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Antike Texte zur Umwelt des Neuen Testaments - Deutsch

Quellensammlung zusammengestellt von Ingo Broer, Matthias Gräff, Sonja Heite, Thomas Schindler (alle Siegen), unter Mitarbeit von Rudolf Hoppe (Passau) und Peter Trummer (Graz)

 

 

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Texte ohne Übersetzungshinweis wurden von Ingo Broer, Matthias Gräff und Stefan Groß übersetzt.

Inhaltsverzeichnis

Antike Texte zur Umwelt des Neuen Testaments - Deutsch
I. Außerchristliche Texte über Johannes, den Täufer, Jesus und die ersten Christen
1. Josephus über Jesus (Jüdische Altertümer XVIII 3,3 §63f.)
2. Josephus über Johannes, den Täufer (Jüdische Altertümer XVIII 5,2 §116-119)
3. Josephus über die Hinrichtung des Herrenbruders Jakobus (Jüdische Altertümer XX 9,1 §199f.)
4. Talmudische Zeugnisse über Jesus und die Jünger
a) Sanhedrin 43ab
b) Âboda Zara 16b
c) Âboda Zara 27b
5. Caecilius Natalis, der Sprecher des Heidentums im Dialog "Octavius" des Minucius Felix, über die Christen (VIII 4f. - IX 2)
6. Tacitus über Jesus und die neronische Christenverfolgung (Annalen XV 44)
7. Sueton und Severus über juden- und christenfeindliche Maßnahmen der Kaiser
a) Sueton. Leben der Cäsaren
b) Sulpicius Severus (Chron II 29)
c) Brief des syrischen Stoikers Mara bar Serapion an seinen Sohn Serapion (73-132 n. Chr.)
8. Brief des Plinius über die Christen an Kaiser Trajan und dessen Antwort (Briefe X 96f.)
a) Brief X 96: C. Plinius an Kaiser Trajan
b) Brief X 97: Trajan an Plinius
9. Eusebius über die Verfolgung der Christen
a) Kirchengeschichte III 18,4
b) Kirchengeschichte IV 8f.
10. Justin der Märtyrer über die Christenprozesse (apol I 68)
11. Tertullian über die Verfolgung der Christen
a) apol 40
b) apol 7
12. Die Standhaftigkeit der Christen als Beweis der Unbescholtenheit (Justin apol II 12)
13. Das Leben der ersten Christen
a) Der sonntägliche Gottesdienst (Justin, apol I 67)
b) Der Gottesdienst nach dem Empfang der Taufe und das Verständnis der Eucharistie (Justin apol I 65f.)
c) Die Abendmahlfeier in der Didache (Did 9)
d) Die Taufe in der Didache (Did 7)
e) Die Gebetspraxis in der Didache (Did 8,2f.)
f) Ethische Weisungen (Did 1,3-2,7)
g) Ethische Weisungen (2 Clem 17)
14. Eusebius von Cäsarea über die Flucht der Christen nach Pella (Kirchengeschichte III 5)
15. Justin über die Wunder der Irrlehrer (Dialog mit dem Juden Tryphon VII 3)
16. Das Todesurteil des Cyprian von Carthago (Prokonsularische Akten des Hl. Cyprian 4)


II. Texte zum religiösen, politischen und sozialen Umfeld der neutestamentlichen Zeit
1. Das Achtzehngebet (Schemone Esre)
2. Die Entstehungslegende der Septuaginta im Aristeasbrief (Arist 9-11.41.46. 50.121. 301f.307-311)
3. Sabbattexte
a) Jubiläen 50,6-13
b) Qumran (CD X,14-XI,18)
4. Messiastexte
a) PsSal 17
b) PsSal 18
b) weitere Texte der Apokryphen (4 Esr 12,31-33; 13; TestLevi 18; TestJuda 24; sBar 29,3; 30,1; äHen 90,37; OrSib III 46-56. 282-289. 652-656)
c) Qumrantexte (CD XII,22-XIII,1; XIV,18f.; XIX,9-11; XX,1; 1 QS IX,9-11; 1 QSa II,11-22; 4 Qpatr zu Gen 49,10; 4 Qtest zu Dtn 18,18f., Num 24,15-17, Dtn 33,8-11; 4 Qflor zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1)
5. Josephus über die jüdischen Religionsparteien
a) Jüdische Altertümer XIII 5,9 §171-173
b) Jüdische Altertümer XIII 10,5f. §288.297f.
c) Jüdische Altertümer XVIII 1,2-6 §11-25
d) Jüdischer Krieg II 8,2-7.9-11.14 §119-122.124.127-133.135-140.145f.152-154.156.162-166
6. Philo, Über die Essener
Pro Judaeis defensio (Eus. praep. ev., VIII, 11,1-8)
7. Jüdischer Umgang mit Heiden
a) 3 Makkabäer 3,4
b) Jubiläen 22,16
c) Joseph und Aseneth 8,5-6
d) Demai II 3
e) bSanhedrin 23a
f) Joseph und Aseneth 7,1
8. Josephus über das Zeugenrecht (Jüdische Altertümer IV 8,15 §219)
9. Juden und der Militärdienst (Jüdische Altertümer XIV 10,11f. §223-227)
10. Josephus über Pilatus (Jüdischer Krieg II 9,2f. §169-174)
11. Josephus über die sog. "Propheten"
a) Jüdische Altertümer XVIII 4,1 §85-87
b) Jüdische Altertümer XX 5,1 §97-99
c) Jüdische Altertümer XX 8,6 §169-172.
d) Jüdischer Krieg VI 5,3 §300-309
12. Philo von Alexandria über den "Logos" (QE II,51.68; QG II,62; De somn. I,227-239)
13. Texte zur Religionsfreiheit der Juden
a) Josephus zum Edikt des Claudius (Jüdische Altertümer XIX 5,2f. §279-291)
b) Jüdischer Krieg VI 6,2 §333-336
14. Warnungen vor dem Betreten des Tempels
a) Jüdische Altertümer XV 11,5 §417
b) Jüdischer Krieg V 5,2 §193f.
c) Jüdischer Krieg VI 7,4 §124-126
d) Philo, Gesandtschaft an Gaius 212
e)Tempelinschrift, welche Nichtjuden den Eintritt bei Todesstrafe verbietet (gefunden 1870)
f) Theodotos-Inschrift
16. Beschreibung der Landschaften Galiläas bei Josephus
a) Jüdischer Krieg III 3,1-2 §35.41-43
b) Jüdischer Krieg III 3,3 §44f.
c) Jüdischer Krieg III 10,7f. §506-520
17. Strabo über Judäa und Moses (Erdbeschreibungen XVI 34-36)
18. Ein Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner aus dem Jahre 41 n. Chr.
19. Ratgeber für junge Frauen (Stobaios 4.28.10)


III. Antike Parallelen zu den Wundergeschichten im Neuen Testament
1 Jüdische Wundergeschichten
1.1. Rabbi Hanina (1. Jahrhundert) heilt durch Gebete (Berachoth V,v 34b)
1.2. Dämonenaustreibung des Eleazar (Jüdische Altertümer VIII 2,5 §46-49)
1.3. Totenerweckung durch einen Rabbinenschüler (LvR 10 (111d))
1.4. Wunderbare Brotspende (Tânith III,i-ix 24b/25a)
1.5. Naturwunder des Rabbi 'Eli'ezer (Baba mezia 59b)
1.6. Regenwunder (Tânith III, viii)
1.7. Stillung eines Sturmes durch Rabbi Tanhuma (Berachot IX, 1 (ed. Crotoschin 1866, 13b)
1.8. Lebensalter der Patriarchen (Jüdische Altertümer I 3,9 §104-108)
1.9. Epiphaniegeschichte (Jüdische Altertümer III 5,2 §79-82)
1.10. Ein Sturmstillungswunder Test Naphthali (Test XII Patr) 6
2 Hellenistische Wundergeschichten
2.1 Heilungsberichte aus Epidauros
2.2 Die Heilung des Winzers Midas (Lukian, Der Lügenfreund 11)
2.3 Vespasian heilt in Alexandria
2.4 Dämonenaustreibung des Apollonios von Tyana (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana IV 20)
2.5 Ein Dämonenaustreiber aus Palästina (Lukian, Der Lügenfreund 16)
2.6 Apollonios entlarvt und tötet den Pestdämon von Ephesus (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana IV 10)
2.7 Eine Dämonenaustreibung des Apollonios (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana III 38)
2.8 Apollonios erweckt ein Mädchen vom Tode (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana IV 45)
2.9 Auferstehung und Erscheinung (Herodot, Historien IV 14)
2.10 Verschiedene Berichte über Weinwunder des Gottes Dionysos
2.11 Ein Regenwunder (Herodot, Historien I 87)
2.12 Plutarch über die Wunder oder Wunderkritik der Antike (Marcius Coriolanus 38)
2.13 Wunder - damals und heute (Augustinus, Vom Gottesstaat XXII 8)
2.14 Die Geburt des Apollonios (Philostrat, Das Leben des Apollonius von Tyana 15)
2.15 Befreiungswunder (Euripides, Bakchen 443-450)
2.16 Griechische Zauberpapyri (Papyri Graecae Magicae)


IV. Antike Texte über Mysterienkulte
1. Kybele und Attis: Prudentius über das Taurobolium (Peristephanon X 1011-1048)
2. Mithraskult
a) Tertullian über die Weihe des Mysten zum miles Mithrae (Über den Kranz des Soldaten 15)
b) Tertullian über den Mithraskult als teuflische Nachahmung der christlichen Mysterien (Über die Prozeßeinreden gegen sämtliche Häresien 40)


V. Christliche Texte über die Entstehung der Evangelien
1. Eusebius von Cäsarea über die Entstehung der vier Evangelien
a) Über die Abfassung des Matthäus- und des Johannesevangeliums (Kirchengeschichte III 24,6f.11f.)
b) Über die Abfassung des Markus- und des Matthäusevangeliums (Kirchengeschichte III 39,15f.)
c) Über die Entstehung der Evangelien (Kirchengeschichte VI 14,5-7)
2. Johannes Chrysostomus über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der vier Evangelien (Matthäus-Kommentar I 2f.)
3. Irenäus von Lyon über die Entstehung der Evangelien
a) Über die vier Evangelisten und die Wahrheit ihrer Evangelien (Gegen die Häresien III 1,1f)
b) Über den Evangelisten Johannes (Gegen die Häresien III 11,7)
c) Über den Evangelisten Lukas (Gegen die Häresien III 14,1)
4. Canon Muratorii
5. Salvians 9. Brief
6. Pseudepigraphische Erzählungen des Papias (Eusebius, Kirchengeschichte III 39,11-13)


VI. Außerneutestamentliche Parallelen zu neutestamentlichen Texten
1. Das Petrusevangelium
2. Die Familie Jesu (Eusebius, Kirchengeschichte III 20,1)
3. Papias über Judas Iskariot (Fragmente III 2f)
4. Über den Tod der Apostel Petrus und Paulus (1 Clem 5)
5. Josephus über die Schätzung des Quirinius
a) Jüdischer Krieg II 8,1 §117f.
b) Jüdischer Krieg VII 8,1 §253
c) Jüdische Altertümer XVII 13,5 §355 - XVIII 1,1 §6
6. Zum Kreuzestitulus Jesu in Mt 27,37 (Sueton, De Vita Caesarum, Caligula 32)

I. Außerchristliche Texte über Johannes, den Täufer, Jesus und die ersten Christen

1. Josephus über Jesus (Jüdische Altertümer XVIII 3,3 §63f.)

 

Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tag wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorherverkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 515f.

2. Josephus über Johannes, den Täufer (Jüdische Altertümer XVIII 5,2 §116-119)

Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Johannes' des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. Dann werde, verkündigte er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie dieselbe nur zur Heiligung des Leibes, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten; die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben entsündigt. Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen, als beim Eintritt einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und dann, wenn es zu spät sein, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin ließ also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten. Sein Tod aber war, wie gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb des Herodes Heer aufgerieben worden war, da Gott in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen verhängt habe.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899),525f.

