, 87-91
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft,
Darmstadt!
Ein Psalm von Salomo mit Gesang; auf den [Messias-] König.
1Herr, du selbst bist unser König immer und ewig; in dir, o Gott,
rühmt sich unsere Seele.
2Was ist doch die Dauer von eines Menschen Leben auf Erden? Ebenso
lang ist auch seine Hoffnung auf ihn.
3Wir aber hofften auf Gott, unsern Heiland; denn die Macht unseres
Gottes [währt] ewig mit Erbarmen, und das Königtum unseres Gottes [besteht]
ewig über die Völker durch Gericht.
4Du, Herr, hast David erkoren zum König über Israel und du hast
ihm geschworen über seinen Samen für alle Zeit, daß sein Königtum nicht
aufhören solle vor dir.
5Aber wegen unserer Sünden erhoben sich Gottlose wider uns; es
fielen uns an und stießen uns aus Leute, denen du keine Verheißung gegeben.
Sie raubten mit Gewalt und gaben nicht deinem herrlichem Namen die Ehre.
6Prunkend setzten sie sich die Krone auf in ihrem Stolze,
verwüsteten Davids Thron in prahlerischem Übermut.
7Du aber, Gott, warfst sie nieder und nahmst ihren Samen aus dem
Lande hinweg, indem ein Ausländer gegen sie auftrat, der nicht von unserem
Geschlechte war.
8Nach ihren Sünden vergaltst du ihnen, Gott, daß ihnen zuteil
ward, was sie verdient haben.
9Gott hat sich ihrer nicht erbarmt; er hielt Untersuchung in ihrem
Geschlecht und ließ keinen von ihnen los.
10Getreu ist der Herr in all seinen Gerichten, die er auf Erden
übt.
11Der Gottlose hat unser Land von seinen Bewohnern entblößt;
Jung und Alt und ihre Kinder zumal haben sie weggenommen.
12In seinem grimmen Zorn schickte er sie weg bis ins Abendland und
die Obersten des Landes [gab er preis] der Verspottung, schonungslos.
13In [seiner] Barbarei tat der Feind Vermessenes, und sein Herz
war ferne von unserem Gott.
14Und alles, was er in Jerusalem tat, war ganz, wie es die Heiden
in den von ihnen bezwungenen Städten zu tun pflegen.
15Ihnen hatten sich angeschlossen die Bundeskinder inmitten der
Mischvölker; es war keiner unter ihnen, der Erbarmen und Treue in Jerusalem
geübt hätte.
16Da flohen vor ihnen, die die frommen Versammlungen lieb hatten;
wie Sperlinge wurden sie aufgescheucht aus ihrem Neste.
17Sie irrten in der Wüste, ihre Seelen vom Verderben zu retten,
und köstlich schien es den Heimatlosen, das [nackte] Leben vor ihnen zu retten.
18Über die ganze Erde wurden sie von den Gottlosen zerstreut;
denn der Himmel hielt an sich, Regen auf die Erde zu träufeln.
19Quellen, die von Ewigkeit her aus den Tiefen [kommend] von den
Bergen [rinnen], wurden zurückgehalten, weil unter ihnen niemand war, der
Gerechtigkeit und Recht übte.
20Vom Obersten unter ihnen bis zum Geringsten [lebten sie] in
jeder Sünde; der König in Gottlosigkeit, der Richter in Abfall, das Volk in
Sünde.
21Sieh darein, o Herr, und laß ihnen erstehen ihren König, den
Sohn Davids, zu der Zeit, die du erkoren, Gott, daß er über deinen Knecht
Israel regiere.
22Und gürte ihn mit Kraft, daß er ungerechte Herrscher
zerschmettere, Jerusalem reinige von den Heiden, die [es] kläglich zertreten!
23Weise [und] gerecht treibe er die Sünder weg vom Erbe,
zerschlage des Sünders Übermut wie Töpfergefäße.
24Mit eisernem Stab zerschmettere er all ihr Wesen, vernichte die
gottlosen Heiden mit dem Wort seines Mundes,
25daß bei seinem Drohen die Heiden vor ihm fliehen, und er die
Sünder zurechtweise ob ihres Herzens Gedanken.
26Dann wird er ein heiliges Volk zusammenbringen, das er mit
Gerechtigkeit regiert, und wird richten die Stämme des vom Herrn, seinem Gotte,
geheiligten Volks.
27Er läßt nicht zu, daß ferner Unrecht in ihrer Mitte weile,
und niemand darf bei ihnen wohnen, der um Böses weiß; denn er kennt sie, daß
sie alle Söhne ihres Gottes sind.
28Und er verteilt sie nach ihren Stämmen über das Land, und
weder Beisasse noch Fremder darf künftig bei ihnen wohnen.
29Er richtet die Völker und Stämme nach seiner gerechten
Weisheit.
Zwischenspiel
30Und er hält die Heidenvölker unter seinem Joche, daß sie ihm
dienen, und den Herrn wird er verherrlichen offenkundig vor der ganzen Welt und
wird Jerusalem rein und heilig machen, wie es zu Anfang war,
31so daß die Völker vom Ende der Erde kommen, seine Herrlichkeit
zu sehen, bringend als Geschenk ihre erschöpften Söhne, und um zu schauen des
Herrn Herrlichkeit, mit der sie Gott verherrlicht hat.
32Er aber [herrscht als] gerechter König, von Gott unterwiesen,
über sie, und in seinen Tagen geschieht kein Unrecht unter ihnen, weil sie alle
heilig sind und ihr König der Gesalbte des Herrn ist.
33Denn er verläßt sich nicht auf Roß und Reiter und Bogen; auch
sammelt er sich nicht Gold und Silber zum Kriege und auf die Menge setzt er
nicht seine Hoffnung für den Tag der Schlacht.
34Der Herr selbst ist sein König, die Hoffnung dessen, der durch
die Hoffnung auf Gott stark ist, und alle Heiden wird er bebend vor ihn stellen.
5Denn er zerschlägt die Erde mit dem Worte seines Mundes für
immer, segnet das Volk des Herrn mit Weisheit in Freuden.
36Und er ist rein von Sünde, daß er herrschen kann über ein
großes Volk, in Zucht halten die Obersten und wegschaffe die Sünder mit
mächtigem Wort.
37Auch wird er nie in seinem Leben straucheln gegen seinen Gott;
denn Gott hat ihn stark gemacht an heiligem Geist und weise an verständigem Rat
mit Tatkraft und Gerechtigkeit.
38So ist des Herrn Segen mit ihm voll Kraft, und er wird nicht
straucheln.
39Seine Hoffnung [steht] auf den Herrn: wer vermag da [etwas]
gegen ihn?
40Mächtig von Tat und stark in der Furcht Gottes hütet er des
Herrn Herde treu und recht und läßt nicht zu, daß [eines] von ihnen auf ihrer
Weide strauchle.
41Gerade leitet er sie alle, und unter ihnen ist kein Übermut,
daß Gewalttat unter ihnen verübt werde.
42Das ist der Stolz des Königs Israels, den Gott erkoren, ihn
über das Haus Israel zu setzen, daß er es zurechtweise.
43Seine Worte sind lauterer als das feinste kostbare Gold. In
Volksversammlungen wird er des geheiligten Volkes Stämme richten; seine Worte
sind gleich Worten der Heiligen inmitten geheiligter Völker.
44Selig, wer in jenen Tagen leben wird und schauen darf das Heil
Israels in der Vereinigung der Stämme, wie es Gott bewirkt!
45Gott lasse bald seine Gnade über Israel kommen; er rette uns
vor der Befleckung durch unheilige Feinde!
46Der Herr selbst ist unser König immer und ewig.
Ein Psalm von Salomo; noch einmal des [über den?] Gesalbten und König.
1Herr, deine Gnade über die Geschöpfe deiner Hand ist ewig,
deine Güte mit reicher Gabe über Israel.
2Deine Augen sehen auf sie, so daß keines von ihnen Mangel
leidet; deine Ohren hören auf des Ärmsten hoffende Bitte.
3Deine Gerichte [ergehen] über die ganze Erde voll Erbarmen, und
deine Liebe auf den Samen Abrahams, die Kinder Israel.
4Deine Züchtigung [ergeht] über uns wie über einen
erstgeborenen, einzigen Sohn, daß du folgsame Seelen von unbewußter Verirrung
abbringest.
5Gott, reinige Israel auf den Tag der heilsamen Gnade, auf den Tag
der Auswahl, wenn sein Gesalbter zur Herrschaft kommt.
6Selig, wer in jenen Tagen leben wird, und schauen darf das Heil
des Herrn, das er dem kommenden Geschlechte schafft
7unter der Zuchtrute des Gesalbten des Herrn in der Furcht seines
Gottes, in geistgewirkter Weisheit, Gerechtigkeit und Stärke,
8daß er leite einen jeglichen in Werken der Gerechtigkeit durch
Gottesfurcht, sie allesamt darstelle vor dem Antlitze des Herrn:
9Ein gut Geschlecht voll Gottesfurcht in den Tagen der Gnade!
Zwischenspiel
10Groß ist unser Gott und herrlich, der in der Höhe wohnt, der
geordnet hat Leuchten in ihren Bahnen zur Bestimmung der Zeiten jahraus jahrein,
so daß sie nicht abgehen von dem Pfade, den du ihnen befohlen.
11In der Furcht Gottes wandeln sie Tag für Tag, seitdem Gott sie
schuf, bis in Ewigkeit.
12Und sie gingen nicht fehl, seit Gott sie erschuf, seit uralten
Zeiten wichen sie nicht von ihren Wegen, es sei denn, daß Gott es ihnen gebot
durch den Befehl seiner Knechte.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962
(2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 144-148
Der Löwe aber, der vor deinen Augen mit Gebrüll aus dem Walde hervorgestürzt
ist, der zum Adler gesprochen und ihm seine Sünden vorgehalten hat, mit allen
den Worten, die du gehört hast: 32das ist der C h r i s t u s, den der Höchste
bewahrt für das Ende ‘der Tage, der aus dem Samen Davids erstehen und auftreten
wird, um zu ihnen zu reden’
er wird ihnen die Gottlosigkeiten vorhalten,
die Ungerechtigkeiten ‘strafen’,
die Frevel vor Augen führen.
33Denn er wird sie zunächst lebendig vor Gericht stellen; dann aber, nachdem
er sie überwiesen, wird er sie vernichten.
Nach den sieben Tagen geschah es, da träumte ich des Nachts einen Traum: siehe,
da stieg ein ‘gewaltiger’ Sturm vom Meere auf und erregte alle seine Wogen.
Ich schaute, siehe da führte jener Sturm aus dem Herzen des Meeres etwas wie
einen Menschen hervor; ich schaute, siehe dieser Mensch flog mit den Wolken
des Himmels. Und wohin er sein Antlitz wandte und hinblickte, da erbebte alles,
was er anschaute; und wohin die Stimme seines Mundes erging, da ‘zerschmolzen’
alle, die seine Stimme vernahmen, wie Wachs zerfließt, wenn es Feuer spürt.
- Darnach schaute ich, siehe, es kam von den vier Winden des Himmels her ein
unzählbares Heer von Menschen zusammen, um den Menschen, der aus dem Meer emporgestiegen
war, zu bekämpfen. Da schaute ich, wie er sich einen großen Berg losschlug und
auf ihn flog. Ich aber bestrebte mich, Gegend oder Ort zu erkennen, woraus der
Berg losgeschlagen war; aber ich vermochte es nicht. Darnach schaute ich, siehe,
alle, die sich gegen ihn zum Kriege versammelt hatten, gerieten in große Furcht,
wagten aber doch den Kampf. Als er aber den Ansturm des Heeres, das auf ihn
loskam, sah, da erhob er keine Hand, noch führte er ein Schwert oder eine andere
Waffe, sondern ich sah nur, wie er von seinem Munde etwas wie einen feurigen
Strom ausließ, von seinen Lippen einen flammenden Hauch, und von seiner Zunge
ließ er hervorgehen stürmende Funken: alle diese aber vermischten sich ineinander:
der feurige Strom, der flammende Hauch und der gewaltige Sturm. Das fiel über
das anstürmende Heer, das zum Kampfe bereit war, und entzündete sie alle, so
daß im selben Augenblick von dem unzählbaren Heer nichts anderes zu sehen war
außer dem Staube der Asche und dem Dunste des Rauchs. Als ich das sah, entsetzte
ich mich. - Darnach schaute ich, wie jener Mensch vom Berge herabstieg und ein
anderes friedliches Heer zu sich rief. Da nahten sich ihm Gestalten von vielen
Menschen, die einen frohlockend, die anderen traurig; einige waren in Banden,
einige führten andere als Opfergaben mit sich.
Da erwachte ich vor gewaltigem Schrecken. Dann flehte ich zum Höchsten und sprach:
Du hast von Anfang an deinem Knechte solche Wunder offenbart und mich würdig
erachtet, mein Flehen anzunehmen. So offenbare mir nun noch die Deutung dieses
Traums. - Denn wie ich denke in meinem Sinn: wehe denen, die überbleiben in
jener Zeit! aber noch viel mehr: wehe denen, die nicht überbleiben! Denn die
nicht überbleiben, müssen traurig sein; denn sie kennen zwar die Freuden, die
für die letzte Zeit bereit stehen, werden aber selbst nicht dazu gelangen. Aber
wehe auch denen, die überbleiben; ‘deshalb, weil’ sie große Drangsale und viele
Nöte schauen müssen, wie diese Träume zeigen. Und doch ist es ‘besser’, dies,
wenn auch durch Gefahren, zu erlangen, als wie eine Wolke aus der Welt zu schwinden
und die Dinge der Endzeit nicht zu sehen. Er antwortete mir und sprach: Ich
will dir die Deutung des Gesichtes zeigen und will dir auch über deine Erwägungen
Aufschluß geben. Wenn du über die Überbleibenden ‘und Nicht-Überbleibenden’
gesprochen, davon ist dies die Lösung: derselbe, der in jener Zeit die
Drangsal bringt, der wird auch die in Drangsal Gefallenen bewahren, wenn
sie Werke haben und Glauben an den ‘Allerhöchsten und’ Allmächtigen. So wisse
also, daß die Überbleibenden bei Weitem seliger sind als die Gestorbenen.
Und nachdem ihre Bestrafung vom Herrn erfolgt ist, wird dann der Herr dem Priestertum einen neuen Priester erwecken, welchem alle Worte des Herrn werden enthüllt werden. Und er selbst wird ein Gericht der Wahrheit halten auf der Erde in einer Menge von Tagen. Und es wird sein Stern am Himmel aufgehen wie ein König, ausstrahlend Licht und Erkenntnis wie durch die Sonne am Tag. Und er wird verherrlicht werden auf der Erde bis zu seiner Aufnahme. Dieser wird leuchten wie die Sonne auf der Erde und jedes Dunkel von der Erde wegnehmen, und es wird Friede auf der ganzen Erde sein. Die Himmel werden jauchzen in seinen Tagen, und die Erde wird sich freuen, und die Völker werden frohlocken, und die Erkenntnis des Herrn wird ausgegossen werden auf der Erde wie Wasser der Meere. Und die Engel der Herrlichkeit des Angesichts des Herrn werden sich über ihn freuen. Die Himmel werden sich öffnen, und aus dem Tempel der Herrlichkeit wird über ihn Heiligkeit kommen mit väterlicher Stimme wie von Abraham, dem Vater Isaaks. Und die Herrlichkeit des Höchsten wird über ihn gesprochen werden, und der Geist des Verstandes und der Heiligung wird auf ihm ruhen in dem Wasser. Er selbst wird die Majestät des Herrn seinen Söhnen geben in Wahrheit bis in Ewigkeit. Und er wird keinen Nachfolger haben bis in die fernsten Geschlechter bis in die Ewigkeit. Und zur Zeit seines Priestertums wird jede Sünde vergehen, und die Gottlosen werden aufhören, Böses zu thun. Die Gerechten aber werden bei ihm Ruhe finden. Und er selbst wird die Thüren des Paradieses öffnen und er wird wegstellen das gegen Adam drohende Schwert und wird den Heiligen zu essen geben von dem Holze des Lebens, und der Geist der Heiligkeit wird auf ihnen sein. Und Beliar wird von ihm gebunden werden, und er wird seinen Kindern Gewalt geben, auf die bösen Geister zu treten. Und der Herr wird frohlocken über seine Kinder und der Herr wird Wohlgefallen haben an seinen Geliebten bis in Ewigkeit. Dann wird Abraham jauchzen und Isaak und Jakob. Und ich werde mich freuen, und alle Heiligen werden Frohlocken anziehen.
Und darauf wird euch aufgehen ein Stern aus Jakob in Frieden und es wird aufstehen ein Mensch aus meinem Samen wie die Sonne der Gerechtigkeit, welcher wandelt mit den Menschenkindern in Sanftmut und Gerechtigkeit, und keine Sünde wird an ihm gefunden werden. Und es werden sich über ihn die Himmel öffnen, auszugießen den Segen des Geistes vom heiligen Vater; und er selbst wird ausgießen den Geist der Gnade über euch, und ihr werdet seine Söhne in Wahrheit sein und werdet wandeln in seinen Geboten, den ernsten und letzten. Dieser ist der Sproß des höchsten Gottes, und dieses ist die Quelle zum Leben für alles Fleisch. Dann wird aufleuchten das Scepter meines Königreichs, und an eurer Wurzel wird ein Schößling entstehen. Und durch ihn wird ein Scepter der Gerechtigkeit für die Heiden aufgehen, zu richten und zu retten alle, die den Herrn anrufen.
Und nachdem das, was sich in jenen Abschnitten ereignen wird, vollendet ist, alsdann wird der Messias anfangen, sich zu offenbaren. 4 Und offenbaren wird sich der Behemoth aus seinem Land, und der Leviathan wird emporsteigen aus dem Meere; [und] die beiden gewaltigen Seeungeheuer, die ich am fünften Tage des ‘Schöpfungswerks’ geschaffen und bis auf jene Zeit aufbehalten habe, werden alsdann zur Speise für alle sein, welche übrig sind.
Und darnach, wenn die Zeit der Ankunft des Messias sich vollendet, wird er in Herrlichkeit [in den Himmel] zurückkehren. Alsdann werden alle die, die in der Hoffnung auf ihn entschlafen sind, auferstehen.
Ich sah, daß ein weißer Farre mit großen Hörnern geboren wurde. Alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels fürchteten ihn und flehten ihn an alle Zeit.
Aber wenn Rom auch über Ägypten herrschen wird, zu einem Ziele lenkend (?), dann wird sich das größte Königtum des unsterblichen Königs den Menschen zeigen. Es wird kommen der heilige Herrscher, der das Scepter über die ganze Erde innehaben wird in alle Ewigkeiten der dahineilenden Zeit. Und dann [wird] unerbittlicher Zorn über die latinischen Männer [kommen]; drei werden Rom in jammervollem Geschicke zu Grunde richten. Alle Menschen werden in den eignen Häusern umkommen, wenn dann vom Himmel ein feuriger Gießbach herabströmt. Wehe mir Ärmster! Wann wird jener Tag kommen und das Gericht des unsterblichen Gottes, des großen Königs?
Aber das schließliche Gute ‘erwartet dich’ und größte Herrlichkeit, wie dir der ‘unsterbliche Gott’ beschieden hat. Du aber warte, vertrauend auf die heiligen Gesetze des großen Gottes, wann er dein ermattetes Knie aufrecht zum Lichte emporhebt. Und dann wird Gott vom Himmel her einen König senden, zu richten einen jeden mit Blut und Glanz des Feuers. Es giebt aber einen königlichen Stamm, dessen Geschlecht nicht fallen wird, und dieses wird im Umschwunge der Zeiten herrschen und anfangen, einen neuen Tempel Gottes zu errichten.
Und dann wird Gott von Sonnenaufgang her einen König senden, der auf der ganzen Erde dem bösen Krieg ein Ende machen wird, indem er die einen tötet, mit den anderen sichere Verträge schließt. Auch wird er dies alles nicht nach eigenem Rate thun, sondern den guten Beschlüssen des großen Gottes folgend.
CD XII,22-XIII,1
22Und dies ist die Regel des Wohnens 23für [die] La[ger]: Darin sollen sie wandeln in der Zeit der Gottlosigkeit bis zum Auftreten des Gesalbten aus Aaron XIII,1und Israel
CD XIV,18f.
18 Und dies ist die genaue Bestimmung der Rechtssätze, in [denen sie wandeln sollen während der Zeit] 19[der Gottlosigkeit, bis aufsteht der Gesalb]te Aarons und Israels, und ihre Sünde wird er entsühnen
CD XIX,9-11
9 und ich will meine Hand wider die Kleinen wenden (Sach 13,7). Und die, welche ihn bewahren, sind die Armen der Herde. 10Diese werden gerettet werden zur Zeit der Heimsuchung, aber die übrigen werden dem Schwert ausgeliefert werden, wenn der Gesalbte kommt 11aus Aaron und Israel
CD XX,1
... bis zum Auftreten des Gesalbten aus Aaron und Israel.
1 QS IX,9-11
9 Und von keinem Rat des Gesetzes sollen sie abweichen, um 10in aller Verstocktheit ihres Herzens zu wandeln, sondern sie sollen nach den früheren Bestimmungen gerichtet werden, durch welche im Anfang die Männer der Gemeinschaft in Zucht gehalten worden sind, 11bis daß der Prophet und die Gesalbten Aarons und Israels kommen.
1 QSa II,11-22
11 [Dies ist die Sit]zung der angesehenen Männer, [geladen] zur Versammlung für den Rat der Gemeinschaft, wenn [Gott] geb[or]en werden läßt 12d[en] Messias unter ihnen. Es trete [der Priester] an der Spitze der ganzen Gemeinde Israel ein und alle 13[seine Brüder, die Söhne] Aarons, die Priester, [die] zur Versammlung [Geladenen], die angesehenen Männer. Und sie sollen sich setzen 14v[or ihm, jeder] entsprechend seiner Würde. Und danach se[tze sich der Mes]sias Israels. Und es sollen sich vor ihm setzen die Häupter 15der T[ausendschaften Israels, jed]er entsprechend seiner Würde, nach [seiner Stellung] in ihren Lagern und nach ihren Stationen. Und alle 16Fa[milien]häupter [der Ge]meinde mit den Weisen [der heiligen Gemeinde] sollen vor ihnen sitzen, jeder entsprechend 17seiner Würde. Und [wenn] sie sich zusammenfinden zum gemeinsamen [Ti]sch [oder um den Mo]st [zu trinken], und der gemeinsame Tisch ist gerüstet, 18[und] der Most [ist gemischt] zum Trinken, [so darf keiner] seine Hand [ausstrecken] nach dem Erstling 19des Brotes und [des Mostes] vor dem Priester; denn [er soll] den Segen sprechen über dem Erstling des Brotes 20und des Most[es. Und er soll] zuerst seine Hand [ausstrecken] nach dem Brot, und dana[ch soll] der Messias Israels seine Hände 21nach dem Brot ausstrecken. [Und danach] sollen sie [den Segen] sprechen, die ganze Gemeinde der Gemeinschaft, je[der entsprechend] seiner Würde. Und nach dieser Ordnung sollen sie handel[n] 22bei der Zu[rüstung, wenn sich] zusammenfinden wenigstens zehn Män[ner].
4 Qpatr zu Gen 49,10
1[Nicht] soll weichen ein Machthaber aus dem Stamm Juda. Solange Israel die Herrschaft hat, 2wird [nicht aus]gerottet sein einer, der darin thront, der zum (Hause) David(s) gehört. Denn der Herrscherstab ist der Bund der Königsherrschaft, 3[die Tausend]schaften Israels sind die Füße, bis daß kommt der Gesalbte der Gerechtigkeit, der Sproß 4Davids; denn ihm und seinem Samen ist der Bund der Königsherrschaft über sein Volk gegeben für ewige Geschlechter, den 5er bewahrt hat [...] das Gesetz mit den Männern der Gemeinschaft; denn [...] 6 [...] das ist die Versammlung der Männer [...] 7 [...] hat gegeben.
4 Qtest 5-20 zu Dtn 18,18f., Num 24,15-17, Dtn 33,8-11
5Einen Propheten will ich ihnen erwecken aus der Mitte ihrer
Brüder wie dich, und ich will geben meine Worte 6in seinen Mund, und
er soll ihnen alles sagen, was ich ihm befehlen werde. Und wenn es einen Mann
gibt, 7der nicht hören will auf meine Worte, die der Prophet in
meinem Namen sagen wird, so 8werde ich selbst von ihm Rechenschaft
fordern (Dtn 18,18-19).
9Und er hob seinen Spruch an und sprach: Ausspruch Bileams, des
Sohnes Beors und Ausspruch des Mannes, 10dessen Auge vollkommen ist.
