Quellensammlung zusammengestellt von Ingo Broer, Matthias Gräff, Sonja Heite, Thomas Schindler (alle Siegen), unter Mitarbeit von Rudolf Hoppe (Passau) und Peter Trummer (Graz)
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Texte ohne Übersetzungshinweis wurden von Ingo Broer, Matthias Gräff und
Stefan Groß übersetzt.
Antike Texte
zur Umwelt des Neuen Testaments - Deutsch
I. Außerchristliche Texte über Johannes, den Täufer,
Jesus und die ersten Christen
1. Josephus über Jesus (Jüdische Altertümer XVIII
3,3 §63f.)
2. Josephus über Johannes, den Täufer (Jüdische
Altertümer XVIII 5,2 §116-119)
3. Josephus über die Hinrichtung des Herrenbruders Jakobus
(Jüdische Altertümer XX 9,1 §199f.)
4. Talmudische Zeugnisse über Jesus und die Jünger
a) Sanhedrin 43ab
b) Âboda Zara 16b
c) Âboda Zara 27b
5. Caecilius Natalis, der Sprecher des Heidentums im Dialog
"Octavius" des Minucius Felix, über die Christen (VIII 4f. -
IX 2)
6. Tacitus über Jesus und die neronische Christenverfolgung
(Annalen XV 44)
7. Sueton und Severus über juden- und christenfeindliche
Maßnahmen der Kaiser
a) Sueton. Leben der Cäsaren
b) Sulpicius Severus (Chron II 29)
c) Brief des syrischen Stoikers Mara bar Serapion an seinen
Sohn Serapion (73-132 n. Chr.)
8. Brief des Plinius über die Christen an Kaiser Trajan
und dessen Antwort (Briefe X 96f.)
a) Brief X 96: C. Plinius an Kaiser Trajan
b) Brief X 97: Trajan an Plinius
9. Eusebius über die Verfolgung der Christen
a) Kirchengeschichte III 18,4
b) Kirchengeschichte IV 8f.
10. Justin der Märtyrer über die Christenprozesse
(apol I 68)
11. Tertullian über die Verfolgung der Christen
a) apol 40
b) apol 7
12. Die Standhaftigkeit der Christen als Beweis der Unbescholtenheit
(Justin apol II 12)
13. Das Leben der ersten Christen
a) Der sonntägliche Gottesdienst (Justin, apol I 67)
b) Der Gottesdienst nach dem Empfang der Taufe und das Verständnis
der Eucharistie (Justin apol I 65f.)
c) Die Abendmahlfeier in der Didache (Did 9)
d) Die Taufe in der Didache (Did 7)
e) Die Gebetspraxis in der Didache (Did 8,2f.)
f) Ethische Weisungen (Did 1,3-2,7)
g) Ethische Weisungen (2 Clem 17)
14. Eusebius von Cäsarea über die Flucht der Christen
nach Pella (Kirchengeschichte III 5)
15. Justin über die Wunder der Irrlehrer (Dialog mit dem
Juden Tryphon VII 3)
16. Das Todesurteil des Cyprian von Carthago (Prokonsularische
Akten des Hl. Cyprian 4)
II. Texte zum religiösen, politischen und sozialen Umfeld
der neutestamentlichen Zeit
1. Das Achtzehngebet (Schemone Esre)
2. Die Entstehungslegende der Septuaginta im Aristeasbrief (Arist
9-11.41.46. 50.121. 301f.307-311)
3. Sabbattexte
a) Jubiläen 50,6-13
b) Qumran (CD X,14-XI,18)
4. Messiastexte
a) PsSal 17
b) PsSal 18
b) weitere Texte der Apokryphen (4 Esr 12,31-33; 13; TestLevi
18; TestJuda 24; sBar 29,3; 30,1; äHen 90,37; OrSib III 46-56. 282-289. 652-656)
c) Qumrantexte (CD XII,22-XIII,1; XIV,18f.; XIX,9-11; XX,1;
1 QS IX,9-11; 1 QSa II,11-22; 4 Qpatr zu Gen 49,10; 4 Qtest zu Dtn 18,18f.,
Num 24,15-17, Dtn 33,8-11; 4 Qflor zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1)
5. Josephus über die jüdischen Religionsparteien
a) Jüdische Altertümer XIII 5,9 §171-173
b) Jüdische Altertümer XIII 10,5f. §288.297f.
c) Jüdische Altertümer XVIII 1,2-6 §11-25
d) Jüdischer Krieg II 8,2-7.9-11.14 §119-122.124.127-133.135-140.145f.152-154.156.162-166
6. Philo, Über die Essener
Pro Judaeis defensio (Eus. praep. ev., VIII, 11,1-8)
7. Jüdischer Umgang mit Heiden
a) 3 Makkabäer 3,4
b) Jubiläen 22,16
c) Joseph und Aseneth 8,5-6
d) Demai II 3
e) bSanhedrin 23a
f) Joseph und Aseneth 7,1
8. Josephus über das Zeugenrecht (Jüdische Altertümer
IV 8,15 §219)
9. Juden und der Militärdienst (Jüdische Altertümer
XIV 10,11f. §223-227)
10. Josephus über Pilatus (Jüdischer Krieg II 9,2f.
§169-174)
11. Josephus über die sog. "Propheten"
a) Jüdische Altertümer XVIII 4,1 §85-87
b) Jüdische Altertümer XX 5,1 §97-99
c) Jüdische Altertümer XX 8,6 §169-172.
d) Jüdischer Krieg VI 5,3 §300-309
12. Philo von Alexandria über den "Logos" (QE
II,51.68; QG II,62; De somn. I,227-239)
13. Texte zur Religionsfreiheit der Juden
a) Josephus zum Edikt des Claudius (Jüdische Altertümer
XIX 5,2f. §279-291)
b) Jüdischer Krieg VI 6,2 §333-336
14. Warnungen vor dem Betreten des Tempels
a) Jüdische Altertümer XV 11,5 §417
b) Jüdischer Krieg V 5,2 §193f.
c) Jüdischer Krieg VI 7,4 §124-126
d) Philo, Gesandtschaft an Gaius 212
e)Tempelinschrift, welche Nichtjuden den Eintritt bei Todesstrafe
verbietet (gefunden 1870)
f) Theodotos-Inschrift
16. Beschreibung der Landschaften Galiläas bei Josephus
a) Jüdischer Krieg III 3,1-2 §35.41-43
b) Jüdischer Krieg III 3,3 §44f.
c) Jüdischer Krieg III 10,7f. §506-520
17. Strabo über Judäa und Moses (Erdbeschreibungen
XVI 34-36)
18. Ein Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner aus dem Jahre 41 n. Chr.
19. Ratgeber für junge Frauen (Stobaios 4.28.10)
III. Antike Parallelen zu den Wundergeschichten im Neuen Testament
1 Jüdische Wundergeschichten
1.1. Rabbi Hanina (1. Jahrhundert) heilt durch Gebete (Berachoth
V,v 34b)
1.2. Dämonenaustreibung des Eleazar (Jüdische Altertümer
VIII 2,5 §46-49)
1.3. Totenerweckung durch einen Rabbinenschüler (LvR
10 (111d))
1.4. Wunderbare Brotspende (Tânith III,i-ix 24b/25a)
1.5. Naturwunder des Rabbi 'Eli'ezer (Baba mezia 59b)
1.6. Regenwunder (Tânith III, viii)
1.7. Stillung eines Sturmes durch Rabbi Tanhuma (Berachot
IX, 1 (ed. Crotoschin 1866, 13b)
1.8. Lebensalter der Patriarchen (Jüdische Altertümer
I 3,9 §104-108)
1.9. Epiphaniegeschichte (Jüdische Altertümer III
5,2 §79-82)
1.10. Ein Sturmstillungswunder Test Naphthali (Test XII Patr)
6
2 Hellenistische Wundergeschichten
2.1 Heilungsberichte aus Epidauros
2.2 Die Heilung des Winzers Midas (Lukian, Der Lügenfreund
11)
2.3 Vespasian heilt in Alexandria
2.4 Dämonenaustreibung des Apollonios von Tyana (Philostrat,
Das Leben des Apollonius von Tyana IV 20)
2.5 Ein Dämonenaustreiber aus Palästina (Lukian,
Der Lügenfreund 16)
2.6 Apollonios entlarvt und tötet den Pestdämon
von Ephesus (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana IV 10)
2.7 Eine Dämonenaustreibung des Apollonios (Philostrat,
Das Leben des Apollonius von Tyana III 38)
2.8 Apollonios erweckt ein Mädchen vom Tode (Philostrat,
Das Leben des Apollonius von Tyana IV 45)
2.9 Auferstehung und Erscheinung (Herodot, Historien IV 14)
2.10 Verschiedene Berichte über Weinwunder des Gottes
Dionysos
2.11 Ein Regenwunder (Herodot, Historien I 87)
2.12 Plutarch über die Wunder oder Wunderkritik der
Antike (Marcius Coriolanus 38)
2.13 Wunder - damals und heute (Augustinus, Vom Gottesstaat
XXII 8)
2.14 Die Geburt des Apollonios (Philostrat, Das Leben des
Apollonius von Tyana 15)
2.15 Befreiungswunder (Euripides, Bakchen 443-450)
2.16 Griechische Zauberpapyri (Papyri Graecae Magicae)
IV. Antike Texte über Mysterienkulte
1. Kybele und Attis: Prudentius über das Taurobolium (Peristephanon
X 1011-1048)
2. Mithraskult
a) Tertullian über die Weihe des Mysten zum miles Mithrae
(Über den Kranz des Soldaten 15)
b) Tertullian über den Mithraskult als teuflische Nachahmung
der christlichen Mysterien (Über die Prozeßeinreden gegen sämtliche
Häresien 40)
V. Christliche Texte über die Entstehung der Evangelien
1. Eusebius von Cäsarea über die Entstehung der vier
Evangelien
a) Über die Abfassung des Matthäus- und des Johannesevangeliums
(Kirchengeschichte III 24,6f.11f.)
b) Über die Abfassung des Markus- und des Matthäusevangeliums
(Kirchengeschichte III 39,15f.)
c) Über die Entstehung der Evangelien (Kirchengeschichte
VI 14,5-7)
2. Johannes Chrysostomus über Unterschiede und Gemeinsamkeiten
der vier Evangelien (Matthäus-Kommentar I 2f.)
3. Irenäus von Lyon über die Entstehung der Evangelien
a) Über die vier Evangelisten und die Wahrheit ihrer
Evangelien (Gegen die Häresien III 1,1f)
b) Über den Evangelisten Johannes (Gegen die Häresien
III 11,7)
c) Über den Evangelisten Lukas (Gegen die Häresien
III 14,1)
4. Canon Muratorii
5. Salvians 9. Brief
6. Pseudepigraphische Erzählungen des Papias (Eusebius,
Kirchengeschichte III 39,11-13)
VI. Außerneutestamentliche Parallelen zu neutestamentlichen
Texten
1. Das Petrusevangelium
2. Die Familie Jesu (Eusebius, Kirchengeschichte III 20,1)
3. Papias über Judas Iskariot (Fragmente III 2f)
4. Über den Tod der Apostel Petrus und Paulus (1 Clem 5)
5. Josephus über die Schätzung des Quirinius
a) Jüdischer Krieg II 8,1 §117f.
b) Jüdischer Krieg VII 8,1 §253
c) Jüdische Altertümer XVII 13,5 §355 - XVIII
1,1 §6
6. Zum Kreuzestitulus Jesu in Mt 27,37 (Sueton, De Vita Caesarum, Caligula 32)
Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen
Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten
und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er
viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn
Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte,
wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen
am dritten Tag wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere
wunderbare Dinge von ihm vorherverkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen
Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 515f.
Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des
Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Johannes'
des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den letzteren nämlich hatte
Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt,
nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit
gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen.
Dann werde, verkündigte er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie dieselbe nur
zur Heiligung des Leibes, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten;
die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben
entsündigt. Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine
gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen
des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum
Aufruhr treiben, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu
räumen, als beim Eintritt einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und
dann, wenn es zu spät sein, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin
ließ also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus
bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten. Sein Tod aber war, wie
gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb des Herodes Heer
aufgerieben worden war, da Gott in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen
verhängt habe.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899),525f.
Der jüngere Ananus jedoch, dessen Ernennung zum Hohepriester ich soeben
erwähnt habe, war von heftiger und verwegener Gemütsart und gehörte zur Sekte
der Sadduzäer, die, wie schon früher bemerkt, im Gerichte härter und
liebloser sind als alle anderen Juden. Zur Befriedigung dieser seiner
Hartherzigkeit glaubte Ananus auch jetzt, da Festus gestorben, Albinus aber noch
nicht angekommen war, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben. Er
versammelte daher den hohen Rat zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder
des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige
andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen
ließ.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 666f.
Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jeschu. Vierzig Tage zuvor hatte der
Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei
getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner
Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner
Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.
Die Rabbanan lehrten: Fünf Jünger hatte Jeschu: Mathaj, Naqaj, Neçer, Buni
und Thoda.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin
/ Wien 1925, 181
Âqiba, du hast mich erinnert; einst ging ich auf dem oberen Markt von
Sepphoris und traf da einen von den Schülern Jesu des Nazareners, namens
Jâqob, aus dem Dorf Sekhanja; da sprach er zu mir: Es heißt in eurer
Gesetzeslehre: Du sollst nicht Hurenlohn bringen &c. [Dtn 23,19], darf man
aus diesem einen Abort für den Hochpriester errichten? Ich erwiderte ihm
nichts. Da sprach er zu mir: So lehrte mich Jesu der Nazarener: Denn von
Hurenlohn ist es zusammengebracht und zu Hurenlohn soll es wieder werden [Mi
1,7]; von Unrat kam es und zu Unrat soll es wieder zurückkehren.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin
/ Wien 1925, 851
Einst wurde Ben-Dama, ein Schwestersohn R. Jischmâéls, von einer Schlange
gebissen, und Jâqob, aus dem Dorf Sekhanja kam, um ihn zu heilen, da ließ es
R. Jischmâél nicht zu.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin
/ Wien 1925, 889
Es sind das Leute, welche aus der untersten Hefe des Volkes
unwissende und leichtgläubige Weiber, die ja schon wegen der Schwäche ihres
Geschlechts leicht zu gewinnen sind, sammeln und eine ruchlose Verschwörerbande
bilden. Sie verbrüdert sich in nächtlichen Zusammenkünften und bei
feierlichem Fasten und unmenschlichen Gelagen nicht etwa durch eine heilige
Zeremonie, sondern durch ein unsühnbares Verbrechen, ein duckmäuseriges und
lichtscheues Volk, stumm in der Öffentlichkeit, nur in den Winkeln gesprächig.