3. Josephus über die Hinrichtung des Herrenbruders Jakobus (Jüdische Altertümer XX 9,1 §199f.)

Der jüngere Ananus jedoch, dessen Ernennung zum Hohepriester ich soeben erwähnt habe, war von heftiger und verwegener Gemütsart und gehörte zur Sekte der Sadduzäer, die, wie schon früher bemerkt, im Gerichte härter und liebloser sind als alle anderen Juden. Zur Befriedigung dieser seiner Hartherzigkeit glaubte Ananus auch jetzt, da Festus gestorben, Albinus aber noch nicht angekommen war, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben. Er versammelte daher den hohen Rat zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 666f.

4. Talmudische Zeugnisse über Jesus und die Jünger

a) Sanhedrin 43ab

Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jeschu. Vierzig Tage zuvor hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes.
Die Rabbanan lehrten: Fünf Jünger hatte Jeschu: Mathaj, Naqaj, Neçer, Buni und Thoda.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin / Wien 1925, 181

b) Âboda Zara 16b

Âqiba, du hast mich erinnert; einst ging ich auf dem oberen Markt von Sepphoris und traf da einen von den Schülern Jesu des Nazareners, namens Jâqob, aus dem Dorf Sekhanja; da sprach er zu mir: Es heißt in eurer Gesetzeslehre: Du sollst nicht Hurenlohn bringen &c. [Dtn 23,19], darf man aus diesem einen Abort für den Hochpriester errichten? Ich erwiderte ihm nichts. Da sprach er zu mir: So lehrte mich Jesu der Nazarener: Denn von Hurenlohn ist es zusammengebracht und zu Hurenlohn soll es wieder werden [Mi 1,7]; von Unrat kam es und zu Unrat soll es wieder zurückkehren.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin / Wien 1925, 851

c) Âboda Zara 27b

Einst wurde Ben-Dama, ein Schwestersohn R. Jischmâéls, von einer Schlange gebissen, und Jâqob, aus dem Dorf Sekhanja kam, um ihn zu heilen, da ließ es R. Jischmâél nicht zu.
Quelle: Der babylonische Talmud. Hrsg. von Lazarus Goldschmidt. Bd. 7. Berlin / Wien 1925, 889

5. Caecilius Natalis, der Sprecher des Heidentums im Dialog "Octavius" des Minucius Felix, über die Christen (VIII 4f. - IX 2)

Es sind das Leute, welche aus der untersten Hefe des Volkes unwissende und leichtgläubige Weiber, die ja schon wegen der Schwäche ihres Geschlechts leicht zu gewinnen sind, sammeln und eine ruchlose Verschwörerbande bilden. Sie verbrüdert sich in nächtlichen Zusammenkünften und bei feierlichem Fasten und unmenschlichen Gelagen nicht etwa durch eine heilige Zeremonie, sondern durch ein unsühnbares Verbrechen, ein duckmäuseriges und lichtscheues Volk, stumm in der Öffentlichkeit, nur in den Winkeln gesprächig. Die Tempel verachten sie als Grabmäler, die Götter verfehmen sie, über die Opfer lachen sie. Sie bemitleiden, selbst bemitleidenswert, wenn man so sagen darf, die Priester, verschmähen Ehrenstellen und Purpurkleider, obwohl sie selbst fast nicht fähig sind, ihre Blöße zu decken. 5 Welch merkwürdige Torheit und unglaubliche Keckheit! Sie machen sich nichts aus gegenwärtigen Martern, während sie ungewisse in der Zukunft fürchten. Sie sterben auf Erden ohne Furcht, fürchten aber einen Tod nach dem Tode. So täuscht sie eine Hoffnung hinweg über die Angst und beschwichtigt sie durch den Trostblick auf ein neues Leben...
IX 2
Sie erkennen sich an geheimen Merkmalen und Zeichen und lieben sich gegenseitig fast, bevor sie sich kennen. Allenthalben üben sie auch unter sich sozusagen eine Art von Sinnlichkeitskult; unterschiedslos nennen sie sich Brüder und Schwestern: so wird sogar die gewöhnliche Unzucht durch diesen heiligen Namen zur Blutschande. So prahlt ihr gehalt- und sinnloser Aberglaube noch mit Schandtaten.
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 2, Minucius Felix, Octavius. Übersetzt von Alfons Müller (= BKV 14). München 1913, 147f.

6. Tacitus über Jesus und die neronische Christenverfolgung (Annalen XV 44)

(Tacitus berichtet über den Brand Roms:) Doch weder durch menschliche Hilfe, weder durch kaiserliche Spendungen, noch durch Sühnungen der Götter ließ sich der Schimpf bannen, daß man glaubte, es sei die Feuersbrunst geboten worden. Um daher dies Gerede zu vernichten, gab Nero denen, die, durch Schandtaten verhaßt, das Volk Christen nannte, die Schuld und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen. Der, von welchem dieser Name ausgegangen, Christus, war, als Tiberius regierte, vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden, und der für den Augenblick unterdrückte verderbliche Aberglaube brach nicht nur in Judäa, dem Vaterlande dieses Unwesens, sondern auch in Rom, wo von allen Seiten alle nur denkbaren Greuel und Abscheulichkeiten zusammenfließen und Anhang finden, wieder aus.
Quelle: Cornelius Tacitus, Werke: Annalen, 2. Bd. (= Deutsche Hand- und Hausbibliothek 123). Mit einer Einleitung und nach der Übersetzung von Wilhelm Bötticher. Stuttgart 1873, 156

7. Sueton und Severus über juden- und christenfeindliche Maßnahmen der Kaiser

a) Sueton. Leben der Cäsaren

Tiberius 36

Er unterdrückte fremde Kulte, die ägyptischen und die jüdischen Riten ... Er verteilte die jungen Leute der Juden scheinbar wegen des Kriegsdienstes in die Provinzen mit strenger Witterung, er vertrieb die Übrigen dieses Volkes oder ähnliche Parteien aus der Stadt, unter ewiger Strafe der Sklaverei, falls sie nicht gehorchten.

Claudius 25,4

Er vertrieb die Juden aus Rom, die unter ihrem Anführer Chrestus ununterbrochen Unruhe stifteten.
vgl. Apg 18,2.

Nero 16,2

Vieles unter ihm wurde einerseits streng beachtet und bestraft, andererseits wurde auch Neues eingeführt: ... die Christen, ein Geschlecht von Menschen mit einem neuen und gottlosen Aberglauben, wurden durch die Todesstrafe heimgesucht.

b) Sulpicius Severus (Chron II 29)

Von da an begann Nero gegen die Christen zu wüten; in der Folgezeit wurden Gesetze erlassen, durch die verboten wurde, Christ zu sein.

c) Brief des syrischen Stoikers Mara bar Serapion an seinen Sohn Serapion (73-132 n. Chr.) 

Was hatten die Athener davon, daß sie Sokrates töteten? Hungersnot und Pest kamen als Strafe über sie! Was hatten die Bewohner der Insel Samos davon, daß sie den Pythagoras verbrannten? Ihr Land wurde in einem Augenblick vom Sand bedeckt. Was hatten die Juden davon, daß sie ihren weisen König hingerichtet haben? Von jener Zeit an wurde ihnen das Reich weggenommen. Denn Gott verschaffte diesen drei Weisen gerechte Rache: Die Athener starben vor Hunger, die Samier wurden vom Meer überwältigt, die Juden wurden umgebracht, aus ihrem Reich vertrieben und leben nun in der Zerstreuung.
Sokrates ist nicht tot, er lebt weiter durch Platon. Pythagoras ist nicht tot, er lebt in der Herastatue weiter. Der weise König ist nicht tot. Er lebt in den neuen Gesetzen, die er gegeben hat, weiter.

8. Brief des Plinius über die Christen an Kaiser Trajan und dessen Antwort (Briefe X 96f.)

a) Brief X 96: C. Plinius an Kaiser Trajan

Es ist mir wichtig, Herr, alles, worüber ich im Zweifel bin, dir vorzutragen. Denn wer kann besser mein Zaudern lenken oder meine Unkenntnis belehren?
An Gerichtsverhandlungen gegen Christen habe ich niemals teilgenommen; daher weiß ich nicht, was und wieweit man zu strafen oder nachzuforschen pflegt. Ich war auch ganz unschlüssig, ob das Lebensalter einen Unterschied macht, oder ob die ganz Jungen genauso behandelt werden wie die Erwachsenen; ob bei Reue Verzeihung gewährt werden soll oder ob es dem, der einmal Christ gewesen ist, nichts nützt, wenn er davon abgelassen hat; ob schon der blosse Name, auch wenn kein Verbrechen vorliegt, oder nur mit dem Namen verbundene Verbrechen bestraft werden.
Einstweilen bin ich mit denen, die bei mir als Christen angezeigt wurden, folgendermaßen verfahren: ich habe sie gefragt, ob sie Christen seien. Die Geständigen habe ich unter Androhung der Todesstrafe ein zweites und drittes Mal gefragt. Die dabei blieben, ließ ich abführen. Denn ich war der Überzeugung, was auch immer es sei, was sie damit eingestanden, daß auf alle Fälle ihr Eigensinn und ihre unbeugsame Halsstarrigkeit bestraft werden müsse. Es gab auch noch andere mit ähnlichem Wahn, die ich, weil sie römische Bürger waren, zur Überstellung nach Rom vorgemerkt habe.Während der Verhandlung breitete sich gewöhnlich die Anschuldigung weiter aus und es ergaben sich mehrere verschieden gelagerte Fälle.
Es wurde eine Schrift ohne Verfasserangabe vorgelegt, die viele Namen enthielt. Diejenigen, die bestritten, Christen zu sein oder gewesen zu sein, glaubte ich freilassen zu müssen, da sie mit einer von mir vorgesprochenen Formel die Götter anriefen und vor Deinem Bild, das ich zu diesem Zwecke zusammen mit den Bildern der Götter herbeibringen ließ, mit Weihrauch und Wein opferten und außerdem Christus schmähten, Dinge, zu denen wirkliche Christen, wie man sagt, nicht gezwungen werden können.
Andere, von den Denunzianten Genannte erklärten zunächst, Christen zu sein, leugneten es aber bald wieder: sie seien zwar Christen gewesen, hätten dann aber davon abgelassen, manche vor drei Jahren, manche vor noch mehr Jahren, einige sogar vor zwanzig Jahren. Auch diese haben alle Dein Bild und die Statuen der Götter verehrt und Christus geflucht. Sie versicherten darüber hinaus, ihre ganze Schuld oder ihr ganzer Irrtum habe darin bestanden, daß sie sich gewöhnlich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang versammelten, Christus wie einem Gott einen Wechselgesang darbrachten und sich durch Eid nicht etwa zu irgendeinem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen Diebstahl, Raubüberfall oder Ehebruch zu begehen, ein Versprechen nicht zu brechen, eine angemahnte Schuld nicht abzuleugnen. Danach seien sie gewöhnlich auseinander gegangen und dann wieder zusammengekommen, um Speise zu sich zu nehmen und zwar ganz gewöhnliche und unschädliche; selbst das hätten sie nach meinem Erlaß, mit dem ich deinen Aufträgen entsprechend Vereine verboten hatte, unterlassen. Für um so notwendiger hielt ich es, aus zwei Mägden, die Dienerinnen genannt werden, unter der Folter herauszubekommen, was wahr sei. Ich fand nichts anderes als einen wüsten, maßlosen Aberglauben. Deswegen ist die Untersuchung aufgeschoben worden und ich habe mich beeilt, Deinen Rat einzuholen. Die Angelegenheit schien mir nämlich einer Beratung zu bedürfen, insbesondere wegen der Anzahl der gefährdeten Personen. Denn viele jeden Alters, jeden Ranges, auch beiderlei Geschlechts sind jetzt und in der Zukunft gefährdet. Nicht nur über die Städte, sondern auch über die Dörfer und das flache Land hat sich die Seuche dieses Aberglaubens ausgebreitet. Es scheint aber, daß sie aufgehalten und in die richtige Richtung gelenkt werden kann. Ziemlich sicher steht fest, daß die fast schon verödeten Tempel wieder besucht und die lange eingestellten feierlichen Opfer wieder aufgenommen werden, und daß das Opferfleisch, für das kaum noch ein Käufer gefunden wurde, überall wieder zum Verkauf angeboten wird. Daraus kann man leicht erkennen, welche Menge Menschen gebessert werden kann, wenn man Gelegenheit zur Reue gibt.

b) Brief X 97: Trajan an Plinius

Du hast, mein Secundus, bei der Untersuchung der Fälle derer, die bei dir als Christen angezeigt wurden, die Verfahrensweise befolgt, die notwendig war. Denn etwas allgemein gültiges, das gleichsam einen festen Rahmen bietet, kann nicht festgelegt werden. Nach ihnen fahnden soll man nicht. Wenn sie angezeigt und überführt werden, müssen sie bestraft werden, jedoch so, daß, wer leugnet, Christ zu sein, und dies durch eine entsprechende Handlung beweist, nämlich durch die Anrufung unserer Götter, wegen seiner Reue Verzeihung erhält, selbst wenn er für die Vergangenheit verdächtig bleibt.
Anonym vorgelegte Klageschriften dürfen bei keiner Straftat Platz haben, denn das wäre ein schlechtes Beispiel und paßt nicht zu unserer Zeit.