So spricht der, der die Worte Gottes hört und die Erkenntnis des Höchsten
erkennt, der 11ein Gesicht des Allmächtigen schaut, niederfallend
und enthüllten Auges. Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, 12ich
betrachte ihn, aber nicht in der Nähe. Es geht ein Stern aus Jakob auf, und es
erhebt sich ein Szepter aus Israel und zerschmettert 13die Schläfen
Moabs und tritt nieder alle Söhne Seths (Num 24,15-17). 14Und über
Levi sprach er: Gebt Levi deine Thummim und deine Urim, dem Mann, deinem
Frommen, den 15du versucht hast bei Massa und gegen den du gestritten
hast an den Wassern von Meriba. Der zu seinem Vater sprach 16und zu
seiner Mutter ‚ich kenne dich nicht', und der seine Brüder nicht ansah und
seine Söhne nicht 17kannte. Denn er hielt dein Wort und bewahrte
deinen Bund. Und sie erhellen Jakob deine Rechtssatzungen, 18Israel
dein Gesetz. Sie bringen Räucherwerk vor deine Nase und Ganzopfer auf deinen
Altar. 19Segne, . . . . (Vier Punkte ersetzen das Tetragramm),
seine Stärke und laß dir das Werk seiner Hände gefallen! Zerschlage seinen
Gegnern und denen, die ihn hassen, die Hüften, 20daß sie nicht
wieder aufstehen (Dtn 3,8-11).
4 Qflor I,1-13.18f. zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1
I,1... [Und nicht soll künftig] ein Sohn der Verderbtheit [es
bedrücken] wie ehedem, seit dem Tag, da 2[ich Richter bestellt habe]
über mein Volk Israel (2 Sam 7,10-11). Dies ist das Haus, das [... am En]de der
Tage, wie geschrieben steht im Buche 3 [... Das Heiligtum, Herr,
welches] deine Hände [er]richtet haben. Jahwe sei König für immer und ewig
(Ex 15,17f.). Dies ist das Haus, in das 4[... in] Ewigkeit kein
Ammoniter und kein Moabiter und kein Bastard und kein Ausländer und kein
Fremdling eintreten darf in Ewigkeit, sondern diejenigen, die den Namen Heilige
tragen. 5Er [wird] sein [... in] Ewigkeit. Ständig wird er über ihm
erscheinen. Und nicht werden es wieder Fremde zerstören, wie sie vordem
zerstörten 6das Heilig[tum Is]raels wegen ihrer Sünde. Und er
sagte, daß man ihm ein Heiligtum unter den Menschen bauen solle, in dem sie ihm
als Rauchopfer 7vor ihm Taten des Gesetzes darbringen sollten. Und
wie er gesagt hat zu David: Und ich will dir [Ruhe] verschaffen vor allen deinen
Feinden (2 Sam 7,11); das heißt, daß er ihnen Ruhe verschaffen wird vor
al[len] 8Söhnen Belials, die sie zu Fall bringen wollen, um sie zu
vernichten ..., wie sie kamen mit einem Plan [Be]l[i]als, um zu Fall zu bringen
die Sö[hne] 9des Lich[tes] und um gegen sie frevlerische Ränke zu
sinnen, damit sie seine [Se]ele aus[liefern] an Belial in ihrer fre[vl]erischen
Verirrung. 10Und Jahwe hat dir [ku]ndgetan, daß er dir ein Haus
bauen wird; und ich werde deinen Samen aufrichten nach dir und den Thron seines
Königtums 11[in Ewig]keit. Ich [w]er[de] ihm Vater sein, und er wird
mir Sohn sein (2 Sam 7,11-14). Das ist der Sproß Davids, der mit dem Erforscher
des Gesetzes auftreten wird der 12 ... in Zi[on am En]de der Tage,
wie geschrieben steht: Und ich will die zerfallene Hütte Davids wieder
aufrichten (Am 9,11). Das ist die zerfalle[ne] Hütte 13Davids, [d]ie
stehen wird, um Israel zu retten. ...
18[Warum to]ben die Völker und sinnen die Nationen [Eitles? Es
er]heben sich [die Könige der Erde und die Für]sten ratschlagen miteinander
gegen Jahwe und gegen 19[seinen Gesalbten (Ps 2,1-2). Die Deu]tung
des Wortes [bezieht sich auf die Völ]ker, und sie ... Erwählte Israels am Ende
der Tage.
Vgl. 4 Q 246 I,9. II,1
Quelle für alle Texte unter c): Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch. Mit masoretischer
Punktation, Übersetzung, Einführung und Anmerkungen hrsg. von Eduard Lohse.
Darmstadt 41986, 93.97.101.105.33.51.247.251.257-259
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft,
Darmstadt!
Um diese Zeit gab es bei den Juden drei Sekten, welche über die menschlichen
Verhältnisse verschiedene Lehren aufstellten, und von denen die eine die der
Pharisäer, die zweite die der Sadduzäer und die dritte die der Essener hieß.
Die Pharisäer behaupteten, daß manches, aber nicht alles das Werk des
Verhängnisses sei, manches dagegen auch freiwillig geschehe oder unterbleibe.
Die Essener hingegen lehren, alles stehe unter der Macht des Verhängnisses, und
es komme bei den Menschen nichts vor, das nicht vom Geschicke bestimmt sei. Die
Sadducäer endlich wollen überhaupt nichts vom Verhängnis wissen und glauben,
es gebe weder ein Verhängnis, noch richte sich des Menschen Geschick danach,
sondern alles geschehe nur nach unserem Willen, sodaß wir ebenso die Urheber
unseres Glücks seien, als wir auch unser Unglück uns durch unseren eigenen
Unverstand zuzögen. Genaueres hierüber habe ich im zweiten Buche meines Werkes
über den Jüdischen Krieg gebracht.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 157f.
5Um nun wieder auf Hyrkanus zurückzukommen, so erregte sein
Glück den Neid der Juden, und besonders waren gegen ihn die Pharisäer
aufgebracht, die, wie ich oben erwähnte, eine Sekte der Juden bilden. Sie
stehen beim Volke in solchem Ansehen, daß sie stets Glauben finden, selbst wenn
sie etwas gegen den König oder den Hohepriester vorbringen. ...
6... Für jetzt will ich nur noch bemerken, daß die Pharisäer
dem Volke durch mündliche Überlieferung viele Gebote aufbewahrt haben, welche
in die Gesetzgebung des Mose nicht aufgenommen sind. Diese Gebote nun verwirft
die Sekte der Sadduzäer und behauptet, das allein sei maßgebend, was
geschrieben stehe, während die mündliche Überlieferung der Vorfahren keine
Gültigkeit habe. Über diesen Punkt entstanden oft heftige Streitigkeiten,
wobei die Sadduzäer nur die Reichen, die Pharisäer aber die große Menge des
Volkes auf ihrer Seite hatten. Näheres über diese beiden Sekten, sowie über
die dritte der Essener findet sich im zweiten Buche meines Werkes über den
Jüdischen Krieg.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkung versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899),177-179
2Bei den Juden gab es schon seit langer Zeit drei philosophische
Sekten, nämlich die der Essener, Sadduzäer und Pharisäer, und wiewohl ich
bereits im zweiten Buche des Jüdischen Krieges mich darüber ausgesprochen
habe, will ich doch die Mühe nicht scheuen, auf dieselben hier nochmals
einzugehen.
3Die Pharisäer leben enthaltsam und kennen keine
Annehmlichkeiten. Was vernünftige Überlegung als gut erscheinen läßt, dem
folgen sie und halten es überhaupt für ihre Pflicht, den Vorschriften der
Vernunft nachzukommen. Die Alten ehren sie und maßen sich nicht an, den
Anordnungen derselben zu widersprechen. Wenn sie behaupten, alles geschehe nach
einem bestimmten Schicksal, so wollen sie damit dem menschlichen Willen nicht
das Vermögen absprechen, sich selbst zu bestimmen, sondern lehren, es habe Gott
gefallen, die Macht des Schicksals und die menschliche Vernunft zusammenwirken
zu lassen, so daß jeder es nach seinem Belieben mit dem Laster oder der Tugend
halten könne. Sie glauben auch, daß die Seelen unsterblich sind und daß
dieselben, je nachdem der Mensch tugendhaft oder lasterhaft gewesen, unter der
Erde Lohn oder Strafe erhalten, so daß die Lasterhaften in ewiger Kerkerhaft
schmachten müssen, während die Tugendhaften die Macht erhalten, ins Leben
zurückzukehren. Infolge dieser Lehren besitzen sie beim Volke einen solchen
Einfluß, daß sämtliche gottesdienstliche Verrichtungen, Gebete wie Opfer, nur
nach ihrer Anleitung dargebracht werden. Ein so herrliches Zeugnis der
Vollkommenheit gaben ihnen die Gemeinden, weil man glaubte, daß sie in Wort und
Tat nur das Beste wollen.
4Die Lehre der Sadduzäer läßt die Seele mit dem Körper
zugrunde gehen und erkennt keine anderen Vorschriften an als das Gesetz. Sogar
gegen die Lehrer ihrer eigenen Schule im Wortstreit anzugehen, halten sie für
rühmlich. Ihrer Anhänger sind nur wenige, doch gehören sie den besten
Ständen an. Übrigens richten sie nichts Bedeutendes aus, und wenn sie einmal
dazu genötigt sind, ein Amt zu bekleiden, so halten sie es mit den Pharisäern,
weil das Volk sie sonst nicht dulden würde.
5Die Essener dagegen lehren, man müsse alles dem Willen Gottes
anheimgeben. Sie glauben an die Unsterblichkeit der Seele und halten den Lohn
der Gerechtigkeit für das erstrebenswerteste Gut. Wenn sie Weihgeschenke in den
Tempel schicken, bringen sie kein Opfer dar, weil sie heiligere Reinigungsmittel
zu besitzen vorgeben. Aus diesem Grunde ist ihnen der Zutritt zum gemeinsamen
Heiligtum nicht gestattet, und sie verrichten demgemäß ihren Gottesdienst
besonders. Übrigens sind es Menschen von vortrefflichen Sitten, und sie
beschäftigen sich bloß mit Ackerbau. Ganz besonders bewunderungswürdig und
lobenswert aber sind sie wegen einer bei den Griechen und den anderen Völkern
völlig unbekannten, bei ihnen jedoch nicht etwa erst seit kurzer Zeit, sondern
schon seit vielen Jahren herrschenden ausgleichenden Gerechtigkeit, infolge
derer sie vollkommene Gütergemeinschaft haben und dem Reichen nicht mehr Genuß
von seinen Gütern lassen wie dem Armen. Nach dieser Lehre leben über
viertausend Menschen. Sie heiraten ebenso wenig, als sie Knechte halten, und so
leben sie voneinander abgesondert und dienen einer dem anderen. Zu Verwaltern
ihrer Einkünfte vom Feldertrag wählen sie tüchtige Männer aus priesterlichem
Stande, die für Getreide und sonstige Nahrungsmittel zu sorgen haben. Sie leben
übrigens alle auf eine und dieselbe Weise und kommen am nächsten denjenigen
Dakern, welche Polisten heißen.
6Außer diesen drei Schulen nun gründete jener Galiläer Judas
eine vierte, deren Anhänger in allen anderen Stücken mit den Pharisäern
übereinstimmen, dabei aber mit großer Zähigkeit an der Freiheit hängen und
Gott allein als ihren Herrn und König anerkennen. Sie unterziehen sich auch
jeder möglichen Todesart und machen sich selbst nichts aus dem Morde ihrer
Verwandten und Freunde, wenn sie nur keinen Menschen als Herren anzuerkennen
brauchen. Da ihre Hartnäckigkeit indes allgemein durch Augenschein bekannt ist,
glaube ich von weiteren Bemerkungen über sie absehen zu können. Ich brauche ja
nicht zu fürchten, daß meine Worte keinen Glauben finden; viel eher müßte
ich besorgen, daß mir nicht genug Worte zu Gebote stehen, um solchen Heldenmut
und solche Standhaftigkeit zu schildern. Diese Tollkühnheit war es, die das
Volk in Aufruhr brachte, als der Landpfleger Gessius Florus durch den Mißbrauch
seiner Amtsgewalt dasselbe so zur Verzweiflung trieb, daß es von den Römern
abfiel. So viel von den Philosophenschulen der Juden.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 506-508
2Es gibt nämlich bei den Juden drei Arten von philosophischen
Schulen; die eine bilden die Pharisäer, die andere die Sadducäer, die dritte,
welche nach besonders strengen Regeln lebt, die sogenannten Essener. Die
letzteren sind ebenfalls geborene Juden, aber untereinander noch mehr als die
anderen durch Liebe verbunden. Die sinnlichen Freuden meiden sie wie die Sünde,
und die Tugend erblicken sie in Enthaltsamkeit und Beherrschung der
Leidenschaften. Über die Ehe denken sie gering, dagegen nehmen sie fremde
Kinder auf, so lange dieselben noch in zartem Alter stehen und bildungsfähig
sind, halten sie wie ihre Angehörigen und prägen ihnen ihre Sitten ein. Doch
wollen sie damit die Ehe und die Erziehung von Nachkommenschaft durch dieselbe
nicht gänzlich aufheben, sondern sich nur vor den Ausschweifungen der Weiber
sichern, da sie glauben, daß keines derselben dem einen Gatten die Treue
bewahre.
3Den Reichtum verachten sie, und bewundernswert ist bei ihnen die
Gemeinschaft der Güter, so daß man niemand unter ihnen findet, der mehr
besäße als die anderen. Es besteht nämlich die Vorschrift, daß jeder, der
der Sekte beitreten will, sein Vermögen der Gesamtheit abtreten muß ...
... 4Sie haben keine einzige Stadt, sondern in jeder wohnen ihrer
viele. ... Untereinander kaufen und verkaufen sie nichts, sondern ein jeder gibt
von seinem Eigentum dem anderen, was dieser nötig hat, und empfängt umgekehrt
von ihm das, was er selbst brauchen kann. ...
5Auf eine eigentümliche Art verehren sie die Gottheit. Bevor
nämlich die Sonne aufgeht, sprechen sie kein unheiliges Wort, sondern sie
richten an das Gestirn gewisse altherkömmliche Gebete, als wollten sie seinen
Aufgang erflehen. Hierauf werden sie von den Vorstehern zu dem Tagewerke
entlassen, auf das ein jeder von ihnen sich versteht. Wenn sie sodann bis zur
fünften Stunde fleißig gearbeitet haben, kommen sie wieder an einem bestimmten
Ort zusammen, schürzen ein linnenes Tuch um und waschen sich den Leib in kaltem
Wasser. Nach dieser Reinigung begeben sie sich in ein besonderes Gebäude, das
kein Angehöriger einer anderen Sekte betreten darf, und versammeln sich hier,
gereinigt, als ginge es in ein Heiligtum, im Speisesaal. Dort setzen sie sich in
aller Ruhe nieder, und es legt alsdann der Bäcker ihnen der Reihe nach Brote
vor, während der Koch jedem eine Schüssel mit einem einzigen Gericht
aufträgt. Ehe das Mahl beginnt, spricht der Priester ein Gebet, und vor dem
Gebet darf niemand etwas verzehren. Nach dem Mahle betet er wiederum, so daß zu
Anfang und zu Ende desselben Gott als der Spender der Nahrung geehrt wird.
Nachdem sie sodann ihre gleichsam heiligen Kleider abgelegt, begeben sie sich
wieder an ihre Arbeit bis zur Abenddämmerung. Hierauf kehren sie zurück und
speisen auf dieselbe Weise; sind zufällig Fremde da, so nehmen diese am Mahle
teil. Weder Geschrei noch sonstiger Lärm entweiht je das Haus, sondern ein
jeder läßt den anderen reden, wie ihn die Reihe trifft. Auf diejenigen, die
außerhalb des Hauses sich befinden, macht die in demselben herrschende Stille
den Eindruck eines schauerlichen Geheimnisses; doch hat die Ruhe ihren Grund nur
in der beständigen Nüchternheit der Ordensmitglieder, die Speise und Trank
nicht weiter als bis zur Sättigung genießen.
6... Das gegebene Wort gilt bei ihnen mehr wie der Eid; ja, sie
unterlassen das Schwören, weil sie es für schlimmer als den Meineid halten.
... Mit Vorliebe widmen sie sich dem Studium der Schriften der Alten ...
7Wer in die Sekte aufgenommen sein will, erhält nicht sogleich
Zutritt, sondern er muß zunächst außerhalb des Ordens ein Jahr lang derselben
Lebensweise wie die Mitglieder sich unterziehen ... Nachdem er nämlich seine
Standhaftigkeit dargetan hat, wird nun in zwei weiteren Jahren auch sein
Charakter geprüft, und erst, wenn er in dieser Beziehung gleichfalls würdig
erscheint, wird er förmlich in den Orden aufgenommen. Bevor er indes bei dem
gemeinsamen Mahl erscheinen darf, muß er den Ordensangehörigen einen
furchtbaren Eid schwören, ... daß er Treue gegen jedermann und besonders gegen
die Obrigkeit üben wolle, weil niemand Gewalt habe, ohne daß sie ihm von Gott
verliehen sei. ...
9... Nächst Gott zollen sie die größte Verehrung dem Namen des
Gesetzgebers (= Mose); wer ihn lästert, wird mit dem Tode bestraft. ...
Peinlicher als alle übrigen Juden vermeiden sie es, am Sabbat sich mit Arbeit
zu befassen ...
10... Diese ihre Gesinnung trat so recht im Kriege gegen die
Römer zutage. Auf die Folter wurden sie gespannt, ihre Glieder gereckt,
verbrannt, zerbrochen; mit allen erdenklichen Marterwerkzeugen quälte man sie,
um sie zur Lästerung des Gesetzgebers oder zum Genuß einer ihnen verbotenen
Speise zu zwingen - aber weder das eine noch das andere vermochte man
durchzusetzen. Kein bittendes Wort an ihre Peiniger kam über ihre Lippen, und
ihre Augen blieben tränenleer. Lächelnd unter Schmerzen spotteten sie ihrer
Henker, und freudig gaben sie ihre Seelen dahin in der sicheren Hoffnung, sie
einst wieder zu erhalten.
11Sie hegen nämlich den festen Glauben, daß der Körper zwar der
Verwesung anheimfalle und vergänglich sei, die Seele dagegen in Ewigkeit
fortlebe ... Damit wollen sie zunächst die Unsterblichkeit der Seele
feststellen, dann aber auch zur Tugend antreiben und vom Laster abschrecken ...
14Was nun die beiden zuerst genannten Sekten betrifft, so ist die
der Pharisäer die älteste unter allen dreien. Sie gelten für besonders
kundige Erklärer des Gesetzes, machen alles von Gott und dem Schicksal
abhängig und lehren, daß Recht- und Unrechttun zwar größtenteils den
Menschen freistehe, daß aber auch bei jeder Handlung auch eine Mitwirkung des
Schicksals stattfinde. Die Seelen sind nach ihrer Ansicht alle unsterblich, aber
nur die der Guten gehen nach dem Tode in einen anderen Leib über, während die
der Bösen ewiger Strafe anheimfallen. Die Sadducäer hingegen, die zweite der
obengenannten Sekten, leugnen das Schicksal völlig und behaupten, Gott habe mit
dem Tun und Lassen der Menschen gar nichts zu schaffen; vielmehr seien gute wie
böse Handlungen gänzlich dem freien Willen anheimgestellt, und nach eigenem
Gutdünken trete ein jeder auf die eine oder andere Seite. Weiterhin leugnen sie
auch die Fortdauer der Seele, sowie die Strafen und Belohnungen in der
Unterwelt. Während aber die Pharisäer sich eng aneinander anschließen und zum
Wohle der Gesamtheit die Eintracht hochhalten, ist das Benehmen der Sadducäer
gegen ihresgleichen weit unfreundlicher, so daß sie mit ihren
Gesinnungsgenossen so abstoßend wie mit Fremden verkehren. Das ist es, was ich
über die philosophischen Schulen der Juden bemerken wollte.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900,
205-214
(1) Unzählige von Schülern hat
unser Gesetzgeber zu einer Gemeinschaft gesalbt. Sie werden Essäer genannt. Ich
glaube, sie sind angesichts ihrer Frömmigkeit dieser Bezeichnung würdig. Sie
bewohnen viele Städte Judäas, aber auch große, vielbewohnte Dörfer. (2) Bei
ihnen gibt es keine Erwählung durch Abstammung - denn "Abstammung"
schreibt man nicht bei Freiwilligen -, sondern durch Tugendeifer und Verlangen
nach Menschenfreundlichkeit. (3) Bei den Essäern gibt es überhaupt kein (unmündiges)
Kind, aber auch keinen heranwachsenden Knaben oder jungen Mann, denn die Unbeständigkeiten
an diesen sind Gewohnheiten, die zur Unvollkommenheit des Jugendalters gehören,
mit ihr neigen sie den Neuerungen zu. Es sind dagegen Männer, die schon dem
reifen Alter zuneigen. Sie werden nicht mehr von den Wallungen ihres Leibes überschwemmt
und auch nicht von den Leidenschaften bestimmt, sondern sie ernten wahrhaftige
und wirklich alleinige Wahrheit. (4) Zeugnis von der Freiheit gibt ihr Leben.
Keiner wagt es, überhaupt etwas zu besitzen, kein Haus, keinen Sklaven, kein
Land, keine Herden, nichts anderes, was der Beschaffung oder Austattung von
Reichtum gleich käme. Sie legen vielmehr alles geschlossen in die Mitte [ihrer
Gemeinschaft] und haben den gemeinsamen Ertrag von allem. (5) Sie wohnen an
demselben Ort, sie leben in Freundschaftsbünden und halten gemeinsame
Mahlzeiten und führen ihre Leben, indem sie alles für Gemeinnütziges
einsetzen. (6) Aber alle beschäftigen sich anders; dazu rüsten sie sich, ohne
Zaudern kämpfen sie sich durch, nicht Frost, nicht Hitze, nicht wechselnde
Witterung vorschützend. Bevor die Sonne aufgegangen ist, wenden sie sich ihren
gewohnten Aufgaben zu; wenn sie ganz untergeht, hören sie damit auf und haben
nicht weniger Freude als die, die mit Übungswettkämpfen Vergleiche
ausgetragen. (7) Denn sie glauben, daß die Übungen, die sie unternehmen, fürs
Leben tauglicher und für Seele und Leib besser und dauerhafter sind als die Übungen
in den Wettkämpfen, da sie nicht der Kraftentwicklung des Körpers unterworfen
sind. (8) Denn es gibt bei ihnen die einen, Ackerbauern, die sich auf das Säen
und die Pflege der Gewächse verstehen, die anderen aber, Herdenführer, die
alle Arten von Tieren führen. Einige haben auch Schwärme von Bienen. (9)
Andere sind Handwerker entsprechend ihrer Fertigkeit; an nichs, was zu den
notwendigen Bedürfnissen gehört, müssen sie Mangel leiden; nichts schieben
sie von dem auf, was zu ehrlicher (wörtl. "unschuldiger")
Erwerbsquelle führt. (10) Jeder nimmt den Lohn für so verschiedenen Tätigkeiten
und übergibt sie dem einen Schatzmeister, der von ihnen gewählt wurde. Nach
dem Empfang kauft jener sofort das Notwendige und sorgt für reichlich Nahrung
und die anderen Dinge, die für das tägliche Leben notwendig sind. (11) Sie
leben miteinander an einem Ort, sind Tischgenossen und miteinander zufrieden,
lieben die Genügsamkeit, fliehen das aufwendige Leben wie eine Krankheit an
Seele und Leib. (12) Sie haben nicht nur einen gemeinsamen Tisch, sondern teilen
auch die Kleidung. Sie haben dicke Mäntel gegen den Winter, leichte Umhänge für
den Sommer, so daß es jedem, der will, leicht möglich ist, eines zu nehmen,
wenn er will, da das, was von einem ist als Teil von allen und das, was von
allen ist, als Teil von einem erachtet wird. (13) Und wenn einer von ihnen krank
ist, wird er von der Gemeinschaft gepflegt, denn er wird mit den Aufwendungen
und Mitteln von allen behandelt. Wenn auch die Alten ohne Kinder sind, so sind
sie es doch gewohnt wie solche, die nicht nur viele Kinder haben, sondern auch
noch sehr gute, in glücklichstem, herrlichstem Greisenalter ihr Leben zu Ende
zu bringen, von so vielen des Vollzugs und die Ehre für würdig befunden, die
mit freiwilliger Einstellung es für wert erachten, sie mehr als die Natur
erfordert, zu pflegen. (14) Was nun allein oder am meisten die Gemeinschaft
dabei war zu gefährden, haben sie höchst scharfsinnig in der Ehe gesehen.
Deshalb haben sie sie vermieden, um unterschiedslos Enthaltsamkeit zu üben.