Die Tempel verachten sie als Grabmäler, die Götter verfehmen sie, über die
Opfer lachen sie. Sie bemitleiden, selbst bemitleidenswert, wenn man so sagen
darf, die Priester, verschmähen Ehrenstellen und Purpurkleider, obwohl sie
selbst fast nicht fähig sind, ihre Blöße zu decken. 5 Welch
merkwürdige Torheit und unglaubliche Keckheit! Sie machen sich nichts aus
gegenwärtigen Martern, während sie ungewisse in der Zukunft fürchten. Sie
sterben auf Erden ohne Furcht, fürchten aber einen Tod nach dem Tode. So
täuscht sie eine Hoffnung hinweg über die Angst und beschwichtigt sie durch
den Trostblick auf ein neues Leben...
IX 2 Sie erkennen sich an geheimen Merkmalen und Zeichen und
lieben sich gegenseitig fast, bevor sie sich kennen. Allenthalben üben sie auch
unter sich sozusagen eine Art von Sinnlichkeitskult; unterschiedslos nennen sie
sich Brüder und Schwestern: so wird sogar die gewöhnliche Unzucht durch diesen
heiligen Namen zur Blutschande. So prahlt ihr gehalt- und sinnloser Aberglaube
noch mit Schandtaten.
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 2, Minucius
Felix, Octavius.
Übersetzt von Alfons Müller (= BKV 14). München 1913, 147f.
(Tacitus berichtet über den Brand Roms:) Doch weder durch menschliche
Hilfe, weder durch kaiserliche Spendungen, noch durch Sühnungen der Götter
ließ sich der Schimpf bannen, daß man glaubte, es sei die Feuersbrunst geboten
worden. Um daher dies Gerede zu vernichten, gab Nero denen, die, durch
Schandtaten verhaßt, das Volk Christen nannte, die Schuld und belegte sie mit
den ausgesuchtesten Strafen. Der, von welchem dieser Name ausgegangen, Christus,
war, als Tiberius regierte, vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden,
und der für den Augenblick unterdrückte verderbliche Aberglaube brach nicht
nur in Judäa, dem Vaterlande dieses Unwesens, sondern auch in Rom, wo von allen
Seiten alle nur denkbaren Greuel und Abscheulichkeiten zusammenfließen und
Anhang finden, wieder aus.
Quelle: Cornelius Tacitus, Werke: Annalen, 2. Bd. (= Deutsche Hand- und
Hausbibliothek 123). Mit einer Einleitung und nach der Übersetzung von Wilhelm
Bötticher. Stuttgart 1873, 156
Tiberius 36
Er unterdrückte fremde Kulte, die ägyptischen und die jüdischen Riten ... Er verteilte die jungen Leute der Juden scheinbar wegen des Kriegsdienstes in die Provinzen mit strenger Witterung, er vertrieb die Übrigen dieses Volkes oder ähnliche Parteien aus der Stadt, unter ewiger Strafe der Sklaverei, falls sie nicht gehorchten.
Claudius 25,4
Er vertrieb die Juden aus Rom, die unter ihrem Anführer Chrestus
ununterbrochen Unruhe stifteten.
vgl. Apg 18,2.
Nero 16,2
Vieles unter ihm wurde einerseits streng beachtet und bestraft, andererseits wurde auch Neues eingeführt: ... die Christen, ein Geschlecht von Menschen mit einem neuen und gottlosen Aberglauben, wurden durch die Todesstrafe heimgesucht.
Von da an begann Nero gegen die Christen zu wüten; in der Folgezeit wurden Gesetze erlassen, durch die verboten wurde, Christ zu sein.
Was hatten die Athener davon, daß sie Sokrates töteten? Hungersnot
und Pest kamen als Strafe über sie! Was hatten die Bewohner der Insel Samos
davon, daß sie den Pythagoras verbrannten? Ihr Land wurde in einem Augenblick
vom Sand bedeckt. Was hatten die Juden davon, daß sie ihren weisen König hingerichtet
haben? Von jener Zeit an wurde ihnen das Reich weggenommen. Denn Gott verschaffte
diesen drei Weisen gerechte Rache: Die Athener starben vor Hunger, die Samier
wurden vom Meer überwältigt, die Juden wurden umgebracht, aus ihrem Reich vertrieben
und leben nun in der Zerstreuung.
Sokrates ist nicht tot, er lebt weiter durch Platon. Pythagoras ist nicht
tot, er lebt in der Herastatue weiter. Der weise König ist nicht tot. Er lebt
in den neuen Gesetzen, die er gegeben hat, weiter.
Es ist mir wichtig, Herr, alles, worüber ich im Zweifel bin, dir
vorzutragen. Denn wer kann besser mein Zaudern lenken oder meine Unkenntnis
belehren?
An Gerichtsverhandlungen gegen Christen habe ich niemals teilgenommen; daher
weiß ich nicht, was und wieweit man zu strafen oder nachzuforschen pflegt. Ich
war auch ganz unschlüssig, ob das Lebensalter einen Unterschied macht, oder ob
die ganz Jungen genauso behandelt werden wie die Erwachsenen; ob bei Reue
Verzeihung gewährt werden soll oder ob es dem, der einmal Christ gewesen ist,
nichts nützt, wenn er davon abgelassen hat; ob schon der blosse Name, auch wenn
kein Verbrechen vorliegt, oder nur mit dem Namen verbundene Verbrechen bestraft
werden.
Einstweilen bin ich mit denen, die bei mir als Christen angezeigt wurden,
folgendermaßen verfahren: ich habe sie gefragt, ob sie Christen seien. Die
Geständigen habe ich unter Androhung der Todesstrafe ein zweites und drittes
Mal gefragt. Die dabei blieben, ließ ich abführen. Denn ich war der
Überzeugung, was auch immer es sei, was sie damit eingestanden, daß auf alle
Fälle ihr Eigensinn und ihre unbeugsame Halsstarrigkeit bestraft werden müsse.
Es gab auch noch andere mit ähnlichem Wahn, die ich, weil sie römische Bürger
waren, zur Überstellung nach Rom vorgemerkt habe.Während der Verhandlung breitete sich gewöhnlich die Anschuldigung weiter
aus und es ergaben sich mehrere verschieden gelagerte Fälle.
Es wurde eine Schrift ohne Verfasserangabe vorgelegt, die viele Namen
enthielt. Diejenigen, die bestritten, Christen zu sein oder gewesen zu sein,
glaubte ich freilassen zu müssen, da sie mit einer von mir vorgesprochenen
Formel die Götter anriefen und vor Deinem Bild, das ich zu diesem Zwecke
zusammen mit den Bildern der Götter herbeibringen ließ, mit Weihrauch und Wein
opferten und außerdem Christus schmähten, Dinge, zu denen wirkliche Christen,
wie man sagt, nicht gezwungen werden können.
Andere, von den Denunzianten Genannte erklärten zunächst, Christen zu sein,
leugneten es aber bald wieder: sie seien zwar Christen gewesen, hätten dann
aber davon abgelassen, manche vor drei Jahren, manche vor noch mehr Jahren,
einige sogar vor zwanzig Jahren. Auch diese haben alle Dein Bild und die Statuen
der Götter verehrt und Christus geflucht. Sie versicherten darüber hinaus,
ihre ganze Schuld oder ihr ganzer Irrtum habe darin bestanden, daß sie sich
gewöhnlich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang versammelten, Christus
wie einem Gott einen Wechselgesang darbrachten und sich durch Eid nicht etwa zu
irgendeinem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen Diebstahl, Raubüberfall
oder Ehebruch zu begehen, ein Versprechen nicht zu brechen, eine angemahnte
Schuld nicht abzuleugnen. Danach seien sie gewöhnlich auseinander gegangen und
dann wieder zusammengekommen, um Speise zu sich zu nehmen und zwar ganz
gewöhnliche und unschädliche; selbst das hätten sie nach meinem Erlaß, mit
dem ich deinen Aufträgen entsprechend Vereine verboten hatte, unterlassen. Für
um so notwendiger hielt ich es, aus zwei Mägden, die Dienerinnen genannt
werden, unter der Folter herauszubekommen, was wahr sei. Ich fand nichts anderes
als einen wüsten, maßlosen Aberglauben. Deswegen ist die Untersuchung
aufgeschoben worden und ich habe mich beeilt, Deinen Rat einzuholen. Die
Angelegenheit schien mir nämlich einer Beratung zu bedürfen, insbesondere
wegen der Anzahl der gefährdeten Personen. Denn viele jeden Alters, jeden
Ranges, auch beiderlei Geschlechts sind jetzt und in der Zukunft gefährdet.
Nicht nur über die Städte, sondern auch über die Dörfer und das flache Land
hat sich die Seuche dieses Aberglaubens ausgebreitet. Es scheint aber, daß sie
aufgehalten und in die richtige Richtung gelenkt werden kann. Ziemlich sicher
steht fest, daß die fast schon verödeten Tempel wieder besucht und die lange
eingestellten feierlichen Opfer wieder aufgenommen werden, und daß das
Opferfleisch, für das kaum noch ein Käufer gefunden wurde, überall wieder zum
Verkauf angeboten wird. Daraus kann man leicht erkennen, welche Menge Menschen
gebessert werden kann, wenn man Gelegenheit zur Reue gibt.
Du hast, mein Secundus, bei der Untersuchung der Fälle derer, die bei dir
als Christen angezeigt wurden, die Verfahrensweise befolgt, die notwendig war.
Denn etwas allgemein gültiges, das gleichsam einen festen Rahmen bietet, kann
nicht festgelegt werden. Nach ihnen fahnden soll man nicht. Wenn sie angezeigt
und überführt werden, müssen sie bestraft werden, jedoch so, daß, wer
leugnet, Christ zu sein, und dies durch eine entsprechende Handlung beweist,
nämlich durch die Anrufung unserer Götter, wegen seiner Reue Verzeihung
erhält, selbst wenn er für die Vergangenheit verdächtig bleibt.
Anonym vorgelegte Klageschriften dürfen bei keiner Straftat Platz haben,
denn das wäre ein schlechtes Beispiel und paßt nicht zu unserer Zeit.
Zur erwähnten Zeit strahlte unsere Glaubenslehre bereits solchen Glanz aus,
daß selbst Schriftsteller, welche unserer Lehre fernstanden, ohne Bedenken in
ihren Geschichtswerken über die Verfolgung und ihre Martyrien berichteten. Sie
haben auch die Zeit der Verfolgung genau bestimmt, sofern sie erzählen, daß im
15. Jahre des Domitian neben vielen anderen Flavia Domitilla, eine Tochter der
Schwester des Flavius Klemens, des damaligen römischen Konsuls, wegen ihres
christlichen Glaubens auf die Insel Pontia verbannt worden sei.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 123
Justin erzählt auch, Hadrian habe von Serenius Granianus, einem ganz
vorzüglichen Beamten, ein Schreiben zugunsten der Christen erhalten des
Inhaltes, es sei nicht gerecht, die Christen ohne Anklage und ohne gerichtliche
Untersuchung auf das Geschrei des Pöbels hin zu töten. Daraufhin habe Hadrian
dem Minucius Fundanus, dem Prokonsul Asiens, in einem Antwortschreiben den
Befehl gegeben, niemanden zu verurteilen, wenn nicht eine Anklage vorliege und
der Prozeß nicht gewissenhaft geführt sei. Justin gibt eine Abschrift des
Briefes unter Beibehaltung der lateinischen Sprache, in der er geschrieben war.
Er schickt ihm folgende Einleitung voraus: "Schon unter Berufung auf einen
Brief des größten, erlauchtesten Kaisers Hadrian, eures Vaters, hätten wir
das Recht, von euch die Weisung zu verlangen, daß die richterlichen Urteile in
der von uns erbetenen Form gefällt werden. Doch haben wir darum nicht so sehr
deshalb gebeten, weil Hadrian dies befohlen hatte, als vielmehr aus dem
Bewußtsein, mit unserer Ansprache Gerechtes zu fordern. Damit ihr erkennet,
daß wir hierin die Wahrheit reden, fügen wir auch noch die Abschrift des
Briefes Hadrians bei. Er lautet wie folgt." Der erwähnte Schriftsteller
läßt nun das Reskript in lateinischer Sprache folgen. Wir aber haben es so gut
wie möglich ins Griechische übersetzt. Es lautet:
9. "An Minucius Fundanus. Von dem trefflichen Serenius
Granianus, deinem Vorgänger, habe ich ein an mich gerichtetes Schreiben
erhalten. Es scheint mir nun nicht gut zu sein, die Sache ohne Untersuchung
hingehen zu lassen; denn die Leute sollen nicht beunruhigt werden, und die
Angeber sollen keine Gelegenheit haben, ihrer Bosheit freien Lauf zu lassen.
Wenn sich nun die Provinzialen für ihre Forderung gegen die Christen auf klare
Gründe stützen, so daß sie sich auch vor dem Richterstuhle verantworten
können, dann sollen sie nur diesen Weg gehen. Nicht aber sollen sie sich aufs
Fordern und nur aufs Schreien verlegen. Denn es ist viel besser, daß du, im
Falle jemand eine Anklage erheben will, die Sache untersuchen läßt. Wenn also
jemand als Kläger auftritt und nachweist, daß sie in irgendwelcher Weise gegen
die Gesetze handeln, dann fälle dein Urteil entsprechend dem Vergehen! Wer aber
in verleumderischer Absicht Klage stellt, den fürwahr ziehe wegen seiner
Frechheit zur Verantwortung und für dessen Bestrafung trage Sorge!" Dies
ist der Wortlaut von Hadrians Reskript.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 166f.
Wenn euch nun dieses Sinn und Wahrheit zu haben scheint, so achtet es;
erscheint es euch aber als eitles Gerede, so verachtet es als törichtes Zeug,
verhängt aber nicht über Leute, die kein Unrecht begehen, wie über Feinde den
Tod. Denn wir sagen es euch voraus, daß ihr dem kommenden Gerichte Gottes nicht
entgehen werdet, wenn ihr in der Ungerechtigkeit verharret, und wir werden dazu
rufen: "Was Gott will, das geschehe!"