9. Eusebius über die Verfolgung der Christen 

a) Kirchengeschichte III 18,4

Zur erwähnten Zeit strahlte unsere Glaubenslehre bereits solchen Glanz aus, daß selbst Schriftsteller, welche unserer Lehre fernstanden, ohne Bedenken in ihren Geschichtswerken über die Verfolgung und ihre Martyrien berichteten. Sie haben auch die Zeit der Verfolgung genau bestimmt, sofern sie erzählen, daß im 15. Jahre des Domitian neben vielen anderen Flavia Domitilla, eine Tochter der Schwester des Flavius Klemens, des damaligen römischen Konsuls, wegen ihres christlichen Glaubens auf die Insel Pontia verbannt worden sei.
Quelle: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte. Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 123

b) Kirchengeschichte IV 8f.

Justin erzählt auch, Hadrian habe von Serenius Granianus, einem ganz vorzüglichen Beamten, ein Schreiben zugunsten der Christen erhalten des Inhaltes, es sei nicht gerecht, die Christen ohne Anklage und ohne gerichtliche Untersuchung auf das Geschrei des Pöbels hin zu töten. Daraufhin habe Hadrian dem Minucius Fundanus, dem Prokonsul Asiens, in einem Antwortschreiben den Befehl gegeben, niemanden zu verurteilen, wenn nicht eine Anklage vorliege und der Prozeß nicht gewissenhaft geführt sei. Justin gibt eine Abschrift des Briefes unter Beibehaltung der lateinischen Sprache, in der er geschrieben war. Er schickt ihm folgende Einleitung voraus: "Schon unter Berufung auf einen Brief des größten, erlauchtesten Kaisers Hadrian, eures Vaters, hätten wir das Recht, von euch die Weisung zu verlangen, daß die richterlichen Urteile in der von uns erbetenen Form gefällt werden. Doch haben wir darum nicht so sehr deshalb gebeten, weil Hadrian dies befohlen hatte, als vielmehr aus dem Bewußtsein, mit unserer Ansprache Gerechtes zu fordern. Damit ihr erkennet, daß wir hierin die Wahrheit reden, fügen wir auch noch die Abschrift des Briefes Hadrians bei. Er lautet wie folgt." Der erwähnte Schriftsteller läßt nun das Reskript in lateinischer Sprache folgen. Wir aber haben es so gut wie möglich ins Griechische übersetzt. Es lautet:
9.
"An Minucius Fundanus. Von dem trefflichen Serenius Granianus, deinem Vorgänger, habe ich ein an mich gerichtetes Schreiben erhalten. Es scheint mir nun nicht gut zu sein, die Sache ohne Untersuchung hingehen zu lassen; denn die Leute sollen nicht beunruhigt werden, und die Angeber sollen keine Gelegenheit haben, ihrer Bosheit freien Lauf zu lassen. Wenn sich nun die Provinzialen für ihre Forderung gegen die Christen auf klare Gründe stützen, so daß sie sich auch vor dem Richterstuhle verantworten können, dann sollen sie nur diesen Weg gehen. Nicht aber sollen sie sich aufs Fordern und nur aufs Schreien verlegen. Denn es ist viel besser, daß du, im Falle jemand eine Anklage erheben will, die Sache untersuchen läßt. Wenn also jemand als Kläger auftritt und nachweist, daß sie in irgendwelcher Weise gegen die Gesetze handeln, dann fälle dein Urteil entsprechend dem Vergehen! Wer aber in verleumderischer Absicht Klage stellt, den fürwahr ziehe wegen seiner Frechheit zur Verantwortung und für dessen Bestrafung trage Sorge!" Dies ist der Wortlaut von Hadrians Reskript.
Quelle:  Eusebius  von Cäsarea, Kirchengeschichte. Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 166f.

10. Justin der Märtyrer über die Christenprozesse (apol I 68)

Wenn euch nun dieses Sinn und Wahrheit zu haben scheint, so achtet es; erscheint es euch aber als eitles Gerede, so verachtet es als törichtes Zeug, verhängt aber nicht über Leute, die kein Unrecht begehen, wie über Feinde den Tod. Denn wir sagen es euch voraus, daß ihr dem kommenden Gerichte Gottes nicht entgehen werdet, wenn ihr in der Ungerechtigkeit verharret, und wir werden dazu rufen: "Was Gott will, das geschehe!"
Obwohl wir nach dem Schreiben des großen, erlauchten Kaisers Hadrian, eures Vaters, fordern könnten, daß ihr die gerichtlichen Untersuchungen unserem Gesuche entsprechend abhalten laßt, so wollten wir doch nicht unsere Bitte auf diese Entscheidung Hadrians gründen, sondern haben vorstehende Ansprache und Darlegung verfaßt in dem Bewußtsein, daß wir Gerechtes verlangen. Jedoch setzen wir hierunter eine Abschrift vom Schreiben Hadrians, damit ihr erkennet, daß wir auch diesem gemäß die Wahrheit sagen. Die Abschrift lautet:
(Brief Hadrians über die Christen)
"An Minucius Fundanus.
Ich habe ein Schreiben empfangen, das von deinem Vorgänger, dem hochansehnlichen Serenius Granianus, an mich gerichtet wurde. Es scheint mir nun nicht angebracht, die Sache ohne Untersuchung hingehen zu lassen, damit die Leute nicht in Unruhe versetzt werden und die Angeber Gelegenheit zur Schelmerei erlangen.  Wenn also die Provinzialen für ihr Verlangen gegen die Christen sich auf klare Gründe stützen in der Weise, daß sie auch vor dem Richterstuhle Rede und Antwort stehen können, so mögen sie diesen Weg beschreiten, aber nicht einzig auf Bitten oder Schreien sich verlegen. Denn es ist bei weitem angemessener, daß du, wenn jemand eine Anklage erheben will, hierüber eine genaue Untersuchung anstellst. Wenn also jemand als Ankläger auftritt und nachweist, daß sie irgendwie gesetzwidrig handeln, dann fälle dein Urteil nach der Größe des Vergehens; wenn er es aber in verleumderischer Absicht vorbringen sollte, wahrlich, eine solche Schändlichkeit bring gehörig in Anschlag und sorge für ihre Bestrafung."
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers. Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 137f.

11. Tertullian über die Verfolgung der Christen

a) apol 40

Wenn der Tiber bis in die Stadtmauern steigt, wenn der Nil nicht bis über die Feldfluren steigt, wenn die Witterung nicht umschlagen will, wenn die Erde bebt, wenn es eine Hungersnot, wenn es eine Seuche gibt, sogleich wird das Geschrei gehört: "Die Christen vor den Löwen!" So viele vor einen?! Ich bitte euch, wie viele Kalamitäten haben nicht schon vor Tiberius, d. h. vor der Ankunft Christi, den Erdkreis und die Stadt betroffen?  Wir lesen, daß die Inseln Hiera, Anaphe, Delos, Rhodus und Cos mit vielen tausend Menschen zugrunde gegangen sind. Auch berichtet Plato, daß ein Land größer als Asien oder Afrika vom Atlantischen Meere verschlungen sei. Ein Erdbeben hat das korinthische Meer entleert, und die Macht der Wogen Lucanien abgerissen und unter dem Namen Sizilien abgesondert. Das alles konnte natürlich nicht ohne großen Schaden für die Bewohner geschehen. Wo waren damals, als die große Flut den ganzen Erdkreis, oder doch, wie Plato meint, das niedere Land vertilgte,  ich will nicht fragen, die Verächter eurer Götter, die Christen, sondern sie selber, eure Götter? Denn daß sie einer späteren Zeit angehören als die Not der großen Flut, das beweisen eben die Städte, in welchen sie geboren sind und gelebt haben, sowie auch diejenigen, die von ihnen gegründet wurden. Denn nur dann, wenn sie nach jener Kalamität entstanden sind, konnten sie bis zum heutigen Tage bestehen.
Noch hatte Palästina den aus Ägypten ausziehenden Schwarm der Juden nicht aufgenommen, noch hatte sich dort nicht jenes Volk, aus dem die christliche Genossenschaft entsprungen ist, niedergelassen, als schon daran anstoßende Gegenden, Sodoma und Gomorrha, durch einen Feuerregen versengt wurden. Die Erde riecht jetzt noch brennerig, und wenn dort etwa Baumfrüchte zu wachsen versuchen, so sind sie nur zum Ansehen, angerührt aber zerfallen sie zu Asche. Auch Etrurien und Kampanien hatten sich noch nicht über das Vorhandensein von Christen zu beklagen zu der Zeit, als Vulsinii vom Himmel und Pompeji von seinem Berge mit Feuer überschüttet wurde. Niemand betete noch zu Rom den wahren Gott an zur Zeit, als Hannibal bei Kannä die römischen Ringe infolge des von ihm angerichteten Gemetzels mit dem Scheffel maß. Zur Zeit, als die Senonen das Kapitol selbst eingenommen hatten, wurden ausschließlich eure sämtlichen Götter von allen verehrt.
Gut ist es nur, daß, so oft irgendeiner Stadt ein widriges Geschick zugestoßen ist, auch die Tempel von demselben Unheil wie die Stadtmauern getroffen wurden, so daß ich auch noch das hinzubeweise, daß diese Geschicke nicht von jenen herrühren können, die selbst von ihnen in gleicher Weise betroffen wurden.
Quelle: Tertullian: Apologetische, Dogmatische und Montanistische Schriften. Übersetzt von Heinrich Kellner (BKV 24)  Kempten/München 1915, 493f.

b)  apol 7

Wir werden große Verbrecher genannt wegen des im Kindermord bestehenden Geheimkultus und des davon bereiteten Mahles und der auf das Mahl folgenden Blutschande, zu der die Hunde, die das Licht umstürzen, als Kuppler der Finsternis zur Beschwichtigung der Scheu über die ruchlose Lust uns die Gelegenheit bereiten. Man sagt uns das in einem fort nach, und doch sorgt ihr nicht dafür, gerichtlich das zu ermitteln, was man uns schon so lange nachsagt. Folglich ermittelt es entweder, wenn ihr es glaubt, oder glaubt es nicht, wenn ihr es nicht ermittelt! Eure eigene Nachlässigkeit erhebt gegen euch die Prozeßeinrede, daß gar nicht existiere, was ihr nicht zu ermitteln wagt. Ihr stellt dem Folterknecht eine ganz andere Aufgabe bei den Christen: sie sollen nicht sagen, was sie tun, sondern verleugnen, was sie sind.
Quelle: Tertullian: Apologetische, dogmatische und montanistische Schriften. Übersetzt von Heinrich Kellner (BKV 24)  Kempten/München 1915, 403f.