Keiner der Essaier hat eine Frau, weil die Frau selbstsüchtig, sehr eifersüchtig
und feige ist und die guten Sitten des Mannes zu umgarnen und mit bedrängenden
Zaubereien zu verleiten versucht. (15) Sie übt sich in schmeichlerischen Worten
und aller anderen Schauspielerei wie auf der Bühne; wenn sie dann Augen und
Ohren geködert hat, betrügt sie den Verstand als Anführer der getäuschten
Untertanen [d.h. der dem Verstand untergebenen Sinne]. (16) Wenn dann Kinder
geboren werden, ist sie voller Hochmut und Freimütigkeit im Reden, und was sie
vorher in ihrer Verstellung in listiger Weise nur andeutete, das spricht sie nun
mit ihrem größer gewordenen Wagemut aus, und nachdem sie alle Scham abgelegt
hat, tut sie mit Gewalt Dinge, die alle der Gemeinschaft feindlich sind. (17)
Der aber, der durch Lockungen einer Frau gefesselt ist oder sich aus der
Notwendigkeit der Natur um die Kinder kümmert, ist für die anderen nicht mehr
derselbe, sondern ist unbemerkt ein anderer geworden, ein Sklave statt eines
freien. (18) So ist also ihr (der Essener) Leben erstrebenswert, so daß nicht
nur einzelne, sondern auch große Könige die Männer bewundern und vor ihnen
erstaunen und ihre Wünsche mit Hochschätzungen und Ehrerbietungen bekunden.
(Übersetzung: R. Hoppe)
Da sie [sc. die Juden] aber Gott fürchteten, und nach seinem Gesetze
wandelten, sonderten sie sich in betreff der Speisen ab, daher sie einigen
verhaßt erschienen.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 1. Bd.: Die Apokryphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2.,
unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 125
Du aber, mein Sohn Jakob, gedenke meiner Worte und halte die Gebote deines
Vaters Abraham; trenne dich von den Völkern und iß nicht mit ihnen und handle
nicht nach ihrem Tun und sei nicht ihr Genosse. Denn ihr Werk ist Unreinheit,
und alle ihre Wege sind Befleckung, Verwerfung und Abscheulichkeit.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962
(2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 78
5Als Aseneth wegging und Joseph küssen wollte, streckte Joseph seine rechte Hand aus und legte sie auf ihre Brust, mitten zwischen ihre beiden Brüste, (denn ihre Brüste standen schon wie wohlgestaltete Äpfel) und Joseph sprach: Nicht ziemt es sich für einen gottesfürchtigen Mann, der mit seinem Munde den lebendigen Gott preist, geweihtes Lebensbrot ißt, (den) Becher (der) Unsterblichkeit trinkt und mit der Unverweslichkeit geweihtem Salböl gesalbt wird, eine fremde Frau zu küssen, die mit ihrem Munde tote und stumme Götzen preist, von ihrem Tisch erwürgte Speise ißt, von ihrem Opfertrank den Kelch des Truges trinkt und mit Salbe des Verderbens gesalbt wird. 6Der gottesfürchtige Mann wird vielmehr seine Mutter küssen und die Schwester, seiner Mutter Kind, und die Schwester aus seinem Stamm und aus seiner Verwandtschaft und seine Gattin, die sein Lager teilt, die mit ihrem Munde den lebendigen Gott preisen.
Die Absonderung der Pharisäer von den Nichtpharisäern
Wer es auf sich nimmt, Genosse zu sein, ... darf bei keinem
Gesetzesunkundigen einkehren und darf keinen solchen in seiner Bekleidung bei
sich aufnehmen.
Quelle: nach der Gießener Mischna I 3, 21
Ebenso wird auch gelehrt: Folgendes war die Gepflogenheit der Sittenreinen in
Jerusalem: sie unterschrieben einen Schein nur dann, wenn sie wußten, wer mit
ihnen unterschreibt, sie setzten sich zu Gericht nur dann, wenn sie wußten, wer
mit ihnen sitzt, und sie setzten sich zur Tafel nur dann, wenn sie wußten, wer
mit ihnen speist.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 8. Berlin/Wien 1925, 548
Und Joseph trat in das Haus des Pentephres und setzte sich auf den Thron. Und sie wuschen seine Füße und setzten ihm einen Tisch vor, für sich, denn Joseph aß nicht mit den Ägyptern. Dies war ihm ein Greuel.
Ein einziger Zeuge soll nicht gelten, sondern es sollen derer drei oder
wenigstens zwei sein, deren Wahrheitsliebe durch ihren Lebenswandel verbürgt
wird. Auch soll das Zeugnis der Weiber nicht zulässig sein wegen der ihrem
Geschlechte eigenen Leichtfertigkeit und Dreistigkeit.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. I. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899), 231
11Einen von diesen Gesandten schickte Hyrkanus auch an Dolabella, der
damals Asien verwaltete, und ließ ihn bitten, die Juden vom Kriegsdienste zu
befreien, ihnen ihre väterlichen Gebräuche zu lassen und ihnen zu
ermöglichen, daß sie danach leben könnten. Als Dolabella diesen Brief des
Hyrkanus erhalten hatte, schickte er sogleich ohne weitere Beratung an alle
asiatischen Städte, und zwar zuerst an Ephesus, das damals in Asien die erste
Stelle einnahm, einen Erlaß in betreff der Juden folgenden Inhalts:
12"Unter dem Prytanen Artemon am ersten Lenaion. Dolabella
der Imperator an den Senat, den Magistrat und das Volk von Ephesus. Alexander,
Sohn des Theodorus, Gesandter des Hyrkanus, des Sohnes Alexanders, Hohepriesters
und Fürsten der Juden, hat mir mitgeteilt, seine Landsleute könnten am
Kriegsdienste nicht teilnehmen, weil sie am Sabbat weder Waffen tragen noch
marschieren dürften, auch ihre von Gesetz und Gewohnheit ihnen vorgeschriebenen
Speisen sich nicht verschaffen könnten. Infolgedessen befreie ich sie ebenso,
wie meine Vorgänger getan haben, vom Kriegsdienste, gestatte ihnen, wenn sie
sich zu Opfer und Gottesdienst nach ihrem Brauche versammeln, sich ihrer
hergebrachten Einrichtungen zu bedienen sowie Geld zur Beschaffung der Opfer
beizutragen, und befehle, daß dieser Erlaß bei allen Städten
cirkuliere."
Vgl. dazu auch Jüdische Altertümer XVI 2,3-5 §27-65
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 243f.
2Was Judäa anlangt, so sandte Tiberius dorthin den Pilatus als
Landpfleger. Einst nun ließ dieser eine Anzahl verhüllter Bildnisse des
Caesars, welche die Römer ‚signa' (= "Feldzeichen") nennen,
zur Nachtzeit nach Jerusalem bringen. Kaum aber graute der Tag, als eine
hochgradige Aufregung sich der Stadt bemächtigte. Denn was in die Nähe kam,
entsetzte sich über den Anblick wie über eine schwere Verhöhnung des
Gesetzes, das den Juden die Aufstellung jedweden Bildwerkes in der Stadt
untersagte. Allmählich zog die Erbitterung der Stadtbewohner auch das Landvolk
in großen Scharen herbei, und alle machten sich nun auf den Weg nach Caesarea
zu Pilatus, den sie flehentlich baten, die Bildnisse aus Jerusalem entfernen und
an ihren althergebrachten religiösen Satzungen nicht rütteln zu wollen. Da
Pilatus aber die Bitte abschlug, warfen sie sich zu Boden und blieben fünf Tage
und ebenso viele Nächte liegen, ohne sich zu rühren.
3Am folgenden sechsten Tage nahm Pilatus in der großen Rennbahn
auf einer Tribüne Platz und ließ das Volk herbeirufen, als wolle er ihm
Bescheid erteilen, gab aber dann den Soldaten ein Zeichen, die Juden mit den
Waffen in der Hand zu umzingeln. So von einer dreifachen Reihe Bewaffneter
eingeschlossen, gerieten die Juden über den unerwarteten Anblick zunächst in
gewaltige Bestürzung. Nachdem Pilatus gedroht hatte, sie niederzumetzeln, wenn
sie fortführen, die Bildnisse des Caesars abzulehnen, befahl er den Soldaten,
ihre Schwerter zu zücken. Daraufhin warfen sich die Juden wie auf ein Kommando
gleichzeitig zu Boden, entblößten ihre Nacken und erklärten, sie wären eher
zu sterben bereit als das Gesetz zu übertreten. Von so viel religiösem Eifer
erstaunt und überwunden, gab Pilatus Anweisung, die Bildnisse sofort aus
Jerusalem zu entfernen.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900,
215f.
Unterdessen hatten auch die Samariter sich empört, aufgereizt von einem
Menschen, der sich aus Lügen nichts machte und dem zur Erlangung der Volksgunst
jedes Mittel recht war. Er forderte das Volk auf, mit ihm den Berg Garizin zu
besteigen, der bei den Samaritern als heiliger Berg gilt, und versicherte, er
werde dort die heiligen Gefäße vorzeigen, die von Mose daselbst vergraben
worden seien. Diesen Worten schenkten die Samariter Glauben, ergriffen die
Waffen, sammelten sich in einem Dorfe mit Namen Tirathaba und zogen immer mehr
Menschen an sich heran, um in möglichst großer Anzahl auf den Berg rücken zu
können. Pilatus jedoch kam ihnen zuvor und besetzte den Weg, den sie
zurücklegen mußten, mit Reiterei und Fußvolk. Diese Streitmacht griff die
Aufrührer an, hieb eine Anzahl von ihnen nieder, schlug den Rest in die Flucht
und nahm noch viele gefangen, von welch letzteren Pilatus die Vornehmsten und
Einflußreichsten hinrichten ließ.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkung versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899), 519f.
Noch während Fadus Landpfleger von Judäa war, bewog ein Betrüger mit Namen
Theudas eine ungeheure Menschenmenge, ihm unter Mitnahme ihrer gesamten Habe an
den Jordan zu folgen. Er gab sich nämlich für einen Propheten aus und
behauptete, er könne durch sein Machtwort die Fluten des Jordan teilen und
seinem Gefolge einen bequemen Durchgang ermöglichen. Durch solche
Spiegelfechtereien gelang es ihm, viele zu täuschen. Indes duldete Fadus nicht,
daß ihr sinnloses Treiben Schaden stifte, indem er eine Abteilung Reiter gegen
sie aussandte, die unversehens über sie herfiel, viele von ihnen tötete und
andere in Gewahrsam brachte. Theudas selbst geriet ebenfalls in Gefangenschaft,
worauf er enthauptet und sein Kopf nach Jerusalem gebracht wurde. Das sind die
Hauptbegebenheiten während der Amtsführung des Landpflegers Cuspius Fadus.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 650f.
Infolge des Treibens der Räuber war die ganze Stadt ein Schauplatz der
nichtswürdigsten Verbrechen. Gleichzeitig traten auch Gaukler und Betrüger auf
und beredeten die Menge, ihnen in die Wüste zu folgen, wo sie mit Gottes
Beistand offenbare Zeichen und Wunder tun würden. Viele glaubten ihnen, mußten
aber für ihren Unverstand schwer büßen, da Felix sie zurückholen und
hinrichten ließ. Um diese Zeit kam auch ein Mensch aus Ägypten nach Jerusalem,
der sich für einen Propheten ausgab und das gemeine Volk verleiten wollte, mit
ihm auf den Ölberg zu steigen, der in einer Entfernung von fünf Stadien der
Stadt gegenüber liegt. Dort, sagte er, wolle er ihnen zeigen, wie auf sein
Geheiß die Mauern Jerusalems zusammenstürzten, durch welche er ihnen dann
einen Eingang in die Stadt bahnen würde. Als Felix hiervon Kunde erhielt, ließ
er die Besatzung alarmieren, machte mit einer starken Abteilung von Reitern und
Fußsoldaten einen Ausfall aus Jerusalem und griff den Ägyptier und dessen
Anhänger an. Von den letzten fielen viertausend, und zweihundert wurden
gefangen genommen; der Ägyptier selbst aber entkam aus dem Treffen und wurde
unsichtbar. Jetzt reizten die Banditen abermals das Volk zum Kriege gegen die
Römer, denen man keinen Gehorsam erweisen dürfe, und wo man auf ihre
Hetzereien nicht einging, verheerten sie die Dörfer durch Brandstiftung und
Plünderung.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 662
Noch unheimlicher ist folgendes: Ein gewisser Jesus, des Ananus Sohn, ein
ungebildeter Landmann, kam vier Jahre vor dem Ausbruch des Krieges, als die
Stadt sich noch tiefen Friedens und großen Wohlstandes erfreute, zu dem Fest,
an dem der Sitte gemäß alle Juden Gott zu Ehren Laubhütten in der Nähe des
Tempels errichten, und fing da plötzlich an zu rufen: "Eine Stimme vom
Anfang, eine Stimme vom Niedergang, eine Stimme von den vier Winden; eine Stimme
über Jerusalem und den Tempel, eine Stimme über Bräutigame und Bräute, eine
Stimme über das ganze Volk!" Tag und Nacht rief er dies, in allen Gassen
der Stadt umherlaufend. Einige vornehme Bürger, die sich über das
Unglücksgeschrei ärgerten, ergriffen den Menschen und züchtigten ihn mit
harten Schlägen. Er aber fuhr, ohne etwas zu seiner Entschuldigung oder gegen
seine Peiniger vorzubringen, immer nur fort, seine früheren Worte zu
wiederholen. Mit Recht glaubten daher die Vorsteher, es möchte dem Benehmen des
Menschen ein höherer Antrieb zu Grunde liegen, und führten ihn vor den
römischen Landpfleger, wo er, bis auf die Knochen durch Geißelhiebe
zerfleischt, weder um Gnade bat noch Tränen vergoss, sondern im kläglichsten
Tone jeden Hieb nur mit dem Ruf erwiderte: "Wehe Jerusalem!" Als
Albinus - so hieß der Landpfleger - ihn fragte, wer und woher er sei und
weshalb er also rufe, gab er auch hierauf keine Anwort, sondern fuhr mit seinem
Klagegeschrei über die Stadt fort, bis Albinus, von seinem Wahnsinn überzeugt,
ihn laufen ließ. Die ganze Zeit hindurch bis zum Ausbruch des Krieges verkehrte
er mit keinem seiner Mitbürger, noch sah man ihn mit jemand reden - sondern Tag
für Tag klagte er, wie wenn er ein Gebet hersage: "Wehe, wehe
Jerusalem!" Er fluchte keinem, der ihn schlug (was täglich vorkam), noch
dankte er dem, der ihm zu essen gab: für niemand hatte er eine andere Antwort,
als jene Unglücksprophezeiung. Besonders laut aber ließ er seinen Ruf an
Festtagen erschallen, und obwohl er dies sieben Jahre und fünf Monate lang
fortsetzte, wurde seine Stimme weder heiser noch matt, bis er endlich bei der
Belagerung seine Weissagung in Erfüllung gehen sah und mit seinem Wehklagen
aufhörte. Während er nämlich eines Tages mit dem gellenden Ruf: "Wehe
der Stadt, dem Volk und dem Tempel" die Mauer umging, und schließlich
hinzusetzte: "Wehe auch mir", traf ihn ein aus einer Wurfmaschine
geschleuderter Stein und machte seinem Leben ein Ende; mit dem Klageruf auf den
Lippen verschied er.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz, Köln 1900,
594-597
Dieser Text wird später eingefügt.
Claudius erteilte nun dem Statthalter von Aegypten den schriftlichen Befehl,
diese Unruhen zu unterdrücken, und sandte ausserdem auf Bitten der Könige
Agrippa und Herodes nach Alexandria und Syrien ein Edikt folgenden Inhalts:
"Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Pontifex maximus mit
tribunicischer Gewalt, verordnet hiermit wie folgt. In Erwägung, dass die
Juden, welche zu Alexandria wohnen und Alexandriner heissen, bald nach Erbauung
der Stadt zugleich mit den eigentlichen Alexandrinern dorthin geschickt worden
sind und von den Königen gleiches Bürgerrecht mit den letzteren erhalten
haben, wie dies aus deren Verordnungen und Erlassen hervorgeht; sodann in
Erwägung, dass bei der durch Augustus vollzogenen Einverleibung der Stadt
Alexandria in unser Reich den Juden ihre Rechte nicht verkürzt, sondern von den
zu verschiedenen Zeiten dorthin gesandten Statthaltern ohne jede Einwendung
aufrecht erhalten worden sind; in fernerer Erwägung, dass auch zu der Zeit, da
Aquila Statthalter in Alexandria und der jüdischen Ethnarch gestorben war,
Augustus die Wahl eines neuen Ethnarchen nicht verboten und diesem bei der
Huldigung gestattet hat, dass die Juden nach ihren eigenen Gebräuchen leben und
der Religion ihrer Väter treu bleiben dürfen; endlich in Erwägung, dass die
Erhebung der Alexandriner gegen die mit ihnen zusammen wohnenden Juden noch in
die Regierungszeit des Caesars Gajus fällt, der in seinem ungeheuren Wahnsinn
das jüdische Volk unterdrückte, weil es von seiner Religion nicht abfallen und
ihn nicht als Gott anerkennen wollte: will ich nicht dem Unverstand des Gajus
zulieb eines von den dem Volke der Juden gemachten Zugeständnissen wieder
aufheben, sondern ihnen alle früheren Rechte nebst der Freiheit, nach ihrer
Religion zu leben, bestätigen. Desgleichen befehle ich, dass nach
Bekanntmachung dieses meines Ediktes von beiden Seiten alles vermieden werde,
wodurch neue Unruhen entstehen können."
3 So lautete das Edikt, das zugunsten der Juden nach Alexandria
gesandt wurde. Gleichzeitig erging auch an alle übrigen Länder des Erdkreises
ein Schreiben folgenden Inhalts:
"Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Pontifex maximus mit
tribunicischer Gewalt, Konsul zum zweitenmal, verordnet wie folgt. Nachdem meine
lieben Freunde Agrippa und Herodes mich inständigst gebeten haben, ich möge
den im ganzen römischen Reiche lebenden Juden dieselben Rechte bewilligen, die
auch den Juden in Alexandria zugestanden sind, habe ich ihren Bitten gern
stattgegeben und nicht nur diesen Bittstellern zu Gefallen, sondern auch mit
Rücksicht auf diejenigen, für die ich gebeten worden bin, es für gerecht
gehalten, ihnen ihre Treue gegen die Römer damit zu lohnen, dass ich keine
Stadt, und zwar auch keine von den griechischen Städten, der Rechte beraube,
die ihnen unter dem göttlichen Augustus bestätigt worden sind. Ich erachtete
es vielmehr für billig, dass die Juden in unserem gesamten Reiche ihren
herkömmlichen Gebräuchen ohne alle Anfechtungen treu bleiben, und ermahne sie
gleichzeitig, dass sie, mit dieser Gnade zufrieden, sich duldsam benehmen und
die religiösen Gebräuche anderer Völker nicht verachten, sondern sich bei
ihren eigenen Gesetzen bescheiden. Dieses Edikt soll allen Behörden in den
Städten, Kolonien und Municipien sowohl innerhalb wie außerhalb Italiens,
desgleichen allen Königen und Fürsten durch ihre eigenen Botschafter
kundgegeben und ausserdem innerhalb dreissig Tagen an einer Stelle, wo es bequem
gelesen werden kann, angeschlagen werden."
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 618-620
Somit hat euch nichts anderes gegen die Römer in Wehr und Waffen gebracht,
als deren Milde. Wir gaben euch das Land in Besitz, wir setzten über euch
Könige aus eurem eigenen Stamme, wir achteten eure heimischen Gesetze und
liessen euch nicht allein zu Hause, sondern auch unter Fremden nach eurem
Gutdünken leben; ja noch mehr, wir gestatteten euch, für euren Gottesdienst
Steuern zu erheben und Gaben zu sammeln, rügten nicht deren freiwillige
Spendung und suchten nicht zu hindern, dass ihr, die Feinde, reicher wurdet als
wir selbst, und mit unserem Gelde gegen uns euch rüstet. Ihr aber wurdet durch
den Genuss so bedeutender Vergünstigungen übermütig, wandtet euch gegen die,
welche sie euch gewährten, und bespritztet nach Art unzähmbarer Schlangen mit
eurem Gift die, welche euch schmeichelten.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900),
600
So war also die erste Einfriedung des Tempels beschaffen. Nach innen zu
befand sich dann unweit der ersten eine zweite, zu der man auf einigen Stufen
emporstieg. Sie stellte eine steinerne Mauer dar, auf der geschrieben stand,
dass jedem Fremden, der Eintritt bei Todesstrafe verboten sei.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 362
Ging man über diesen Hof, so kam man an ein den zweiten Tempelraum
umschließendes, drei Ellen hohes Steingitter von sehr gefälliger Arbeit. An
ihm waren in gleichen Abständen Säulen angebracht, welche das Gesetz der
Reinheit teils in griechischer, teils in römischer Sprache verkündeten, dass
nämlich kein Fremder das Heiligtum betreten dürfe; denn so hiess dieser zweite
Raum des Tempels, zu dem man auf vierzehn Stufen aus dem ersten hinanstieg.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900),
495
Im überwallenden Drang seines Gefühls rief nun der Caesar nochmals der
Rotte des Johannes die vorwurfsvollen Worte zu: "Habt nicht ihr, verruchte
Frevler, jenes Gitter um das Heiligtum gezogen? Habt nicht ihr an demselben jene
Säulen errichtet, auf denen in griechischer und römischer Sprache das Verbot,
die Schranke zu überschreiten steht? Und haben nicht wir euch gestattet, den
Übertreter dieser Vorschrift, selbst wenn es ein Römer war, mit dem Tode zu
bestrafen? Jetzt aber tretet ihr Bösewichte in jenen Räumen auf Leichen herum
und besudelt den Tempel mit dem Blute von Fremden wie von Einheimischen!
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900,
571f.
Unerbittliche Todesstrafe ist festgesetzt für alle Nichtjuden, die den inneren Bezirk des Tempels betreten - im äußeren Bezirk dagegen nehmen sie alle Menschen, von wo sie auch kommen, freundlich auf.
Kein Andersstämmiger darf in den Bezirk um den Tempel zwischen Schranke und Umzäunung eintreten.
Wer dort aber angetroffen wird, der ist für seinen Tod als Konsequenz selbst verantwortlich.
Evtl. ältester archäologischer Beleg für die Bezeichnung "Synagoge".
Galiläa zerfällt in zwei Teile, in das sogenannte Obergaliläa und Untergaliläa. ... Denn die Galiläer sind von Jugend an kriegerisch und waren immer zahlreich; weder Feigheit bei seinen Männern noch Mangel an Männern hat das Land je gefährdet. Ganz Galiläa ist fruchtbar und reich an Viehweiden, es ist mit Bäumen aller Art bepflanzt. Von seinem Überfluß werden auch die zur Landarbeit ermutigt, die sonst nur ganz wenig Freude an der Landarbeit haben. Von daher haben seine Bewohner das Land vollkommen bebaut und es gibt dort überhaupt kein Brachland. Die Städte liegen dicht beieinander und die Bevölkerung der Dörfer ist überall wegen der Fruchtbarkeit des Bodens zahlreich, daß auch die kleinsten Dörfer wenigstens 15000 Einwohner zählten.
Wenn Galiläa auch kleiner ist als Peräa, so könnte man ihm doch im Ganzen wegen seines Reichtums gegenüber Peräa den Vorzug geben. Denn es ist ganz bebaut und durchgehend ertragreich. Peräa ist zwar wesentlich größer, aber zum großen Teil unbewohnt und rauh und für das Gedeihen edlerer Früchte zu unwirtlich. In seinem freundlicheren Teil wachsen dagegen alle Früchte und auf den Ebenen wachsen verschiedene Baumarten, am meisten Ölbäume, Weinstöcke und Palmen.Von den Bergen fließt ausreichend Wasser in Bächen herab. Falls letztere im Sommer austrocknen, gibt es unversiegbare Quellen.
Der See Gennesar hat seinen Namen von dem an ihn angrenzenden Landstrich. Er ist 40 Stadien breit, und seine Länge übertrifft die Breite noch um 100 Stadien; trotz dieser Ausdehnung ist sein Wasser süß und zum Trinken sehr geeignet. Denn es ist klarer als das dicke Wasser eines Sumpfes und rein, da der See auf allen Seiten an steinige oder sandige Ufer stößt. Beim Schöpfen hat es immer die richtige Temperatur, da es milder ist als das Wasser eines Flusses oder einer Quelle und dabei doch immer kühler bleibt, als man bei der Ausdehnung des Sees erwarten würde. Das Wasser wird so kalt wie Schnee, wenn man es der Luft aussetzt, wie die Anwohner es in den Sommernächten zu tun pflegen. Die Fischarten, die sich im See finden, unterscheiden sich im Geschmack und Gestalt von denen anderer Gewässer... Entlang dem See Gennesar erstreckt sich eine gleichnamige Landschaft von wunderbarer Natur und Schönheit. Wegen der Fettigkeit des Bodens gestattet sie jede Art von Pflanzenwuchs, und ihre Bewohner haben daher in der Tat alles angebaut; das ausgeglichene Klima paßt auch für die verschiedenartigsten Gewächse. Nußbäume, die im Vergleich zu allen anderen Pflanzen eine besonders kühle Witterung brauchen, gedeihen dort prächtig in großer Zahl. Daneben stehen Palmen, die Hitze brauchen, ferner Feigen- und Ölbäume unmittelbar dabei, für die ein gemäßigteres Klima angezeigt ist. Man könnte von einem Wettstreit der Natur sprechen, die sich mächtig anstrengt, alle ihre Gegensätze an einem Ort zusammenzuführen, oder von einem edlen Kampf der Jahreszeiten, von denen sich jede um diese Gegend wetteifernd bemüht. Der Boden bringt nicht nur das verschiedenste Obst hervor, das man sich kaum zusammen denken kann, sondern er sorgt auch lange Zeit hindurch für reife Früchte. Die königlichen unter ihnen, Weintrauben und Feigen, beschert er 10 Monate lang ununterbrochen, die übrigen Früchte reifen nach und nach das ganze Jahr hindurch. Denn abgesehen von der milden Witterung trägt zur Fruchtbarkeit dieser Gegend auch die Bewässerung durch eine sehr kräftige Quelle bei, die von den Einwohnern Kapharnaum genannt wird...