Obwohl wir nach dem Schreiben des großen, erlauchten Kaisers Hadrian, eures
Vaters, fordern könnten, daß ihr die gerichtlichen Untersuchungen unserem
Gesuche entsprechend abhalten laßt, so wollten wir doch nicht unsere Bitte auf
diese Entscheidung Hadrians gründen, sondern haben vorstehende Ansprache und
Darlegung verfaßt in dem Bewußtsein, daß wir Gerechtes verlangen. Jedoch
setzen wir hierunter eine Abschrift vom Schreiben Hadrians, damit ihr erkennet,
daß wir auch diesem gemäß die Wahrheit sagen. Die Abschrift lautet:
(Brief Hadrians über die Christen)
"An Minucius Fundanus.
Ich habe ein Schreiben empfangen, das von deinem Vorgänger, dem
hochansehnlichen Serenius Granianus, an mich gerichtet wurde. Es scheint mir nun
nicht angebracht, die Sache ohne Untersuchung hingehen zu lassen, damit die
Leute nicht in Unruhe versetzt werden und die Angeber Gelegenheit zur Schelmerei
erlangen. Wenn also die Provinzialen für ihr Verlangen gegen die Christen
sich auf klare
Gründe stützen in der Weise, daß sie auch vor dem Richterstuhle Rede und
Antwort stehen können, so mögen sie diesen Weg beschreiten, aber nicht einzig
auf Bitten oder Schreien sich verlegen. Denn es ist bei weitem angemessener,
daß du, wenn jemand eine Anklage erheben will, hierüber eine genaue
Untersuchung anstellst. Wenn also jemand als Ankläger auftritt und nachweist,
daß sie irgendwie gesetzwidrig handeln, dann fälle dein Urteil nach der
Größe des Vergehens; wenn er es aber in verleumderischer Absicht vorbringen
sollte, wahrlich, eine solche Schändlichkeit bring gehörig in Anschlag und
sorge für ihre Bestrafung."
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden
Apologien Justins des Märtyrers. Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12).
Kempten/München 1913, 137f.
Wenn der Tiber bis in die Stadtmauern steigt, wenn der Nil nicht bis über
die Feldfluren steigt, wenn die Witterung nicht umschlagen will, wenn die Erde
bebt, wenn es eine Hungersnot, wenn es eine Seuche gibt, sogleich wird das
Geschrei gehört: "Die Christen vor den Löwen!" So viele vor einen?!
Ich bitte euch, wie viele Kalamitäten haben nicht schon vor Tiberius, d. h.
vor
der Ankunft Christi, den Erdkreis und die Stadt betroffen? Wir lesen, daß
die Inseln Hiera, Anaphe, Delos, Rhodus und Cos mit vielen tausend Menschen
zugrunde gegangen sind. Auch berichtet Plato, daß ein Land größer als Asien
oder Afrika vom Atlantischen Meere verschlungen sei. Ein Erdbeben hat das
korinthische Meer entleert, und die Macht der Wogen Lucanien abgerissen und
unter dem Namen Sizilien abgesondert. Das alles konnte natürlich nicht ohne
großen Schaden für die Bewohner geschehen. Wo waren damals, als die große
Flut den ganzen Erdkreis, oder doch, wie Plato meint, das niedere Land
vertilgte, ich will nicht fragen, die Verächter eurer Götter, die
Christen, sondern sie selber, eure Götter? Denn daß sie einer späteren Zeit
angehören als die Not der großen Flut, das beweisen eben die Städte, in
welchen sie geboren sind und gelebt haben, sowie auch diejenigen, die von ihnen
gegründet wurden. Denn nur dann, wenn sie nach jener Kalamität entstanden
sind, konnten sie bis zum heutigen Tage bestehen.
Noch hatte Palästina den aus Ägypten ausziehenden Schwarm der Juden nicht
aufgenommen, noch hatte sich dort nicht jenes Volk, aus dem die christliche
Genossenschaft entsprungen ist, niedergelassen, als schon daran anstoßende
Gegenden, Sodoma und Gomorrha, durch einen Feuerregen versengt wurden. Die Erde
riecht jetzt noch brennerig, und wenn dort etwa Baumfrüchte zu wachsen
versuchen, so sind sie nur zum Ansehen, angerührt aber zerfallen sie zu Asche.
Auch Etrurien und Kampanien hatten sich noch nicht über das Vorhandensein von
Christen zu beklagen zu der Zeit, als Vulsinii vom Himmel und Pompeji von seinem
Berge mit Feuer überschüttet wurde. Niemand betete noch zu Rom den wahren Gott
an zur Zeit, als Hannibal bei Kannä die römischen Ringe infolge des von ihm
angerichteten Gemetzels mit dem Scheffel maß. Zur Zeit, als die Senonen das
Kapitol selbst eingenommen hatten, wurden ausschließlich eure sämtlichen Götter von allen
verehrt.
Gut ist es nur, daß, so oft irgendeiner Stadt ein widriges Geschick
zugestoßen ist, auch die Tempel von demselben Unheil wie die Stadtmauern
getroffen wurden, so daß ich auch noch das hinzubeweise, daß diese Geschicke
nicht von jenen herrühren können, die selbst von ihnen in gleicher Weise
betroffen wurden.
Quelle: Tertullian: Apologetische, Dogmatische
und Montanistische Schriften. Übersetzt von Heinrich Kellner (BKV 24) Kempten/München
1915,
493f.
Wir werden große Verbrecher genannt wegen des im Kindermord bestehenden
Geheimkultus und des davon bereiteten Mahles und der auf das Mahl folgenden
Blutschande, zu der die Hunde, die das Licht umstürzen, als Kuppler der
Finsternis zur Beschwichtigung der Scheu über die ruchlose Lust uns die
Gelegenheit bereiten. Man sagt uns das in einem fort nach, und doch sorgt ihr
nicht dafür, gerichtlich das zu ermitteln, was man uns schon so lange nachsagt.
Folglich ermittelt es entweder, wenn ihr es glaubt, oder glaubt es nicht, wenn
ihr es nicht ermittelt! Eure eigene Nachlässigkeit erhebt gegen euch die
Prozeßeinrede, daß gar nicht existiere, was ihr nicht zu ermitteln wagt. Ihr
stellt dem Folterknecht eine ganz andere Aufgabe bei den Christen: sie sollen
nicht sagen, was sie tun, sondern verleugnen, was sie sind.
Quelle: Tertullian: Apologetische, dogmatische
und montanistische Schriften. Übersetzt von Heinrich Kellner (BKV 24) Kempten/München
1915, 403f.
Denn auch ich selbst kam, als ich noch in Platons Lehren meine Befriedigung
fand und von den verleumdeten Christen hörte, beim Anblick ihrer
Furchtlosigkeit vor dem Tode und vor allem anderen, was für entsetzlich gilt,
zu der Einsicht, daß sie unmöglich in Lasterhaftigkeit und Sinnenlust
befangen sein könnten. Denn welcher Lüstling oder Schlemmer, der gar
Menschenfleisch für einen Leckerbissen hält, könnte wohl den Tod willkommen
heißen, um so seiner Genüsse verlustig zu gehen? Würde er nicht, statt sich
selbst zur Hinrichtung zu melden, vielmehr um jeden Preis sein Leben hier auf
immer fortzuführen und vor der Obrigkeit verborgen zu bleiben suchen?
Quelle: Frühchristliche Apologeten
und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers.
Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/ München 1913, 152
Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn wir
können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem
aber, was wir zu uns nehmen, preisen wir den Schöpfer des Alls durch
seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man
Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem
Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften
der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so
gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur
Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden
Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde (c. 65), wenn wir mit dem Gebete zu
Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht
Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das
Amen sagt. Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil
von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht.
Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er
will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem Vorsteher hinterlegt;
dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder
aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die
in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein
Fürsorger. Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil
er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des
Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tag
von den Toten auferstanden ist. Denn am Tage vor dem Saturnustage, kreuzigte man
ihn und am Tage nach dem Saturnustage, d. h. am Sonntage, erschien er seinen
Aposteln und Jüngern und lehrte sie das, was wir zur Erwägung auch euch
vorgelegt haben.
Quelle: Frühchristliche Apologeten
und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers.
Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 135-137
Wir aber führen nach diesem Bade (c. 61) den, der gläubig geworden und uns
beigetreten ist, zu denen, die wir Brüder nennen, dorthin, wo sie versammelt
sind, um gemeinschaftlich für uns, für den, der erleuchtet worden ist, und
für alle anderen auf der ganzen Welt inbrünstig zu beten, damit wir, nachdem
wir die Wahrheit erkannt haben, gewürdigt werden, auch in Werken als tüchtige
Mitglieder der Gemeinde und als Beobachter der Gebote erfunden zu werden, und so
die ewige Seligkeit zu erlangen. Haben wir das Gebet beendigt, so begrüßen wir
einander mit dem Kusse. Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein
Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem
Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht
eine lange Danksagung dafür, daß wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden
sind. Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt das
ganze Volk seine Zustimmung mit dem Wort "Amen". Dieses Amen bedeutet
in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des
Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns
Diakone heißen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser
mit und bringen davon auch den Abwesenden.
66. Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran
teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung
der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi
lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie;
sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos Fleisch
wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir
belehrt worden, daß die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht,
unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch
Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei.
Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche
Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben
worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Das tut zu
meinem Gedächtnis, das ist mein Leib", und ebenso habe er den Becher
genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Dieses ist mein Blut", und er
habe nur ihnen davon mitgeteilt. Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in
den Mithrasmysterien nachgeahmt und Anleitung dazu gegeben. Denn daß Brot und
ein Becher Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter
Sprüche hingesetzt werden, das wißt ihr oder könnt es erfahren.
Quelle: Frühchristliche Apologeten
und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers.
Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 134f.
Bezüglich der Eucharistie haltet es so: Zunächst in betreff des Kelches: Wir danken Dir, unser Vater, für den heiligen
Weinstock Davids, Deines Knechtes, den Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen
Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 3 Und in betreff des
gebrochenen Brotes: Wir danken Dir, unser Vater, für das
Leben und die Erkenntnis, die Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen
Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 4 Wie dieses gebrochene Brot
auf den Bergen zerstreut
war und zusammengebracht eins wurde, so möge Deine Gemeinde
von den Enden der Erde zusammengebracht werden in Dein Reich; weil Dein ist die
Ehre und die Macht durch Jesus Christus in Ewigkeit. 5 Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie,
außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat
der Herr gesagt: "Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben".
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 11f.
Bezüglich der Taufe haltet es so: (Wenn ihr all das
Vorhergehende gesagt habt,)a "taufet auf den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes" in fließendem
Wasser. 2 Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in
einem anderem Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es in warmen. 3
Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf "auf
den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes". 4 Vor der Taufe soll
fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage
zuvor fasten.
a Klammersatz in der Textausgabe von Audet nicht enthalten,
wohl aber in der von Rordorf/Tuilier
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 10f.
e) Die Gebetspraxis in der Didache (Did 8,2f.)
2 Auch "sollt ihr nicht beten wie die Heuchler", sondern wie der Herr in seinem Evangelium
es befohlen hat, "so betet: Vater unser, der Du bist in dem Himmel,
geheiligt werde Dein Name, zukomme uns Dein Reich, Dein Wille geschehe wie
im Himmel also auch auf Erden; unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns vom Übel"; weil Dein ist die Macht und die Ehre in Ewigkeit. 3
Dreimal im Tag betet so.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 11
f) Ethische Weisungen (Did 1,3-2,7)
3 In diesen Worten ist aber folgende Lehre enthalten:
"Segnet die, welche euch fluchen und betet für eure Feinde; ja fastet für
die, die euch verfolgen; denn welche Gnade (soll euch werden), wenn ihr die
liebet, die euch lieben? Tun nicht auch die Heiden dasselbea? Ihr aber sollt
lieben, die euch
hassen", und ihr sollt keinen Feind haben. 4 "Enthalte dich
der Lüste des Fleisches" (und des Körpers)b! "Wenn dich einer auf die
rechte Wange schlägt, reiche ihm auch die andere dar und du
wirst vollkommen sein; wenn einer dich eine Meile weit nötigt, gehe zwei mit ihm; wenn
einer dir den Mantel nimmt, gib ihm
auch den Rock; wenn dir einer das Deinige nimmt, fordere es
nicht zurück"; denn du kannst es auch nicht. 5 "Jedem,
der dich bittet, gib und fordere es nicht zurück"; denn der
Vater will, daß allenc gegeben werde von den eigenen Gnadengaben. Glücklich, wer
dem Gebote entsprechend gibt; denn er ist frei von Schuld. Wehe dem, der nimmt!
Zwar wenn einer in der Not nimmt, so soll er ohne Schuld sein; ist er aber nicht
in Not, dann muß er sich verantworten, weshalb er
genommen und wozu; man wird ihn ins Gefängnis werfen und ihn genau untersuchen
über sein Tun, und er wird "von dort nicht herauskommen,
bis er den letzten Heller bezahlt hat". 6 Aber auch über
diesen Punkt heißt es: "Schwitzen soll das Almosen in deinen Händen, bis du
erkannt hast, wem du es geben sollst".