12. Die Standhaftigkeit der Christen als Beweis der Unbescholtenheit (Justin apol II 12)

Denn auch ich selbst kam, als ich noch in Platons Lehren meine Befriedigung fand und von den verleumdeten Christen hörte, beim Anblick ihrer Furchtlosigkeit vor dem Tode und vor allem anderen, was für entsetzlich gilt, zu der Einsicht, daß sie unmöglich in Lasterhaftigkeit und Sinnenlust  befangen sein könnten. Denn welcher Lüstling oder Schlemmer, der gar Menschenfleisch für einen Leckerbissen hält, könnte wohl den Tod willkommen heißen, um so seiner Genüsse verlustig zu gehen? Würde er nicht, statt sich selbst zur Hinrichtung zu melden, vielmehr um jeden Preis sein Leben hier auf immer fortzuführen und vor der Obrigkeit verborgen zu bleiben suchen?
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers. Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/ München 1913, 152

13. Das Leben der ersten Christen

a) Der sonntägliche Gottesdienst (Justin, apol I 67)

Wir aber erinnern in der Folgezeit einander immer hieran, helfen, wenn wir können, allen, die Mangel haben, und halten einträchtig zusammen. Bei allem aber, was wir zu uns nehmen,  preisen wir den Schöpfer des Alls durch seinen Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist. An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor. Und wie schon erwähnt wurde (c. 65), wenn wir mit dem Gebete zu Ende sind, werden Brot, Wein und Wasser herbeigeholt, der Vorsteher spricht Gebete und Danksagungen mit aller Kraft, und das Volk stimmt ein, indem es das Amen sagt.  Darauf findet die Ausspendung statt, jeder erhält seinen Teil von dem Konsekrierten; den Abwesenden aber wird er durch die Diakonen gebracht. Wer aber die Mittel und guten Willen hat, gibt nach seinem Ermessen, was er will, und das, was da zusammenkommt, wird bei dem  Vorsteher hinterlegt; dieser kommt damit Waisen und Witwen zu Hilfe, solchen, die wegen Krankheit oder aus sonst einem Grunde bedürftig sind, den Gefangenen und den Fremdlingen, die in der Gemeinde anwesend sind, kurz, er ist allen, die in der Stadt sind, ein Fürsorger. Am Sonntage aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tag von den Toten auferstanden ist. Denn am Tage vor dem Saturnustage, kreuzigte man ihn und am Tage nach dem Saturnustage, d. h. am Sonntage, erschien er seinen Aposteln und Jüngern und lehrte sie das, was wir zur Erwägung auch euch vorgelegt haben.
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers. Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 135-137

b) Der Gottesdienst nach dem Empfang der Taufe und das Verständnis der Eucharistie (Justin apol I 65f.)

Wir aber führen nach diesem Bade (c. 61) den, der gläubig geworden und uns beigetreten ist, zu denen, die wir Brüder nennen, dorthin, wo sie versammelt sind, um gemeinschaftlich für uns, für den, der erleuchtet worden ist, und für alle anderen auf der ganzen Welt inbrünstig zu beten, damit wir, nachdem wir die Wahrheit erkannt haben, gewürdigt werden, auch in Werken als tüchtige Mitglieder der Gemeinde und als Beobachter der Gebote erfunden zu werden, und so die ewige Seligkeit zu erlangen. Haben wir das Gebet beendigt, so begrüßen wir einander mit dem Kusse. Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht eine lange Danksagung dafür, daß wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden sind. Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt  das ganze Volk seine Zustimmung mit dem Wort "Amen". Dieses Amen bedeutet in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns Diakone heißen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser mit und bringen davon auch den Abwesenden.
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. Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr  hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie; sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos Fleisch wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, daß die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht, unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei. Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Das tut zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib",  und ebenso habe er den Becher genommen, Dank gesagt und gesprochen: "Dieses ist mein Blut", und er habe nur ihnen davon mitgeteilt. Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in den Mithrasmysterien nachgeahmt und Anleitung dazu gegeben. Denn daß Brot und ein Becher Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter Sprüche hingesetzt werden, das wißt ihr oder könnt es erfahren.
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. 1. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers. Übersetzt von Dr. Gerhard Rauschen (= BKV 12). Kempten/München 1913, 134f.

c) Die Abendmahlfeier in der Didache (Did 9)

Bezüglich der Eucharistie haltet es so: Zunächst in betreff des Kelches: Wir danken Dir, unser Vater, für den heiligen Weinstock Davids, Deines Knechtes, den Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen Knecht; Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 3 Und in betreff des gebrochenen Brotes: Wir danken Dir, unser Vater, für das Leben und die Erkenntnis, die Du uns zu erkennen gabst durch Jesus, Deinen Knecht;  Dir sei die Ehre in Ewigkeit. 4 Wie dieses gebrochene Brot auf den Bergen zerstreut war und zusammengebracht eins wurde, so möge Deine Gemeinde von den Enden der Erde zusammengebracht werden in Dein Reich; weil Dein ist die Ehre und die Macht durch Jesus Christus in Ewigkeit. 5 Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie, außer die auf den Namen des Herrn getauft sind. Denn auch hierüber hat der Herr gesagt: "Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben".
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München 1918, 11f.

d) Die Taufe in der Didache (Did 7)

Bezüglich der  Taufe haltet es so: (Wenn ihr all das Vorhergehende gesagt habt,)a "taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes  und des Heiligen Geistes" in fließendem Wasser. 2 Wenn du aber kein fließendes Wasser hast, dann taufe in einem anderem Wasser; wenn du es nicht in kaltem tun kannst, tue es in warmen. 3 Wenn du beides nicht hast, gieße dreimal Wasser auf den Kopf  "auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Vor der Taufe soll fasten der Taufende, der Täufling und wer sonst kann; den Täufling lasse ein oder zwei Tage zuvor fasten.
a Klammersatz in der Textausgabe von Audet nicht enthalten, wohl aber in der von Rordorf/Tuilier
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München 1918, 10f.

e) Die Gebetspraxis in der Didache (Did 8,2f.)

2 Auch "sollt ihr nicht beten wie die Heuchler", sondern wie der Herr in seinem Evangelium es befohlen hat, "so betet: Vater unser, der Du bist in  dem Himmel, geheiligt werde Dein Name, zukomme uns  Dein Reich, Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden; unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Übel"; weil Dein ist die Macht und die Ehre in Ewigkeit. 3 Dreimal im Tag betet so.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München 1918, 11

f) Ethische Weisungen (Did 1,3-2,7)

3 In diesen Worten ist aber folgende Lehre enthalten: "Segnet die, welche euch fluchen und betet für eure Feinde; ja fastet für die, die euch verfolgen; denn welche Gnade (soll euch werden), wenn ihr die liebet, die euch lieben? Tun nicht  auch die Heiden dasselbea? Ihr aber sollt lieben, die euch hassen", und ihr sollt keinen Feind haben. 4 "Enthalte dich der Lüste des Fleisches" (und des Körpers)b! "Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, reiche ihm auch die andere dar und du wirst vollkommen sein; wenn einer dich eine Meile weit nötigt, gehe zwei mit ihm; wenn einer dir den Mantel nimmt, gib ihm auch den Rock; wenn dir einer das Deinige nimmt, fordere es nicht zurück"; denn du kannst es auch nicht. 5 "Jedem, der  dich bittet, gib und fordere es nicht zurück"; denn der Vater will, daß allenc gegeben werde von den eigenen Gnadengaben. Glücklich, wer dem Gebote entsprechend gibt; denn er ist frei von Schuld. Wehe dem, der nimmt! Zwar wenn einer in der Not nimmt, so soll er ohne Schuld sein; ist er aber nicht in Not, dann muß er sich verantworten, weshalb er genommen und wozu; man wird ihn ins Gefängnis werfen und ihn genau untersuchen über sein Tun, und er wird "von dort nicht herauskommen, bis er den letzten Heller bezahlt hat". 6 Aber auch über diesen Punkt heißt es: "Schwitzen soll das Almosen in deinen Händen, bis du erkannt hast, wem du es geben sollst".
2,1
Das zweite Gebot der Lehre aber (heißt): "Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen",  du sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht Unzucht treiben, "du sollst nicht stehlen", du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht das Kind durch Abtreiben umbringen und das Neugeborene nicht töten,  "du sollst nicht begehren nach deines Nächsten Gut". 3 "Du sollst keinen Meineid schwören, kein falsches Zeugnis geben", du sollst Schlimmes nicht nachreden, du sollst Böses nicht nachtragen. 4 Du sollst nicht doppelsinnig und doppelzüngig sein; die Doppelzüngigkeit ist nämlich ein Fallstrick zum Tode. 5 Deine Rede sei nicht lügnerisch, nicht leer, sie sei inhaltsreich durch (die) Tat. 6 Du sollst nicht habgierig sein, nicht auf Raub bedacht, nicht verschlagen, nicht boshaft, nicht hoffärtig. Du sollst keine schlimmen Pläne schmieden wider deinen Nächsten. 7 Du sollst niemanden hassen, sondern die einen zurechtweisen, [mit anderen Mitleid haben,]d für andere beten, wieder andere lieben mehr als deine Seele.
a
Audet hat hier die LA tou=to
b
In der Ausgabe von Audet nicht enthalten, wohl aber in der von Rordorf/Tuilier
c
Hier folgt die Übersetzung der LA pa=sin, vgl. Rordorf/Tuilier
d Dieser Klammersatz hat weder in der Ausgabe Audets  noch bei Rordorf/Tuilier ein textliches Äquivalent
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München 1918, 6f.

g) Ethische Weisungen (2 Clem 17)

Daher wollen wir aus ganzem Herzen Buße tun, damit keiner aus  uns verloren gehe. Wenn wir nämlich Auftrag haben, auch das zu tun, nämlich von den Götzen abzulenken und (in der christlichen Lehre) zu unterrichten, um wieviel weniger darf eine Gott schon kennende Seele verloren gehen? 2 Helfen wir also einander, auch die Schwachen an das Gute heranzubringen, damit wir alle gerettet werden, wir einander bekehren und ermuntern. 3 Und nicht nur jetzt, da wir von den Presbytern Ermahnungen bekommen, wollen wir gläubig und aufmerksam erscheinen, sondern auch wenn wir von hier nach Hause kommen, wollen wir der Gebote des Herrn eingedenk sein und uns nicht von den weltlichen Begierden verleiten lassen, sondern, indem wir fleißiger (hierher) kommen, wollen wir versuchen, in den Geboten Gottes Fortschritte zu machen, damit wir alle eines Sinnes versammelt seien zum Leben. 4 Denn der Herr hat gesagt: "Ich komme, um alle Völker, Stämme und Sprachen zu versammeln". Damit meint er den Tag seines Erscheinens, wenn er kommen und uns erlösen wird, jeden nach seinen Werken. 5 Und sehen werden seine Herrlichkeit und seine Macht die Ungläubigen, und sie werden verwundert anstaunen das Weltreich Jesu und sagen: Wehe uns, da du warst, und wir wußten es nicht und glaubten nicht und gehorchten nicht den Presbytern, die  uns von unserem Heile predigten; und ihr Wurm wird nicht sterben und ihr Feuer nicht erlöschen, und sie werden am Pranger stehen für jegliches Fleisch. 6 Er meinte jenen Tag des Gerichtes, wenn sie diejenigen sehen werden, die unter uns gottlos lebten und die Gebote Jesu Christi übertraten.  7 Wenn aber die Gerechten, die Gutes taten, die Prüfungen bestanden und die Lüste der Seele haßten, sehen, wie die vom Ziele Abgeirrten, die in Wort und Tat Jesus verleugneten, mit schrecklichen Qualen durch das unauslöschliche Feuer gepeinigt werden, werden sie ihren Gott verherrlichen und sprechen: Gute Hoffnung wird sein für den, der Gott aus ganzem Herzen gedient hat.
Quelle: Die Apostolischen Väter. Übersetzt von Franz Zeller (= BKV 35). München 1918, 305f.