§ 34 Iudaia's westliche Enden gegen den Kasion
besetzen die Idumaier und der See (Sirbonis). Die Idumaier aber sind Nabataier,
welche durch Aufruhr von dort vertrieben sich zu den Iudaiern wandten, und mit diesen in Gemeinschaft ihrer Gebräuche traten. Am Meere nimmt das Meiste der
Sirbonis ein, und das zunächste Land bis gen Hierosolyma; denn auch dieses
liegt am Meere; denn es ist gesagt, dass Hierosolyma seiner Hafenstadt Ioppe im
Anblicke liegt. Diese Landschaften liegen zwar schon nordlich; doch sind noch
die meisten, jede für sich, von gemischten Stämmen bewohnt, von Aigyptischen,
Arabischen und Phoinikischen. Denn solche sind jene, welche Galilaia bewohnen,
und Hierikûs und Philadelphia und Samareia, welches Herodes Sebaste zubenamte.
Wiewohl sie nun solche Mischlinge sind, erklärt doch die vorherrschende Sage
alles dessen, was über den Tempel zu Hierosolyma geglaubt wird, die Vorältern
der jetzt so genannten Iudaier für Aigyptier.
§ 35 Denn Moses, einer der Aigyptischen Priester, welcher einen
Theil des so genannten [Nieder]landes besass, unwillig über das Bestehende in
Aigyptos, zog weg von dort in jenes Land, und viele Verehrer der Gottheit zogen
mit ihm. Denn er behauptete und lehrte, dass weder Aigyptier noch Libyer richtig
dächten, welche die Gottheit wie Thiere und Hausvieh gestalten; aber nicht viel
besser auch die Hellenen, welche sie menschenähnlich bilden. Denn nur jenes
Eine Wesen sei Gott, welches uns Alle und Erde und Meer umfasst, welches wir
Himmel und Welt und Natur der Dinge nennen. Wie also möge, wer Verstand hat,
sich erdreisten, ein irgend einem der Dinge bei uns gleichendes Abbild dieses
Wesens zu erdichten? Man müsse vielmehr alles Bildnismachen unterlassen,
[aber] ein Weihthum und würdiges Tempelgemach absondern, und die Gottheit
verehren ohne Bildniss. Auch müsse man darin schlafen, sowohl selbst für sich,
als auch andere Traumglückliche für Andere; und wer tugendhaft und in
Gerechtigkeit lebe, dürfe immer von dem Gotte Gutes, sowohl Gabe als Zeichen,
erwarten, die Anderen aber dürfen nichts erwarten.
§ 36 Solches lehrend beredete Moses nicht wenige verständige
Männer, und führte sie weg an jenen Ort, wo jetzt der Anbau steht zu
Hierosolyma. Er erlangte die Gegend leicht, da sie nicht so beneidenswerth ist,
dass um sie Jemand hartnäckig kämpfen möchte; denn sie ist felsig, der Ort
selbst zwar wohlbewässert, hat aber ringsum unfruchtbares und wasserloses,
innerhalb sechzig Stadien aber auch untersteiniges Land. Zugleich aber anstatt
der Waffen das Heilige vorschützend und die Gottheit, für welche er einen
Wohnsitz zu finden wünsche, versprach er, solche Verehrung und solche
Opferfeier einzuführen, welche die Ausüber weder durch Aufwand noch durch
Gottbegeisterungen oder andere abgeschmackte Handlungen belästigen würde.
Durch diese Mittel also beliebt geworden errichtete dieser Mann eine nicht
gemeine Herrschaft, indem Alle rings umher wegen seiner Ueberredungen und
Verheissungen willig sich ihm anschlossen.
Quelle: Strabons Erdbeschreibung in siebenzehn Büchern.
Verdeutscht von Christoph Gottlieb Groskurd. Dritter Theil, Berlin/Stettin 1833,
263-266
Plond
PLond 1912 (veröffentlicht und erklärt in H. I. Bell, Jews and Christians
in Egypt, London 1924; wieder abgedruckt in Hunt-Edgar Nr. 212 = Select Papyri
with an English translation by A.S. Hunt and C.C. Edgar, Bd. 2 und in CPJ 153;
andere deutsche Übers. in H.J. Klauck, Die antike Briefliteratur und das Neue
Testament UTB 2022, Paderborn u.a. 1998, 86ff.).
(Kol. 1) Verkündigung durch Lucius Aemilius Rectus. Da wegen ihrer großen Zahl nicht die ganze Bevölkerung in der Lage war,
beim Verlesen des allerheiligsten und wohltätigsten Briefes an die Stadt anwesend zu sein, hielt ich es für notwendig,
den Brief zu veröffentlichen, damit ihr, wenn ihr ihn Mann für Mann lest, die Majestät
unseres Gottes Cäsar bewundert und Dankbarkeit empfindet für sein Wohlwollen gegenüber der Stadt. 2. (Jahr)
unter Tiberius Claudius Cäsar Augustus Germanicus Imperator, am 14. Neos Sebastos.
(Kol. 2) 15Tiberius Claudius Cäsar Augustus Germanicus Imperator, Pontifex Maximus, im Besitz der tribunizischen Gewalt,
designierter Konsul, grüßt die Stadt Alexandria. Tiberius Claudius Barbillus, Apollonius, Sohn des Artemidoros, Chairemon,
Sohn des Leonidas, Marcus Iulius Asklepiades, Gaius Iulius Dionysios, Tiberius Claudius Phanias, Pasion, Sohn des Potamon,
Dionysios, Sohn des Sabbion, Tiberius Claudius Apollonius, Sohn des Ariston, Gaius lulius Apollonius, Hermaiscus, Sohn des Apollonius,
eure Gesandten, nachdem sie mir den Beschluß übergeben hatten, sprachen ausführlich über die Stadt und lenkten meine
Aufmerksamkeit auf euren guten Willen uns gegenüber, der schon seit langem, des mögt ihr gewiß sein, in meinem Gedächtnis
bewahrt ist; denn ihr seid von Natur fromm gegen die Augusti, wie ich aus vielen Dingen erkenne, und besonders bemüht ihr
euch um mein Haus, was ich warm erwidere, wofür, um den letzten Punkt zu erwähnen, die anderen aber beiseite zu lassen,
mächtigster Zeuge mein Bruder Germanicus Cäsar ist, der euch mit persönlichen Worten angeredet hat.
28 Deshalb nehme ich mit Freuden die mir von euch erwiesenen Ehren an, obwohl ich solchen Dingen nicht sehr zugänglich bin.
Zuerst erlaube ich euch, meinen Geburtstag als dies Augustus zu feiern, wie ihr es vorgeschlagen habt, und ich stimme der
Errichtung von Statuen meiner Person und meiner Familie an ihren verschiedenen Plätzen zu; denn ich sehe, daß ihr sehr gerne
auf jede Weise Gedächtnisstätten eurer Verehrung für mein Haus erbauen wollt. Von den beiden goldenen Statuen 35 soll die
eine, die die Pax Augusta Claudiana darstellt, wie mein sehr geschätzter Barbillus vorschlug und mich drängte, als ich es aus Furcht,
sie könnte prahlerisch erscheinen, abschlagen wollte, der Roma geweiht werden, (Kol. 3) und die andere soll, wie ihr es wünscht,
an Namenstagen bei euch in der Prozession getragen werden; und mit ihr soll ein Thron getragen werden, 40 der mit Schmuck
nach eurem Wunsch versehen sei. Vielleicht wäre es töricht, gleichzeitig solche großen Ehrerweisungen anzunehmen, aber die
Einrichtung eines claudianischen Stammes zu untersagen und die Anlage von Hainen nach ägyptischer Art zu verbieten; weshalb
ich euch auch diese Bitte erfülle, und wenn ihr wollt, mögt ihr auch die von Vitrasius Pollio, meinem Prokurator, geschenkten
Reiterstatuen aufstellen. 45 Was die Errichtung der Statuen mit Viergespannen betrifft, die ihr am Eingang des Landes für mich
aufzustellen wünscht, erlaube ich, daß eine bei Taposiris, der lybischen Stadt dieses Namens, eine andere bei Pharus bei Alexandria
und eine dritte beim ägyptischen Pelusium aufgestellt werde; aber ich billige nicht die Ernennung eines Oberpriesters für mich
und den Bau von Tempeln; denn ich wünsche nicht bei meinen Zeitgenossen Anstoß zu erregen, und meine Ansicht ist, daß
Heiligtümer und ähnliches allein ein Vorrecht der Götter sind, das ihnen zu allen Zeiten gebührt.
52 Was nun die Bitten betrifft, um deren Erfüllung ihr euch bemüht,
entscheide ich folgendermaßen. Allen denjenigen, die bis zu meinem Prinzipat
Epheben geworden sind, bestätige ich das Bürgerrecht von Alexandria mit allen
Privilegien und Vorrechten, die die Stadt genießt, außer denjenigen, die sich,
obwohl sie von Sklavenmüttern abstammen, in die Ephebenschaft bei euch eingeschlichen
haben. Und ebenso ist es mein Wille, daß auch die anderen Dinge nicht weniger
gültig seien, alle, die euch durch die Gunst meiner Vorgänger im Prinzipat sowie
von Königen und Präfekten vor mir zuteil wurden, wie es auch der göttliche Augustus
bestätigt hat. (Kol. 4) 60 Es ist mein Wille, daß die Neokoroi des
Tempels des göttlichen Augustus in Alexandria durch das Los gewählt werden sowie
auch die des besagten göttlichen Augustus in Kanopus durch das Los bestimmt
werden. Daß die staatlichen Ämter alle drei Jahre erneuert werden, scheint mir
ein guter Vorschlag; denn aus Furcht, jede schlechte Amtsführung verantworten
zu müssen, werden eure Magistraten sich während ihrer Amtszeit mit größerer
Umsicht verhalten. 66 Bezüglich des Senats kann ich nicht sagen,
wie euer Brauch unter den alten Königen war, aber ihr seid euch darüber im klaren,
daß ihr unter den früheren Augusti keinen hattet. Da dieses der erste Beginn
eines neuen Planes ist, dessen Nützlichkeit für die Stadt und für meine Belange
nicht ersichtlich ist, habe ich an Aemilius Rectus geschrieben, daß er Erkundigungen
einziehen und mich benachrichtigen möge, ob erstens der Senat einzurichten sei,
und wenn er es sei, in welcher Weise dies geschehen solle. Über die Frage, welche
Partei für die Unruhen und Aufstände - oder eher, wenn die Wahrheit gesagt werden
soll, den Krieg - mit den Juden verantwortlich war, war ich doch nicht gewillt,
eine strenge Untersuchung zu veranlassen, obwohl 75 bei der Gegenüberstellung
(mit ihren Gegnern) eure Gesandten und besonders Dionysios, der Sohn des Theon,
mit großem Eifer eure Sache vertraten; jedoch hege ich gegen die, die den Konflikt
erneuert haben, bei mir einen unversöhnlichen Zorn; und ich sage euch ein für
alle Mal, daß ich, wenn ihr nicht mit dieser verderblichen und eigensinnigen
Feindschaft gegen einander aufhört, dazu gezwungen sein werde, euch zu zeigen,
wie ein an sich wohlwollender Fürst sein kann, wenn man ihn zu gerechtem Zorn
reizt. Deshalb beschwöre ich euch jetzt noch einmal, daß ihr, die Alexandriner,
euch einerseits geduldig und freundlich gegenüber den Juden betragt, die seit
langer Zeit in derselben Stadt gewohnt haben, (Kol. 5) 85 und keinen
der von ihnen befolgten Riten zur Anbetung ihrer Götter schändet, sondern ihnen
erlaubt, ihren Gebräuchen wie zu den Zeiten des göttlichen Augustus nachzugehen,
welche ich, nachdem ich beide Seiten angehört, ebenfalls sanktioniert habe;
und andererseits befehle ich den Juden ausdrücklich, nicht auf mehr Privilegien
als sie früher besaßen, hinzuarbeiten, und in Zukunft keine besonderen Gesandtschaften
mehr auszusenden, als ob sie in einer anderen Stadt lebten, etwas, was noch
nie vorgekommen ist; und sich nicht mit Gewalt in die Wettspiele der Gymnasiarchen
und die Kosmetien einzudrängen, wo sie doch ihre eigenen Privilegien besitzen
und 95 eine große Menge von Vorteilen in einer fremden Stadt genießen,
und nicht neue Juden herbeizuziehen oder zuzulassen, die von Syrien oder Ägypten
den Fluß hinunterkommen, ein Vorgang, der mich dazu veranlassen könnte, noch
mißtrauischer zu werden; im anderen Falle will ich sie mit allen Mitteln vertreiben
als Erreger einer allgemeinen Plage für die ganze Welt. Wenn ihr von diesen
Dingen ablaßt und in gegenseitiger Nachsicht und Freundlichkeit miteinander
leben wollt, will ich meinerseits die wohlwollendste Sorge für die Stadt bezeigen,
wie sie euch auch von meinen Vorfahren bezeigt wurde. 105 Ich bezeuge
meinem Freund Barbillus die Sorge, mit der er euch alle Zeit vor mir vertritt,
und den sehr großen Eifer, mit dem er jetzt den Streitfall für euch geführt
hat, und ebenso meinem Freund Tiberius Claudius Archibius. Lebt wohl.
Mit freundlicher Genehmigung von C. Colpe.
Quelle: C.K. Barrett, Die Umwelt des Neuen Testaments: Ausgewählte Quellen, hg. von C. Colpe, Tübingen 1959, auch in:
Barrett, C. K. / Thornton, C. J. (Hrsg.): Texte zur Umwelt des Neuen Testaments (UTB 1591) Tübingen 1991, 55-57
Die harmonische Frau kann man sich nicht anders denken als voller Klugheit und Besonnenheit; denn ausgesprochen verständig muss sie sein, um Vollkommenheit zu erlangen. Nur dann wird sie gerecht, tapfer [wörtl.: männlich] und einsichtig sein, sich mit ihrer Bescheidenheit schmücken und leeres Denken und Reden verabscheuen. Diese Eigenschaften haben die schönste Wirkung auf die Frau selbst, ihren Mann, ihre Kinder und ihr Haus, oft aber für eine ganze Stadt - es kann ja sein, dass sie über Städte oder Völker herrscht, wie wir es bei einer Königin sehen.
Wenn sie also ihr Temperament und ihre Leidenschaft beherrscht, ist sie rein und harmonisch: mit sich und der Welt im Einklang. Dann wird sie von unerlaubten Neigungen nicht einmal in Versuchung geführt, sondern wendet ihre Liebe auf den Mann, die Kinder und das ganze Haus. Frauen, die sich in fremde Betten sehnen, werden ja immer zu Feindinnen von allen im Hause, Frauen wie Sklaven; solch eine Frau sinnt auf Lug und Trug dem Ehemann gegenüber, sie erzählt ihm Unwahrheiten über jedermann, um den Anschein zu erwecken, niemand hege größere Freundschaft für ihn als sie; sie will die Herrschaft über das Haus behalten, ohne einen Finger zu rühren. Dadurch verkommt alles, was ihr und ihrem Mann gehört. Mehr will ich darüber nicht sagen.
Was aber den Körper angeht, so soll die harmonische Frau ihn in natürlichem Maße mit Kleidung und Nahrung versehen; sie soll sich baden, die Haare frisieren und Gold und Edelsteine tragen, soweit dies dem Schmuck dient. Frauen, die nur das Beste und Teuereste essen und trinken, die Kleidung und Schmuck tragen, wie er unter Frauen gang und gäbe ist, sind nämlich schon zum Fehltritt bereit: sie sind zu jeder Schlechtigkeit fähig und werden immer das Falsche tun, nicht nur, wo es um die eheliche Treue geht. Eine Frau braucht also nur Hunger und Durst zu stillen, und wenn sie zu den unteren Schichten gehört, reicht ein Mantel aus Schaf- oder Ziegenfell, um sie gegen die Kälte zu schützen. Die Vorliebe für exotisches, teures Essen und berühmte Spezialitäten ist kein geringer Fehler, und wenn eine Frau allzu ausgefallene Kleider trägt, aus Stoffen, die etwa mit Purpur oder anderer teurer Farbe gefärbt sind, zeugt das von großer Torheit. Der Körper will ja nur nicht frieren und, der Schicklichkeit halber, nicht unbedeckt sein, etwas anderes braucht er nicht. Doch die Menschen in ihrer Dummheit meinen, nach dem Leeren und Überflüssigen streben zu müssen. Darum wird die kluge Frau sich keinen Schmuck von Gold oder indischem Stein umlegen (oder woher er auch kommen mag); sie wird sich die Haare nicht zu kunstvoll flechten und ihrer Salbe keine arabischen Düfte beimischen. Ebenso wenig wird sie sich das Gesicht weiß oder rot schminken, die Augenbrauen und Wimpern schwarz färben oder das ergraute Haar in Farbbädern auffrischen. Sie geht nicht einmal zu oft zum Baden; denn eine Frau, die das Bad besucht, sucht auch Zuschauer für ihre Freizügigkeit. Doch die Schönheit, die nicht daher kommt, sondern aus der geistigen Reife, sagt Frauen guter Herkunft zu. Aber man soll nicht glauben, es sei notwendig, aus einer vornehmen Familie, wohlhabenden Kreisen oder einer berühmten Stadt zu stammen; auch der Ruhm und die Liebe berühmter und hochgeborener Männer sind nicht vonnöten. Wenn eine Frau dies besitzt, wird sie sich darüber nicht grämen; wenn nicht, hat sie keinen Anlass, neidisch zu sein; denn auch ohne diese Vorzüge kann nichts sie hindern, vernunftmäßig zu leben. Aber auch wenn ihr dergleichen zufällt, ihre Seele soll nicht nach Größe und Bewunderung streben, sondern fern davon ihren Weg gehen; denn dieser Glanz schadet mehr, als er nützt: er lockt ins Verderben. Denn bei den Großen finden sich Neid, Intrigen und Verleumdung, so dass eine Frau in dieser Umgebung kaum zu einem unerschütterlichen Ruhen in sich selbst gelangen könnte.
Den Göttern schuldet sie Verehrung, um zuversichtlich auf Glück hoffen zu können; sie soll dabei Sitte und Gesetz folgen, wie sie von den Vorfahren überliefert sind. Nächst den Göttern, fordere ich, soll sie die Eltern achten und ehren; denn diese sind in allem Göttern gleich und handeln zugunsten ihrer Enkel. Ihrem Ehemann gegenüber muss sie ebenfalls ihr Leben gesittet und erfreulich gestalten: sie darf nichts für sich allein im Sinn haben, sondern soll die Ehe hüten und schützen; denn darauf beruht alles. Was auch den Mann trifft, sie muss alles mittragen, ob er nun Unglück hat oder Fehler macht aus Unwissenheit, Krankheit oder Trunksucht oder wenn er mit anderen Frauen verkehrt; denn Männern wird ein solcher Fehltritt zugestanden, den Frauen jedoch niemals, es steht auch Strafe darauf. Pflicht der Frau ist es also, der Sitte zu folgen und nicht eifersüchtig zu sein. Auch seinen Zorn, seine Knauserei, seine Unzufriedenheit mit dem Schicksal, seine Eifersucht und seine Beleidigungen muss sie ertragen, und was ihm sonst von Natur aus eigen ist. So wird die Frau alles so ordnen, wie es ihm lieb ist, wenn sie klug ist. Eine Frau, die ihrem Mann eine Freundin ist und alle seine Angelegenheiten auf angenehme Weise verwaltet, lebt in Harmonie, sie liebt das Haus und erwirbt ihm Wohlwollen bei den Außenstehenden. Liebt sie jedoch nicht, so ist es auch nicht ihr Wunsch, ihr Haus, ihre Kinder, die Sklaven und das Vermögen in bester Ordnung zu sehen, sondern sie wünscht ihnen alles Verderben, als wäre sie eine Feindin; der Mann wäre schon tot, wenn es nach ihrem Gebet ginge, damit sie zu anderen Männern ziehen könnte, und wer ihrem Mann gefällt, den hasst sie. Harmonisch aber nenne ich sie dann, wenn sie nicht nur ihren Mann nützen, sondern auch den Kindern, Verwandten und dem ganzen Haus, zu dem auch Besitz, Freunde, Mitbürger und Gäste gehören; deren Haus wird sie in Schlichtheit führen, wird plaudern und zuhören auf angenehme Art und dem zustimmen, was mit ihrem gemeinsamen Lebensstil übereinstimmt; den Verwandten und Freunden, die ihr Mann ehrt, steht sie zur Seite; was ihm angenehm ist, gefällt auch ihr und was ihn erbittert, erachtet auch sie für schlecht, wenn sie nicht ganz und gar unharmonisch ist. (Aus: POMEROY, Sarah B.: Frauenleben im klassischen Altertum. Aus dem Englischen übersetzt von Norbert F. Mattheis. Stuttgart 1985, S. 203-206. Quelle übersetzt von Karin Metzler).
Die Rabbanan lehrten: Es ereignete sich, dass der Sohn des R. Gamaliël krank
war. Da sandte er zwei Schriftgelehrte zu R. Hanina b. Dosa, dass er für ihn um
Erbarmen flehe. Sobald dieser sie sah, stieg er auf den Söller und flehte für
ihn um Erbarmen. Als er herabstieg, sprach er zu ihnen: Gehet, die Hitze hat ihn
verlassen. Sie sprachen zu ihm: Bist du denn ein Prophet? Er erwiderte: Weder
bin ich ein Prophet, noch der Sohn eines Propheten; allein so ist es mir
überliefert: ist mir das Gebet im Mund geläufig, so weiss ich, dass es angenommen wurde,
wenn nicht, so weiss ich, dass es zerschlagen wurde. Sie liessen sich nieder,
schrieben und vermerkten diese Stunde.
Als sie zu R. Gamaliël kamen, sprach er zu ihnen: Bei Gott! Weder habt
ihr vermindert noch vermehrt; grade so geschah es; in dieser Stunde verliess ihn
die Hitze, und er bat uns um Wasser, um zu trinken.
Wiederum ereignete es sich, dass R. Hanina b. Dosa zu R. Johanan b. Zakkaj
die Gesetzeslehre studieren ging, und der Sohn des R. Johanan b. Zakkaj
erkrankte. Dieser sprach zu ihm: Hanina, mein Sohn, flehe doch für ihn um
Erbarmen, dass er genese! Da legte er sein Haupt zwischen seine Kniee und flehte
für ihn um Erbarmen; und jener genas. Da sprach R. Johanan b. Zakkaj: Hätte
Ben Zakkaj den ganzen Tag seinen Kopf zwischen seinen Knieen gedrückt, man
würde ihn nicht beachtet haben. Seine Frau sprach zu ihm: Ist denn Hanina
bedeutender, als du? Er erwiderte ihr: Nein; allein er ist wie ein Diener vor
dem König, ich aber wie ein Fürst vor dem König.
Quelle: nach: Der babylonische Talmud Bd. 1, hg. u. übers. v. Lazarus
Goldschmidt, Berlin/Wien 1925, 130
Ich habe zum Beispiel gesehen, wie einer der Unseren, Eleazar mit Namen, in
Gegenwart des Vespasian, seiner Söhne, der Obersten und der übrigen Krieger
die von bösen Geistern Besessenen davon befreite. Die Heilung geschah in
folgender Weise. Er hielt unter die Nase des Besessenen einen Ring, in dem eine
von den Wurzeln eingeschlossen war, welche Salomon angegeben hatte, liess den
Kranken daran riechen und zog so den bösen Geist durch die Nase heraus. Der
Besessene fiel sogleich zusammen, und Eleazar beschwor dann den Geist, indem er
den Namen Salomons und die von ihm verfassten Sprüche hersagte, nie mehr in den
Menschen zurückzukehren. Um aber den Anwesenden zu beweisen, dass er wirklich
solche Gewalt besitze, stellte Eleazar nicht weit davon einen mit Wasser
gefüllten Becher oder ein Becken auf und befahl dem bösen Geiste, beim
Ausfahren aus dem Menschen dieses umzustossen und so die Zuschauer davon zu
überzeugen, dass er den Menschen verlassen habe. Das geschah auch in der Tat,
und so wurde Salomons Weisheit und Einsicht kund. Ich habe hierüber sprechen zu
müssen geglaubt, damit allgemein bekannt werde, wie gewaltig der Geist des
Königs und wie wohlgefällig er Gott war, und damit niemand unter der Sonne des
Königs ausgezeichnete Tugend verborgen bleibe.