2,1 Das zweite Gebot der Lehre aber (heißt): 2 "Du sollst nicht
töten, du sollst nicht ehebrechen", du
sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht Unzucht treiben, "du sollst nicht
stehlen", du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen,
du sollst nicht das Kind durch Abtreiben umbringen und das Neugeborene nicht
töten, "du sollst nicht begehren nach deines Nächsten Gut". 3
"Du sollst keinen Meineid schwören, kein
falsches Zeugnis geben", du sollst Schlimmes nicht nachreden, du sollst Böses
nicht nachtragen. 4 Du sollst nicht doppelsinnig und doppelzüngig
sein; die Doppelzüngigkeit ist nämlich ein Fallstrick zum Tode. 5 Deine
Rede sei nicht lügnerisch, nicht leer, sie sei inhaltsreich durch (die) Tat. 6 Du sollst nicht
habgierig sein, nicht auf Raub bedacht, nicht verschlagen, nicht boshaft, nicht hoffärtig. Du sollst
keine schlimmen Pläne schmieden wider deinen Nächsten. 7 Du sollst
niemanden hassen, sondern die einen zurechtweisen, [mit anderen Mitleid haben,]d für
andere beten, wieder andere lieben mehr als deine Seele.
a Audet hat hier die LA tou=to
b In der Ausgabe von Audet nicht enthalten, wohl aber in der von
Rordorf/Tuilier
c Hier folgt die Übersetzung der LA pa=sin, vgl. Rordorf/Tuilier
d Dieser Klammersatz hat weder in der Ausgabe Audets
noch bei Rordorf/Tuilier ein
textliches Äquivalent
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 6f.
g) Ethische Weisungen (2 Clem 17)
Daher wollen wir aus ganzem Herzen Buße tun, damit keiner
aus uns verloren gehe. Wenn wir nämlich Auftrag haben, auch das zu tun,
nämlich von den Götzen abzulenken und (in der christlichen Lehre) zu
unterrichten, um wieviel weniger darf eine Gott schon kennende Seele verloren
gehen? 2 Helfen wir also einander, auch die Schwachen an das Gute
heranzubringen, damit wir alle gerettet werden, wir einander bekehren und
ermuntern. 3
Und nicht nur jetzt, da wir von den Presbytern Ermahnungen bekommen,
wollen wir gläubig und aufmerksam erscheinen, sondern auch wenn wir von hier
nach Hause kommen, wollen wir der Gebote des Herrn eingedenk sein und uns nicht
von den weltlichen Begierden verleiten lassen, sondern, indem wir fleißiger
(hierher) kommen, wollen wir versuchen, in den Geboten Gottes Fortschritte zu
machen, damit wir alle eines Sinnes versammelt seien zum Leben. 4 Denn
der Herr hat gesagt: "Ich komme, um alle Völker, Stämme und Sprachen zu
versammeln". Damit meint er den Tag seines Erscheinens, wenn er kommen und
uns erlösen wird, jeden nach seinen Werken. 5 Und sehen werden
seine Herrlichkeit und seine Macht die Ungläubigen, und sie werden verwundert
anstaunen das Weltreich Jesu und sagen: Wehe uns, da du warst, und wir wußten
es nicht und glaubten nicht und gehorchten nicht den Presbytern, die uns
von unserem Heile predigten; und ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht
erlöschen, und sie werden am Pranger stehen für jegliches Fleisch. 6 Er
meinte jenen Tag des Gerichtes, wenn sie diejenigen sehen werden, die unter uns
gottlos lebten und die Gebote Jesu Christi übertraten. 7 Wenn
aber die Gerechten, die Gutes taten, die Prüfungen bestanden und die Lüste der
Seele haßten, sehen, wie die vom Ziele Abgeirrten, die in Wort und Tat Jesus
verleugneten, mit schrecklichen Qualen durch das unauslöschliche Feuer
gepeinigt werden, werden sie ihren Gott verherrlichen und sprechen: Gute
Hoffnung wird sein für den, der Gott aus ganzem Herzen gedient hat.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München
1918, 305f.
Als nun nach der Himmelfahrt unseres Erlösers die Juden zu dem Verbrechen an
dem Erlöser auch noch die wiederholten Vergehen an seinen Aposteln gefügt
hatten, als zunächst Stephanus von ihnen gesteinigt, sodann nach ihm Jakobus,
der Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, enthauptet und schließlich
Jakobus, welcher nach der Himmelfahrt unseres Erlösers zuerst den
Bischöflichen Stuhl in Jerusalem erhalten hatte, auf die angegebene Weise
bestätigt worden war, als die übrigen Apostel nach unzähligen Todesgefahren,
die man ihnen bereitet hatte, das Judenland verlassen hatten und mit der Kraft
Christi, der zu ihnen gesagt hatte: "Gehet hin und lehret alle Völker in
meinem Namen!" zur Predigt des Evangeliums zu allen Völkern hinausgezogen
waren, als endlich die Kirchengemeinde in Jerusalem in einer Offenbarung, die
ihren Führern geworden war, die Weissagung erhalten hatte, noch vor dem Kriege
die Stadt zu verlassen und sich in einer Stadt Peräas, namens Pella,
niederzulassen, und als sodann die Christgläubigen von Jerusalem weggezogen
waren und die heiligen Männer die königliche Hauptstadt der Juden und ganz
Judäa völlig geräumt hatten, da brach das Strafgericht Gottes über die Juden
wegen der vielen Freveltaten, die sie an Christus und seinen Aposteln begangen
hatten, herein und vertilgte gänzlich dieses Geschlecht der Gottlosen aus der
Menschengeschichte. Wieviel Elend über das ganze Volk damals überall
hereinstürzte, wie vor allem die Bewohner von Judäa in äußerste Not
gerieten, wieviele Tausende von militärpflichtigen Männern samt ihren Weibern
und Kindern durch Schwert, Hunger und tausenderlei andere Todesarten zugrunde
gingen, wie zahlreich und verschiedenartig die Belagerungen jüdischer Städte
waren, wie furchtbar, ja über alle Maßen furchtbar die Erlebnisse derer waren,
welche sich nach Jerusalem selbst geflüchtet hatten, weil sie die Hauptstadt
für eine sehr feste Burg hielten, wie der Krieg im ganzen und in allen seinen
Teilen verlief, wie schließlich der von den Propheten verheißene Greuel der
Verwüstung in dem seit alter Zeit berühmten Gottestempel selbst sich
verwirklichte, sofern dieser vollständig zerstört und ganz und gar durch Feuer
vernichtet wurde, dies kann jeder, der will, in der von Josephus geschriebenen
Geschichte im einzelnen nachlesen.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 104f.
Jedoch auch wegen der
Wundertaten, welche sie wirkten, waren sie glaubwürdig, da sie (damit) Gott,
den Weltschöpfer und Vater, verherrlichten und seinen von ihm kommenden Sohn
Christus verkündeten. Das Wirken der vom Geiste der Lüge und Unreinheit
erfüllten falschen Propheten war und ist dagegen nicht das gleiche. Im
Gegenteil, sie erfrechen sich, Wunder zu wirken, um die Menschen zu schrecken,
und sie verherrlichen damit die Lügengeister und Dämonen.
Bete aber, daß dir vor allem die
Tore des Lichtes geöffnet werden! Denn niemand kann schauen und verstehen,
außer Gott und sein Christus gibt einem, die Gnade des Verständnisses.
Quelle: Justin, Dialog mit dem Juden Tryphon.
Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV 33). München 1917, 13
Nachdem Galerius
Maximus sich mit seinen Räten besprochen hatte, fällte er mit Widerwillen das
Urteil etwa in folgendem Wortlaut: Du hast lange mit verbrecherischem Sinne
gelebt, hast viele Menschen in deine gottlose Verschwörung hineingezogen und
hast dich zum Feinde der römischen Götter und der heiligen Gesetze gemacht;
auch haben dich die frommen und geheiligten Fürsten, die Kaiser Valerianus und
Gallienus und der erlauchte Cäsar Galerianus nicht zur Gemeinschaft ihrer
Religionsgebräuche zurückführen können. Darum sollst du, nachdem du als der
Urheber und Bannerträger der gemeinsten Verbrechen gefaßt worden bist, denen
zum warnenden Beispiel werden, die du in deine Freveltat hineingezogen hast:
dein Blut soll die Weihe für das Gesetz sein. Als er das gesagt hatte, las er
von einer Tafel das Urteil: Thascius Cyprianus soll mit dem Schwerte
hingerichtet werden. Der Bischof Cyprian sagte: Gott sei Dank!
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. II.
Übersetzt von Kaspar Julius (= BKV 14). München 1913, 368f.
Palästinische Rezension
1. Benediktion, Aboth: Gepriesen seist du, Jahve [unser Gott und Gott
unsrer Väter], Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs [großer, mächtiger
und furchtbarer Gott], höchster Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, unser
Schild und Schild unsrer Väter [unser Vertrauen in allen Geschlechtern]!
Gepriesen seist du, Jahve, Schild Abrahams!
2. Benediktion, Geburoth: Du bist ein Held [der Hohe
erniedrigt], der Starke [und der die Gewalttätigen richtet], der ewig lebende,
der die Toten auferstehn läßt [der den Wind wehen läßt und den Tau
herniederfallen], der die Lebenden versorgt und die Toten lebendig macht [in
einem Augenblick möge uns Hilfe sprossen]. Gepriesen seist du, Jahve, der die
Toten lebendig macht!
3. Benediktion, Qeduschschah: Heilig bist du und furchtbar
dein Name, und kein Gott ist außer dir. Gepriesen seist du Jahve, heiliger
Gott!
4. Benediktion, Chonen ha-da'ath: Verleihe uns, unser Vater, Erkenntnis
von dir her und Einsicht und Verstand aus deiner Tora. Gepriesen seist du Jahve,
der Erkenntnis verleiht!
5. Benediktion, Teschubah: Bringe uns zurück, Jahve, zu dir,
daß wir umkehren (in Buße); erneuere unsere Tage wie vordem. Gepriesen seist
du, Jahve, der Wohlgefallen an Buße hat!
6. Benediktion, Selichah: Vergib uns, unser Vater, denn wir
haben gesündigt gegen dich; tilge [und entferne] unsre Verfehlungen vor deinen
Augen weg [denn groß ist deine Barmherzigkeit]. Gepriesen seist du, Jahve, der
viel vergibt!
7. Benediktion, Ge'ullah: Sieh an unser Elend und führe unsre
Sache und erlöse uns um deines Namens willen. Gepriesen seist du, Jahve,
Erlöser Israels!
8. Benediktion, Rephu'ah: Heile uns, Jahve, unser Gott, von
dem Schmerz unsres Herzens [und Seufzen und Stöhnen entferne von uns] und
bringe Heilung unsren Wunden (Schlägen). Gepriesen seist du, der die Kranken
seines Volkes Israel heilt!
9. Benediktion, Birkath ha-schanim: Segne an uns, Jahve unser Gott,
[dieses] Jahr [zum Guten bei allen Arten seiner Gewächse und bringe eilends
herbei das Jahr des Termins unsrer Erlösung und gib Tau und Regen auf den
Erdboden] und sättige die Welt aus den Schätzen deines Guten (deiner Güter)
[und gib Segen auf das Werk unsrer Hände]. Gepriesen seist du, Jahve, der die
Jahre segnet.
10. Benediktion, Qibbuç galijjoth: Stoße in die große Posaune zu
unsrer Freiheit und erhebe ein Panier zur Sammlung unsrer Verbannten. Gepriesen
seist du Jahve, der die Vertriebenen seines Volkes Israel sammelt!
11. Benediktion, Haschibah schopetenu: Bringe wieder unsre
Richter wie vordem und unsre Ratsherren wie zu Anfang, und sei König über uns,
du allein. Gepriesen seist du, Jahve, der das Recht liebhat!
12. Benediktion, Birkath ha-minim: Den Abtrünnigen sei keine Hoffnung
und die freche Regierung (= Rom) mögest du eilends ausrotten [in unsren Tagen,
und die Nazarener (nozrim = Christen) und die Minim (= Häretiker) mögen
umkommen in einem Augenblick], [ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens (der
Lebendigen) und mit den Gerechten nicht aufgeschrieben werden]. Gepriesen seist
du, Jahve, der Freche beugt!
13. Benediktion, Birkath çaddiqim: Über die Proselyten der
Gerechtigkeit (= Ganzproselyten) möge sich dein Erbarmen regen, und gib uns
guten Lohn mit denen, die deinen Willen tun. Gepriesen seist du, Jahve,
Zuversicht der Gerechten!
14. Benediktion, Boneh Jeruschalajim: Erbarme dich, Jahve
unser Gott, [in deiner großen Barmherzigkeit über Israel, dein Volk, und]
über Jerusalem, deine Stadt, und über Çion, die Wohnung deiner Herrlichkeit,
[und über deinen Tempel und über deine Wohnung] und über das Königtum des
Hauses David, des Messias deiner Gerechtigkeit (= deines gerechten Messias).
Gepriesen seist du, Jahve, Gott Davids, der Jerusalem erbaut!
15. Benediktion, Schomea' tephillah: Höre, Jahve unser Gott,
auf die Stimme unsres Gebetes [und erbarme dich über uns]; denn ein gnädiger
und barmherziger Gott bist du. Gepriesen seist du, Jahve, der Gebete erhört!
16. Benediktion, 'Abodah: Es gefalle Jahve unserem Gott wohl zu wohnen in
Çion, daß deine Knechte dir dienen in Jerusalem. Gepriesen seist du, Jahve,
daß wir dir dienen werden in Furcht!
17. Benediktion, Hoda'ah: Wir danken dir, [du bist] Jahve unser Gott [und
Gott unsrer Väter], für alles Gute, die Liebe [und die Barmherzigkeit, die du
uns erwiesen und] die du an uns getan hast [und an unsren Vätern vor uns; und
wenn wir sagten, unser Fuß wanke, hat deine Liebe, Jahve, uns gestützt].
Gepriesen seist du, Jahve, Allgütiger, dir muß man danken!]
18. Benediktion, Sim schalom: Lege deinen Frieden auf dein Volk Israel
[und auf deine Stadt und auf dein Eigentum] und segne uns alle allzumal.
Gepriesen seist du Jahve, der den Frieden schafft!
Quelle: (Strack, H. L.)/Billerbeck, P.: Kommentar zum Neuen Testament
aus Talmud und Midrasch. Bd. 4,1. München 1926, 210-214
9Der Vorsteher der königlichen Bibliothek, Demetrios von
Phaleron, erhielt große Geldsummen, um womöglich alle Bücher der Welt zu
sammeln. Durch Ankäufe und Abschriften erfüllte er nach Kräften den Wunsch
des Königs. 10Einst wurde er in meiner Gegenwart gefragt, wie viele
tausend Bücher wohl vorhanden seien, und er erwiderte: Mehr als
zweihunderttausend, o König! Ich will aber in Kurzem die noch fehlenden
besorgen, so daß fünfhunderttausend voll werden. Es ist mir aber berichtet,
daß auch die jüdischen Gesetze einer Abschrift und Aufnahme in deine
Bibliothek wert seien. 11Was hindert dich denn, fragte [d]er
[König], dies auszuführen? Stehen dir doch alle Mittel zur Ausführung zur
Verfügung! Demetrios entgegnete: Sie bedürfen einer Übersetzung. Denn man hat
in Judäa eine eigene Schrift (wie auch die Ägypter ihre [besondere] Schrift
haben) und redet eine eigene Sprache. Die Annahme, daß man die syrische Sprache
rede, ist nicht richtig, sondern es ist ein anderer Dialekt. Nachdem der König
dies alles vernommen hatte, befahl er, an den jüdischen Hohenpriester zu
schreiben, damit der erwähnte Plan zur Ausführung komme. ...