14. Eusebius von Cäsarea über die Flucht der Christen nach Pella (Kirchengeschichte III 5)

Als nun nach der Himmelfahrt unseres Erlösers die Juden zu dem Verbrechen an dem Erlöser auch noch die wiederholten Vergehen an seinen Aposteln gefügt hatten, als zunächst Stephanus von ihnen gesteinigt, sodann nach ihm Jakobus, der Sohn des Zebedäus und Bruder des Johannes, enthauptet und schließlich Jakobus, welcher nach der Himmelfahrt unseres Erlösers zuerst den Bischöflichen Stuhl in Jerusalem erhalten hatte, auf die angegebene Weise bestätigt worden war, als die übrigen Apostel nach unzähligen Todesgefahren, die man ihnen bereitet hatte, das Judenland verlassen hatten und mit der Kraft Christi, der zu ihnen gesagt hatte: "Gehet hin und lehret alle Völker in meinem Namen!" zur Predigt des Evangeliums zu allen Völkern hinausgezogen waren, als endlich die Kirchengemeinde in Jerusalem in einer Offenbarung, die ihren Führern geworden war, die Weissagung erhalten hatte, noch vor dem Kriege die Stadt zu verlassen und sich in einer Stadt Peräas, namens Pella, niederzulassen, und als sodann die Christgläubigen von Jerusalem weggezogen waren und die heiligen Männer die königliche Hauptstadt der Juden und ganz Judäa völlig geräumt hatten, da brach das Strafgericht Gottes über die Juden wegen der vielen Freveltaten, die sie an Christus und seinen Aposteln begangen hatten, herein und vertilgte gänzlich dieses Geschlecht der Gottlosen aus der Menschengeschichte. Wieviel Elend über das ganze Volk damals überall hereinstürzte, wie vor allem die Bewohner von Judäa in äußerste Not gerieten, wieviele Tausende von militärpflichtigen Männern samt ihren Weibern und Kindern durch Schwert, Hunger und tausenderlei andere Todesarten zugrunde gingen, wie zahlreich und verschiedenartig die Belagerungen jüdischer Städte waren, wie furchtbar, ja über alle Maßen furchtbar die Erlebnisse derer waren, welche sich nach Jerusalem selbst geflüchtet hatten, weil sie die Hauptstadt für eine sehr feste Burg hielten, wie der Krieg im ganzen und in allen seinen Teilen verlief, wie schließlich der von den Propheten verheißene Greuel der Verwüstung in dem seit alter Zeit berühmten Gottestempel selbst sich verwirklichte, sofern dieser vollständig zerstört und ganz und gar durch Feuer vernichtet wurde, dies kann jeder, der will, in der von Josephus geschriebenen Geschichte im einzelnen nachlesen.
Quelle:  Eusebius  von Cäsarea, Kirchengeschichte. Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV II.1). München 1932, 104f.

15. Justin über die Wunder der Irrlehrer (Dialog mit dem Juden Tryphon VII 3)

Jedoch auch wegen der Wundertaten, welche sie wirkten, waren sie glaubwürdig, da sie (damit) Gott, den Weltschöpfer und Vater, verherrlichten und seinen von ihm kommenden Sohn Christus verkündeten. Das Wirken der vom Geiste der Lüge und Unreinheit erfüllten falschen Propheten war und ist dagegen nicht das gleiche. Im Gegenteil, sie erfrechen sich, Wunder zu wirken, um die Menschen zu schrecken, und sie verherrlichen damit die Lügengeister und Dämonen.
Bete aber, daß dir vor allem die Tore des Lichtes geöffnet werden! Denn niemand kann schauen und verstehen, außer Gott und sein Christus gibt einem, die Gnade des Verständnisses.
Quelle: Justin, Dialog mit dem Juden Tryphon. Übersetzt von Philipp Haeuser (= BKV 33). München 1917, 13

16. Das Todesurteil des Cyprian von Carthago (Prokonsularische Akten des Hl. Cyprian 4)

 

Nachdem Galerius Maximus sich mit seinen Räten besprochen hatte, fällte er mit Widerwillen das Urteil etwa in folgendem Wortlaut: Du hast lange mit verbrecherischem Sinne gelebt, hast viele Menschen in deine gottlose Verschwörung hineingezogen und hast dich zum Feinde der römischen Götter und der heiligen Gesetze gemacht; auch haben dich die frommen und geheiligten Fürsten, die Kaiser Valerianus und Gallienus und der erlauchte Cäsar Galerianus nicht zur Gemeinschaft ihrer Religionsgebräuche zurückführen können. Darum sollst du, nachdem du als der Urheber und Bannerträger der gemeinsten Verbrechen gefaßt worden bist, denen zum warnenden Beispiel werden, die du in deine Freveltat hineingezogen hast: dein Blut soll die Weihe für das Gesetz sein. Als er das gesagt hatte, las er von einer Tafel das Urteil: Thascius Cyprianus soll mit dem Schwerte hingerichtet werden. Der Bischof Cyprian sagte: Gott sei Dank!
Quelle: Frühchristliche Apologeten und Märtyrerakten, Bd. II. Übersetzt von Kaspar Julius (= BKV 14). München 1913, 368f.

II. Texte zum religiösen, politischen und sozialen Umfeld der neutestamentlichen Zeit

1. Das Achtzehngebet (Schemone Esre)

Palästinische Rezension

1. Benediktion, Aboth: Gepriesen seist du, Jahve [unser Gott und Gott unsrer Väter], Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs [großer, mächtiger und furchtbarer Gott], höchster Gott, Schöpfer Himmels und der Erde, unser Schild und Schild unsrer Väter [unser Vertrauen in allen Geschlechtern]! Gepriesen seist du, Jahve, Schild Abrahams!
2. Benediktion, Geburoth:
Du bist ein Held [der Hohe erniedrigt], der Starke [und der die Gewalttätigen richtet], der ewig lebende, der die Toten auferstehn läßt [der den Wind wehen läßt und den Tau herniederfallen], der die Lebenden versorgt und die Toten lebendig macht [in einem Augenblick möge uns Hilfe sprossen]. Gepriesen seist du, Jahve, der die Toten lebendig macht!
3. Benediktion, Qeduschschah:
Heilig bist du und furchtbar dein Name, und kein Gott ist außer dir. Gepriesen seist du Jahve, heiliger Gott!
4. Benediktion, Chonen ha-da'ath:
Verleihe uns, unser Vater, Erkenntnis von dir her und Einsicht und Verstand aus deiner Tora. Gepriesen seist du Jahve, der Erkenntnis verleiht!
5. Benediktion, Teschubah:
Bringe uns zurück, Jahve, zu dir, daß wir umkehren (in Buße); erneuere unsere Tage wie vordem. Gepriesen seist du, Jahve, der Wohlgefallen an Buße hat!
6. Benediktion, Selichah:
Vergib uns, unser Vater, denn wir haben gesündigt gegen dich; tilge [und entferne] unsre Verfehlungen vor deinen Augen weg [denn groß ist deine Barmherzigkeit]. Gepriesen seist du, Jahve, der viel vergibt!
7. Benediktion, Ge'ullah:
Sieh an unser Elend und führe unsre Sache und erlöse uns um deines Namens willen. Gepriesen seist du, Jahve, Erlöser Israels!
8. Benediktion, Rephu'ah:
Heile uns, Jahve, unser Gott, von dem Schmerz unsres Herzens [und Seufzen und Stöhnen entferne von uns] und bringe Heilung unsren Wunden (Schlägen). Gepriesen seist du, der die Kranken seines Volkes Israel heilt!
9. Benediktion, Birkath ha-schanim:
Segne an uns, Jahve unser Gott, [dieses] Jahr [zum Guten bei allen Arten seiner Gewächse und bringe eilends herbei das Jahr des Termins unsrer Erlösung und gib Tau und Regen auf den Erdboden] und sättige die Welt aus den Schätzen deines Guten (deiner Güter) [und gib Segen auf das Werk unsrer Hände]. Gepriesen seist du, Jahve, der die Jahre segnet.
10. Benediktion, Qibbuç galijjoth:
Stoße in die große Posaune zu unsrer Freiheit und erhebe ein Panier zur Sammlung unsrer Verbannten. Gepriesen seist du Jahve, der die Vertriebenen seines Volkes Israel sammelt!
11. Benediktion, Haschibah schopetenu:
Bringe wieder unsre Richter wie vordem und unsre Ratsherren wie zu Anfang, und sei König über uns, du allein. Gepriesen seist du, Jahve, der das Recht liebhat!
12. Benediktion, Birkath ha-minim:
Den Abtrünnigen sei keine Hoffnung und die freche Regierung (= Rom) mögest du eilends ausrotten [in unsren Tagen, und die Nazarener (nozrim = Christen) und die Minim (= Häretiker) mögen umkommen in einem Augenblick], [ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens (der Lebendigen) und mit den Gerechten nicht aufgeschrieben werden]. Gepriesen seist du, Jahve, der Freche beugt!
13. Benediktion, Birkath çaddiqim:
Über die Proselyten der Gerechtigkeit (= Ganzproselyten) möge sich dein Erbarmen regen, und gib uns guten Lohn mit denen, die deinen Willen tun. Gepriesen seist du, Jahve, Zuversicht der Gerechten!
14. Benediktion, Boneh Jeruschalajim
: Erbarme dich, Jahve unser Gott, [in deiner großen Barmherzigkeit über Israel, dein Volk, und] über Jerusalem, deine Stadt, und über Çion, die Wohnung deiner Herrlichkeit, [und über deinen Tempel und über deine Wohnung] und über das Königtum des Hauses David, des Messias deiner Gerechtigkeit (= deines gerechten Messias). Gepriesen seist du, Jahve, Gott Davids, der Jerusalem erbaut!
15. Benediktion, Schomea' tephillah:
Höre, Jahve unser Gott, auf die Stimme unsres Gebetes [und erbarme dich über uns]; denn ein gnädiger und barmherziger Gott bist du. Gepriesen seist du, Jahve, der Gebete erhört! 
16. Benediktion, 'Abodah: Es gefalle Jahve unserem Gott wohl zu wohnen in Çion, daß deine Knechte dir dienen in Jerusalem. Gepriesen seist du, Jahve, daß wir dir dienen werden in Furcht!
17. Benediktion, Hoda'ah:
Wir danken dir, [du bist] Jahve unser Gott [und Gott unsrer Väter], für alles Gute, die Liebe [und die Barmherzigkeit, die du uns erwiesen und] die du an uns getan hast [und an unsren Vätern vor uns; und wenn wir sagten, unser Fuß wanke, hat deine Liebe, Jahve, uns gestützt]. Gepriesen seist du, Jahve, Allgütiger, dir muß man danken!]
18. Benediktion, Sim schalom:
Lege deinen Frieden auf dein Volk Israel [und auf deine Stadt und auf dein Eigentum] und segne uns alle allzumal. Gepriesen seist du Jahve, der den Frieden schafft!
Quelle: (Strack, H. L.)/Billerbeck, P.: Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch. Bd. 4,1. München 1926, 210-214