Quelle: nach: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. I. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899), 475
Antoninus ... kam zu Rabbi; er traf ihn, wie er dasaß und seine Schüler vor
ihm. Antoninus sprach zu ihm: Sind das die, von denen du so rühmend sprichst?
Er antwortete: Ja ... ! der Kleinste unter ihnen kann Tote erwecken. Nach
einigen Tagen wurde ein Diener des Antoninus zum Tode krank. Antoninus ließ
Rabbi sagen: Sende mir einen von deinen Schülern, daß er mir diesen Toten
wieder lebendig mache! Er sandte ihm einen von seinen Schülern; einige sagen,
es sei R. Schimeon b. Chalaphta (um 190) gewesen. Dieser ging hin und fand den
Diener hingestreckt. Er sprach zu ihm: Was liegst du hingestreckt, während dein
Herr auf seinen Füßen steht? Sofort bewegte er sich und stand auf.
Quelle: nach: (Strack, H. L.)/Billerbeck, P., Kommentar zum Neuen
Testament aus Talmud und Midrasch, Bd. 1, München 1922, 560
R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: An jedem Tag ertönt ein Widerhall und ruft:
die ganze Welt wird durch das Verdienst meines Sohns Hanina gespeist, während
mein Sohn Hanina selbst es mit einem Kab Johannisbrot von einem Vorabend des
Šabbaths bis zum anderen genug hat. Seine Frau pflegte an jedem Vorabend des
Šabbaths den Ofen zu heizen und etwas rauchendes in denselben zu werfen, weil
sie sich schämte. Sie hatte eine böse Nachbarin, welche einst sprach: Ich
weiss, dass sie nichts hat, was soll dies nun!? Da ging sie und klopfte an ihre
Tür; jene wurde beschämt und flüchtete in eine Kammer.
Es geschah aber ein Wunder und sie sah den Ofen voll Brot und die Mulde voll
Teig; da rief sie: Du, du, bringe eine Schaufel, dein Brot brennt an. Jene
erwiderte: Ich ging ja eben sie holen. Es wird gelehrt, sie ging auch wirklich
eine Schaufel holen, weil sie an Wunder gewöhnt war.
Quelle: nach: Der babylonische Talmud Bd. 3, hg. u. übers. v. Lazarus
Goldschmidt, Berlin/Wien 1925, 501
Es ist überliefert worden: An jenem Tag wendete Rabbi 'Eli'ezer alle
Einwendungen, die in der Welt sind, ein (um seine Ansicht durchzudrücken), aber
sie (d.h. die anderen Gelehrten) nahmen (sie) nicht von ihm an.
Er sagte zu ihnen: wenn die Halacha (festgesetzt wird) wie ich (d.h. nach
meiner Ansicht), so möge dieser Johannisbrotbaum (ihre Richtigkeit) beweisen.
Da entwurzelte sich der Johannisbrotbaum (und rückte weg) von seiner Stelle 100
Ellen. [Und (manche) sagten von ihm: 400 Ellen]. Da sagten sie (d.h. die Gegner)
zu ihm: man bringt keinen Beweis von dem Johannisbrotbaum.
Da sagte er wiederum zu ihnen: wenn die Halacha (festgesetzt wird) wie ich
(d.h. nach meiner Ansicht), so möge der Wasserkanal (ihre Richtigkeit)
beweisen. Da trat der Wasserkanal zurück. Da sagten sie zu ihm: man bringt
keinen Beweis von dem Wasserkanal.
Da sagte er wiederum zu ihnen: wenn die Halacha (festgesetzt wird) wie ich
(d.h. nach meiner Ansicht), so mögen die Wände des Lehrhauses (ihre
Richtigkeit) beweisen. Da neigten sich die Wände des Lehrhauses (und drohten)
zu fallen. Da fuhr Rabbi Jehoschu'a sie an und sagte zu ihnen: wenn die Schüler
der Weisen einander besiegen in betreff der Halacha, was geht das euch an? Da
fielen sie nicht wegen der Ehre des Rabbi Jehoschu'a, und sie stellten sich
nicht aufrecht wegen der Ehre des Rabbi 'Eli'ezer, und noch jetzt stehen sie
geneigt da.
Quelle: nach: Der babylonische Talmud Bd.6, hg. u. übers. v. Lazarus
Goldschmidt, Berlin/Wien 1925, 678f.
Honi, der Kreiszieher. Schim'on ben Schatah (um 100 v. Chr.)
Wegen jeder Not - die nicht kommen möge über die Gemeinde - bläst man Lärm,
ausgenommen die Menge des Regens.
Es geschah, daß sie (d.h. die Leute) zu Honi, dem Kreiszieher, sagten: bete,
daß Regen herabkommt. Da sagte er zu ihnen: gehet hinaus und bringet die
Passahöfen hinein (ins Haus), damit sie nicht zerweichen. Er betete, aber es
kam kein Regen herab.
Was tat er? Er machte einen Kreis und trat in ihn mitten hinein und sagte vor
dem Herrn der Welt: Deine Kinder haben ihr Angesicht auf mich gerichtet (d.h.
haben sich an mich gewandt); denn ich bin wie ein Haussohn vor dir. Ich schwöre
bei deinem großen Namen, daß ich nicht von hier weiche, bis du dich über
deine Kinder erbarmt hast. Da begann der Regen herabzutröpfeln. Da sagte er:
nicht so habe ich verlangt, vielmehr Regen für Gruben (etwa 10 Handbreiten
Tiefe), (längliche) Gräben und (viereckige, geräumige) Höhlen. Da begann
(der Regen) herabzukommen mit Ungestüm. Da sagte er: nicht so habe ich
verlangt, vielmehr Regen des Wohlgefallens, des Segens und der freiwilligen
Gabe. Da kam (der Regen) herab, wie es recht (ist), bis daß die Israeliten
hinausgingen aus Jerusalem nach dem Berg des Hauses (d.h. des Tempels) vor dem
Regen. Sie kamen und sagten zu ihm (d.h. zu Honi): wie du gebetet hast ihn (d.h.
den Regen) betreffend, daß er herabkomme, so bete, daß er fortgehe. Da sagte
er zu ihnen: gehet hinaus und sehet, ob der Mahnstein (vom Regen) aufgelöst
worden ist.
Da sandte zu ihm Schim'on ben Schatah (und ließ ihm sagen): wenn du nicht
Honi wärest, so würde ich den Bann über dich anordnen, aber was soll ich dir
tun, denn du versündigtest dich vor Gott (wörtl.: dem Ort), und (dennoch) tut
er dir deinen Willen, wie ein Sohn, der sich gegen seinen Vater versündigt und
er tut ihm (dennoch) seinen Willen. Und über dich sagt die Schrift (Spr.
23,25): "es möge sich freuen dein Vater und deine Mutter, und es möge
frohlocken deine Gebärerin."
Quelle: nach: Der babylonische Talmud Bd. 3, hg. u. über. v. Lazarus
Goldschmidt, Berlin/Wien 1925, 471
Es geschah betreffs eines heidnischen Schiffes, das eine Seereise machte auf
dem großen Meer (d.h. dem mittelländischen Meer), und es war in ihm ein
jüdisches Kind. Da stand auf gegen sie ein großer Sturm im Meere, und es stand
auf jeder einzelne von ihnen und begann seinen Götzen (wörtl.: den Gegenstand
seiner Furcht) emporzuheben mit seiner Hand und (ihn) anzurufen. Aber er nützte
(sich damit) nichts. Als sie sahen, daß sie (sich damit) nichts nützten,
sagten sie zu jenem Juden: mein Sohn, steh auf, rufe zu deinem Gott; denn wir
haben gehört, daß er euch antwortet, wenn ihr zu ihm schreit, und er (ist)
stark. Sofort stand das Kind auf mit seinem ganzen Herzen (d.h. sehr
bereitwillig) und schrie (zu Gott) und der Heilige - gepriesen sei er - nahm von
ihm an sein Gebet, und es schwieg das Meer. - Als sie hinabgestiegen waren ans
trockene (Land), ging jeder einzelne hinab, um zu kaufen, was er bedurfte. Da
sagten sie zu jenem Kinde: willst du dir nicht (auch) etwas kaufen? Da sagte es
(d.h. das Kind) zu ihnen: was wollt ihr von diesem armen Fremdling? Sie sagten
(darauf) zu ihm: du (wärest) ein armer Fremdling? sie (d.h. wir) (sind) arme
Fremdlinge: sie (d.h. wir) (sind) hier und ihre Götzen (sind) in Babel; und sie
(sind) hier und ihre Götzen (sind) in Rom; und sie (sind) hier und ihre Götzen
(sind) bei ihnen, aber sie nützen ihnen nichts. Aber du: überall, wohin du
gehst, ist dein Gott bei dir. Das (ist) das, was geschrieben steht (5. Mose
4,7): "(denn wo gibt es ein großes Volk, dem seine Götter nahe sind) wie
Jahwe, unser Gott, immer wenn wir zu ihm rufen."
Quelle: nach: A. Wünsche, Der jerusalemer Talmud in seinen haggadischen Bestandteilen,
1880, 34
Noa nun lebte nach der Sintflut noch 350 Jahre glücklich und starb dann im
Alter von 950 Jahren. Niemand aber, der das heutige kurze Leben mit dem unserer
Vorfahren vergleicht, möge die Berichte über dieselben für unwahr halten in
dem Glauben, es müsse, da die Menschen jetzt nicht mehr so lange leben, auch
ihnen kein so langes Leben beschieden gewesen sein. Denn jene Menschen waren
Lieblinge Gottes, von ihm selbst direkt geschaffen, und sie bedienten sich auch
einer zweckmäßigeren Nahrung. Übrigens gab ihnen Gott auch deshalb ein
längeres Leben, damit sie eifriger die Tugend üben und ihre Erfindungen in der
Sternkunde und Geometrie durch Gebrauch und Erfahrung mehr ausnützen könnten.
Denn wenn sie nicht wenigstens 600 Jahre gelebt hätten, so hätten sie nichts
Sicheres ermitteln können, da das sogenannte große Jahr aus so vielen Jahren
besteht. Ich beziehe mich außerdem auf das Zeugnis griechischer und fremder
Schriftsteller, so des ägyptischen Geschichtsschreibers Manetho, des
chaldaeischen Berosus, des Mochus, Hestiaeus und des Ägyptiers Hieronymus, die
der Phoeniker Geschichte geschrieben haben und die mit mir übereinstimmen.
Hesiod, Hekataeus, Hellanikus, Akusilaus, Ephorus und Nikolaus berichten sogar,
daß die Alten 1000 Jahre gelebt hätten. Hierüber mag indessen jeder denken,
wie es ihm gut scheint.
Quelle: nach: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. I. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899), 30
So verbrachten sie zwei Tage in festlicher Schmauserei. Am dritten Tage aber
vor Sonnenaufgang überzog das ganze Lager der Hebräer eine Wolke, wie sie eine
solche nie erblickt hatten, und erfüllte den ganzen Raum, wo ihre Zelte
standen. Und während im übrigen der Himmel heiter war, erhob sich plötzlich
heftiger Sturm, reichlicher Regen stürzte vom Himmel, und schauerliche Blitze,
gefolgt von heftigen Donnerschlägen, verkündeten die Gegenwart Gottes, der in
seiner Huld nahe war und des Moses Begehren entgegennahm. Doch mag das jeder
Leser aufnehmen, wie ihm beliebt; ich glaube nur das mitteilen zu müssen, was
in den heiligen Büchern geschrieben steht. Als nun die Hebräer dieses sahen
und das schreckliche Getöse vernahmen, ergriff sie Zittern und Angst, denn sie
waren an solche Ereignisse nicht gewöhnt, und das Gerücht, Gott besuche
häufig den Berg, erfüllte ihre Gemüter mit großem Zagen. Sie hielten sich
darum niedergeschlagen und bekümmert in ihren Zelten und fürchteten, Gott habe
in seinem Zorn den Moses vernichtet, und das Gleiche werde auch ihnen geschehen.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. I. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899), 150f.
Und wiederum nach 7 Monaten sah ich unseren Vater Jakob, wie er am Meere von
Jamnia stand und wir, seine Söhne, bei ihm. Und siehe, ein Fahrzeug kam angesegelt,
voll von Gesalzenem, ohne Schiffer und Steuermann. Und es sagt uns unser Vater:
"Wir wollen einsteigen in unser Fahrzeug!" Als wir aber hineingegangen waren, entsteht
ein starkes Unwetter und ein großer Sturmwind, und es flog unser Vater von uns, der
das Steuerruder hielt. Und wir wurden im Unwetter über das Meer getrieben; und das
Fahrzeug füllte sich mit Wasser, von den Wogen hin- und hergeworfen, so daß es auch
zerschellte. Und Joseph flieht auf einen Kahn; aber auch wir werden auf 10 Brettern
getrennt. Levi aber und Juda waren dabei. Wir wurden nun alle zerstreut bis an die
äußersten Enden. Levi aber legte einen Sack um und bat für uns alle den Herrn.
Als aber der Sturm aufgehört hatte, da kam der Kahn ans Land wie in Frieden.
Und siehe, unser Vater Jakob kam, und wir freuten uns einmütig.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments.
2. Bd.: Die Apokryphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2., unveränderter
Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 487f.
Gott! Gut Glück!
Heilungen des Apollon und des Asklepios
1. Kleo war fünf Jahre schwanger. Als diese schon fünf Jahre
schwanger war, kam sie bei dem Gott als Bittfleherin an und schlief im Heilraum;
sobald sie aus ihm herauskam und außerhalb des Heiligtums war, gebar sie einen
Knaben, der sofort nach seiner Geburt sich selbst an dem Brunnen wusch und mit
der Mutter herumlief. Als sie das erlangt hatte, ließ sie auf ihr Weihgeschenk
den Vers schreiben: "Wunderbar ist nicht die Größe der Tafel, sondern des
Gottes | Gnade, daß Kleo im Leib fünf Jahre die Last hat getragen, | Bis sie
im Heilraum schlief und er gesund sie gemacht".
2. Dreijährige Schwangerschaft. Isthmonike von Pellene kam in
das Heiligtum wegen Nachkommenschaft. Sie legte sich zum Heilschlaf und sah ein
Gesicht: sie träumte, daß sie den Gott bitte, mit einem Mädchen schwanger zu
werden, Asklepios aber sage, sie werde schwanger sein, und wenn sie noch etwas
anderes zu bitten habe, so werde er ihr auch das erfüllen, sie aber sage, sie
habe keinen weiteren Wunsch. Sie wurde schwanger und trug drei Jahre im Leib,
bis sie sich an den Gott wandte als Bittfleherin wegen der Geburt; als sie sich
zum Heilschlaf legte, sah sie ein Gesicht: sie träumte, der Gott frage sie, ob
ihr nicht alles zuteil geworden sei, was sie erbeten habe, und sie nicht
schwanger sei; über Geburt habe sie nichts hinzugefügt, und das obwohl er sich
erkundigte, wenn sie noch etwas anderes brauche, solle sie es sagen, da er auch
das tun wolle. Da sie aber jetzt wegen Geburt bei ihm als Bittfleherin
erschienen sei, so wolle er - habe er gesagt - auch dies ihr erfüllen. Darnach
lief sie in Eile aus dem Heilraum heraus und als sie außerhalb des Heiligtums
war, gebar sie ein Mädchen.
3. Ein Mann, der die Finger der Hand nicht rühren konnte bis
auf einen, kam zu dem Gott als Bittfleher. Als er die Weihetafeln in dem
Heiligtum sah, war er ungläubig gegen die Heilungen und machte sich über die
Aufschriften lustig. Als er im Heilraum schlief, sah er ein Gesicht: es träumte
ihm, während er unterhalb des Tempels Würfel spielte und mit dem Würfel
werfen wolle, sei der Gott erschienen und ihm auf die Hand gesprungen und habe
ihm die Finger ausgestreckt; als er weggetreten sei, - so träumte er -, habe er
seine Hand gekrümmt und jeden Finger einzeln ausgestreckt; nachdem er alle
gerade gestreckt, habe ihn der Gott gefragt, ob er noch ungläubig sein wolle
gegen die Aufschriften auf den Weihetafeln im Heiligtum; er habe nein gesagt.
"Weil du also vorher ungläubig gegen sie warst, die doch nicht unglaubhaft
waren, so soll in Zukunft - habe er gesagt - dein Name ‘Ungläubig’
sein". Als es Tag geworden, kam er gesund heraus.
4. Ambrosia von Athen, einäugig. Diese kam als Bittfleherin
zu dem Gott. Als sie im Heiligtum herumging, lachte sie über einige von den
Heilungen als unwahrscheinlich und unmöglich, daß Lahme und Blinde gesund
werden sollen, nachdem sie nur einen Traum gesehen hätten. Als sie im Heilraum
schlief, sah sie ein Gesicht: es träumte ihr, der Gott trete vor sie und sage,
daß er sie zwar gesund machen werde, aber als Lohn von ihr verlange, daß sie
in das Heiligtum ein silbernes Schwein stifte als Erinnerung an ihre
Unwissenheit. Nachdem er das gesagt, habe er ihr das kranke Auge aufgeschlitzt
und ein Heilmittel eingegossen. Als es Tag geworden, kam sie gesund heraus.
5. Ein Knabe, stumm. Dieser kam in das Heiligtum wegen der
Stimme. Als er das Voropfer verrichtet und die Bräuche erfüllt hatte,
verlangte darauf der Knabe, der für den Gott das Feuer bringt, mit dem Blick
auf den Vater des Knaben, er solle sich verpflichten, innerhalb eines Jahres,
nachdem er das erreicht, worum er da sei, den Heildank zu opfern. Da rief
plötzlich der Knabe: "Ich verpflichte mich!" Der Vater erschrak und
forderte ihn auf, es noch einmal zu sagen. Er sagte es noch einmal. Und
daraufhin wurde er gesund.
6. Pandaros von Thessalien mit einem Mal auf der Stirn. Dieser
sah beim Heilschlaf ein Gesicht: es träumte ihm, der Gott verbinde ihm mit
einer Binde das Mal und befehle ihm, wenn er aus dem Heilraum komme, die Binde
abzunehmen und in den Tempel zu weihen. Als es Tag wurde, stand er auf und nahm
die Binde ab, und fand sein Gesicht frei von dem Mal, die Binde aber weihte er
in den Tempel, sie trug die Buchstaben von der Stirn.
7. Echedoros bekam Pandaros’ Mal zu dem, das er hatte.
Dieser hatte von Pandaros Geld bekommen, um dem Gott nach Epidauros eine
Stiftung für ihn zu machen, wollte es aber nicht abliefern. Im Heilschlaf sah
er ein Gesicht: es träumte ihm, der Gott trete vor ihn und frage ihn, ob er
etwa Geld von Pandaros habe für eine Athena als Weihgeschenk in das Heiligtum;
er habe gesagt, er habe nichts Derartiges von ihm bekommen; aber wenn er ihn
gesund machen würde, so werde er ein Bild malen lassen und ihm weihen; hierauf
habe ihn der Gott die Binde des Pandaros um sein Mal gebunden und ihm befohlen,
wenn er aus dem Heilraum heraus komme, die Binde abzunehmen, sein Gesicht am
Brunnen zu waschen und sich im Wasser zu spiegeln. Als es Tag geworden, ging er
aus dem Heilraum heraus und nahm die Binde ab, die die Buchstaben nicht (mehr)
hatte; als er aber in das Wasser schaute, sah er, daß sein Gesicht zu seinem
eigenen Mal noch die Buchstaben des Pandaros bekommen hatte.
8. Euphanes von Epidauros, ein Knabe. Dieser war steinleidend
und schlief im Heilraum. Da träumte ihm, der Gott trete vor ihn und sage:
"Was willst du mir geben, wenn ich dich gesund mache?" Er habe gesagt:
"Zehn Klicker." Da habe der Gott gelacht und gesagt, er werde ihn
erlösen. Als es Tag geworden, kam er gesund heraus.
9. Ein Mann kam zu dem Gott als Bittfleher, der war so
einäugig, daß er nur die Lider hatte, aber nichts darin war, sondern daß sie
gänzlich leer waren. Da lachten einige von den Leuten im Heiligtum über seine
Einfalt, daß er glaube, er werde sehen, wo er doch über haupt keine Spur von
einem Auge habe, sondern nur den Platz dafür. Als er im Heilraum schlief,
erschien ihm ein Gesicht: Er träumte, der Gott habe eine Arznei gekocht, dann
seine Lider geöffnet und sie hineingegossen. Als es Tag wurde, kam er auf
beiden Augen sehend heraus.
10. Der Becher. Ein Geschirrträger fiel auf dem Weg in das
Heiligtum, als er beim Zehn-Stadienstein war, hin; als er aufgestanden war,
öffnete er seinen Rucksack und untersuchte das zerschlagene Geschirr. Als er da
den Becher zerbrochen sah, aus dem sein Herr zu trinken gewohnt war, wurde er
traurig und setzte im Sitzen die Scherben zusammen. Da sah ihn ein Wanderer und
sagte: "Was setzest du da, du Unglücklicher, den Becher vergeblich
zusammen? Den könnte ja nicht einmal der Asklepios in Epidauros wieder heil
machen!" Als das der Bursche hörte, legte er die Scherben in den Rucksack
zusammen und ging ins Heiligtum; als er dort ankam, machte er den Rucksack auf
und zieht den Becher heilgeworden heraus; er erklärte seinem Herrn, was
geschehen und gesprochen war; als dieser es hörte, weihte er dem Gott den
Becher.
13. Ein Mann aus Torone mit Blutegeln. Dieser schlief im
Heilraum und sah einen Traum: er glaubte, der Gott habe ihm die Brust mit einem
Messer aufgeschlitzt, die Blutegel herausgenommen und ihm in die Hände gegeben
und dann die Brust (wieder) zusammengenäht. Als es Tag geworden, kam er heraus
mit den Tieren in den Händen. Er hatte sie verschluckt durch die Arglist seiner
Stiefmutter, die sie in einen Mischtrank geworfen, den er austrank.
16. Nikanor, lahm. Während dieser dasaß, raubte ihm ein
Knabe im Wachen seinen Stab und floh. Er stand auf, verfolgte ihn und wurde
darauf gesund.
19. Heraieus aus Mytilene. Dieser hatte auf dem Kopf keine
Haare, am Kinn aber sehr viele. Da er sich schämte, weil er von den anderen
ausgelacht wurde, schlief er im Heilraum. Ihm salbte der Gott mit einer Arznei
den Kopf und ließ ihm wieder Haare wachsen.
22. Hermon von Thasos. Diesen, der blind war, heilte er. Da er
hierauf den Heildank nicht abführte, machte ihn der Gott wieder blind. Als er
dann ankam und wieder im Heilraum schlief, machte er ihn gesund.
Zitiert nach: R. Herzog, Die Wunderheilungen von Epidauros.
Ein Beitrag zur Geschichte der Medizin und der Religion, Leipzig 1931, 8-17
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages B. G. Teubner
Stuttgart/Leipzig!
... ich will euch dafür etwas Erstaunliches erzählen. Ich war ein Knabe von
ungefähr vierzehn Jahren; da kam eines Tages jemand und meldete meinem Vater,
sein Winzer Midas, einer von unsern stärksten und arbeitsamsten Knechten, liege
mitten auf dem großen Platze; er sei von einer Schlange gebissen worden, und
das Bein fange schon an zu faulen. Während er nämlich in voller Arbeit
gewesen, die Reben an ihre Pfähle zu binden, sei die Bestie hinzugekrochen,
habe ihn in die große Zehe gebissen und sich augenblicklich wieder in ihre
Höhle hineingemacht: nun liege der arme Mensch und schreie und vergehe vor
Schmerzen. Während der Mann diesen Bericht erstattete, sahen wir den armen
Midas, den seine Mitknechte auf einer Pritsche herbeitrugen; er war ganz
aufgeschwollen, braun und blau, ging schon zusehends in Fäulnis und holte nur
noch schwach Atem. Wie nun einer der umstehenden Freunde meinen Vater sehr
betrübt über diesen Zufall sah, sagte er zu ihm: Gib dich zufrieden! Ich will
gehen und dir in einem Augenblick einen Babylonier, einen von den sogenannten
Chaldäern herbringen; der wird dir den Menschen gleich wieder auf die Beine
gestellt haben! Daß ich's kurz mache; der Babylonier kam und stellte den Midas
richtig wieder her; und das lediglich mittels einer Beschwörung, wodurch er ihm
das Gift aus dem Leibe herauszog, und mit einem Stückchen, das er vom
Leichenstein einer verstorbenen Jungfrau abgeschlagen hatte und um den kranken
Fuß gebunden hatte. Es mag vielleicht nichts Außerordentliches sein, indessen
ist gewiß, daß Midas die nämliche Pritsche, worauf er hergetragen worden war,
auf die Schultern nahm und frisch und gesund nach unserm Gute davonging.