41Auf diesen Brief antwortete Eleazar (der Hohepriester)
sofort Folgendes: ... 46In Anwesenheit aller aber wählte ich aus
jedem Stamme sechs ältere und tüchtige Männer, die ich mit dem Gesetz
abgesandt habe ..., 50... im ganzen 72. ... 121Er (der
Hohepriester) wählte also die besten und durch Bildung ausgezeichneten
Männer aus angesehener Familie, die sich nicht nur Kenntnis der jüdischen
Literatur angeeignet, sondern auch eifrig die griechische studiert hatten. ...
301Drei Tage später ging Demetrios in ihrer Begleitung über den
sieben Stadien langen Meeresdamm zur Insel [Pharos], überschritt die Brücke
und ging nach den nördlichen Teilen [von Pharos]. Dann versammelte er sie in
einem am Strand erbauten, prächtigen und still gelegenen Hause und forderte die
Männer auf, die Übersetzung auszuführen, da alles, was zu der Arbeit nötig
war, wohl vorgesehen war. 302Und sie führten sie aus, indem sie
durch gegenseitige Vergleiche in einem Wortlaut übereinkamen. Was sich aber
gehörig nach ihrer übereinstimmenden Meinung ergab, wurde so von Demetrios
aufgezeichnet. ... 307Wie ich es aber vorher schilderte, so
versammelten sie sich täglich an dem durch seine Ruhe und Helligkeit angenehmen
Ort und erfüllten ihre Aufgabe. Es traf sich aber so, daß die Übersetzung in
zweiundsiebzig Tagen vollendet wurde, als sei es so mit Absicht geschehen.
308Nach der Vollendung versammelte Demetrios die jüdische
Gemeinde an der Stätte, wo die Übersetzung vollendet wurde, und las sie allen
vor in Anwesenheit der Übersetzer, die auch bei der Menge große Anerkennung
fanden, da sie sich große Verdienste erworben hätten. 309Ebenso
lobten sie den Demetrios und baten ihn, ihren Obersten eine Abschrift des ganzen
Gesetzes mitzuteilen. 310Nach der Verlesung der Bücher traten die
Priester und die Ältesten der Übersetzer und der Bürgerschaft sowie die
Vorsteher der Gemeinde zusammen und erklärten: Da die Übersetzung in schöner,
frommer und durchaus genauer Weise gefertigt ist, so ist es recht, daß sie in
diesem Wortlaut erhalten werde und keine Änderung stattfinde. 311Und
nachdem alle den Worten beigestimmt hatten, befahl er nach ihrer Sitte, den zu
verfluchen, der eine Bearbeitung unternehmen werde, indem er etwas hinzusetzte
oder irgend etwas von dem Geschriebenen änderte oder ausließe. Und das taten
sie mit Recht, damit [die Schrift] beständig für alle Zukunft unverändert
erhalten bliebe.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Apokryphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2.,
unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 5; 9; 15; 30
6Und siehe, auch das Sabbatgebot habe ich dir aufgeschrieben und
alle Rechte seiner Satzungen. 7Sechs Tage sollst du dein Werk tun,
aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, eures Gottes. Tut an ihm
keinerlei Arbeit, ihr und eure Kinder und eure Knechte und eure Mägde und all
euer Vieh und auch die Fremden, die bei euch sind. 8Und ein Mensch,
der an ihm irgendeine Arbeit tut, soll sterben, - jeder Mann, der diesen Tag
befleckt, der seinem Weibe beiwohnt, und auch, wer irgendeine Sache beredet, an
ihm zu tun, daß er an ihm eine Reise mache wegen allerlei Verkauf und Kauf; und
auch, wer an ihm Wasser schöpft, das er nicht vorbereitet hat am sechsten Tag,
und auch, wer allerlei aufhebt zu tragen, um es aus seinem Zelt oder aus seinem
Hause zu bringen, soll sterben. 9Und tut am Sabbattage keinerlei
Arbeit, ohne daß ihr sie euch am sechsten Tage vorbereitet habt, zu essen und
zu trinken und zu ruhen und von aller Arbeit an diesem Tage Sabbat zu feiern und
den Herrn, euren Gott, zu preisen, der euch den Festtag und den heiligen Tag
gegeben hat. Und ein Tag des heiligen Reichs für ganz Israel ist dieser Tag
unter ihren Tagen immerdar. 10Denn groß ist die Ehre, die Gott
Israel erwiesen hat, daß sie an diesem Festtag essen und trinken und sich
sättigen und an ihm ruhen sollen von aller Arbeit, die zu menschlicher Arbeit
gehört, außer daß sie Rauchwerk räuchern und Gabe und Opfer vor Gott
darbringen für die Tage und die Sabbate. 11Diese Arbeit allein soll
an den Sabbattagen im Heiligtume des Herrn, eures Gottes, getan werden, damit
sie beständig Tag für Tag das Sühnopfer für Israel darbringen, zum
Gedächtnis, das vor Gott angenehm ist, und [damit] er sie annimmt für ewig Tag
für Tag, wie dir geboten ist. 12Und jedermann, der an ihm eine
Arbeit tut und auch, wer einen Weg geht, und auch, wer sein Grundstück besorgt,
sei es zu Hause oder an irgendeinem [anderen] Ort, und auch, wer Feuer
anzündet, und auch, wer irgendein Tier bepackt, und auch, wer zu Schiffe auf
dem Meere reist, und jedermann, der jemanden schlägt und tötet, und auch, wer
ein Tier oder einen Vogel schlachtet, und auch, wer [etwas] fängt, sei es
[Feld-] Tier oder Vogel oder Fisch, und auch, wer am Sabbat fastet und Krieg
führt: 13ein Mensch, der irgendetwas von diesem am Sabbattage tut,
soll sterben, damit die Kinder Israel Sabbat feiern gemäß den Geboten der
Sabbate des Landes, wie in den himmlischen Tafeln geschrieben ist, die er mir in
meine Hände gegeben hat, damit ich die Ordnungen der Zeit und die Zeit je
nach der Einteilung ihrer Tage aufschreibe. Hier ist zu Ende die Rede von der
Einteilung der Tage.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962
(2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 118f.
14Über den Sa[bb]at, daß man ihn halte entsprechend seiner
Anordnung. Niemand soll am 15sechsten Tage eine Arbeit ausführen von
der Zeit an, zu der die Sonnenscheibe 16von dem Tor um die Länge
ihres Durchmessers entfernt ist. Denn das ist es, was er gesagt hat: Halte 17den
Sabbattag ein, um ihn zu heiligen (Dtn 5,12). Und niemand darf am Sabbattag ein 18törichtes
oder eitles Wort sagen. Nicht darf man etwas an seinen Nächsten ausleihen.
Nicht soll man über eine Angelegenheit von Besitz und Gewinn richten. 19Nicht
darf man über Fragen der Arbeit sprechen oder das Werk, das am nächsten Tag zu
tun ist. 20Nicht darf man auf das Feld hinausgehen, um eine Arbeit
nach seinem Gutdünken zu verrichten 21am Sabbat. Nicht darf man aus
einer Stadt weiter hinausgehen als tausend Ellen. 22Niemand soll am
Sabbattag etwas essen außer dem, was schon vorbereitet ist, und von dem, was
verdirbt 23auf dem Feld. Man darf nichts essen und nichts trinken
außer dem, was sich im Lager befindet.
XI,1Auf dem Weg, wenn man hinabsteigt, um zu baden, darf man da
trinken, wo man steht, aber man darf nicht schöpfen 2in irgendein
Gefäß. Man darf nicht einen Fremden schicken, daß er seinen Wunsch am
Sabbattage ausführe. 3Niemand darf schmutzige Kleider oder in einer
Kammer aufbewahrte tragen, ohne daß 4sie mit Wasser gewaschen oder
mit Weihrauch abgerieben worden sind. Niemand darf nach eigenem Gutdünken einen
'Erub anlegen 5am Sabbat. Niemand soll hinter dem Vieh hergehen, um
es außerhalb der Stadt zu weiden, es 6 sei denn 2000 Ellen weit. Man
soll seine Hand nicht heben, um es mit der Faust zu schlagen. Wenn 7
es störrisch ist, soll man es nicht aus dem Haus führen. Niemand darf etwas
aus dem Haus 8 nach draußen bringen oder von draußen in das Haus.
Und wenn man sich in einer Hütte befindet, soll man nichts aus ihr
hinausbringen 9 und nichts in sie hineinbringen. Nicht darf man ein
zugeklebtes Gefäß am Sabbat öffnen. Niemand soll 10 bei sich
Medikamente tragen, um damit aus- und einzugehen am Sabbat. Man darf nicht in
seinem Wohnhaus 11 einen Stein oder Erde aufheben. Ein Pilger darf
nicht den Säugling tragen, um aus- und einzugehen am Sabbat. 12
Niemand darf einen Knecht oder seine Magd oder seinen Tagelöhner erzürnen am
Sabbat. 13 Niemand soll Vieh beim Werfen helfen am Sabbattag. Und
wenn es in einen Brunnen fällt 14 oder in eine Grube, so soll er es
nicht am Sabbat wieder herausholen. Niemand soll den Sabbat an einem Ort in der
Nähe 15 der Heiden verbringen. Niemand darf den Sabbat entweihen
wegen Besitz oder Gewinn am Sabbat. 16 Einen lebendigen Menschen, der
in ein Wasserloch fällt, oder sonst in einen Ort, 17 soll niemand
heraufholen mit einer Leiter oder einem Strick oder einem (anderen) Gegenstand.
Niemand soll am Sabbat etwas auf den Altar bringen 18 außer dem
Sabbatbrandopfer; denn so steht geschrieben: ausgenommen eure Sabbate (Lev.
23,38).
Quelle: Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch. Mit masoretischer
Punktation, Übersetzung, Einführung und Anmerkungen hrsg. von Eduard Lohse.
Darmstadt 41986, 87-91
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft,
Darmstadt!
Ein Psalm von Salomo mit Gesang; auf den [Messias-] König.
1Herr, du selbst bist unser König immer und ewig; in dir, o Gott,
rühmt sich unsere Seele.
2Was ist doch die Dauer von eines Menschen Leben auf Erden? Ebenso
lang ist auch seine Hoffnung auf ihn.
3Wir aber hofften auf Gott, unsern Heiland; denn die Macht unseres
Gottes [währt] ewig mit Erbarmen, und das Königtum unseres Gottes [besteht]
ewig über die Völker durch Gericht.
4Du, Herr, hast David erkoren zum König über Israel und du hast
ihm geschworen über seinen Samen für alle Zeit, daß sein Königtum nicht
aufhören solle vor dir.
5Aber wegen unserer Sünden erhoben sich Gottlose wider uns; es
fielen uns an und stießen uns aus Leute, denen du keine Verheißung gegeben.
Sie raubten mit Gewalt und gaben nicht deinem herrlichem Namen die Ehre.
6Prunkend setzten sie sich die Krone auf in ihrem Stolze,
verwüsteten Davids Thron in prahlerischem Übermut.
7Du aber, Gott, warfst sie nieder und nahmst ihren Samen aus dem
Lande hinweg, indem ein Ausländer gegen sie auftrat, der nicht von unserem
Geschlechte war.
8Nach ihren Sünden vergaltst du ihnen, Gott, daß ihnen zuteil
ward, was sie verdient haben.
9Gott hat sich ihrer nicht erbarmt; er hielt Untersuchung in ihrem
Geschlecht und ließ keinen von ihnen los.
10Getreu ist der Herr in all seinen Gerichten, die er auf Erden
übt.
11Der Gottlose hat unser Land von seinen Bewohnern entblößt;
Jung und Alt und ihre Kinder zumal haben sie weggenommen.
12In seinem grimmen Zorn schickte er sie weg bis ins Abendland und
die Obersten des Landes [gab er preis] der Verspottung, schonungslos.
13In [seiner] Barbarei tat der Feind Vermessenes, und sein Herz
war ferne von unserem Gott.
14Und alles, was er in Jerusalem tat, war ganz, wie es die Heiden
in den von ihnen bezwungenen Städten zu tun pflegen.
15Ihnen hatten sich angeschlossen die Bundeskinder inmitten der
Mischvölker; es war keiner unter ihnen, der Erbarmen und Treue in Jerusalem
geübt hätte.
16Da flohen vor ihnen, die die frommen Versammlungen lieb hatten;
wie Sperlinge wurden sie aufgescheucht aus ihrem Neste.
17Sie irrten in der Wüste, ihre Seelen vom Verderben zu retten,
und köstlich schien es den Heimatlosen, das [nackte] Leben vor ihnen zu retten.
18Über die ganze Erde wurden sie von den Gottlosen zerstreut;
denn der Himmel hielt an sich, Regen auf die Erde zu träufeln.
19Quellen, die von Ewigkeit her aus den Tiefen [kommend] von den
Bergen [rinnen], wurden zurückgehalten, weil unter ihnen niemand war, der
Gerechtigkeit und Recht übte.
20Vom Obersten unter ihnen bis zum Geringsten [lebten sie] in
jeder Sünde; der König in Gottlosigkeit, der Richter in Abfall, das Volk in
Sünde.
21Sieh darein, o Herr, und laß ihnen erstehen ihren König, den
Sohn Davids, zu der Zeit, die du erkoren, Gott, daß er über deinen Knecht
Israel regiere.
22Und gürte ihn mit Kraft, daß er ungerechte Herrscher
zerschmettere, Jerusalem reinige von den Heiden, die [es] kläglich zertreten!
23Weise [und] gerecht treibe er die Sünder weg vom Erbe,
zerschlage des Sünders Übermut wie Töpfergefäße.
24Mit eisernem Stab zerschmettere er all ihr Wesen, vernichte die
gottlosen Heiden mit dem Wort seines Mundes,
25daß bei seinem Drohen die Heiden vor ihm fliehen, und er die
Sünder zurechtweise ob ihres Herzens Gedanken.
26Dann wird er ein heiliges Volk zusammenbringen, das er mit
Gerechtigkeit regiert, und wird richten die Stämme des vom Herrn, seinem Gotte,
geheiligten Volks.
27Er läßt nicht zu, daß ferner Unrecht in ihrer Mitte weile,
und niemand darf bei ihnen wohnen, der um Böses weiß; denn er kennt sie, daß
sie alle Söhne ihres Gottes sind.