2. Die Entstehungslegende der Septuaginta im Aristeasbrief (Arist 9-11.41.46. 50.121. 301f.307-311)

9Der Vorsteher der königlichen Bibliothek, Demetrios von Phaleron, erhielt große Geldsummen, um womöglich alle Bücher der Welt zu sammeln. Durch Ankäufe und Abschriften erfüllte er nach Kräften den Wunsch des Königs. 10Einst wurde er in meiner Gegenwart gefragt, wie viele tausend Bücher wohl vorhanden seien, und er erwiderte: Mehr als zweihunderttausend, o König! Ich will aber in Kurzem die noch fehlenden besorgen, so daß fünfhunderttausend voll werden. Es ist mir aber berichtet, daß auch die jüdischen Gesetze einer Abschrift und Aufnahme in deine Bibliothek wert seien. 11Was hindert dich denn, fragte [d]er [König], dies auszuführen? Stehen dir doch alle Mittel zur Ausführung zur Verfügung! Demetrios entgegnete: Sie bedürfen einer Übersetzung. Denn man hat in Judäa eine eigene Schrift (wie auch die Ägypter ihre [besondere] Schrift haben) und redet eine eigene Sprache. Die Annahme, daß man die syrische Sprache rede, ist nicht richtig, sondern es ist ein anderer Dialekt. Nachdem der König dies alles vernommen hatte, befahl er, an den jüdischen Hohenpriester zu schreiben, damit der erwähnte Plan zur Ausführung komme. ...
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Auf diesen Brief antwortete Eleazar (der Hohepriester) sofort Folgendes: ... 46In Anwesenheit aller aber wählte ich aus jedem Stamme sechs ältere und tüchtige Männer, die ich mit dem Gesetz abgesandt habe ..., 50... im ganzen 72. ... 121Er (der Hohepriester) wählte also die besten und durch Bildung ausgezeichneten Männer aus angesehener Familie, die sich nicht nur Kenntnis der jüdischen Literatur angeeignet, sondern auch eifrig die griechische studiert hatten. ...
301
Drei Tage später ging Demetrios in ihrer Begleitung über den sieben Stadien langen Meeresdamm zur Insel [Pharos], überschritt die Brücke und ging nach den nördlichen Teilen [von Pharos]. Dann versammelte er sie in einem am Strand erbauten, prächtigen und still gelegenen Hause und forderte die Männer auf, die Übersetzung auszuführen, da alles, was zu der Arbeit nötig war, wohl vorgesehen war. 302Und sie führten sie aus, indem sie durch gegenseitige Vergleiche in einem Wortlaut übereinkamen. Was sich aber gehörig nach ihrer übereinstimmenden Meinung ergab, wurde so von Demetrios aufgezeichnet. ... 307Wie ich es aber vorher schilderte, so versammelten sie sich täglich an dem durch seine Ruhe und Helligkeit angenehmen Ort und erfüllten ihre Aufgabe. Es traf sich aber so, daß die Übersetzung in zweiundsiebzig Tagen vollendet wurde, als sei es so mit Absicht geschehen.
308
Nach der Vollendung versammelte Demetrios die jüdische Gemeinde an der Stätte, wo die Übersetzung vollendet wurde, und las sie allen vor in Anwesenheit der Übersetzer, die auch bei der Menge große Anerkennung fanden, da sie sich große Verdienste erworben hätten. 309Ebenso lobten sie den Demetrios und baten ihn, ihren Obersten eine Abschrift des ganzen Gesetzes mitzuteilen. 310Nach der Verlesung der Bücher traten die Priester und die Ältesten der Übersetzer und der Bürgerschaft sowie die Vorsteher der Gemeinde zusammen und erklärten: Da die Übersetzung in schöner, frommer und durchaus genauer Weise gefertigt ist, so ist es recht, daß sie in diesem Wortlaut erhalten werde und keine Änderung stattfinde. 311Und nachdem alle den Worten beigestimmt hatten, befahl er nach ihrer Sitte, den zu verfluchen, der eine Bearbeitung unternehmen werde, indem er etwas hinzusetzte oder irgend etwas von dem Geschriebenen änderte oder ausließe. Und das taten sie mit Recht, damit [die Schrift] beständig für alle Zukunft unverändert erhalten bliebe.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments. 2. Bd.: Die Apokryphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 5; 9; 15; 30

3. Sabbattexte

a) Jubiläen 50,6-13

6Und siehe, auch das Sabbatgebot habe ich dir aufgeschrieben und alle Rechte seiner Satzungen. 7Sechs Tage sollst du dein Werk tun, aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, eures Gottes. Tut an ihm keinerlei Arbeit, ihr und eure Kinder und eure Knechte und eure Mägde und all euer Vieh und auch die Fremden, die bei euch sind. 8Und ein Mensch, der an ihm irgendeine Arbeit tut, soll sterben, - jeder Mann, der diesen Tag befleckt, der seinem Weibe beiwohnt, und auch, wer irgendeine Sache beredet, an ihm zu tun, daß er an ihm eine Reise mache wegen allerlei Verkauf und Kauf; und auch, wer an ihm Wasser schöpft, das er nicht vorbereitet hat am sechsten Tag, und auch, wer allerlei aufhebt zu tragen, um es aus seinem Zelt oder aus seinem Hause zu bringen, soll sterben. 9Und tut am Sabbattage keinerlei Arbeit, ohne daß ihr sie euch am sechsten Tage vorbereitet habt, zu essen und zu trinken und zu ruhen und von aller Arbeit an diesem Tage Sabbat zu feiern und den Herrn, euren Gott, zu preisen, der euch den Festtag und den heiligen Tag gegeben hat. Und ein Tag des heiligen Reichs für ganz Israel ist dieser Tag unter ihren Tagen immerdar. 10Denn groß ist die Ehre, die Gott Israel erwiesen hat, daß sie an diesem Festtag essen und trinken und sich sättigen und an ihm ruhen sollen von aller Arbeit, die zu menschlicher Arbeit gehört, außer daß sie Rauchwerk räuchern und Gabe und Opfer vor Gott darbringen für die Tage und die Sabbate. 11Diese Arbeit allein soll an den Sabbattagen im Heiligtume des Herrn, eures Gottes, getan werden, damit sie beständig Tag für Tag das Sühnopfer für Israel darbringen, zum Gedächtnis, das vor Gott angenehm ist, und [damit] er sie annimmt für ewig Tag für Tag, wie dir geboten ist. 12Und jedermann, der an ihm eine Arbeit tut und auch, wer einen Weg geht, und auch, wer sein Grundstück besorgt, sei es zu Hause oder an irgendeinem [anderen] Ort, und auch, wer Feuer anzündet, und auch, wer irgendein Tier bepackt, und auch, wer zu Schiffe auf dem Meere reist, und jedermann, der jemanden schlägt und tötet, und auch, wer ein Tier oder einen Vogel schlachtet, und auch, wer [etwas] fängt, sei es [Feld-] Tier oder Vogel oder Fisch, und auch, wer am Sabbat fastet und Krieg führt: 13ein Mensch, der irgendetwas von diesem am Sabbattage tut, soll sterben, damit die Kinder Israel Sabbat feiern gemäß den Geboten der Sabbate des Landes, wie in den himmlischen Tafeln geschrieben ist, die er mir in meine Hände gegeben hat, damit ich die Ordnungen der Zeit und die Zeit je nach der Einteilung ihrer Tage aufschreibe. Hier ist zu Ende die Rede von der Einteilung der Tage.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 118f.

b) Qumran (CD X,14-XI,18)

14Über den Sa[bb]at, daß man ihn halte entsprechend seiner Anordnung. Niemand soll am 15sechsten Tage eine Arbeit ausführen von der Zeit an, zu der die Sonnenscheibe 16von dem Tor um die Länge ihres Durchmessers entfernt ist. Denn das ist es, was er gesagt hat: Halte 17den Sabbattag ein, um ihn zu heiligen (Dtn 5,12). Und niemand darf am Sabbattag ein 18törichtes oder eitles Wort sagen. Nicht darf man etwas an seinen Nächsten ausleihen. Nicht soll man über eine Angelegenheit von Besitz und Gewinn richten. 19Nicht darf man über Fragen der Arbeit sprechen oder das Werk, das am nächsten Tag zu tun ist. 20Nicht darf man auf das Feld hinausgehen, um eine Arbeit nach seinem Gutdünken zu verrichten 21am Sabbat. Nicht darf man aus einer Stadt weiter hinausgehen als tausend Ellen. 22Niemand soll am Sabbattag etwas essen außer dem, was schon vorbereitet ist, und von dem, was verdirbt 23auf dem Feld. Man darf nichts essen und nichts trinken außer dem, was sich im Lager befindet.
XI,1
Auf dem Weg, wenn man hinabsteigt, um zu baden, darf man da trinken, wo man steht, aber man darf nicht schöpfen 2in irgendein Gefäß. Man darf nicht einen Fremden schicken, daß er seinen Wunsch am Sabbattage ausführe. 3Niemand darf schmutzige Kleider oder in einer Kammer aufbewahrte tragen, ohne daß 4sie mit Wasser gewaschen oder mit Weihrauch abgerieben worden sind. Niemand darf nach eigenem Gutdünken einen 'Erub anlegen 5am Sabbat. Niemand soll hinter dem Vieh hergehen, um es außerhalb der Stadt zu weiden, es 6 sei denn 2000 Ellen weit. Man soll seine Hand nicht heben, um es mit der Faust zu schlagen. Wenn 7 es störrisch ist, soll man es nicht aus dem Haus führen. Niemand darf etwas aus dem Haus 8 nach draußen bringen oder von draußen in das Haus. Und wenn man sich in einer Hütte befindet, soll man nichts aus ihr hinausbringen 9 und nichts in sie hineinbringen. Nicht darf man ein zugeklebtes Gefäß am Sabbat öffnen. Niemand soll 10 bei sich Medikamente tragen, um damit aus- und einzugehen am Sabbat. Man darf nicht in seinem Wohnhaus 11 einen Stein oder Erde aufheben. Ein Pilger darf nicht den Säugling tragen, um aus- und einzugehen am Sabbat. 12 Niemand darf einen Knecht oder seine Magd oder seinen Tagelöhner erzürnen am Sabbat. 13 Niemand soll Vieh beim Werfen helfen am Sabbattag. Und wenn es in einen Brunnen fällt 14 oder in eine Grube, so soll er es nicht am Sabbat wieder herausholen. Niemand soll den Sabbat an einem Ort in der Nähe 15 der Heiden verbringen. Niemand darf den Sabbat entweihen wegen Besitz oder Gewinn am Sabbat. 16 Einen lebendigen Menschen, der in ein Wasserloch fällt, oder sonst in einen Ort, 17 soll niemand heraufholen mit einer Leiter oder einem Strick oder einem (anderen) Gegenstand. Niemand soll am Sabbat etwas auf den Altar bringen 18 außer dem Sabbatbrandopfer; denn so steht geschrieben: ausgenommen eure Sabbate (Lev. 23,38).
Quelle: Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch. Mit masoretischer Punktation, Übersetzung, Einführung und Anmerkungen hrsg. von Eduard Lohse. Darmstadt 41986, 87-91
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt!