Quelle: nach: Lukian, Sämtliche Werke Bd.1, hg. v. Hanns Floerke nach der
Übersetzung v. C. M. Wieland (Klassiker des Altertums. Erste Reihe, Bd. 7)
München/Leipzig 1911, 150f.
Über dieses Ereignis liegen drei antike Berichte vor. Die beiden ältesten sind hier zitiert.
a) Tacitus, Historien IV 81
Während der Monate, wo Vespasian zu Alexandria auf die zu bestimmten Tagen
im Sommer wehenden Winde und auf sichere Meerfahrt wartete, ereignete sich viel
Wunderbares, wodurch des Himmels Gunst und eine gewisse Zuneigung der Götter
für Vespasian sich zu erkennen gab. Ein Mann aus dem gemeinen Volke in
Alexandria, allen als erblindet bekannt, wälzte sich zu seinen Knieen hin,
indem er jammernd Heilung von seiner Blindheit forderte, wie der Gott Serapis
ihn geheißen, welchen das dem Aberglauben ergebene Volk vor anderen verehrt,
und flehte, und flehte den Fürsten an, er möge ihm die Wangen und den Rand der
Augen mit dem Auswurf seines Mundes zu bestreichen würdigen. Ein andrer, dem
die Hand gelähmt war, bat auf Befehl desselben Gottes hin, daß der Kaiser mit
dem Fuße darauf treten möchte. Vespasian verlachte sie anfangs0 und wies sie
zurück. Als sie nun in ihn drangen, fürchtete er bald den Ruf von der
Vergeblichkeit des Unternehmens, bald ließ er sich durch das Flehen der Leute
selbst und durch die Reden der Schmeichler zur Hoffnung bewegen. Endlich ließ
er von Aerzten ein Gutachten darüber geben, ob solche Blindheit und Lähmung
durch Menschenhilfe überwindbar sei. Die Aerzte sprachen in vieldeutiger Weise,
es sei dem einen die Sehkraft noch nicht ganz verzehrt, und sie dürfte
wiederkehren, wenn nur das erst hinweggeschafft sei, was sie behinderte; dem
andern seien nur die Gelenke verrenkt und könnten, würde Heilkraft angewandt,
wohl wieder eingerichtet werden. Dies liege nun vielleicht im Wunsche der
Götter, und es sei so der Fürst zu des Himmels Werkzeug erkoren. Endlich
würde doch, gelänge die Kur, der Ruhm auf den Kaiser, mißlinge sie, der Spott
nur auf die Unglücklichen fallen. So vollzieht denn Vespasian in dem Glauben,
es sei seinem Glücke alles möglich, und es gebe nichts mehr, was man demselben
nicht zutrauen dürfte, mit freudiger Miene, während die Menge gespannt um ihn
her stand, das von ihm Verlangte. Augenblicklich wurde die Hand wieder
brauchbar, und auch dem Blinden erschien das Tageslicht von neuem. Beides
erzählen Augenzeugen auch noch jetzt, wo doch mit der Erdichtung nichts mehr zu
gewinnen ist.
Quelle: nach: Cornelius Tacitus' Werke 2, mit einer Einleitung und nach der
Übersetzung von Wilhelm Bötticher (Collection Spemann) Stuttgart o.J., 218f.
b) Sueton, Titus Flavius Vespasianuns 7
Noch fehlte ihm [gemeint ist Vespasian], als einem wider alles Erwarten auf
den Thron gekommenen und zur Stunde noch neuen Fürsten, die Majestät, welche
durch göttliches Zeugnis verliehen wird; auch diese ward ihm zuteil. Zwei
Menschen aus dem geringen Volke, ein Blinder und ein an Lahmheit leidender,
traten an ihn heran, als er auf dem Tribunal saß, und flehten ihn um Heilung
an, die ihnen vom Serapis in einem Traumgesichte mit den Worten verheißen sei:
er (Vespasian) werde dem Blinden das Augenlicht wiedergeben, wenn er die Augen
mit seinem Speichel benetzen, und dem Lahmen das Bein heilen, wenn er so gnädig
sein wolle, es mit seiner Verse zu berühren. Obschon er nun kaum daran glaubte,
daß die Sache irgendeinen Erfolge haben werde, und deshalb sich nicht
entschließen konnte, auch nur den Versuch zu wagen, so ließ er sich doch
endlich von seinen Freunden erbitten und versuchte beides inmitten der
öffentlichen Versammlung, und siehe, der Erfolg fehlte nicht.
Quelle: nach: Sueton, Die zwölf Cäsaren, übersetzt von Adolf Stahr
(Klassiker des Altertums. Erste Reihe, Bd. 12) München/Leipzig 1912, 487.
Als er einmal über das Darbringen von Trankopfern sprach, war bei der Rede zufällig einer von den weichlichen Jünglingen zugegen, der für so übermütig gehalten wurde, daß sogar Gassenhauer auf ihn gedichtet wurden. Seine Heimat war Kerkyra, und er führte sich auf Alkinoos zurück, den phäakischen Gastfreund des Odysseus. Apollonios sprach also über das Darbringen von Trankopfern und schrieb vor, nicht aus diesem Becher zu trinken, sondern denselben den Göttern rein und unbenutzt zu bewahren. Als er auch riet, dem Becher Henkel zu machen und das Trankopfer über den Henkel hin auszugießen, an einer Stelle also, von der die Menschen am wenigsten trinken, brach der Jüngling über diese Rede in ein breites und übermütiges Gelächter aus. Da richtete Apollonios seinen Blick auf ihn und sagte: "Nicht du frevelst hier, sondern der Dämon, der dich treibt, ohne daß du es weißt." Es war nämlich wirklich unbemerkt geblieben, daß der Jüngling besessen war; lachte er doch über Dinge, über die niemand anders lachte, und fing an zu weinen, ohne daß es einen Grund gab. Er sprach auch mit sich selbst und sang. Die Leute glaubten zwar, seine ausgelassene Jugend würde ihn dazu bringen, in Wirklichkeit aber folgte er dem Dämon und wirkte wie betrunken. Als Apollonios ihn fixierte, gab der Geist voll Angst und Zorn Stimmen von sich, wie sie von Gebrannten und Gefolterten stammen, und er schwor, von dem Jüngling abzulassen und keinen Menschen mehr zu befallen. Als Apollonios aber voll Zorn zu ihm sprach wie ein Herr zu einem verschlagenen, skrupellosen und schamlosen Sklaven und ihm befahl, mit einem Zeichen auszufahren, zeigte der auf eines der Standbilder bei der Königshalle, bei der das Ganze vor sich ging, und rief: "Das Standbild dort werde ich umwerfen." Als sich aber das Standbild erst ein wenig bewegte und dann umfiel - wer könnte den Lärm deswegen und den Beifall für das Wunder beschreiben? Der Jüngling aber rieb sich die Augen wie einer, der aus dem Schlaf geweckt wurde, und sah verlegen zur Sonne, weil alle Blicke auf ihn gerichtet waren. Von da an zeigte er sich nicht mehr so übermütig und blickte auch nicht mehr so zuchtlos, sondern kehrte zu seiner wahren Natur zurück, als wenn er eine Arznei eingenommen hätte. Nach dem Verzicht auf weiche und feingewebte Kleidung und den übrigen Luxus verlangte es ihn nach Armut und nach dem grobgewebten Philosophenmantel und er schloß sich mit diesem Sinneswandel dem Leben und Denken des Apollonios an.
Ich hätte aber wohl Lust, dich zu fragen, was du zu denen sagst, die die
Gabe haben, die Besessenen zu befreien, indem sie ihnen durch ihre Zauberformeln
die bösen Geister sichtbarlich aus dem Leibe treiben? Doch, es ist
überflüssig, viele Worte darüber zu verlieren: denn wem ist der Syrer aus
Palästina unbekannt, der ein so großer Meister in dieser Kunst ist? Und wer
weiß nicht, wie viele, die beim bloßen Anblick des Mondes umfallen, die Augen
verdrehen, den Schaum vor dem Munde stehen haben, kurz wie viele Mondsüchtige
dieser Mann wieder auf die Füße stellt und gesund nach Hause schickt, nachdem
er die bösen Geister gegen eine hübsche bare Bezahlung aus ihnen ausgetrieben
hat? Denn, wenn sie so vor ihm auf der Erde liegen und er den bösen Geist
fragt, woher er in diesen Leib gefahren sei, so spricht zwar der Kranke kein
Wort: aber der Dämon antwortet auf Griechisch oder in einer barbarischen
Sprache, wo er eben zuhause ist und meldet sowohl, wer er selbst ist, als wie
und von wannen er in den Menschen gefahren; und dann wird er von ihm durch
Beschwörung und, wenn das noch nicht helfen will, durch Drohungen hinausgejagt.
Ich selbst sah einmal einen solchen Geist ausfahren, der ganz schwarz und wie
geräuchert aussah.
Quelle: nach: Lukian, Sämtliche Werke Bd.1, hg. v. Hanns Floerke nach der
Übersetzung v. C. M. Wieland (Klassiker des Altertums. Erste Reihe, Bd. 7)
München/Leipzig 1911, 155f.
Mit solchen Reden hielt er Smyrna zusammen; als aber die Krankheit die
Epheser befiel und nichts stark genug gegen sie war, schickten sie Gesandte zu
Apollonios und wollten ihn zum Arzt für ihr Leiden machen. Er aber hielt es
nicht für nötig, den Gang aufzuschieben, sondern sprach: "Laßt uns
gehen." Damit war er auch schon in Ephesos, indem er, wie ich glaube,
dasselbe tat wie Pythagoras, der in Thurioi und Metapont zugleich war. Als er
nun die Epheser versammelt hatte, sagte er: "Seid getrost, denn noch heute
werde ich der Krankheit ein Ende machen."
Danach führte er die ganze Bevölkerung zum Theater, wo das Standbild des
Apotropaios errichtet worden ist. Dort schien ein alter Mann zu betteln, der
kunstfertig die Augen schloß. Er trug einen Ranzen und in diesem ein Stück
Brot, war mit Lumpen bekleidet und schmutzig im Gesicht. Apollonios ließ ihn
nun von den Ephesern umringen und sagte: "Lest so viele Steine auf wie
möglich und bewerft damit diesen Feind der Götter!"
Die Epheser wunderten sich über das, was er sagte, und hielten es für
schrecklich, einen Fremden zu töten, der sich zudem in einem so erbärmlichen
Zustand befand. Dieser flehte sie an und ersuchte sie wortreich um Erbarmen.
Apollonios aber ermutigte und bedrängte die Epheser, auf den Mann loszugehen
und ihn nicht entkommen zu lassen. Als aber einige begannen, ihn aus der Ferne
zu bewerfen, und der Bettler, der blind zu sein schien, auf einmal wild
aufblickte und Augen voll Feuer zeigte, da erkannten die Epheser den Dämon und
steinigten ihn so, daß ein Haufen von Steinen ihn begrub. Nach kurzer Zeit
befahl Apollonios, die Steine wegzunehmen und das Geschöpf, das sie getötet
hatten, zu erkennen. Als nun der, der gesteinigt worden zu sein schien,
freigelegt war, war er verschwunden, es war aber an dessen Stelle ein Hund zu
sehen, dessen Aussehen dem der Molosser ähnlich war und der in seiner Größe
dem stärksten Löwen entsprach. Dieser lag von den Steinen zerschmettert vor
ihnen mit Schaum vor den Lippen wie die tollwütigen Tiere. Das Tempelbild des
Apotropaios jedoch - es ist ein Herakles - ist an dem Platz errichtet worden, wo
das Gespenst gesteinigt wurde.
Während dieser Worte aber trat ein Bote zu den Weisen, der Inder mitbrachte, die um Hilfe baten. Er brachte auch eine Frau mit, die für ihren Sohn um Hilfe flehte. Sie sagte, ihr Sohn sei sechzehn Jahre alt, seit zwei Jahren von einem bösen Geist besessen und der Dämon habe das Wesen eines Spötters und Lügners. Auf die Frage eines der Weisen, woher sie dies sagen könne, erwiderte sie: "Mein Junge sieht äußerst schön aus. Deswegen liebt ihn der Dämon und gestattet ihm nicht, vernünftig zu sein und zu einem Lehrer oder zu einem Bogenschützen zu gehen und auch nicht, zu Hause zu bleiben, sondern er treibt ihn hinaus in einsame Gegenden. Auch hat der Junge nicht mehr seine eigene Stimme, sondern er redet tief und hohl wie die Männer und schaut mehr mit anderen Augen als mit den eigenen. Und ich weine über diese Dinge, quäle mich und ermahne meinen Sohn, so gut ich kann. Er aber kennt mich nicht mehr. Als ich hierher zu kommen beschloß - ich faßte diesen Beschluß im vorigen Jahr - verriet sich der Dämon, indem er den Jungen als Maske benutzte, und sagte in der Tat, er sei der Geist eines Mannes, der einst im Krieg gefallen sei und seine Frau bis in den Tod hinein geliebt habe. Da aber die Frau gegen das Ehebett gefrevelt und bereits drei Tage nach seinem Tode einen anderen geheiratet habe, hasse er seitdem die Liebe zu den Frauen und habe sich deswegen diesem Jungen zugewandt. Er versprach aber, wenn ich ihn nicht bei euch verklagen würde, werde er dem Jungen viel Wertvolles und Gutes geben. Dadurch ließ ich mich zwar etwas beeindrucken, aber der Dämon hält mich schon lange Zeit hin und hat mein Haus allein in seiner Gewalt, ohne angemessene und ehrliche Absichten zu haben." Da fragte der Weise wiederum, ob der Junge in der Nähe sei. Sie aber verneinte. Sie habe zwar alles getan, damit er zu ihm gelange, der Dämon aber drohe mit Abhängen und Abgründen und damit, daß er mir den Sohn töten werde, wenn ich hier Klage gegen ihn führen sollte. "Sei getrost", sagte der Weise, "denn er wird ihn nicht töten, wenn er dies liest." Dabei zog er einen Brief aus seinem Busen und gab ihn der Frau. Der Brief aber war an den Geist gerichtet und enthielt fürchterliche Drohungen.
Auch das Folgende ist ein Wunder des Apollonios: Ein junges Mädchen schien
in der Stunde ihrer Hochzeit gestorben zu sein und der Bräutigam folgte der
Bahre und jammerte über die ganz unerfüllte Ehe. Aber auch die Stadt Rom
trauerte mit ihm, denn das Mädchen war aus einer Familie, die zu den
vornehmsten zählte. Als nun Apollonios zufällig dem Trauerzug begegnete, sagte
er: "Setzt die Bahre ab, denn ich werde euren Tränen über das Mädchen
ein Ende machen." Und er fragte zugleich nach ihrem Namen. Die Menge
glaubte, er werde eine Trauerrede halten, wie sie zum Leichenbegängnis
gehören, und Wehklagen wecken. Er aber tat nichts dergleichen, sondern
berührte das Mädchen nur, sprach einige unverständliche Worte und erweckte es
so aus dem scheinbaren Tode. Das Kind gab einen Laut von sich und kehrte in das
Haus des Vaters zurück, wie Alkestis, als sie von Herakles wiederbelebt worden
war.
Als die Verwandten des Mädchens Apollonios fünfzehn Myriaden schenken
wollten, ordnete er an, sie dem Kind als Aussteuer zu geben. Ob er nun noch
einen Funken Leben in ihr gefunden hat, der den Ärzten verborgen geblieben war
- es heißt nämlich, Zeus habe Tau auf sie fallen lassen und da sei von ihrem
Gesicht Dunst aufgestiegen - oder ob er das erloschene Leben wieder anfachte und
es wiederherstellte, das ist nicht nur mir allein, sondern auch den Anwesenden
unmöglich zu erhellen.
Woher dieser Dichter Aristeas stammte, habe ich schon gesagt, will aber noch
erwähnen, was man mir in Prokonnesos und in Kyzikos über ihn erzählt hat.
Aristeas, erzählen sie, war ein sehr angesehener Bürger von Prokonnesos. Einst
ging er zu einem Walker, und dort in der Werkstatt fiel er tot hin. Der Walker
schloß die Werkstatt zu und ging, den Verwandten den Todesfall zu melden. Schon
wurde der Tod des Aristeas in der Stadt bekannt, da bestritt ein Mann aus
Kyzikos, der von der Stadt Artake gekommen war, die Nachricht und sagte, er habe
Aristeas auf dem Wege nach Kyzikos getroffen und selber mit ihm gesprochen.
Während er das ganz fest behauptete, gingen die Verwandten nach der
Walkerwerkstatt mit den Geräten zur Bestattung. Als aber die Tür geöffnet
wurde, war kein Aristeas da, weder tot noch lebend. Und nach sieben Jahren
erschien Aristeas wieder in Prokonnesos und dichtete jenes Epos, das in Hellas
jetzt Arimaspea heißt. Nachdem er es gedichtet, verschwand er zum zweitenmal.
Quelle: nach: Herodot, Historien, übers. v. A. Horneffer, neu hg. u. erl. v.
H.W. Haussig, dt. Gesamtausgabe, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 41971,
258
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Alfred Kröner, Stuttgart!
a) Pausanias, Beschreibung Griechenlands VI 26,1f.
Unter den Göttern verehren die Eleer den Dionysos ganz vorzüglich und sagen
auch, der Gott besuche sie bei dem Feste der Thyien. Der Ort, wo sie das Fest
feiern, mit Namen Thyia liegt etwa acht Stadien von der Stadt. Die Priester
bringen drei Kessel und stellen sie leer in eine Kapelle nieder, in Gegenwart
der Bürger und der Fremden, wenn sich etwa welche in der Stadt befinden; dann
legen die Priester und wem von den übrigen es sonst noch beliebt, ihr Siegel an
die Türe der Kapelle. Am folgenden Tage kann jeder die Siegel untersuchen, und
wenn sie in die Kapelle kommen, finden sie die Kessel mit Wein angefüllt. Daß
sich dies auf die erzählte Weise verhalte, beteuerten mir die angesehensten
Eleer und auch Fremde eidlich; denn ich selbst war zur Zeit des Festes nicht da.
Auch die Andrier sagen, alle zwei Jahre fließe bei ihnen am Feste des Dionysos
von selbst Wein aus dem Heiligtume. Wenn man dies den Griechen glauben muß,
könnte man ebensowohl auch alles das annehmen, was die Äthioper oberhalb Syene
von dem Sonnentische erzählen (vgl. Herodot III 18).
Quelle: nach: Pausanias Beschreibung Griechenlands, übers. v. J. H. C.
Schubart (Langenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischen und römischen
Klassiker in neueren deutschen Muster-Übersetzungen 37), Berlin 21885
b) Diodorus Siculus, Geschichtsbücher III 66,2
(Und) die Teier führen als Beweis für die Geburt des Gottes bei ihnen an, daß bis heute zu bestimmten Zeiten in der Stadt eine Weinquelle von selbst aus der Erde fließe. Dieser Wein zeichne sich durch Wohlgeruch aus.
c) Plinius, Naturgeschichte XXXI,XIII (16)
Mucianus (sagt), zu Andros fließe aus der Quelle des Vaters Liber an je sieben dem Gott geweihten Tagen Wein; wenn man diesen Wein aus dem Gesichtskreis des Tempels forttrage, so verwandele sich der Geschmack (wieder) in Wasser
d) Lukian, Der wahren Geschichte I 7
Wir beugten unsre Knie und gingen weiter, waren aber noch nicht lange
gegangen, als wir an einen Fluß kamen, der statt Wasser einen Wein führte, den
wir an Farbe und Geschmack unserem Chierwein sehr ähnlich fanden. Der Fluß war
so breit und tief, daß er an manchen Orten sogar schiffbar war. Ein so
augenscheinliches Zeichen, daß Dionysos einst hier gewesen, diente nicht wenig,
unsern Glauben an die vorbesagte Aufschrift zu befestigen. Weil ich aber
begierig war, zu wissen, wo dieser Fluß entspringe, gingen wir an ihm hinauf,
fanden aber keine Quelle, sondern bloß eine Menge großer Weinstöcke, die
voller Trauben hingen, und unten an jedem Stocke rann der Wein in hellen
durchsichtigen Tropfen herab, aus deren Zusammenfluß der Strom entstand.
Quelle: nach: Lukian, Sämtliche Werke Bd. 3, hg. v. Hanns Floerke nach der
Übersetzung v. C. M. Wieland (Klassiker des Altertums. Erste Reihe, Bd. 9)
München/Leipzig 1911, 304.
e) Philostrat, Die Bilder I 14
Die Erde wird ihm erlauben, Wein aus Quellen zu schöpfen und Milch wie aus Brüsten bald aus der Erde, bald aus einem Felsen zu ziehen
Da soll Kroisos, als er von den Lydern Kyros Sinnesänderung erfuhr und sah,
daß alle das Feuer zu löschen suchten, es aber nicht mehr bewältigen konnten,
laut zu Apollon gerufen und gebetet haben: wenn er ihm je erwünschte Opfer
gebracht habe, möge der Gott ihm jetzt helfen und ihn aus seiner Not befreien.
So habe er unter Tränen zu Apollon gerufen, und an dem heiteren, wolkenlosen
Himmel hätten sich plötzlich Wolken gesammelt, und ein Unwetter mit
furchtbarem Regen sei losgebrochen und hätte das Feuer ausgelöscht.
Daraus erkannte Kyros, daß Kroisos von den Göttern geliebt und ein edler
Mann war, ließ ihn vom Scheiterhaufen herabholen und sprach: "Kroisos, wer
hat dich geheißen, gegen mein Land zu ziehen und mein Feind, statt mein Freund
zu sein?"
Quelle: nach: Herodot, Historien, übers. v. A. Horneffer, neu hg. u. erl. v.
H.W. Haussig, dt. Gesamtausgabe, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 41971, 41
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Alfred Kröner, Stuttgart!
Diese Stimme (eines Standbildes) sei zweimal erschollen, erzählt man und
will uns von Dingen überzeugen, die nie Geschehenem ähnlich und schwer zu
glauben sind. Es ist nicht unmöglich, daß Götterbilder schweißbedeckt,
Tränen vergießend und blutähnliche Tropfen absondernd gesehen werden. Denn
auf Holz und Steinen bildet sich oft ein Schimmel, der Feuchtigkeit erzeugt. Sie
bekommen auch von selbst vielerlei Flecken und nehmen Farbe aus der sie
umgebenden Luft an, und uns hindert nichts zu glauben, daß die Gottheit durch
solche Phänomene zuweilen Zeichen gibt. Es ist auch möglich, daß ein
Götterbild ein dem Ächzen und Seufzen ähnliches Geräusch hervorbringt, wenn
ein Riß oder gar ein richtiger Spalt im Inneren entsteht. Es ist aber völlig
ausgeschlossen, daß ein unbeseeltes Wesen artikulierte Laute sowie klar und
deutlich ausgesprochene Worte hervorbringt, denn weder die Seele noch Gott kann
ohne organischen Körper und die zum Reden notwendigen Körperteile einen Laut
erschallen lassen oder vernehmlich sprechen. Wo aber die Geschichtsschreibung
durch zahlreiche glaubwürdige Zeugen uns zwingt, schenken wir einem Geschehen
Glauben, das der Einbildungskraft der Seele entstieg und mit sinnlicher
Wahrnehmung wenig zu tun hat, so wie wir im Schlaf zu hören glauben und nicht
hören, und zu sehen glauben und nicht sehen. Menschen freilich, die Zuneigung
und Liebe leidenschaftlich zu Gott hinziehen und die von diesen Dingen nichts
verwerfen oder leugnen können, für diese sind das Wunderbare und das
Unbegreifliche der göttlichen Macht ein starker Grund für den Glauben. Denn
Gott hat mit dem Menschen nichts gemein, weder im Wesen noch in der Bewegung,
weder im Wirken noch in der Kraft, und es ist nicht befremdlich, wenn er etwas
tut, was wir nicht tun können, und etwas wirkt, was uns unmöglich ist. Im
Gegenteil, weil er sich in allem erheblich von uns unterscheidet, ist er gerade
in den Werken am meisten unähnlich und verschieden von uns. "Wenn wir die
meisten göttlichen Dinge nicht erkennen, so trägt der Unglaube die
Schuld", sagt Heraklit (fr. 86 D'5).