28Und er verteilt sie nach ihren Stämmen über das Land, und
weder Beisasse noch Fremder darf künftig bei ihnen wohnen.
29Er richtet die Völker und Stämme nach seiner gerechten
Weisheit.
Zwischenspiel
30Und er hält die Heidenvölker unter seinem Joche, daß sie ihm
dienen, und den Herrn wird er verherrlichen offenkundig vor der ganzen Welt und
wird Jerusalem rein und heilig machen, wie es zu Anfang war,
31so daß die Völker vom Ende der Erde kommen, seine Herrlichkeit
zu sehen, bringend als Geschenk ihre erschöpften Söhne, und um zu schauen des
Herrn Herrlichkeit, mit der sie Gott verherrlicht hat.
32Er aber [herrscht als] gerechter König, von Gott unterwiesen,
über sie, und in seinen Tagen geschieht kein Unrecht unter ihnen, weil sie alle
heilig sind und ihr König der Gesalbte des Herrn ist.
33Denn er verläßt sich nicht auf Roß und Reiter und Bogen; auch
sammelt er sich nicht Gold und Silber zum Kriege und auf die Menge setzt er
nicht seine Hoffnung für den Tag der Schlacht.
34Der Herr selbst ist sein König, die Hoffnung dessen, der durch
die Hoffnung auf Gott stark ist, und alle Heiden wird er bebend vor ihn stellen.
5Denn er zerschlägt die Erde mit dem Worte seines Mundes für
immer, segnet das Volk des Herrn mit Weisheit in Freuden.
36Und er ist rein von Sünde, daß er herrschen kann über ein
großes Volk, in Zucht halten die Obersten und wegschaffe die Sünder mit
mächtigem Wort.
37Auch wird er nie in seinem Leben straucheln gegen seinen Gott;
denn Gott hat ihn stark gemacht an heiligem Geist und weise an verständigem Rat
mit Tatkraft und Gerechtigkeit.
38So ist des Herrn Segen mit ihm voll Kraft, und er wird nicht
straucheln.
39Seine Hoffnung [steht] auf den Herrn: wer vermag da [etwas]
gegen ihn?
40Mächtig von Tat und stark in der Furcht Gottes hütet er des
Herrn Herde treu und recht und läßt nicht zu, daß [eines] von ihnen auf ihrer
Weide strauchle.
41Gerade leitet er sie alle, und unter ihnen ist kein Übermut,
daß Gewalttat unter ihnen verübt werde.
42Das ist der Stolz des Königs Israels, den Gott erkoren, ihn
über das Haus Israel zu setzen, daß er es zurechtweise.
43Seine Worte sind lauterer als das feinste kostbare Gold. In
Volksversammlungen wird er des geheiligten Volkes Stämme richten; seine Worte
sind gleich Worten der Heiligen inmitten geheiligter Völker.
44Selig, wer in jenen Tagen leben wird und schauen darf das Heil
Israels in der Vereinigung der Stämme, wie es Gott bewirkt!
45Gott lasse bald seine Gnade über Israel kommen; er rette uns
vor der Befleckung durch unheilige Feinde!
46Der Herr selbst ist unser König immer und ewig.
Ein Psalm von Salomo; noch einmal des [über den?] Gesalbten und König.
1Herr, deine Gnade über die Geschöpfe deiner Hand ist ewig,
deine Güte mit reicher Gabe über Israel.
2Deine Augen sehen auf sie, so daß keines von ihnen Mangel
leidet; deine Ohren hören auf des Ärmsten hoffende Bitte.
3Deine Gerichte [ergehen] über die ganze Erde voll Erbarmen, und
deine Liebe auf den Samen Abrahams, die Kinder Israel.
4Deine Züchtigung [ergeht] über uns wie über einen
erstgeborenen, einzigen Sohn, daß du folgsame Seelen von unbewußter Verirrung
abbringest.
5Gott, reinige Israel auf den Tag der heilsamen Gnade, auf den Tag
der Auswahl, wenn sein Gesalbter zur Herrschaft kommt.
6Selig, wer in jenen Tagen leben wird, und schauen darf das Heil
des Herrn, das er dem kommenden Geschlechte schafft
7unter der Zuchtrute des Gesalbten des Herrn in der Furcht seines
Gottes, in geistgewirkter Weisheit, Gerechtigkeit und Stärke,
8daß er leite einen jeglichen in Werken der Gerechtigkeit durch
Gottesfurcht, sie allesamt darstelle vor dem Antlitze des Herrn:
9Ein gut Geschlecht voll Gottesfurcht in den Tagen der Gnade!
Zwischenspiel
10Groß ist unser Gott und herrlich, der in der Höhe wohnt, der
geordnet hat Leuchten in ihren Bahnen zur Bestimmung der Zeiten jahraus jahrein,
so daß sie nicht abgehen von dem Pfade, den du ihnen befohlen.
11In der Furcht Gottes wandeln sie Tag für Tag, seitdem Gott sie
schuf, bis in Ewigkeit.
12Und sie gingen nicht fehl, seit Gott sie erschuf, seit uralten
Zeiten wichen sie nicht von ihren Wegen, es sei denn, daß Gott es ihnen gebot
durch den Befehl seiner Knechte.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten
Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962
(2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 144-148
Der Löwe aber, der vor deinen Augen mit Gebrüll aus dem Walde hervorgestürzt
ist, der zum Adler gesprochen und ihm seine Sünden vorgehalten hat, mit allen
den Worten, die du gehört hast: 32das ist der C h r i s t u s, den der Höchste
bewahrt für das Ende ‘der Tage, der aus dem Samen Davids erstehen und auftreten
wird, um zu ihnen zu reden’
er wird ihnen die Gottlosigkeiten vorhalten,
die Ungerechtigkeiten ‘strafen’,
die Frevel vor Augen führen.
33Denn er wird sie zunächst lebendig vor Gericht stellen; dann aber, nachdem
er sie überwiesen, wird er sie vernichten.
Nach den sieben Tagen geschah es, da träumte ich des Nachts einen Traum: siehe,
da stieg ein ‘gewaltiger’ Sturm vom Meere auf und erregte alle seine Wogen.
Ich schaute, siehe da führte jener Sturm aus dem Herzen des Meeres etwas wie
einen Menschen hervor; ich schaute, siehe dieser Mensch flog mit den Wolken
des Himmels. Und wohin er sein Antlitz wandte und hinblickte, da erbebte alles,
was er anschaute; und wohin die Stimme seines Mundes erging, da ‘zerschmolzen’
alle, die seine Stimme vernahmen, wie Wachs zerfließt, wenn es Feuer spürt.
- Darnach schaute ich, siehe, es kam von den vier Winden des Himmels her ein
unzählbares Heer von Menschen zusammen, um den Menschen, der aus dem Meer emporgestiegen
war, zu bekämpfen. Da schaute ich, wie er sich einen großen Berg losschlug und
auf ihn flog. Ich aber bestrebte mich, Gegend oder Ort zu erkennen, woraus der
Berg losgeschlagen war; aber ich vermochte es nicht. Darnach schaute ich, siehe,
alle, die sich gegen ihn zum Kriege versammelt hatten, gerieten in große Furcht,
wagten aber doch den Kampf. Als er aber den Ansturm des Heeres, das auf ihn
loskam, sah, da erhob er keine Hand, noch führte er ein Schwert oder eine andere
Waffe, sondern ich sah nur, wie er von seinem Munde etwas wie einen feurigen
Strom ausließ, von seinen Lippen einen flammenden Hauch, und von seiner Zunge
ließ er hervorgehen stürmende Funken: alle diese aber vermischten sich ineinander:
der feurige Strom, der flammende Hauch und der gewaltige Sturm. Das fiel über
das anstürmende Heer, das zum Kampfe bereit war, und entzündete sie alle, so
daß im selben Augenblick von dem unzählbaren Heer nichts anderes zu sehen war
außer dem Staube der Asche und dem Dunste des Rauchs. Als ich das sah, entsetzte
ich mich. - Darnach schaute ich, wie jener Mensch vom Berge herabstieg und ein
anderes friedliches Heer zu sich rief. Da nahten sich ihm Gestalten von vielen
Menschen, die einen frohlockend, die anderen traurig; einige waren in Banden,
einige führten andere als Opfergaben mit sich.
Da erwachte ich vor gewaltigem Schrecken. Dann flehte ich zum Höchsten und sprach:
Du hast von Anfang an deinem Knechte solche Wunder offenbart und mich würdig
erachtet, mein Flehen anzunehmen. So offenbare mir nun noch die Deutung dieses
Traums. - Denn wie ich denke in meinem Sinn: wehe denen, die überbleiben in
jener Zeit! aber noch viel mehr: wehe denen, die nicht überbleiben! Denn die
nicht überbleiben, müssen traurig sein; denn sie kennen zwar die Freuden, die
für die letzte Zeit bereit stehen, werden aber selbst nicht dazu gelangen. Aber
wehe auch denen, die überbleiben; ‘deshalb, weil’ sie große Drangsale und viele
Nöte schauen müssen, wie diese Träume zeigen. Und doch ist es ‘besser’, dies,
wenn auch durch Gefahren, zu erlangen, als wie eine Wolke aus der Welt zu schwinden
und die Dinge der Endzeit nicht zu sehen. Er antwortete mir und sprach: Ich
will dir die Deutung des Gesichtes zeigen und will dir auch über deine Erwägungen
Aufschluß geben. Wenn du über die Überbleibenden ‘und Nicht-Überbleibenden’
gesprochen, davon ist dies die Lösung: derselbe, der in jener Zeit die
Drangsal bringt, der wird auch die in Drangsal Gefallenen bewahren, wenn
sie Werke haben und Glauben an den ‘Allerhöchsten und’ Allmächtigen. So wisse
also, daß die Überbleibenden bei Weitem seliger sind als die Gestorbenen.
Und nachdem ihre Bestrafung vom Herrn erfolgt ist, wird dann der Herr dem Priestertum einen neuen Priester erwecken, welchem alle Worte des Herrn werden enthüllt werden. Und er selbst wird ein Gericht der Wahrheit halten auf der Erde in einer Menge von Tagen. Und es wird sein Stern am Himmel aufgehen wie ein König, ausstrahlend Licht und Erkenntnis wie durch die Sonne am Tag. Und er wird verherrlicht werden auf der Erde bis zu seiner Aufnahme. Dieser wird leuchten wie die Sonne auf der Erde und jedes Dunkel von der Erde wegnehmen, und es wird Friede auf der ganzen Erde sein. Die Himmel werden jauchzen in seinen Tagen, und die Erde wird sich freuen, und die Völker werden frohlocken, und die Erkenntnis des Herrn wird ausgegossen werden auf der Erde wie Wasser der Meere. Und die Engel der Herrlichkeit des Angesichts des Herrn werden sich über ihn freuen. Die Himmel werden sich öffnen, und aus dem Tempel der Herrlichkeit wird über ihn Heiligkeit kommen mit väterlicher Stimme wie von Abraham, dem Vater Isaaks. Und die Herrlichkeit des Höchsten wird über ihn gesprochen werden, und der Geist des Verstandes und der Heiligung wird auf ihm ruhen in dem Wasser. Er selbst wird die Majestät des Herrn seinen Söhnen geben in Wahrheit bis in Ewigkeit. Und er wird keinen Nachfolger haben bis in die fernsten Geschlechter bis in die Ewigkeit. Und zur Zeit seines Priestertums wird jede Sünde vergehen, und die Gottlosen werden aufhören, Böses zu thun. Die Gerechten aber werden bei ihm Ruhe finden. Und er selbst wird die Thüren des Paradieses öffnen und er wird wegstellen das gegen Adam drohende Schwert und wird den Heiligen zu essen geben von dem Holze des Lebens, und der Geist der Heiligkeit wird auf ihnen sein. Und Beliar wird von ihm gebunden werden, und er wird seinen Kindern Gewalt geben, auf die bösen Geister zu treten. Und der Herr wird frohlocken über seine Kinder und der Herr wird Wohlgefallen haben an seinen Geliebten bis in Ewigkeit. Dann wird Abraham jauchzen und Isaak und Jakob. Und ich werde mich freuen, und alle Heiligen werden Frohlocken anziehen.
Und darauf wird euch aufgehen ein Stern aus Jakob in Frieden und es wird aufstehen ein Mensch aus meinem Samen wie die Sonne der Gerechtigkeit, welcher wandelt mit den Menschenkindern in Sanftmut und Gerechtigkeit, und keine Sünde wird an ihm gefunden werden. Und es werden sich über ihn die Himmel öffnen, auszugießen den Segen des Geistes vom heiligen Vater; und er selbst wird ausgießen den Geist der Gnade über euch, und ihr werdet seine Söhne in Wahrheit sein und werdet wandeln in seinen Geboten, den ernsten und letzten. Dieser ist der Sproß des höchsten Gottes, und dieses ist die Quelle zum Leben für alles Fleisch. Dann wird aufleuchten das Scepter meines Königreichs, und an eurer Wurzel wird ein Schößling entstehen. Und durch ihn wird ein Scepter der Gerechtigkeit für die Heiden aufgehen, zu richten und zu retten alle, die den Herrn anrufen.
Und nachdem das, was sich in jenen Abschnitten ereignen wird, vollendet ist, alsdann wird der Messias anfangen, sich zu offenbaren. 4 Und offenbaren wird sich der Behemoth aus seinem Land, und der Leviathan wird emporsteigen aus dem Meere; [und] die beiden gewaltigen Seeungeheuer, die ich am fünften Tage des ‘Schöpfungswerks’ geschaffen und bis auf jene Zeit aufbehalten habe, werden alsdann zur Speise für alle sein, welche übrig sind.
Und darnach, wenn die Zeit der Ankunft des Messias sich vollendet, wird er in Herrlichkeit [in den Himmel] zurückkehren. Alsdann werden alle die, die in der Hoffnung auf ihn entschlafen sind, auferstehen.
Ich sah, daß ein weißer Farre mit großen Hörnern geboren wurde. Alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels fürchteten ihn und flehten ihn an alle Zeit.