4. Messiastexte

a) PsSal 17

Ein Psalm von Salomo mit Gesang; auf den [Messias-] König.
1
Herr, du selbst bist unser König immer und ewig; in dir, o Gott, rühmt sich unsere Seele.
2
Was ist doch die Dauer von eines Menschen Leben auf Erden? Ebenso lang ist auch seine Hoffnung auf ihn.
3Wir aber hofften auf Gott, unsern Heiland; denn die Macht unseres Gottes [währt] ewig mit Erbarmen, und das Königtum unseres Gottes [besteht] ewig über die Völker durch Gericht.
4
Du, Herr, hast David erkoren zum König über Israel und du hast ihm geschworen über seinen Samen für alle Zeit, daß sein Königtum nicht aufhören solle vor dir.
5
Aber wegen unserer Sünden erhoben sich Gottlose wider uns; es fielen uns an und stießen uns aus Leute, denen du keine Verheißung gegeben. Sie raubten mit Gewalt und gaben nicht deinem herrlichem Namen die Ehre.
6
Prunkend setzten sie sich die Krone auf in ihrem Stolze, verwüsteten Davids Thron in prahlerischem Übermut.
7
Du aber, Gott, warfst sie nieder und nahmst ihren Samen aus dem Lande hinweg, indem ein Ausländer gegen sie auftrat, der nicht von unserem Geschlechte war.
8
Nach ihren Sünden vergaltst du ihnen, Gott, daß ihnen zuteil ward, was sie verdient haben.
9
Gott hat sich ihrer nicht erbarmt; er hielt Untersuchung in ihrem Geschlecht und ließ keinen von ihnen los.
10
Getreu ist der Herr in all seinen Gerichten, die er auf Erden übt.
11
Der Gottlose hat unser Land von seinen Bewohnern entblößt; Jung und Alt und ihre Kinder zumal haben sie weggenommen.
12
In seinem grimmen Zorn schickte er sie weg bis ins Abendland und die Obersten des Landes [gab er preis] der Verspottung, schonungslos.
13
In [seiner] Barbarei tat der Feind Vermessenes, und sein Herz war ferne von unserem Gott.
14
Und alles, was er in Jerusalem tat, war ganz, wie es die Heiden in den von ihnen bezwungenen Städten zu tun pflegen.
15
Ihnen hatten sich angeschlossen die Bundeskinder inmitten der Mischvölker; es war keiner unter ihnen, der Erbarmen und Treue in Jerusalem geübt hätte.
16
Da flohen vor ihnen, die die frommen Versammlungen lieb hatten; wie Sperlinge wurden sie aufgescheucht aus ihrem Neste.
17
Sie irrten in der Wüste, ihre Seelen vom Verderben zu retten, und köstlich schien es den Heimatlosen, das [nackte] Leben vor ihnen zu retten.
18
Über die ganze Erde wurden sie von den Gottlosen zerstreut; denn der Himmel hielt an sich, Regen auf die Erde zu träufeln.
19
Quellen, die von Ewigkeit her aus den Tiefen [kommend] von den Bergen [rinnen], wurden zurückgehalten, weil unter ihnen niemand war, der Gerechtigkeit und Recht übte.
20
Vom Obersten unter ihnen bis zum Geringsten [lebten sie] in jeder Sünde; der König in Gottlosigkeit, der Richter in Abfall, das Volk in Sünde.
21
Sieh darein, o Herr, und laß ihnen erstehen ihren König, den Sohn Davids, zu der Zeit, die du erkoren, Gott, daß er über deinen Knecht Israel regiere.
22
Und gürte ihn mit Kraft, daß er ungerechte Herrscher zerschmettere, Jerusalem reinige von den Heiden, die [es] kläglich zertreten!
23
Weise [und] gerecht treibe er die Sünder weg vom Erbe, zerschlage des Sünders Übermut wie Töpfergefäße.
24
Mit eisernem Stab zerschmettere er all ihr Wesen, vernichte die gottlosen Heiden mit dem Wort seines Mundes,
25
daß bei seinem Drohen die Heiden vor ihm fliehen, und er die Sünder zurechtweise ob ihres Herzens Gedanken.
26
Dann wird er ein heiliges Volk zusammenbringen, das er mit Gerechtigkeit regiert, und wird richten die Stämme des vom Herrn, seinem Gotte, geheiligten Volks.
27
Er läßt nicht zu, daß ferner Unrecht in ihrer Mitte weile, und niemand darf bei ihnen wohnen, der um Böses weiß; denn er kennt sie, daß sie alle Söhne ihres Gottes sind.
28
Und er verteilt sie nach ihren Stämmen über das Land, und weder Beisasse noch Fremder darf künftig bei ihnen wohnen.
29
Er richtet die Völker und Stämme nach seiner gerechten Weisheit.
Zwischenspiel
30
Und er hält die Heidenvölker unter seinem Joche, daß sie ihm dienen, und den Herrn wird er verherrlichen offenkundig vor der ganzen Welt und wird Jerusalem rein und heilig machen, wie es zu Anfang war,
31
so daß die Völker vom Ende der Erde kommen, seine Herrlichkeit zu sehen, bringend als Geschenk ihre erschöpften Söhne, und um zu schauen des Herrn Herrlichkeit, mit der sie Gott verherrlicht hat.
32
Er aber [herrscht als] gerechter König, von Gott unterwiesen, über sie, und in seinen Tagen geschieht kein Unrecht unter ihnen, weil sie alle heilig sind und ihr König der Gesalbte des Herrn ist.
33
Denn er verläßt sich nicht auf Roß und Reiter und Bogen; auch sammelt er sich nicht Gold und Silber zum Kriege und auf die Menge setzt er nicht seine Hoffnung für den Tag der Schlacht.
34
Der Herr selbst ist sein König, die Hoffnung dessen, der durch die Hoffnung auf Gott stark ist, und alle Heiden wird er bebend vor ihn stellen.
5
Denn er zerschlägt die Erde mit dem Worte seines Mundes für immer, segnet das Volk des Herrn mit Weisheit in Freuden.
36
Und er ist rein von Sünde, daß er herrschen kann über ein großes Volk, in Zucht halten die Obersten und wegschaffe die Sünder mit mächtigem Wort.
37
Auch wird er nie in seinem Leben straucheln gegen seinen Gott; denn Gott hat ihn stark gemacht an heiligem Geist und weise an verständigem Rat mit Tatkraft und Gerechtigkeit.
38
So ist des Herrn Segen mit ihm voll Kraft, und er wird nicht straucheln.
39
Seine Hoffnung [steht] auf den Herrn: wer vermag da [etwas] gegen ihn?
40
Mächtig von Tat und stark in der Furcht Gottes hütet er des Herrn Herde treu und recht und läßt nicht zu, daß [eines] von ihnen auf ihrer Weide strauchle.
41
Gerade leitet er sie alle, und unter ihnen ist kein Übermut, daß Gewalttat unter ihnen verübt werde.
42
Das ist der Stolz des Königs Israels, den Gott erkoren, ihn über das Haus Israel zu setzen, daß er es zurechtweise.
43
Seine Worte sind lauterer als das feinste kostbare Gold. In Volksversammlungen wird er des geheiligten Volkes Stämme richten; seine Worte sind gleich Worten der Heiligen inmitten geheiligter Völker.
44
Selig, wer in jenen Tagen leben wird und schauen darf das Heil Israels in der Vereinigung der Stämme, wie es Gott bewirkt!
45
Gott lasse bald seine Gnade über Israel kommen; er rette uns vor der Befleckung durch unheilige Feinde!
46
Der Herr selbst ist unser König immer und ewig.

b) PsSal 18

Ein Psalm von Salomo; noch einmal des [über den?] Gesalbten und König.
1
Herr, deine Gnade über die Geschöpfe deiner Hand ist ewig, deine Güte mit reicher Gabe über Israel.
2
Deine Augen sehen auf sie, so daß keines von ihnen Mangel leidet; deine Ohren hören auf des Ärmsten hoffende Bitte.
3
Deine Gerichte [ergehen] über die ganze Erde voll Erbarmen, und deine Liebe auf den Samen Abrahams, die Kinder Israel.
4
Deine Züchtigung [ergeht] über uns wie über einen erstgeborenen, einzigen Sohn, daß du folgsame Seelen von unbewußter Verirrung abbringest.
5
Gott, reinige Israel auf den Tag der heilsamen Gnade, auf den Tag der Auswahl, wenn sein Gesalbter zur Herrschaft kommt.
6Selig, wer in jenen Tagen leben wird, und schauen darf das Heil des Herrn, das er dem kommenden Geschlechte schafft
7
unter der Zuchtrute des Gesalbten des Herrn in der Furcht seines Gottes, in geistgewirkter Weisheit, Gerechtigkeit und Stärke,
8
daß er leite einen jeglichen in Werken der Gerechtigkeit durch Gottesfurcht, sie allesamt darstelle vor dem Antlitze des Herrn:
9
Ein gut Geschlecht voll Gottesfurcht in den Tagen der Gnade!
Zwischenspiel
10
Groß ist unser Gott und herrlich, der in der Höhe wohnt, der geordnet hat Leuchten in ihren Bahnen zur Bestimmung der Zeiten jahraus jahrein, so daß sie nicht abgehen von dem Pfade, den du ihnen befohlen.
11
In der Furcht Gottes wandeln sie Tag für Tag, seitdem Gott sie schuf, bis in Ewigkeit.
12
Und sie gingen nicht fehl, seit Gott sie erschuf, seit uralten Zeiten wichen sie nicht von ihren Wegen, es sei denn, daß Gott es ihnen gebot durch den Befehl seiner Knechte.
Quelle: Kautzsch, E. (Hrsg.): Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments. 2. Bd.: Die Pseudepigraphen des Alten Testaments. Darmstadt 1962 (2., unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1900), 144-148

b) weitere Texte der Apokryphen (4 Esr 12,31-33; 13; TestLevi 18; TestJuda 24; sBar 29,3; 30,1; äHen 90,37; OrSib III 46-56. 282-289. 652-656)

4 Esr 12,31-33

Der Löwe aber, der vor deinen Augen mit Gebrüll aus dem Walde hervorgestürzt ist, der zum Adler gesprochen und ihm seine Sünden vorgehalten hat, mit allen den Worten, die du gehört hast: 32das ist der C h r i s t u s, den der Höchste bewahrt für das Ende ‘der Tage, der aus dem Samen Davids erstehen und auftreten wird, um zu ihnen zu reden’
er wird ihnen die Gottlosigkeiten vorhalten,
die Ungerechtigkeiten ‘strafen’,
die Frevel vor Augen führen.
33Denn er wird sie zunächst lebendig vor Gericht stellen; dann aber, nachdem er sie überwiesen, wird er sie vernichten.

4 Esr 13

Nach den sieben Tagen geschah es, da träumte ich des Nachts einen Traum: siehe, da stieg ein ‘gewaltiger’ Sturm vom Meere auf und erregte alle seine Wogen. Ich schaute, siehe da führte jener Sturm aus dem Herzen des Meeres etwas wie einen Menschen hervor; ich schaute, siehe dieser Mensch flog mit den Wolken des Himmels. Und wohin er sein Antlitz wandte und hinblickte, da erbebte alles, was er anschaute; und wohin die Stimme seines Mundes erging, da ‘zerschmolzen’ alle, die seine Stimme vernahmen, wie Wachs zerfließt, wenn es Feuer spürt. - Darnach schaute ich, siehe, es kam von den vier Winden des Himmels her ein unzählbares Heer von Menschen zusammen, um den Menschen, der aus dem Meer emporgestiegen war, zu bekämpfen. Da schaute ich, wie er sich einen großen Berg losschlug und auf ihn flog. Ich aber bestrebte mich, Gegend oder Ort zu erkennen, woraus der Berg losgeschlagen war; aber ich vermochte es nicht. Darnach schaute ich, siehe, alle, die sich gegen ihn zum Kriege versammelt hatten, gerieten in große Furcht, wagten aber doch den Kampf. Als er aber den Ansturm des Heeres, das auf ihn loskam, sah, da erhob er keine Hand, noch führte er ein Schwert oder eine andere Waffe, sondern ich sah nur, wie er von seinem Munde etwas wie einen feurigen Strom ausließ, von seinen Lippen einen flammenden Hauch, und von seiner Zunge ließ er hervorgehen stürmende Funken: alle diese aber vermischten sich ineinander: der feurige Strom, der flammende Hauch und der gewaltige Sturm. Das fiel über das anstürmende Heer, das zum Kampfe bereit war, und entzündete sie alle, so daß im selben Augenblick von dem unzählbaren Heer nichts anderes zu sehen war außer dem Staube der Asche und dem Dunste des Rauchs. Als ich das sah, entsetzte ich mich. - Darnach schaute ich, wie jener Mensch vom Berge herabstieg und ein anderes friedliches Heer zu sich rief. Da nahten sich ihm Gestalten von vielen Menschen, die einen frohlockend, die anderen traurig; einige waren in Banden, einige führten andere als Opfergaben mit sich.
Da erwachte ich vor gewaltigem Schrecken. Dann flehte ich zum Höchsten und sprach: Du hast von Anfang an deinem Knechte solche Wunder offenbart und mich würdig erachtet, mein Flehen anzunehmen. So offenbare mir nun noch die Deutung dieses Traums. - Denn wie ich denke in meinem Sinn: wehe denen, die überbleiben in jener Zeit! aber noch viel mehr: wehe denen, die nicht überbleiben! Denn die nicht überbleiben, müssen traurig sein; denn sie kennen zwar die Freuden, die für die letzte Zeit bereit stehen, werden aber selbst nicht dazu gelangen. Aber wehe auch denen, die überbleiben; ‘deshalb, weil’ sie große Drangsale und viele Nöte schauen müssen, wie diese Träume zeigen. Und doch ist es ‘besser’, dies, wenn auch durch Gefahren, zu erlangen, als wie eine Wolke aus der Welt zu schwinden und die Dinge der Endzeit nicht zu sehen. Er antwortete mir und sprach: Ich will dir die Deutung des Gesichtes zeigen und will dir auch über deine Erwägungen Aufschluß geben. Wenn du über die Überbleibenden ‘und Nicht-Überbleibenden’ gesprochen, davon ist dies die Lösung: derselbe, der in jener Zeit die Drangsal bringt, der wird auch die in Drangsal Gefallenen bewahren, wenn sie Werke haben und Glauben an den ‘Allerhöchsten und’ Allmächtigen. So wisse also, daß die Überbleibenden bei Weitem seliger sind als die Gestorbenen.