Vgl. auch Plutarch, Camillus 6; Lukian. Philopseudes 10
Man sucht uns in die Enge zu treiben mit der Frage, warum denn jetzt keine
solchen Wunder geschehen, wie sie sich ehedem nach unserer Versicherung
zugetragen hätten. Ich könnte darauf erwidern, sie seien notwendig gewesen,
als die Welt noch nicht zum Glauben übergegangen war, damit sie sich zum
Glauben bekehre. Wer immer noch Wunder braucht, um sich zum Glauben zu
entschließen, ist selber eine gar wunderliche Erscheinung, da er nicht glaubt,
wo alle Welt glaubt. Allein jene Frage hat einen anderen Zweck: man will damit
die Tatsächlichkeit der Anfangswunder in Frage stellen. Wie kommt es dann aber,
daß Christi leibliche Himmelfahrt allüberall mit so lebhaftem Glauben gefeiert
wird? Wie kommt es, daß in einer aufgeklärten Zeit, die alles Unmögliche von
sich weist, die Welt ohne jegliches Wunder so wunderbarerweise das Unglaubliche
gläubig hingenommen hat?
Quelle:nach: Aurelius Augustinus, vom Gottesstaat, übers. v. Alfred
Schröder (Bibliothek der Kirchenväter 3) Kempten/München 1916, 444f.
Apollonios soll auf einer Wiese geboren worden sein, auf der ihm inzwischen ein Heiligtum errichtet worden ist. Auch die Umstände seiner Geburt sollen nicht unbekannt bleiben. Die Mutter nämlich hatte, als für sie die Zeit des Gebärens nahte, einen Traum: sie solle auf die Wiese gehen und Blumen pflücken. Als sie dort angekommen war, verteilten sich die Dienerinnen auf der Wiese und kümmerten sich um die Blumen, sie selbst legte sich ins Gras und schlief ein. Schwäne nun, welche die Wiese nährte, bildeten einen Chor um die Schlafende, hoben die Flügel, wie sie es gewohnt sind, und stimmten einen gemeinsamen Gesang an. Dazu wehte ein leichter Westwind über die Wiese. Die Mutter aber fuhr wegen des Gesanges auf und gebar den Apollonios. Jeder Schrecken ist ja imstande, die Geburt zu fördern, auch vor der Zeit. Die Einheimischen aber sagen, daß bei seiner Geburt auch ein Blitz auf die Erde herabzufahren schien, der sich wieder zum Äther erhob und oben verschwand. Die Götter wollten damit, wie ich meine, die deutliche Erhabenheit des Apollonios über alles Irdische, die Nähe zu den Göttern und überhaupt alles, was dieser Mann verkörperte, zeigen und im voraus ankündigen.
Die Bakchen aber, die du eingesperrt, die fest Du nahmst, in Fesseln im
Gefängnis schlugst, sind fort, und frei von Fesseln schwärmen sie zur Flur, den Bromios lauten Rufes grüßend, ihren Gott. Von selber lösten sich die
Fesseln ihrem Fuß; aufsprangen Riegel, unberührt von Menschenhand. Mit
Wunderkräften reich begabt, kam dieser Mann nach Theben. Dir liegt ob, was
weiter soll geschehn.
Quelle: nach: Euripides, Die Backchen, nach der Übersetzung v. Oskar Werner,
Stuttgart 1983, 18f.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Philipp Reclam jr., Ditzingen!
Treffliche Handlung, die Dämonen austreibt. Gebet, das über seinem (des
Besessenen) Kopfe gesprochen wird. Leg vor ihn Ölzweige, und hinter ihm stehend
sprich: "Sei gegrüßt, Gott Abrahams, sei gegrüßt, Gott Isaaks, sei
gegrüßt, Gott Jakobs, Jêsus Chrêstos, heiliger Geist, Sohn des Vaters, der
unter den Sieben, und der in den Sieben ist. Bring Iaô Sabaôth, möge eure
Kraft fort sein von NN, bis ihr vertreibt diesen unreinen Dämon, den Satan, der
auf ihm ist. Ich beschwöre dich Dämon, wer du auch immer seist, bei diesem
Gott (ZW): Komm heraus, Dämon, da ich dich fessele mit stählernen,
unlöslichen Fesseln und dich ausliefere in das schwarze Chaos der Hölle."
Handlung: Nimm 7 Ölzweige und binde 6 an Ende und Spitze, jeden für sich , mit
dem einen übrigen aber schlage unter Beschwörung. Halt es geheim; es ist schon
erprobt. Nach dem Austreiben hänge dem NN als Amulet, das der Leidende also
nach dem Austreiben des Dämons umzieht, auf einem Zinnblättchen folgendes um:
"(ZW, darunter Charis, Baubô), schütze den NN." Es gibt noch ein
anderes Amulet, auf dem dieses Zeichen steht: S.
Quelle: Die griechischen Zauberpapyri I, hg. v. K. Preisendanz, A. Henrichs,
Stuttgart 21973, 115
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages B. G. Teubner Stuttgart/Leipzig!
Für dämonisch Besessene ein erprobtes Mittel des Plibêchês. Nimm Öl von
unreifen Oliven mit der Planze Mastigia und Lôtomêtra, und koch es mit
nichtfarbigem Majoran und sprich dazu: "(ZW, darunter 'Iôêl', Vokale,
'Hari', 'Phtha') komm heraus, weg vom NN" (nach Belieben). Das Schutzmittel
aber schreib auf ein Zinntäfelchen: "(ZW und Vokale, darunter
'Phtha')" und häng es dem Leidenden um, ein Schrecknis jedes Dämons, das
er fürchtet. Stell (ihn dir) gegenüber und beschwöre. Die Beschwörung aber
lautet so: "Ich beschwöre dich bei dem Gotte der Hebräer, Jêsus, (ZW,
darunter 'Abraôth', 'Thôth'), im Feuer Erscheindender, der du inmitten von
Flur und Schnee und Nebel bist; Tannêtis steige herab, dein Engel, der
unerbittliche, und banne fest den herumflatternden Dämon dieses Geschöpfes,
das Gott geschaffen hat in seinem heiligen Paradies; denn ich preise den
heiligen Gott bei Ammôn (ipsentanchô-Formel). Ich beschwöre dich (ZW,
darunter 'Iakuth', ablanathanalba-Formel, 'Aôth', 'Iaêl'). Ich beschwöre dich
bei dem, der Israel geoffenbart wurde in einer Lichtsäule und einer Wolke bei
Tag und sein Volk gerettet hat vor dem Pharaô und gebracht hat gegen Pharaô
die Zehnzahl der Plagen, weil er ihn nicht hörte. Ich beschwöre dich jedweden
dämonischen Geist, daß du sagst, wer immer du auch seist; denn ich beschwöre
dich bei dem Siegel, das Salomôn auf die Zunge des Iêremias legte: und er
redete. So spricht auch du, was für ein Dämon du immer seist, einer im Himmel
oder in der Luft, oder ein irdischer, oder ein unterirdischer oder
unterweltlicher, oder ein ebusäischer oder chersäischer oder pharisäischer,
sag, welcher immer du bist. Denn ich beschwöre dich bei dem lichtbringenden,
unbezwinglichen Gott, der kennt, was im Herzen jeglichen Lebens ist, der das
Geschlecht der Menschen aus Erde schuf, der herausführt aus dem Verborgenen und
zusammenballt das Gewölk und beregnet die Erde und segnet ihre Früchte, den
preist jede himmlische Macht von Engeln, Erzengeln. Ich beschwöre dich beim
großen Gott Sabaôth, dessentwegen der Jordanfluß zurückwich und das Rote
Meer, durch das Israel zog, unbegehbar wurde. Denn ich beschwöre dich bei dem ,
der geoffenbart hat die hundertvierzig Sprachen und verteilt hat nach seiner
eigenen Anordnung. Ich beschwöre dich bei dem , der die halsstarrigen Giganten
mit seinen Feuerstrahlen niedergebrannt hat, den lobpreist der Himmel der
Himmel, den lobpreisen die Flügel des Cherubim. Ich beschwöre dich bei dem,
der Berge herumgelegt hat um das Meer.
Quelle: Die griechischen Zauberpapyri I, hg. v. K. Preisendanz, A. Henrichs,
Stuttgart 21973, 171-173
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages B. G. Teubner Stuttgart/Leipzig!
Text folgt später
... Errötet, ihr, seine Kameraden! Ihr habet nicht einmal mehr von ihm euer
Urteil zu empfangen, sondern von den Kämpen des Mithras. Diese werden nämlich
in der Höhle, dem wahrhaftigen Heerlager der Finsternis, bei der Aufnahme durch
den Weihe-Akt ermahnt, den dargebotenen, gleichsam zur Nachäffung des
Martyriums auf einem Schwerte steckenden und ihnen sodann auf den Kopf gesetzten
Kranz mit abwehrender Hand vom Kopfe zu entfernen und ihn wo möglich auf die
Schulter hinüberzuschieben mit den Worten: "Mithras ist mein Kranz".
Von diesem Augenblicke an setzt der so Eingeweihte niemals wieder einen Kranz
auf, sondern derselbe dient ihm dazu, sich auszuweisen, wenn man ihn irgendwo in
betreff seiner Bundes-Angehörigkeit auf die Probe stellt. Er wird dann sofort
als ein Soldat des Mithras anerkannt, wenn er den Kranz herunterwirft und sagt,
sein Kranz sei in seinem Gotte. Erkennen wir darin die List des Teufels, der
sich von den göttlichen Dingen manches anmaßt, um uns durch den Glauben der
Seinigen in Verwirrung zu setzen und das Gericht zuzuziehen.
Quelle: Tertullians sämtliche Schriften. Aus dem Lateinischen übersetzt von
Dr. Karl Ad. Heinrich Kellner. 1. Bd.: Die apologetischen und praktischen
Schriften. Köln 1882, 353
Jedoch man fragt sich, von wem die Erkenntnis der Dinge, welche den
Häretikern zustatten kommen, verliehen werde? Vom Teufel, versteht sich, dessen
Rolle es ja ist, die Wahrheit zu verdrehen, der sogar die Handlungen der
göttlichen Sakramente in seinen Götzenmysterien nachäfft. Er tauft nämlich
auch - natürlich seine Gläubigen und Getreuen; er verheißt Sühnung der
Sünden in Kraft eines Bades. Wenn ich mich noch recht erinnere, so bezeichnet
Mithras dort seine Kämpfer auf der Stirn, er feiert auch eine Darbringung von
Brot, führt eine bildliche Vorstellung der Auferstehung vor und nimmt unter dem
Schwerte einen Kranz hinweg. Was soll man ferner dazu sagen, wenn derselbe
Mithras seinen obersten Priester in einer einmaligen Ehe leben läßt? Er hat
auch seine Jungfrauen und Enthaltsamen.
Quelle: Tertullians sämtliche Schriften. Aus dem Lateinischen übersetzt von
Dr. Karl Ad. Heinrich Kellner. 2. Bd.: Die dogmatischen und polemischen
Schriften. Köln 1882, 35
24,6Matthäus, der zunächst unter den Hebräern gepredigt hatte,
schrieb, als er auch noch zu anderen Völkern gehen wollte, das von ihm
verkündete Evangelium in seiner Muttersprache ...
7Nachdem nun Markus und Lukas die von ihnen gepredigten Evangelien
herausgegeben hatten, sah sich nach der Überlieferung auch Johannes, der
ständig sich mit der mündlichen Predigt des Evangeliums beschäftigt hatte,
zur Niederschrift veranlaßt, und zwar aus folgendem Grunde: Nachdem die zuerst
geschriebenen drei Evangelien bereits allen und auch dem Johannes zur Kenntnis
gekommen waren, nahm dieser sie, wie man berichtet, an und bestätigte ihre
Wahrheit und erklärte, es fehle den Schriften nur noch eine Darstellung dessen,
was Jesus zunächst, zu Beginn seiner Lehrtätigkeit, getan habe. Mit dieser
Erklärung hatte er auch recht. 8Denn es ist klar, daß die drei
Evangelien nur das, was der Heiland nach der Gefangensetzung Johannes des
Täufers während eines einzigen Jahres getan hatte, aufgezeichnet haben, und
daß sie dies auch am Anfange ihrer Berichte zu erkennen geben. ...
11Nach der Überlieferung hat nun deshalb der Apostel Johannes auf
Bitten hin über die Zeit, über welche die früheren Evangelisten geschwiegen
haben, sowie über die in diese Zeit, d. i. vor die Gefangennahme des Täufers,
fallenden Taten des Erlösers in einem eigenen Evangelium berichtet... 12Johannes
erzählt also in seinem Evangelium das, was Christus getan hatte, noch ehe der
Täufer ins Gefängnis geworfen wurde; die übrigen drei Evangelisten aber
berichten die auf die Einkerkerung des Täufers folgenden Ereignisse.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 130-132
39,15
"Auch dies lehrte der Presbyter: Markus hat die Worte und Taten des Herrn, an die er sich als Dolmetscher des Petrus erinnerte, genau, allerdings nicht ordnungsgemäß, aufgeschrieben. Denn nicht hatte er den Herrn gehört und begleitet; wohl aber folgte er später, wie gesagt, dem Petrus, welcher seine Lehrvorträge nach den Bedürfnissen einrichtete, nicht aber so, daß er eine zusammenhängende Darstellung der Reden des Herrn gegeben hätte. Es ist daher keineswegs ein Fehler des Markus, wenn er einiges so aufzeichnete, wie es ihm das Gedächtnis eingab. Denn für eines trug er Sorge: nichts von dem, was er gehört hatte, auszulassen oder sich im Berichte keiner Lüge schuldig zu machen." 16So berichtete Papias über Markus. Bezüglich Matthäus aber behauptet er: "Matthäus hat in hebräischer Sprache die Reden zusammengestellt; ein jeder aber übersetzte dieselben so gut er konnte." 14,5In dem gleichen Werke teilt Klemens bezüglich der Reihenfolge der
Evangelien eine Überlieferung mit, welche er von den alten Presbytern erhalten
hatte. Dieselbe lautet: diejenigen Evangelien, welche die Genealogien enthalten,
seien zuerst geschrieben worden. Das Evangelium nach Markus habe folgende
Veranlassung gehabt. 6Nachdem Petrus in Rom öffentlich das Wort
gepredigt und im Geiste das Evangelium verkündet hatte, sollen seine
zahlreichen Zuhörer Markus gebeten haben, er möge, da er schon seit langem
Petrus begleitet und seine Worte im Gedächtnis habe, seine Predigten
niederschreiben. Markus habe willfahren und ihnen der Bitte entsprechend das
Evangelium gegeben. ...
7Zuletzt habe Johannes in der Erkenntnis, daß die menschliche
Natur in den Evangelien (bereits) behandelt sei, auf Veranlassung seiner
Schüler und vom Geiste inspiriert ein geistiges Evangelium verfaßt. Soweit
Klemens.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte (= BKV
II.1). Übersetzt von Philipp Haeuser. München 1932, 280f.
2... Nachdem es nun aber doch so viele Jünger gab, warum
schrieben dann von den Aposteln nur zwei, und auch nur zwei von eben deren
Schülern? Denn von den Jüngern, die mit Johannes und Matthäus die Evangelien
schrieben, war einer ein Schüler des Paulus, der andere ein solcher des Petrus.
Der Grund liegt darin, daß sie nichts taten, um ihren Ehrgeiz zu befriedigen,
sondern nur um uns nützlich zu sein. - Indes hätte es da nicht genügt, wenn
ein Evangelist alles allein aufgeschrieben hätte? Gewiß! Allein, wenn es auch
nur vier waren, die Evangelien schrieben, so schrieben sie doch nicht zu
gleicher Zeit, nicht am selben Ort und nicht nach Übereinkunft und
gegenseitiger Verabredung. Wenn sie also trotzdem alles wie aus einem Munde
berichten, so ist gerade das der deutlichste Erweis der Wahrheit.
Doch, wirft mir da jemand ein, gerade das Gegenteil ist ja der Fall; denn man
bemerkt bei ihnen vielfache Verschiedenheiten. - Nun, auch das beweist klar,
daß sie die Wahrheit schrieben. Wenn sie nämlich in allem bis aufs kleinste
übereinstimmten, in Zeit und Ort und den einzelnen Worten, so würde keiner von
unseren Gegnern glauben, daß sie nicht nach Übereinkunft und menschlicher
Verabredung ihre Schriften verfaßt haben; denn eine so weitgehende
Übereinstimmung könne doch kein Zufall sein. So aber benimmt ihnen die
scheinbare Verschiedenheit in untergeordneten Dingen jedes Mißtrauen, und ist
auch zugleich die beste Bürgschaft für die Aufrichtigkeit der Verfasser. Wenn
sie aber zuweilen über Zeit und Ort verschieden berichten, so tut dies der
Wahrheit des Gesagten keinerlei Eintrag. Das werden wir auch mit Gottes Hilfe im
weiteren verlauf zu beweisen suchen. Euch aber bitten wir, außer dem schon
gesagten besonders das festzuhalten, daß in den wesentlichen Dingen, von denen
unser Leben abhängt und die das eigentliche Evangelium ausmachen, niemals einer
auch nur im geringsten mit den anderen in Widerspruch erfunden wird.
Was ist nun aber dieses Wesentliche? Das ist z.B. die Tatsache, daß Gott
Mensch geworden ist, daß er Wunder gewirkt hat, daß er gekreuzigt und begraben
wurde, daß er auferstanden und zum Himmel gefahren ist, daß er zum Gericht
kommen wird, daß er heilbringende Gebote gab, daß er nicht ein neues Gesetz
einführte, das im Widerspruch stünde mit dem Alten Testamente, daß er der
Sohn ist, der Eingeborene, der Wahre, gleichen Wesens mit dem Vater und
Ähnliches mehr. In diesen Dingen werden wir bei ihnen volle Übereinstimmung
finden. - Wenn aber von den Wundern nicht jeder alle erwähnte, sondern der eine
diese, der andere jene, so darf dich das nicht verwirren; denn entweder hätte
einer alles erzählt, und dann wären die anderen überflüssig gewesen, oder
jeder hätte etwas ganz Neues geschrieben, was die anderen nicht hatten, und
dann wäre das Wahrheitsargument verloren gegangen, das sich aus ihrer
Übereinstimmung ergibt. Aus diesem Grunde haben sie vieles gemeinsam berichtet,
und doch auch jeder von ihnen wieder etwas Eigenes, damit keiner etwa
überflüssig erscheine, gleichsam als zwecklose Zugabe, sondern damit er so
einen unwiderstehlichen Beweis für die Wahrheit des Inhaltes abgebe.
3Lukas gibt nun auch den Grund an, der ihn zum Schreiben
veranlaßte. "Damit du nämlich", so sagt er, "sicher seiest
über die Glaubenswahrheiten, in denen du unterrichtet worden bist"; das
heißt, damit du fortwährend daran erinnert werdest, so die feste Überzeugung
(im Glauben) erlangest und in dieser Überzeugung auch verharrest. - Johannes
hat zwar selbst keinen Grund namhaft gemacht; allein nach dem, was uns von
unseren Vätern überliefert wurde, war es auch kein bloßer Zufall, was ihn zum
Schreiben veranlaßte, sondern der Umstand, daß die ersten drei (Evangelisten)
absichtlich mehr die menschliche Seite (des Erlösers) betonten, und so Gefahr
vorhanden war, daß seine Gottheit zu sehr in den Hintergrund träte; deshalb
fühle er sich, auf die Eingebung Christi hin, veranlaßt, sein Evangelium zu
schreiben. - Das kann man sowohl aus seinem Berichte selbst, wie auch
insbesondere aus dem Anfange seines Evangeliums erkennen. Er fängt nämlich
nicht wie die anderen mit dem Irdischen an, sondern mit dem Himmlischen, zu dem
er sich hingezogen fühlte, und aus diesem Grunde hat er sein ganzes Buch
geschrieben. Aber nicht bloß in der Einleitung, sondern durch das ganze
Evangelium hindurch behält er einen höheren Gesichtspunkt im Auge als die
übrigen.
Indes erzählt man auch von Matthäus, es seien einige Judenchristen zu ihm
gekommen und hätten ihn gebeten, ihnen das Evangelium, das er verkündete, auch
schriftlich, und zwar in hebräischer Sprache, zu hinterlassen. Ebenso habe
Markus in Ägypten auf Bitten seiner Schüler das gleiche getan. - Da also
Matthäus für Judenchristen schrieb, suchte er auch nur das eine zu beweisen,
daß Christus von Abraham und David abstamme. Lukas dagegen, der ganz allgemein
und für alle schrieb, ging noch höher hinauf und fing mit Adam an.
Quelle: Johannes Chrysostomus, Kommentar zum
Evangelium des heiligen Matthäus (= BKV 23). Übersetzt von Johannes Bauer.
Kempten-München 1915, 15-18
... Nicht eher nämlich zogen sie (die Evangelisten) aus bis an die
Grenzen der Erde, allen die frohe Botschaft zu bringen und den himmlischen
Frieden den Menschen zu verkünden, als unser Herr von den Toten auferstanden
war und sie alle die Kraft des Heiligen Geistes empfangen hatten, der über sie
kam. Dadurch empfingen sie die Fülle von allem und die vollkommene Erkenntnis,
und so besitzt auch jeder einzelne von ihnen das Evangelium Gottes. Matthäus
verfaßte seine Evangelienschrift bei den Hebräern in hebräischer Sprache, als
Petrus und Paulus zu Rom das Evangelium verkündeten und die Kirche gründeten.
Nach deren Tod zeichnete Markus, der Schüler und Dolmetscher Petri, dessen
Predigt für uns auf. Ähnlich hat Lukas, der Begleiter Pauli, das von diesem
verkündete Evangelium in einem Buch niedergelegt. Zuletzt gab Johannes, der
Schüler des Herrn, der an seiner Brust ruhte, während seines Aufenthaltes zu
Ephesus in Asien das Evangelium heraus.
Quelle: Irenäus, Fünf Bücher gegen die Häresien. Übersetzt
von Prof. Dr. E. Klebba. Buch I-III (= BKV 3). Kempten-München 1912, 209
Denselben Glauben verkündete Johannes, der Schüler des Herrn. Durch die
Verkündigung seines Evangeliums wollte er jenen Irrtum widerlegen, den
Kerinthus unter die Menschen gebracht hat und viel vor ihm die sogenannten
Nikolaiten, die ein Abzweig der fälschlich so genannten Gnosis sind. ... Alles
Derartige wollte der Schüler des Herrn austilgen und als Richtschnur der
Wahrheit in der Kirche aufstellen, daß es nur einen allmächtigen Gott gibt,
der durch sein Wort alles gemacht hat, das Sichtbare und das Unsichtbare ...
Quelle: Irenäus, Fünf Bücher gegen die Häresien. Übersetzt
von Prof. Dr. E. Klebba. Buch I-III (= BKV 3). München 1912, 237f.
Dieser Lukas war unzertrennlich von Paulus und dessen Mitarbeiter im
Evangelium, wie er selbst in aller Bescheidenheit kundtut. Nachdem sich nämlich
Barnabas und Johannes, mit Beinamen Markus, von Paulus getrennt und nach Cypern
eingeschifft hatten, "kamen wir nach Troas" ... Da Lukas bei all
diesem zugegen war, hat er alles sorgfältig verzeichnet, damit er weder als
lügnerisch noch als aufgeblasen gescholten werden könne, da ja alle diese
Dinge feststehen und er unleugbar älter ist als alle, die jetzt anders lehren
und die Wahrheit nicht kennen. War er doch nicht allein ein Begleiter, sondern
auch Mitarbeiter der Apostel und besonders des Paulus ...
Quelle: Irenäus, Fünf Bücher gegen die Häresien. Übersetzt
von Prof. Dr. E. Klebba. Buch I-III (= BKV 3). München 1912, 265f.
... wobei er aber zugegen war, das hat er auch so hingestellt. Das dritte
Evangelienbuch nach Lukas. Dieser Arzt Lukas hat, da nach der Auferstehung
Christi ihn Paulus als einen schriftkundigen Mann mit sich genommen hatte, es in
seinem Namen nach dem, was er gehört hatte, verfaßt. Den Herrn aber hat doch
auch er nicht im Fleische gesehen, daher beginnt er so, wie er es erreichen
konnte, auch von der Geburt des Johannes an zu erzählen. Das vierte der
Evangelien (ist das) des Jüngers Johannes. Als ihn seine Mitjünger und
Bischöfe aufforderten, sagte er: "Fastet mit mir von heute ab drei Tage,
und was einem jeden offenbart werden wird, das wollen wir mit uns einander
erzählen". In derselben Nacht wurde dem Apostel Andreas offenbart, daß
Johannes in seinem Namen alles niederschreiben und alle es revidieren sollten.
Und deshalb, wenn auch in den einzelnen Evangelienbüchern verschiedene Anfänge
(oder Prinzipien) gelehrt werden, so macht das doch für den Glauben der
Gläubigen nichts aus, da durch den einen und anfänglichen (oder
herrschenden) Geist in allen alles erklärt ist: über die Geburt, über das
Leiden, über die Auferstehung, über den Verkehr mit seinen Jüngern und über
seine doppelte Ankunft, die erste in Niedrigkeit der Verachtung, was bereits
geschehen ist, die zweite herrlich in königlicher Macht, was noch geschehen
wird. Was Wunder also, wenn Johannes das Einzelne so genau sogar in seinen
Briefen vorbringt, wo er von sich selbst sagt: "Was wir gesehen haben mit
unseren Augen und mit unseren Ohren gehört haben und unsere Hände betastet
haben, das haben wir euch geschrieben" (1 Joh 1,1.3.4). Dadurch nämlich
bekennt er sich nicht nur als Augen- und Ohrenzeuge, sondern auch als
Schriftsteller aller Wunder des Herrn der Reihenfolge (des Wortlautes) nach.