Aber wenn Rom auch über Ägypten herrschen wird, zu einem Ziele lenkend (?), dann wird sich das größte Königtum des unsterblichen Königs den Menschen zeigen. Es wird kommen der heilige Herrscher, der das Scepter über die ganze Erde innehaben wird in alle Ewigkeiten der dahineilenden Zeit. Und dann [wird] unerbittlicher Zorn über die latinischen Männer [kommen]; drei werden Rom in jammervollem Geschicke zu Grunde richten. Alle Menschen werden in den eignen Häusern umkommen, wenn dann vom Himmel ein feuriger Gießbach herabströmt. Wehe mir Ärmster! Wann wird jener Tag kommen und das Gericht des unsterblichen Gottes, des großen Königs?
Aber das schließliche Gute ‘erwartet dich’ und größte Herrlichkeit, wie dir der ‘unsterbliche Gott’ beschieden hat. Du aber warte, vertrauend auf die heiligen Gesetze des großen Gottes, wann er dein ermattetes Knie aufrecht zum Lichte emporhebt. Und dann wird Gott vom Himmel her einen König senden, zu richten einen jeden mit Blut und Glanz des Feuers. Es giebt aber einen königlichen Stamm, dessen Geschlecht nicht fallen wird, und dieses wird im Umschwunge der Zeiten herrschen und anfangen, einen neuen Tempel Gottes zu errichten.
Und dann wird Gott von Sonnenaufgang her einen König senden, der auf der ganzen Erde dem bösen Krieg ein Ende machen wird, indem er die einen tötet, mit den anderen sichere Verträge schließt. Auch wird er dies alles nicht nach eigenem Rate thun, sondern den guten Beschlüssen des großen Gottes folgend.
CD XII,22-XIII,1
22Und dies ist die Regel des Wohnens 23für [die] La[ger]: Darin sollen sie wandeln in der Zeit der Gottlosigkeit bis zum Auftreten des Gesalbten aus Aaron XIII,1und Israel
CD XIV,18f.
18 Und dies ist die genaue Bestimmung der Rechtssätze, in [denen sie wandeln sollen während der Zeit] 19[der Gottlosigkeit, bis aufsteht der Gesalb]te Aarons und Israels, und ihre Sünde wird er entsühnen
CD XIX,9-11
9 und ich will meine Hand wider die Kleinen wenden (Sach 13,7). Und die, welche ihn bewahren, sind die Armen der Herde. 10Diese werden gerettet werden zur Zeit der Heimsuchung, aber die übrigen werden dem Schwert ausgeliefert werden, wenn der Gesalbte kommt 11aus Aaron und Israel
CD XX,1
... bis zum Auftreten des Gesalbten aus Aaron und Israel.
1 QS IX,9-11
9 Und von keinem Rat des Gesetzes sollen sie abweichen, um 10in aller Verstocktheit ihres Herzens zu wandeln, sondern sie sollen nach den früheren Bestimmungen gerichtet werden, durch welche im Anfang die Männer der Gemeinschaft in Zucht gehalten worden sind, 11bis daß der Prophet und die Gesalbten Aarons und Israels kommen.
1 QSa II,11-22
11 [Dies ist die Sit]zung der angesehenen Männer, [geladen] zur Versammlung für den Rat der Gemeinschaft, wenn [Gott] geb[or]en werden läßt 12d[en] Messias unter ihnen. Es trete [der Priester] an der Spitze der ganzen Gemeinde Israel ein und alle 13[seine Brüder, die Söhne] Aarons, die Priester, [die] zur Versammlung [Geladenen], die angesehenen Männer. Und sie sollen sich setzen 14v[or ihm, jeder] entsprechend seiner Würde. Und danach se[tze sich der Mes]sias Israels. Und es sollen sich vor ihm setzen die Häupter 15der T[ausendschaften Israels, jed]er entsprechend seiner Würde, nach [seiner Stellung] in ihren Lagern und nach ihren Stationen. Und alle 16Fa[milien]häupter [der Ge]meinde mit den Weisen [der heiligen Gemeinde] sollen vor ihnen sitzen, jeder entsprechend 17seiner Würde. Und [wenn] sie sich zusammenfinden zum gemeinsamen [Ti]sch [oder um den Mo]st [zu trinken], und der gemeinsame Tisch ist gerüstet, 18[und] der Most [ist gemischt] zum Trinken, [so darf keiner] seine Hand [ausstrecken] nach dem Erstling 19des Brotes und [des Mostes] vor dem Priester; denn [er soll] den Segen sprechen über dem Erstling des Brotes 20und des Most[es. Und er soll] zuerst seine Hand [ausstrecken] nach dem Brot, und dana[ch soll] der Messias Israels seine Hände 21nach dem Brot ausstrecken. [Und danach] sollen sie [den Segen] sprechen, die ganze Gemeinde der Gemeinschaft, je[der entsprechend] seiner Würde. Und nach dieser Ordnung sollen sie handel[n] 22bei der Zu[rüstung, wenn sich] zusammenfinden wenigstens zehn Män[ner].
4 Qpatr zu Gen 49,10
1[Nicht] soll weichen ein Machthaber aus dem Stamm Juda. Solange Israel die Herrschaft hat, 2wird [nicht aus]gerottet sein einer, der darin thront, der zum (Hause) David(s) gehört. Denn der Herrscherstab ist der Bund der Königsherrschaft, 3[die Tausend]schaften Israels sind die Füße, bis daß kommt der Gesalbte der Gerechtigkeit, der Sproß 4Davids; denn ihm und seinem Samen ist der Bund der Königsherrschaft über sein Volk gegeben für ewige Geschlechter, den 5er bewahrt hat [...] das Gesetz mit den Männern der Gemeinschaft; denn [...] 6 [...] das ist die Versammlung der Männer [...] 7 [...] hat gegeben.
4 Qtest 5-20 zu Dtn 18,18f., Num 24,15-17, Dtn 33,8-11
5Einen Propheten will ich ihnen erwecken aus der Mitte ihrer
Brüder wie dich, und ich will geben meine Worte 6in seinen Mund, und
er soll ihnen alles sagen, was ich ihm befehlen werde. Und wenn es einen Mann
gibt, 7der nicht hören will auf meine Worte, die der Prophet in
meinem Namen sagen wird, so 8werde ich selbst von ihm Rechenschaft
fordern (Dtn 18,18-19).
9Und er hob seinen Spruch an und sprach: Ausspruch Bileams, des
Sohnes Beors und Ausspruch des Mannes, 10dessen Auge vollkommen ist.
So spricht der, der die Worte Gottes hört und die Erkenntnis des Höchsten
erkennt, der 11ein Gesicht des Allmächtigen schaut, niederfallend
und enthüllten Auges. Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, 12ich
betrachte ihn, aber nicht in der Nähe. Es geht ein Stern aus Jakob auf, und es
erhebt sich ein Szepter aus Israel und zerschmettert 13die Schläfen
Moabs und tritt nieder alle Söhne Seths (Num 24,15-17). 14Und über
Levi sprach er: Gebt Levi deine Thummim und deine Urim, dem Mann, deinem
Frommen, den 15du versucht hast bei Massa und gegen den du gestritten
hast an den Wassern von Meriba. Der zu seinem Vater sprach 16und zu
seiner Mutter ‚ich kenne dich nicht', und der seine Brüder nicht ansah und
seine Söhne nicht 17kannte. Denn er hielt dein Wort und bewahrte
deinen Bund. Und sie erhellen Jakob deine Rechtssatzungen, 18Israel
dein Gesetz. Sie bringen Räucherwerk vor deine Nase und Ganzopfer auf deinen
Altar. 19Segne, . . . . (Vier Punkte ersetzen das Tetragramm),
seine Stärke und laß dir das Werk seiner Hände gefallen! Zerschlage seinen
Gegnern und denen, die ihn hassen, die Hüften, 20daß sie nicht
wieder aufstehen (Dtn 3,8-11).
4 Qflor I,1-13.18f. zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1
I,1... [Und nicht soll künftig] ein Sohn der Verderbtheit [es
bedrücken] wie ehedem, seit dem Tag, da 2[ich Richter bestellt habe]
über mein Volk Israel (2 Sam 7,10-11). Dies ist das Haus, das [... am En]de der
Tage, wie geschrieben steht im Buche 3 [... Das Heiligtum, Herr,
welches] deine Hände [er]richtet haben. Jahwe sei König für immer und ewig
(Ex 15,17f.). Dies ist das Haus, in das 4[... in] Ewigkeit kein
Ammoniter und kein Moabiter und kein Bastard und kein Ausländer und kein
Fremdling eintreten darf in Ewigkeit, sondern diejenigen, die den Namen Heilige
tragen. 5Er [wird] sein [... in] Ewigkeit. Ständig wird er über ihm
erscheinen. Und nicht werden es wieder Fremde zerstören, wie sie vordem
zerstörten 6das Heilig[tum Is]raels wegen ihrer Sünde. Und er
sagte, daß man ihm ein Heiligtum unter den Menschen bauen solle, in dem sie ihm
als Rauchopfer 7vor ihm Taten des Gesetzes darbringen sollten. Und
wie er gesagt hat zu David: Und ich will dir [Ruhe] verschaffen vor allen deinen
Feinden (2 Sam 7,11); das heißt, daß er ihnen Ruhe verschaffen wird vor
al[len] 8Söhnen Belials, die sie zu Fall bringen wollen, um sie zu
vernichten ..., wie sie kamen mit einem Plan [Be]l[i]als, um zu Fall zu bringen
die Sö[hne] 9des Lich[tes] und um gegen sie frevlerische Ränke zu
sinnen, damit sie seine [Se]ele aus[liefern] an Belial in ihrer fre[vl]erischen
Verirrung. 10Und Jahwe hat dir [ku]ndgetan, daß er dir ein Haus
bauen wird; und ich werde deinen Samen aufrichten nach dir und den Thron seines
Königtums 11[in Ewig]keit. Ich [w]er[de] ihm Vater sein, und er wird
mir Sohn sein (2 Sam 7,11-14). Das ist der Sproß Davids, der mit dem Erforscher
des Gesetzes auftreten wird der 12 ... in Zi[on am En]de der Tage,
wie geschrieben steht: Und ich will die zerfallene Hütte Davids wieder
aufrichten (Am 9,11). Das ist die zerfalle[ne] Hütte 13Davids, [d]ie
stehen wird, um Israel zu retten. ...
18[Warum to]ben die Völker und sinnen die Nationen [Eitles? Es
er]heben sich [die Könige der Erde und die Für]sten ratschlagen miteinander
gegen Jahwe und gegen 19[seinen Gesalbten (Ps 2,1-2). Die Deu]tung
des Wortes [bezieht sich auf die Völ]ker, und sie ... Erwählte Israels am Ende
der Tage.
Vgl. 4 Q 246 I,9. II,1
Quelle für alle Texte unter c): Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch. Mit masoretischer
Punktation, Übersetzung, Einführung und Anmerkungen hrsg. von Eduard Lohse.
Darmstadt 41986, 93.97.101.105.33.51.247.251.257-259
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft,
Darmstadt!
Um diese Zeit gab es bei den Juden drei Sekten, welche über die menschlichen
Verhältnisse verschiedene Lehren aufstellten, und von denen die eine die der
Pharisäer, die zweite die der Sadduzäer und die dritte die der Essener hieß.
Die Pharisäer behaupteten, daß manches, aber nicht alles das Werk des
Verhängnisses sei, manches dagegen auch freiwillig geschehe oder unterbleibe.
Die Essener hingegen lehren, alles stehe unter der Macht des Verhängnisses, und
es komme bei den Menschen nichts vor, das nicht vom Geschicke bestimmt sei. Die
Sadducäer endlich wollen überhaupt nichts vom Verhängnis wissen und glauben,
es gebe weder ein Verhängnis, noch richte sich des Menschen Geschick danach,
sondern alles geschehe nur nach unserem Willen, sodaß wir ebenso die Urheber
unseres Glücks seien, als wir auch unser Unglück uns durch unseren eigenen
Unverstand zuzögen. Genaueres hierüber habe ich im zweiten Buche meines Werkes
über den Jüdischen Krieg gebracht.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 157f.
5Um nun wieder auf Hyrkanus zurückzukommen, so erregte sein
Glück den Neid der Juden, und besonders waren gegen ihn die Pharisäer
aufgebracht, die, wie ich oben erwähnte, eine Sekte der Juden bilden. Sie
stehen beim Volke in solchem Ansehen, daß sie stets Glauben finden, selbst wenn
sie etwas gegen den König oder den Hohepriester vorbringen. ...
6... Für jetzt will ich nur noch bemerken, daß die Pharisäer
dem Volke durch mündliche Überlieferung viele Gebote aufbewahrt haben, welche
in die Gesetzgebung des Mose nicht aufgenommen sind. Diese Gebote nun verwirft
die Sekte der Sadduzäer und behauptet, das allein sei maßgebend, was
geschrieben stehe, während die mündliche Überlieferung der Vorfahren keine
Gültigkeit habe. Über diesen Punkt entstanden oft heftige Streitigkeiten,
wobei die Sadduzäer nur die Reichen, die Pharisäer aber die große Menge des
Volkes auf ihrer Seite hatten. Näheres über diese beiden Sekten, sowie über
die dritte der Essener findet sich im zweiten Buche meines Werkes über den
Jüdischen Krieg.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkung versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959
(Nachdruck der Ausgabe von 1899),177-179
2Bei den Juden gab es schon seit langer Zeit drei philosophische
Sekten, nämlich die der Essener, Sadduzäer und Pharisäer, und wiewohl ich
bereits im zweiten Buche des Jüdischen Krieges mich darüber ausgesprochen
habe, will ich doch die Mühe nicht scheuen, auf dieselben hier nochmals
einzugehen.
3Die Pharisäer leben enthaltsam und kennen keine
Annehmlichkeiten. Was vernünftige Überlegung als gut erscheinen läßt, dem
folgen sie und halten es überhaupt für ihre Pflicht, den Vorschriften der
Vernunft nachzukommen. Die Alten ehren sie und maßen sich nicht an, den
Anordnungen derselben zu widersprechen. Wenn sie behaupten, alles geschehe nach
einem bestimmten Schicksal, so wollen sie damit dem menschlichen Willen nicht
das Vermögen absprechen, sich selbst zu bestimmen, sondern lehren, es habe Gott
gefallen, die Macht des Schicksals und die menschliche Vernunft zusammenwirken
zu lassen, so daß jeder es nach seinem Belieben mit dem Laster oder der Tugend
halten könne. Sie glauben auch, daß die Seelen unsterblich sind und daß
dieselben, je nachdem der Mensch tugendhaft oder lasterhaft gewesen, unter der
Erde Lohn oder Strafe erhalten, so daß die Lasterhaften in ewiger Kerkerhaft
schmachten müssen, während die Tugendhaften die Macht erhalten, ins Leben
zurückzukehren. Infolge dieser Lehren besitzen sie beim Volke einen solchen
Einfluß, daß sämtliche gottesdienstliche Verrichtungen, Gebete wie Opfer, nur
nach ihrer Anleitung dargebracht werden. Ein so herrliches Zeugnis der
Vollkommenheit gaben ihnen die Gemeinden, weil man glaubte, daß sie in Wort und
Tat nur das Beste wollen.
4Die Lehre der Sadduzäer läßt die Seele mit dem Körper
zugrunde gehen und erkennt keine anderen Vorschriften an als das Gesetz. Sogar
gegen die Lehrer ihrer eigenen Schule im Wortstreit anzugehen, halten sie für
rühmlich. Ihrer Anhänger sind nur wenige, doch gehören sie den besten
Ständen an. Übrigens richten sie nichts Bedeutendes aus, und wenn sie einmal
dazu genötigt sind, ein Amt zu bekleiden, so halten sie es mit den Pharisäern,
weil das Volk sie sonst nicht dulden würde.
5Die Essener dagegen lehren, man müsse alles dem Willen Gottes
anheimgeben. Sie glauben an die Unsterblichkeit der Seele und halten den Lohn
der Gerechtigkeit für das erstrebenswerteste Gut. Wenn sie Weihgeschenke in den
Tempel schicken, bringen sie kein Opfer dar, weil sie heiligere Reinigungsmittel
zu besitzen vorgeben. Aus diesem Grunde ist ihnen der Zutritt zum gemeinsamen
Heiligtum nicht gestattet, und sie verrichten demgemäß ihren Gottesdienst
besonders. Übrigens sind es Menschen von vortrefflichen Sitten, und sie
beschäftigen sich bloß mit Ackerbau. Ganz besonders bewunderungswürdig und
lobenswert aber sind sie wegen einer bei den Griechen und den anderen Völkern
völlig unbekannten, bei ihnen jedoch nicht etwa erst seit kurzer Zeit, sondern
schon seit vielen Jahren herrschenden ausgleichenden Gerechtigkeit, infolge
derer sie vollkommene Gütergemeinschaft haben und dem Reichen nicht mehr Genuß
von seinen Gütern lassen wie dem Armen. Nach dieser Lehre leben über
viertausend Menschen. Sie heiraten ebenso wenig, als sie Knechte halten, und so
leben sie voneinander abgesondert und dienen einer dem anderen. Zu Verwaltern
ihrer Einkünfte vom Feldertrag wählen sie tüchtige Männer aus priesterlichem
Stande, die für Getreide und sonstige Nahrungsmittel zu sorgen haben. Sie leben
übrigens alle auf eine und dieselbe Weise und kommen am nächsten denjenigen
Dakern, welche Polisten heißen.
6Außer diesen drei Schulen nun gründete jener Galiläer Judas
eine vierte, deren Anhänger in allen anderen Stücken mit den Pharisäern
übereinstimmen, dabei aber mit großer Zähigkeit an der Freiheit hängen und
Gott allein als ihren Herrn und König anerkennen. Sie unterziehen sich auch
jeder möglichen Todesart und machen sich selbst nichts aus dem Morde ihrer
Verwandten und Freunde, wenn sie nur keinen Menschen als Herren anzuerkennen
brauchen. Da ihre Hartnäckigkeit indes allgemein durch Augenschein bekannt ist,
glaube ich von weiteren Bemerkungen über sie absehen zu können. Ich brauche ja
nicht zu fürchten, daß meine Worte keinen Glauben finden; viel eher müßte
ich besorgen, daß mir nicht genug Worte zu Gebote stehen, um solchen Heldenmut
und solche Standhaftigkeit zu schildern. Diese Tollkühnheit war es, die das
Volk in Aufruhr brachte, als der Landpfleger Gessius Florus durch den Mißbrauch
seiner Amtsgewalt dasselbe so zur Verzweiflung trieb, daß es von den Römern
abfiel. So viel von den Philosophenschulen der Juden.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit
Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln
1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 506-508
2Es gibt nämlich bei den Juden drei Arten von philosophischen
Schulen; die eine bilden die Pharisäer, die andere die Sadducäer, die dritte,
welche nach besonders strengen Regeln lebt, die sogenannten Essener. Die
letzteren sind ebenfalls geborene Juden, aber untereinander noch mehr als die
anderen durch Liebe verbunden. Die sinnlichen Freuden meiden sie wie die Sünde,
und die Tugend erblicken sie in Enthaltsamkeit und Beherrschung der
Leidenschaften. Über die Ehe denken sie gering, dagegen nehmen sie fremde
Kinder auf, so lange dieselben noch in zartem Alter stehen und bildungsfähig
sind, halten sie wie ihre Angehörigen und prägen ihnen ihre Sitten ein. Doch
wollen sie damit die Ehe und die Erziehung von Nachkommenschaft durch dieselbe
nicht gänzlich aufheben, sondern sich nur vor den Ausschweifungen der Weiber
sichern, da sie glauben, daß keines derselben dem einen Gatten die Treue
bewahre.
3Den Reichtum verachten sie, und bewundernswert ist bei ihnen die
Gemeinschaft der Güter, so daß man niemand unter ihnen findet, der mehr
besäße als die anderen. Es besteht nämlich die Vorschrift, daß jeder, der
der Sekte beitreten will, sein Vermögen der Gesamtheit abtreten muß ...
... 4Sie haben keine einzige Stadt, sondern in jeder wohnen ihrer
viele. ... Untereinander kaufen und verkaufen sie nichts, sondern ein jeder gibt
von seinem Eigentum dem anderen, was dieser nötig hat, und empfängt umgekehrt
von ihm das, was er selbst brauchen kann. ...
5Auf eine eigentümliche Art verehren sie die Gottheit. Bevor
nämlich die Sonne aufgeht, sprechen sie kein unheiliges Wort, sondern sie
richten an das Gestirn gewisse altherkömmliche Gebete, als wollten sie seinen
Aufgang erflehen. Hierauf werden sie von den Vorstehern zu dem Tagewerke
entlassen, auf das ein jeder von ihnen sich versteht. Wenn sie sodann bis zur
fünften Stunde fleißig gearbeitet haben, kommen sie wieder an einem bestimmten
Ort zusammen, schürzen ein linnenes Tuch um und waschen sich den Leib in kaltem
Wasser. Nach dieser Reinigung begeben sie sich in ein besonderes Gebäude, das
kein Angehöriger einer anderen Sekte betreten darf, und versammeln sich hier,
gereinigt, als ginge es in ein Heiligtum, im Speisesaal. Dort setzen sie sich in
aller Ruhe nieder, und es legt alsdann der Bäcker ihnen der Reihe nach Brote
vor, während der Koch jedem eine Schüssel mit einem einzigen Gericht
aufträgt. Ehe das Mahl beginnt, spricht der Priester ein Gebet, und vor dem
Gebet darf niemand etwas verzehren. Nach dem Mahle betet er wiederum, so daß zu
Anfang und zu Ende desselben Gott als der Spender der Nahrung geehrt wird.
Nachdem sie sodann ihre gleichsam heiligen Kleider abgelegt, begeben sie sich
wieder an ihre Arbeit bis zur Abenddämmerung. Hierauf kehren sie zurück und
speisen auf dieselbe Weise; sind zufällig Fremde da, so nehmen diese am Mahle
teil. Weder Geschrei noch sonstiger Lärm entweiht je das Haus, sondern ein
jeder läßt den anderen reden, wie ihn die Reihe trifft. Auf diejenigen, die
außerhalb des Hauses sich befinden, macht die in demselben herrschende Stille
den Eindruck eines schauerlichen Geheimnisses; doch hat die Ruhe ihren Grund nur
in der beständigen Nüchternheit der Ordensmitglieder, die Speise und Trank
nicht weiter als bis zur Sättigung genießen.
6... Das gegebene Wort gilt bei ihnen mehr wie der Eid; ja, sie
unterlassen das Schwören, weil sie es für schlimmer als den Meineid halten.
... Mit Vorliebe widmen sie sich dem Studium der Schriften der Alten ...
7Wer in die Sekte aufgenommen sein will, erhält nicht sogleich
Zutritt, sondern er muß zunächst außerhalb des Ordens ein Jahr lang derselben
Lebensweise wie die Mitglieder sich unterziehen ... Nachdem er nämlich seine
Standhaftigkeit dargetan hat, wird nun in zwei weiteren Jahren auch sein
Charakter geprüft, und erst, wenn er in dieser Beziehung gleichfalls würdig
erscheint, wird er förmlich in den Orden aufgenommen. Bevor er indes bei dem
gemeinsamen Mahl erscheinen darf, muß er den Ordensangehörigen einen
furchtbaren Eid schwören, ... daß er Treue gegen jedermann und besonders gegen
die Obrigkeit üben wolle, weil niemand Gewalt habe, ohne daß sie ihm von Gott
verliehen sei. ...
9... Nächst Gott zollen sie die größte Verehrung dem Namen des
Gesetzgebers (= Mose); wer ihn lästert, wird mit dem Tode bestraft. ...
Peinlicher als alle übrigen Juden vermeiden sie es, am Sabbat sich mit Arbeit
zu befassen ...
10... Diese ihre Gesinnung trat so recht im Kriege gegen die
Römer zutage. Auf die Folter wurden sie gespannt, ihre Glieder gereckt,
verbrannt, zerbrochen; mit allen erdenklichen Marterwerkzeugen quälte man sie,
um sie zur Lästerung des Gesetzgebers oder zum Genuß einer ihnen verbotenen
Speise zu zwingen - aber weder das eine noch das andere vermochte man
durchzusetzen. Kein bittendes Wort an ihre Peiniger kam über ihre Lippen, und
ihre Augen blieben tränenleer. Lächelnd unter Schmerzen spotteten sie ihrer
Henker, und freudig gaben sie ihre Seelen dahin in der sicheren Hoffnung, sie
einst wieder zu erhalten.
11Sie hegen nämlich den festen Glauben, daß der Körper zwar der
Verwesung anheimfalle und vergänglich sei, die Seele dagegen in Ewigkeit
fortlebe ... Damit wollen sie zunächst die Unsterblichkeit der Seele
feststellen, dann aber auch zur Tugend antreiben und vom Laster abschrecken ...
14Was nun die beiden zuerst genannten Sekten betrifft, so ist die
der Pharisäer die älteste unter allen dreien. Sie gelten für besonders
kundige Erklärer des Gesetzes, machen alles von Gott und dem Schicksal
abhängig und lehren, daß Recht- und Unrechttun zwar größtenteils den
Menschen freistehe, daß aber auch bei jeder Handlung auch eine Mitwirkung des
Schicksals stattfinde. Die Seelen sind nach ihrer Ansicht alle unsterblich, aber
nur die der Guten gehen nach dem Tode in einen anderen Leib über, während die
der Bösen ewiger Strafe anheimfallen. Die Sadducäer hingegen, die zweite der
obengenannten Sekten, leugnen das Schicksal völlig und behaupten, Gott habe mit
dem Tun und Lassen der Menschen gar nichts zu schaffen; vielmehr seien gute wie
böse Handlungen gänzlich dem freien Willen anheimgestellt, und nach eigenem
Gutdünken trete ein jeder auf die eine oder andere Seite. Weiterhin leugnen sie
auch die Fortdauer der Seele, sowie die Strafen und Belohnungen in der
Unterwelt. Während aber die Pharisäer sich eng aneinander anschließen und zum
Wohle der Gesamtheit die Eintracht hochhalten, ist das Benehmen der Sadducäer
gegen ihresgleichen weit unfreundlicher, so daß sie mit ihren
Gesinnungsgenossen so abstoßend wie mit Fremden verkehren. Das ist es, was ich
über die philosophischen Schulen der Juden bemerken wollte.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und
mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900,
205-214
(1) Unzählige von Schülern hat unser Gesetzgeber zu einer Gemeinschaft gesalbt. Sie werden Essäer genannt. Ich glaube, sie sind angesichts ihrer Frömmigkeit dieser Bezeichnung würdig. Sie bewohnen viele Städte Judäas, aber auch große, vielbewohnte Dörfer. (2) Bei ihnen gibt es keine Erwählung durch Abstammung - denn "Abstammung" schreibt man nicht bei Freiwilligen -, sondern durch Tugendeifer und Verlangen nach Menschenfreundlichkeit. (3) Bei den Essäern gibt es überhaupt kein (unmündiges) Kind, aber auch keinen heranwachsenden Knaben oder jungen Mann, denn die Unbeständigkeiten an diesen sind Gewohnheiten, die zur Unvollkommenheit des Jugendalters gehören, mit ihr neigen sie den Neuerungen zu. Es sind dagegen Männer, die schon dem reifen Alter zuneigen. Sie werden nicht mehr von den Wallungen ihres Leibes überschwemmt und auch nicht von den Leidenschaften bestimmt, sondern sie ernten wahrhaftige und wirklich alleinige Wahrheit. (4) Zeugnis von der Freiheit gibt ihr Leben. Keiner wagt es, überhaupt etwas zu besitzen, kein Haus, keinen Sklaven, kein Land, keine Herden, nichts anderes, was der Beschaffung oder Austattung von Reichtum gleich käme. Sie legen vielmehr alles geschlossen in die Mitte [ihrer Gemeinschaft] und haben den gemeinsamen Ertrag von allem. (5) Sie wohnen an demselben Ort, sie leben in Freundschaftsbünden und halten gemeinsame Mahlzeiten und führen ihre Leben, indem sie alles für Gemeinnütziges einsetzen. (6) Aber alle beschäftigen sich anders; dazu rüsten sie sich, ohne Zaudern kämpfen sie sich durch, nicht Frost, nicht Hitze, nicht wechselnde Witterung vorschützend. Bevor die Sonne aufgegangen ist, wenden sie sich ihren gewohnten Aufgaben zu; wenn sie ganz untergeht, hören sie damit auf und haben nicht weniger Freude als die, die mit Übungswettkämpfen Vergleiche ausgetragen. (7) Denn sie glauben, daß die Übungen, die sie unternehmen, fürs Leben tauglicher und für Seele und Leib besser und dauerhafter sind als die Übungen in den Wettkämpf