Die Geschichten aller Apostel aber sind in einem einzigen Buche geschrieben.
Lukas faßt für seinen "besten Theophilus" (Apg 1,3) zusammen, was im
einzelnen in seiner Gegenwart geschah, wie er das ja auch durch das Fortlassen
des Leidens Petri unzweifelhaft klarmacht, ebenso durch (das Weglassen) der
Reise des Paulus, der von Rom nach Spanien reiste.
Die Briefe des Paulus aber erklären den Wißbegierigen selbst, welche es (d.
h. von Paulus) sind, von welchem Ort und aus welchem Anlaß sie geschrieben
sind. Zuerst von allen hat er an die Korinther, um ihnen die Häresie der
Parteiung, dann an die Galater, um ihnen die Beschneidung zu verbieten, an die
Römer aber, um ihnen darzulegen, daß Christus die Regel der Schriften und auch
das Prinzip derselben sei, ausführlicher geschrieben. Und über diese müssen
wir einzeln handeln, weil der selige Apostel Paulus selbst nach der Regel seines
Vorgängers Johannes nur an sieben Gemeinden mit Namensnennung schrieb in
folgender Ordnung: an die Korinther der erste, an die Epheser der zweite, an die
Philipper der dritte, an die Kolosser der vierte, an die Galater der fünfte, an
die Thessalonicher der sechste, an die Römer der siebente. Auch wenn er an die
Korinther und Thessalonicher, um sie zurechtzuweisen, zweimal schreibt, so ist
doch deutlich erkennbar, daß eine einzige Gemeinde über den ganzen Erdkreis
verstreut ist. Denn auch Johannes in der Offenbarung schreibt zwar an sieben
Gemeinden, aber redet doch zu allen. Aber an Philemon einen und an Titus einen
und an Timotheus zwei (hat er) aus Zuneigung und Liebe (geschrieben), aber zu
Ehren der katholischen Kirche sind sie zur Ordnung der Kirchenzucht für heilig
erklärt worden.
Es läuft auch ein Brief an die Laodicener und ein anderer an die
Alexandriner um, auf des Paulus Namen gefälscht für die Sekte des Marcion, und
anderes mehr, was nicht in die katholische Kirche aufgenommen werden kann: denn
Galle mit Honig zu mischen geht nicht an.
Ein Brief des Judas ferner und zwei des erwähnten Johannes werden in der
katholischen Kirche (im Kanon) gehalten und die Weisheit, die von den Freunden
Salomos ihm zu Ehren geschrieben ist.
Auch von Offenbarungen nehmen wir nur die des Johannes und Petrus an, welche
letztere manche von den unsrigen nicht in der Kirche verlesen wissen wollen. Den
Hirten aber hat ganz vor kurzem zu unseren Zeiten in der Stadt Rom Hermas
verfaßt, als auf dem Throne der Kirche der Stadt Rom der Bischof Pius, sein
Bruder, saß. Und deshalb soll er zwar gelesen werden, aber öffentlich in der
Kirche dem Volke verlesen werden kann er weder unter den Propheten, deren Zahl
abgeschlossen ist, noch unter den Aposteln am Ende der Zeiten.
Von Arsinous aber oder Valentin und Miltiades nehmen wir überhaupt nichts
an, die ja auch ein neues Psalmenbuch für Marcion verfaßt haben zusammen mit
dem Kleinasiaten Basilides, dem Stifter der Kataphryger.
Quelle: Lietzmann, Hans: Wie wurden die Bücher des Neuen Testaments heilige
Schrift? Fünf Vorträge. Tübingen 1907, 54-57
"Salvian an den Bischof Salonius, seinen Herrn und
gesegneten Schüler, Vater und Sohn: Schüler um des früheren Unterrichts, Sohn
um der Liebe, Vater um der Würde willen.
Du fragst mich, mein geliebter Salonius, warum die kleine
Schrift, die jüngst ein Zeitgenosse an die Kirche gerichtet hat, unter dem
Namen Timotheus veröffentlicht wurde. Und du fügst noch hinzu, daß diese
Schrift leicht unter die Apokryphen gerechnet werden könnte, solange sie dem
Timotheus zugeschrieben ist; es sei denn, ich könnte den Grund für diesen
Namen erklären. Ich bin aufrichtig dankbar und erkenne voll an, daß Du über
mich eine so hohe Meinung hast und annimmst, es stimme ganz zur Sorgfalt meines
Glaubens, ein kirchliches Werk nicht auf unsicherer Grundlage aufruhen zu
lassen, so daß ein Werk der größten Heilswirkung weniger hoch geschätzt
würde, nur weil man über seinen Verfasser im unklaren ist. Um den Verdacht des
apokryphen Charakters dieser Schrift von Grund auf auszuschließen, hätte daher
die Tatsache genügen können, daß, wie ich eingangs ausgeführt habe, die
Schrift ein Werk der neueren Diskussion ist, und zwar von einem Zeitgenossen aus
Eifer und Liebe für Gottes Sache heraus verfaßt, denn eine Schrift, die zu
erkennen gibt, daß sie nicht vom Apostel Timotheus stammt, kann doch nicht in
den Verdacht geraten, apokryph zu sein.
Es könnte nun freilich jemand fragen, wer denn der Verfasser
sei, wenn nicht der Apostel, und ob dieser Verfasser seinen wahren oder einen
fremden Namen auf das Titelblatt dieser Schrift gesetzt hat. Wirklich: so
könnte man fragen, und mit Recht könnte so gefragt werden, wenn die Suche nach
dem Verfasser irgendein nennenswertes Ergebnis zeitigen könnte. Wenn diese
Fragen aber zu keinem Ergebnis führen, warum sollte man sich dann neugierig
abplagen, da die Neugier nichts zu einem besseren Verständnis des Werkes
beiträgt? Denn bei jedem Buch geht es mehr um Wert und Gehalt des Gelesenen als
um den Namen des Verfassers. Wenn es sich also lohnt, das Buch zu lesen, und
wenn es die Möglichkeit bietet, den Leser in irgendeiner Weise zu fördern, was
liegt dann daran, ob dieses Buch die Neugierde irgend jemandes über den Namen
des Verfassers befriedigt oder nicht? Solchen Fragen könnte man gut die Antwort
des Engels entgegenhalten: "Fragst du nach der Herkunft oder dem Knecht? Da
also der Name keine Förderung bringt, ist es überflüssig, nach dem Verfasser
des Buches zu fragen, solange der Leser von dem Buch selbst Förderung erhält.
Diese Argumente genügen, wie gesagt vollauf.
Doch weil ich Dir, Salonius, meine Zier und meine Stütze,
nichts abschlagen kann, will ich Dir noch deutlichere Gründe nennen. Drei
Fragen sind es, die bei dem in Rede stehenden Buch auftauchen können. Erstens,
warum adressiert der Verfasser an die Kirche? Zweitens, schreibt er unter einem
fremden Namen oder unter seinem eigenen? Und drittens, wenn der Verfasser nicht
seinen eigenen Namen verwendet, warum gebraucht er einen fremden, und wenn einen
fremden, warum hat er Timotheus gewählt und nicht irgendeinen anderen? ...
Wenden wir uns der zweiten Frage zu, nämlich: Warum
verwendet der Autor nicht seinen eigenen Namen auf dem Titelblatt des Buches?
Dafür konnte es, wie ich glaube, eine ganze Reihe von Gründen geben, wiewohl
einer davon der allerwichtigste ist. Und dieser wahre und wichtigste Grund
beruht auf dem Gebot Gottes, das uns befiehlt, auf alle Weise die Eitelkeit
irdischen Ruhmes zu meiden, um nicht den himmlischen Lohn einzubüßen, indem
wir nach dem leichten Windhauch menschlichen Lobes trachten. Daraus folgt: Wenn
Gott uns befiehlt, im Verborgenen zu beten und zu schenken, dann wünscht er
auch, daß wir die Früchte unserer guten Werke der Stille anvertrauen, denn
kein Glaube ist größer als jener, welcher die Mitwisserschaft der Menschen
flieht und sich mit Gott als dem einzigen Zeugen begnügt. So sagt unser
Heiland: "Laß Deine Linke nicht wissen, was Deine Rechte tut, ... und Dein
Vater, der im Verborgenen sieht, wird es vergelten." So könnte dieser
Grund allein schon dafür als Erklärung genügen, daß der Autor seinen Namen
geheim hält und ihn nicht auf das Titelblatt seines Buches gesetzt hat, da er
glaubte, daß das, was er zur Ehre Gottes getan habe, allein Gott bekannt sein
sollte, und daß das Werk Gottes um so wohlgefälliger wäre, als es die
öffentliche Anerkennung mied.
Und doch muß zugestanden werden, daß der vornehmste Grund
ein anderer war. Der Autor ist, wie wir lesen, niedrig in seinen eigenen Augen
und gering vor sich selbst. Er dünkt sich ganz schwach und der letzte von allen
und, was wichtiger ist, dies aus reinem Glauben, nicht etwa aus der
Verpflichtung einer falsch gesehenen Demut, sondern aus der wahrhaftigen Einfalt
seines Urteils heraus. Und weil er so mit Recht der Ansicht war, er dürfe sich
auch von den anderen nur für das halten lassen, wofür er sich selbst
einschätzte, hat er ganz folgerichtig über seine Schrift einen fremden Namen
gesetzt, auf daß die Geringfügigkeit seiner Person nicht der Bedeutung seiner
heilsamen Darlegungen Abbruch tue; denn alles, was gesagt wird, steht in der Tat
nur so hoch im Kurs wie derjenige, der es sagt. Ja, so hinfällig, das muß man
sagen, so nichtig ist das Urteil in unserer Zeit, daß die Leser nicht so sehr
erwägen, was sie lesen, als vielmehr von wem sie etwas lesen, und nicht so sehr
die innere Kraft und Macht der Sprache auf sich wirken lassen, als das Ansehen
des Sprechenden. Aus diesem Grunde also wollte der Verfasser um jeden Preis in
der Stille verborgen bleiben: Die Schrift, die so viel des Guten und Heilsamen
in sich trägt, sollte in ihrem Wert nicht etwa durch den Namen des Verfassers
herabgemindert werden. Nun weiß also jeder, der danach fragt, warum er sich
einen fremden Namen beigelegt hat.
Es bleibt nun noch zu erklären, warum gerade den Namen
Timotheus. Wir müssen auch bei dieser Erklärung wieder auf den Autor selbst
zurückgreifen. Er ist nämlich der primäre Grund. Wenn er in seiner Demut
einen fremden Namen schrieb, so aus Furcht und Vorsicht den des Timotheus, ist
er doch äußerst zaghaft und furchtsam und schrickt auch vor der kleinsten
Lüge zurück, scheut jede Sünde so sehr, daß er sich manchmal vor dem
fürchtet, was gar nicht zu fürchten ist. Da er also seinen Namen aus dem Titel
fortlassen und einen anderen dafür einsetzen wollte, da fürchtete er schon bei
dieser Namensvertauschung die Lüge und meinte, er dürfe keinesfalls, auch
nicht in der Ausübung eines frommen Werkes, sich mit einer Falschheit
beflecken. Bei diesem unsicheren Hin und Her des Zweifelns gewann er dann die
Überzeugung, es sei das beste, dem hochheiligen Beispiel des seligen
Evangelisten zu folgen, der an den Anfang seiner beiden göttlichen Werke den
Namen Theophilus setzte und so an die "Liebe Gottes" adressierte,
während er anscheinend an einen Menschen schrieb. Er hielt es eben für das
passendste, seine Werke an die "Liebe Gottes" selbst zu richten, die
ihn zum Schreiben getrieben hatte. Diese Überlegung, diesen Plan machte sich
auch unser Verfasser zu eigen. Im Bewußtsein, daß er in seinem Buch alles zur
"Ehre Gottes" getan habe, so wie der Evangelist zur "Liebe
Gottes", schrieb er den Namen "Timotheus" darüber, wie jener den
Namen Theophilus. Wie nämlich mit dem Wort Theophilus die "Liebe
Gottes", so wird mit Timotheus die "Ehre Gottes" ausgedrückt.
Wenn Du daher liest, daß "Timotheus" an die Kirche geschrieben habe,
so mußt Du dies dahin verstehen, daß es "zur Ehre Gottes" an die
Kirche geschrieben ist oder noch besser: daß die Ehre Gottes selbst die Schrift
hinausgehen ließ. Denn mit Recht gilt der als der Schreiber, der die Schrift
veranlaßt hat. Aus diesem Grunde also steht im Titel des Buches der Name
Timotheus. Der Verfasser hielt es für angemessen, auch den Titel der
göttlichen Ehre zu weihen, wenn er schon zur Ehre Gottes das Werk schrieb.
Nun hast Du, mein geliebter Salonius, erhalten, was Du
verlangt hast. Ich habe die mir übertragene Aufgabe gelöst. Bleibt noch
übrig, daß nun auch Du das Deinige tust, nachdem ich das Meinige getan: Bitte
den Herr, unseren Gott, und erreiche durch Dein Flehen, daß die Schrift
"an die Kirche", zur Ehren Christi niedergeschrieben, bei Gott, ihrem
Verfasser, so viel nutzen bringt, wie sie nach seinem eigenen Wunsch allen
anderen nützen soll. Ich glaube, das Verlangen ist nicht ungerecht, wenn einer
begehrt, daß ihm gerade so viel zu seinem Heil geschenkt werde, wie er allen
Mitmenschen aus seiner Liebe heraus wünscht. Lebe wohl, Salonius, unsere
Zier und Stütze!
Quelle: Text nach der deutschen Übersetzung des
ursprünglich englisch verfaßten Beitrages von A.E. Haefner, Eine einzigartige
Quelle für die Erforschung der antiken Pseudonymität durch U.W. Scholz, in:
Brox, N. (Hg.), Pseudepigraphie in der heidnischen und jüdisch-christlichen
Antike (WdF 484) Darmstadt 1977, 158ff.
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen
Buchgesellschaft, Darmstadt!
Papias bietet aber auf Grund mündlicher Überlieferung auch
noch andere Erzählungen, nämlich unbekannte Gleichnisse und Lehren des
Erlösers und außerdem noch einige sonderbare Berichte. 12 Zu diesen
gehört seine Behauptung, daß nach der Auferstehung der Toten tausend Jahre
kommen werden, in denen das Reich Christi sichtbar auf Erden bestehen werde.
Nach meiner Meinung hat Papias diese Anschauung den ihm mitgeteilten
Erzählungen der Apostel unterschoben; das, was die Apostel in Bildern und
Gleichnissen gesprochen hatten, hat er nicht verstanden. 13 Obwohl
er, wie man aus seinen Worten schließen kann, geistig sehr beschränkt gewesen
sein muß, hat er doch sehr vielen späteren Kirchenschriftstellern, die sich
durch das Alter des Mannes verleiten ließen, wie dem Irenäus und denen, die
sonst noch solche Ideen vertreten, Anlaß zu ähnlichen Lehren gegeben.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1) München 1932, 152f.
58.
(Übersetzung: Ute Minker/Ingo Broer)
(Eusebius zitiert Hegesipp:) "Noch lebten aus der Verwandtschaft
des Herrn die Enkel des Judas, der ein leiblicher Bruder des Herrn gewesen sein
soll. Diese wurden als Nachkommen Davids gerichtlich angezeigt. Ein Evokatus
führte sie vor Kaiser Domitian. Denn gleich Herodes fürchtete sich dieser vor
der Ankunft Christi. Domitian fragte jene, ob sie von David abstammen. Sie
bestätigten es. Sodann fragte er sie nach dem Umfange ihrer Besitzungen und
nach der Größe ihres Vermögens. Sie antworteten, sie besäßen beide zusammen
nur 9000 Denare, und davon gehöre jedem die Hälfte. Aber auch dieses Vermögen
bestünde - so fügten sie bei - nicht in Geld, sondern im Werte eines Feldes
von nur 39 Morgen, die sie mit eigener Hand bewirtschafteten, um davon die
Steuern zu zahlen und ihren Lebensbedarf zu decken. Hierauf zeigten sie ihm die
Hände und bewiesen durch die Härte ihrer Haut und durch die Schwielen, welche
sie infolge ihrer angestrengten Arbeit an ihren Händen trugen, daß sie
Handarbeiter waren. Als man sie über Christus und über die Art, den Ort und
die Zeit seines Reiches fragte, antworteten sie, dasselbe sei nicht von dieser
Welt und dieser Erde, es sei vielmehr ein himmlisches und englisches Reich, das
erst am Ende der Welt kommen werde, wenn Christus in Herrlichkeit erscheinen
wird, um die Lebenden und die Toten zu richten und jedem nach seiner Gesinnung
zu vergelten. Daraufhin verurteilte sie Domitian nicht, sondern verachtete sie
als gemeine Leute. Er setzte sie in Freiheit und befahl, die Verfolgung der
Kirche einzustellen. Sie aber erhielten nach der Freilassung, da sie Bekenner
und Verwandte des Herrn waren, führende Stellungen in der Kirche. Nachdem
Frieden geworden war, lebten sie noch bis Trajan." So berichtet Hegesippus.
Ähnlich berichtet auch Tertullian über Domitian. Er sagt: "Domitian,
der mit Nero die Grausamkeit teilte, hatte einmal versucht, dessen Vorgehen
nachzuahmen. Doch da er, wie ich glaube, noch etwas Verstand besaß, ließ er
sehr rasch davon ab und rief die Verbannten wieder zurück." Als nach
15jähriger Regierung des Domitian Nerva die Herrschaft übernommen hatte,
faßte der römische Senat den Beschluß, dem Domitian seine Ehrentitel zu
entziehen und die ungerecht Verbannten nach Hause zurückzurufen unter
Zurückerstattung ihres Vermögens. So berichten die damaligen
Geschichtschreiber. Nach alter christlicher Überlieferung kehrte damals der
Apostel Johannes aus seiner Verbannung auf der Insel zurück, um wieder seinen
Aufenthalt in Ephesus zu nehmen.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 124f.
Als hervorragendes Beispiel von Gottlosigkeit wandelte Judas in dieser Welt,
der zu einem solchen Fleischesumfang angeschwollen war, daß er nicht einmal, wo
ein Wagen leicht durchfährt, hindurchgehen konnte, ja nicht einmal die Masse
seines Kopfes. Denn seine Augenlieder, heißt es, seien dermaßen angeschwollen
gewesen, daß er überhaupt das Licht nicht mehr sah, und seine Augen konnten
auch nicht von einem Arzt mit Hilfe eines Augenspiegels erblickt werden; so tief
lagen sie von der äußeren Oberfläche. Sein Schamglied erschien aber durch
Mißgestaltung überaus widerlich und groß, und es gingen dadurch aus dem
ganzen Körper zusammenfließend Eiterteile und Würmer zu (seinem) Schimpf ab,
allein schon durch die natürlichen Bedürfnisse. Als er dann nach vielen Qualen
und Strafen an privatem Orte, wie es heißt, gestorben war, sei der Ort von dem
Geruch bis jetzt öde und unbewohnt gewesen; ja es könne bis zum heutigen Tage
keiner an der Stelle vorübergehen, ohne sich die Nase mit den Händen
zuzuhalten. So stark erfolgte der Ausfluß durch sein Fleisch auf die Erde.
Quelle: nach: Neutestamentliche Apokryphen, hg. von E. Hennecke, Tübingen 21924,
130
1Aber, um mit den alten Beispielen aufzuhören, wollen wir nun auf die
Kämpfer der neuesten Zeit kommen; wie wollen die hervorstechendsten Beispiele
unseres Zeitalters herausgreifen. 2Wegen Eifersucht und Neid haben
die größten und gerechtesten Männer, Säulen waren sie, Verfolgung und Kampf
bis zum Tode ausgetragen. 3Stellen wir uns die guten Apostel vor
Augen: 4einen Petrus, der wegen ungerechter Eifersucht nicht ein oder
zwei, sondern vielerlei Mühseligkeiten erduldet hat und, nachdem er so sein
Zeugnis (für Christus) abgelegt hatte, angelangt ist an dem ihm gebührenden
Orte der Herrlichkeit. 5Wegen Eifersucht und Streit hat Paulus den
Beweis seiner Ausdauer erbracht. 6Siebenmal gefesselt, vertrieben,
gesteinigt, Herold (des Evangeliums) im Osten und Westen, holte er sich den
herrlichen Ruhm seines Glaubens. 7Er hatte Gerechtigkeit der ganzen
Welt gelehrt, war bis in den äußersten Westen vorgedrungen und hatte vor den
Machthabern sein Zeugnis abgelegt, so wurde er weggenommen von dieser Welt und
ging ein in den heiligen Ort, das größte Beispiel der Geduld.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Aus dem Griechischen übersetzt von Dr.
Franz Zeller (= BKV 35) München 1918, 28
Des Archelaus Gebiet ward nun in eine Provinz verwandelt und als Landpfleger ein Römer von ritterlichem Stande, Coponius, dorthin gesandt, dem der Caesar Gewalt über Leben und Tod verlieh. Während seiner Amtsführung verleitete ein gewisser Galiläer Judas seine Landsleute zum Abfall, indem er es für schmachvoll erklärte, wenn sie noch fernerhin Abgaben an die Römer entrichteten und ausser Gott auch sterbliche Menschen als ihre Gebieter anerkännten. Er war der Begründer einer eigenen Sekte, die mit den anderen nichts gemein hat.
Diese Festung, Masada geheissen, wurde von Sikariern besetzt gehalten, an deren Spitze ein einflussreicher Mann Namens Eleazar stand, ein Nachkomme jenes Judas, der, wie früher erwähnt, zu der Zeit, da Quirinius als Schätzungsbeamter nach Judäa gesandt worden war, eine Menge Juden beredet hatte, sich die Schätzung nicht gefallen zu lassen.
Übrigens wurde das Gebiet des Archelaus der Provinz Syrien
einverleibt, und der Caesar schickte nun den Quirinius, einen gewesenen Konsul,
ab, um eine Schätzung des Vermögens in Syrien vorzunehmen und die Güter des
Archelaus zu verkaufen.
18,1 Quirinius also, einer von den römischen
Senatoren, der übrigens alle öffentlichen Ämter bereits bekleidet hatte und
wegen seiner ehrenvollen Stellung grossen Einfluss besass, kam auf Geheiss des
Caesars mit wenigen Begleitern nach Syrien, teils um Gerichtssitzungen
abzuhalten, teils um die Vermögensschätzung vorzunehmen. Zugleich mit ihm
wurde Coponius, ein Mann ritterlichen Standes, zur Wahrnehmung der höchsten
Gewalt in Judäa abgeschickt. Bald fand sich nun Quirinius auch in Judäa ein,
das mit Syrien verbunden war, um hier ebenfalls das Vermögen zu schätzen und
die Güter des Archelaus zu verkaufen. Die Juden wollten zwar anfangs von der
Schätzung nichts wissen, gaben jedoch allmählich auf Zureden des Hohepriesters
Joazar, des Sohnes des Boethos, ihren Widerstand auf und liessen
nach seiner Weisung die Schätzung ihres Vermögens ruhig geschehen. Der
Gaulaniter Judas dagegen, der aus der Stadt Gamala gebürtig war, reizte in
Gemeinschaft mit dem Pharisäer Sadduk das Volk durch die Vorstellung zum
Aufruhr, die Schätzung bringe nichts anderes als offenbare Knechtschaft mit
sich, und so forderten sie das gesamte Volk auf, seine Freiheit zu schützen. Denn
jetzt sei die beste Gelegenheit gegeben, sich Ruhe, Sicherheit und dazu auch
noch Ruhm zu verschaffen. Gott aber werde nur dann bereit sein, ihnen zu
helfen, wenn sie ihre Entschlüsse thatkräftig ins Werk setzten und das
besonders, je wichtiger diese ihre Entschlüsse seien und je unverdrossener sie
dieselben ausführten. Derartige Reden wurden mit grösstem Beifall aufgenommen,
und so dehnte sich das tollkühne Unternehmen bald ins ungeheuerliche aus. Kein
Leid gab es, von dem infolge der Hetzarbeit jener beiden Männer unser Volk
nicht heimgesucht worden wäre.
In Rom übergab er einen Sklaven, der bei einem öffentlichen Festmahl ein silbernes Tablett von einer Liege entwendet hatte, sofort dem Henker. Dieser mußte ihm die Hände abhauen und sie ihm um den Hals (gebunden) vor der Brust herunterhängen lassen. So wurde er durch die Versammlung der Speisenden geführt und eine Tafel vorangetragen, die den Grund für diese Bestrafung anzeigte.
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