TestLevi 18

Und nachdem ihre Bestrafung vom Herrn erfolgt ist, wird dann der Herr dem Priestertum einen neuen Priester erwecken, welchem alle Worte des Herrn werden enthüllt werden. Und er selbst wird ein Gericht der Wahrheit halten auf der Erde in einer Menge von Tagen. Und es wird sein Stern am Himmel aufgehen wie ein König, ausstrahlend Licht und Erkenntnis wie durch die Sonne am Tag. Und er wird verherrlicht werden auf der Erde bis zu seiner Aufnahme. Dieser wird leuchten wie die Sonne auf der Erde und jedes Dunkel von der Erde wegnehmen, und es wird Friede auf der ganzen Erde sein. Die Himmel werden jauchzen in seinen Tagen, und die Erde wird sich freuen, und die Völker werden frohlocken, und die Erkenntnis des Herrn wird ausgegossen werden auf der Erde wie Wasser der Meere. Und die Engel der Herrlichkeit des Angesichts des Herrn werden sich über ihn freuen. Die Himmel werden sich öffnen, und aus dem Tempel der Herrlichkeit wird über ihn Heiligkeit kommen mit väterlicher Stimme wie von Abraham, dem Vater Isaaks. Und die Herrlichkeit des Höchsten wird über ihn gesprochen werden, und der Geist des Verstandes und der Heiligung wird auf ihm ruhen in dem Wasser. Er selbst wird die Majestät des Herrn seinen Söhnen geben in Wahrheit bis in Ewigkeit. Und er wird keinen Nachfolger haben bis in die fernsten Geschlechter bis in die Ewigkeit. Und zur Zeit seines Priestertums wird jede Sünde vergehen, und die Gottlosen werden aufhören, Böses zu thun. Die Gerechten aber werden bei ihm Ruhe finden. Und er selbst wird die Thüren des Paradieses öffnen und er wird wegstellen das gegen Adam drohende Schwert und wird den Heiligen zu essen geben von dem Holze des Lebens, und der Geist der Heiligkeit wird auf ihnen sein. Und Beliar wird von ihm gebunden werden, und er wird seinen Kindern Gewalt geben, auf die bösen Geister zu treten. Und der Herr wird frohlocken über seine Kinder und der Herr wird Wohlgefallen haben an seinen Geliebten bis in Ewigkeit. Dann wird Abraham jauchzen und Isaak und Jakob. Und ich werde mich freuen, und alle Heiligen werden Frohlocken anziehen.

Test Juda 24

Und darauf wird euch aufgehen ein Stern aus Jakob in Frieden und es wird aufstehen ein Mensch aus meinem Samen wie die Sonne der Gerechtigkeit, welcher wandelt mit den Menschenkindern in Sanftmut und Gerechtigkeit, und keine Sünde wird an ihm gefunden werden. Und es werden sich über ihn die Himmel öffnen, auszugießen den Segen des Geistes vom heiligen Vater; und er selbst wird ausgießen den Geist der Gnade über euch, und ihr werdet seine Söhne in Wahrheit sein und werdet wandeln in seinen Geboten, den ernsten und letzten. Dieser ist der Sproß des höchsten Gottes, und dieses ist die Quelle zum Leben für alles Fleisch. Dann wird aufleuchten das Scepter meines Königreichs, und an eurer Wurzel wird ein Schößling entstehen. Und durch ihn wird ein Scepter der Gerechtigkeit für die Heiden aufgehen, zu richten und zu retten alle, die den Herrn anrufen.

sBar 29,3f

Und nachdem das, was sich in jenen Abschnitten ereignen wird, vollendet ist, alsdann wird der Messias anfangen, sich zu offenbaren. 4 Und offenbaren wird sich der Behemoth aus seinem Land, und der Leviathan wird emporsteigen aus dem Meere; [und] die beiden gewaltigen Seeungeheuer, die ich am fünften Tage des ‘Schöpfungswerks’ geschaffen und bis auf jene Zeit aufbehalten habe, werden alsdann zur Speise für alle sein, welche übrig sind.

sBar 30,1

Und darnach, wenn die Zeit der Ankunft des Messias sich vollendet, wird er in Herrlichkeit [in den Himmel] zurückkehren. Alsdann werden alle die, die in der Hoffnung auf ihn entschlafen sind, auferstehen.

äHen 90,37

Ich sah, daß ein weißer Farre mit großen Hörnern geboren wurde. Alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels fürchteten ihn und flehten ihn an alle Zeit.

OrSib III 46-56

Aber wenn Rom auch über Ägypten herrschen wird, zu einem Ziele lenkend (?), dann wird sich das größte Königtum des unsterblichen Königs den Menschen zeigen. Es wird kommen der heilige Herrscher, der das Scepter über die ganze Erde innehaben wird in alle Ewigkeiten der dahineilenden Zeit. Und dann [wird] unerbittlicher Zorn über die latinischen Männer [kommen]; drei werden Rom in jammervollem Geschicke zu Grunde richten. Alle Menschen werden in den eignen Häusern umkommen, wenn dann vom Himmel ein feuriger Gießbach herabströmt. Wehe mir Ärmster! Wann wird jener Tag kommen und das Gericht des unsterblichen Gottes, des großen Königs?


OrSib III 282-289

Aber das schließliche Gute ‘erwartet dich’ und größte Herrlichkeit, wie dir der ‘unsterbliche Gott’ beschieden hat. Du aber warte, vertrauend auf die heiligen Gesetze des großen Gottes, wann er dein ermattetes Knie aufrecht zum Lichte emporhebt. Und dann wird Gott vom Himmel her einen König senden, zu richten einen jeden mit Blut und Glanz des Feuers. Es giebt aber einen königlichen Stamm, dessen Geschlecht nicht fallen wird, und dieses wird im Umschwunge der Zeiten herrschen und anfangen, einen neuen Tempel Gottes zu errichten.

OrSib III 652-656

Und dann wird Gott von Sonnenaufgang her einen König senden, der auf der ganzen Erde dem bösen Krieg ein Ende machen wird, indem er die einen tötet, mit den anderen sichere Verträge schließt. Auch wird er dies alles nicht nach eigenem Rate thun, sondern den guten Beschlüssen des großen Gottes folgend.

c) Qumrantexte (CD XII,22-XIII,1; XIV,18f.; XIX,9-11; XX,1; 1 QS IX,9-11; 1 QSa II,11-22; 4 Qpatr zu Gen 49,10; 4 Qtest zu Dtn 18,18f., Num 24,15-17, Dtn 33,8-11; 4 Qflor zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1)

CD XII,22-XIII,1

22Und dies ist die Regel des Wohnens 23für [die] La[ger]: Darin sollen sie wandeln in der Zeit der Gottlosigkeit bis zum Auftreten des Gesalbten aus Aaron XIII,1und Israel

CD XIV,18f.

18 Und dies ist die genaue Bestimmung der Rechtssätze, in [denen sie wandeln sollen während der Zeit] 19[der Gottlosigkeit, bis aufsteht der Gesalb]te Aarons und Israels, und ihre Sünde wird er entsühnen

CD XIX,9-11

9 und ich will meine Hand wider die Kleinen wenden (Sach 13,7). Und die, welche ihn bewahren, sind die Armen der Herde. 10Diese werden gerettet werden zur Zeit der Heimsuchung, aber die übrigen werden dem Schwert ausgeliefert werden, wenn der Gesalbte kommt 11aus Aaron und Israel

CD XX,1

... bis zum Auftreten des Gesalbten aus Aaron und Israel.

1 QS IX,9-11

9 Und von keinem Rat des Gesetzes sollen sie abweichen, um 10in aller Verstocktheit ihres Herzens zu wandeln, sondern sie sollen nach den früheren Bestimmungen gerichtet werden, durch welche im Anfang die Männer der Gemeinschaft in Zucht gehalten worden sind, 11bis daß der Prophet und die Gesalbten Aarons und Israels kommen.

1 QSa II,11-22

11 [Dies ist die Sit]zung der angesehenen Männer, [geladen] zur Versammlung für den Rat der Gemeinschaft, wenn [Gott] geb[or]en werden läßt 12d[en] Messias unter ihnen. Es trete [der Priester] an der Spitze der ganzen Gemeinde Israel ein und alle 13[seine Brüder, die Söhne] Aarons, die Priester, [die] zur Versammlung [Geladenen], die angesehenen Männer. Und sie sollen sich setzen 14v[or ihm, jeder] entsprechend seiner Würde. Und danach se[tze sich der Mes]sias Israels. Und es sollen sich vor ihm setzen die Häupter 15der T[ausendschaften Israels, jed]er entsprechend seiner Würde, nach [seiner Stellung] in ihren Lagern und nach ihren Stationen. Und alle 16Fa[milien]häupter [der Ge]meinde mit den Weisen [der heiligen Gemeinde] sollen vor ihnen sitzen, jeder entsprechend 17seiner Würde. Und [wenn] sie sich zusammenfinden zum gemeinsamen [Ti]sch [oder um den Mo]st [zu trinken], und der gemeinsame Tisch ist gerüstet, 18[und] der Most [ist gemischt] zum Trinken, [so darf keiner] seine Hand [ausstrecken] nach dem Erstling 19des Brotes und [des Mostes] vor dem Priester; denn [er soll] den Segen sprechen über dem Erstling des Brotes 20und des Most[es. Und er soll] zuerst seine Hand [ausstrecken] nach dem Brot, und dana[ch soll] der Messias Israels seine Hände 21nach dem Brot ausstrecken. [Und danach] sollen sie [den Segen] sprechen, die ganze Gemeinde der Gemeinschaft, je[der entsprechend] seiner Würde. Und nach dieser Ordnung sollen sie handel[n] 22bei der Zu[rüstung, wenn sich] zusammenfinden wenigstens zehn Män[ner].

4 Qpatr zu Gen 49,10

1[Nicht] soll weichen ein Machthaber aus dem Stamm Juda. Solange Israel die Herrschaft hat, 2wird [nicht aus]gerottet sein einer, der darin thront, der zum (Hause) David(s) gehört. Denn der Herrscherstab ist der Bund der Königsherrschaft, 3[die Tausend]schaften Israels sind die Füße, bis daß kommt der Gesalbte der Gerechtigkeit, der Sproß 4Davids; denn ihm und seinem Samen ist der Bund der Königsherrschaft über sein Volk gegeben für ewige Geschlechter, den 5er bewahrt hat [...] das Gesetz mit den Männern der Gemeinschaft; denn [...] 6 [...] das ist die Versammlung der Männer [...] 7 [...] hat gegeben.

4 Qtest 5-20 zu Dtn 18,18f., Num 24,15-17, Dtn 33,8-11

5Einen Propheten will ich ihnen erwecken aus der Mitte ihrer Brüder wie dich, und ich will geben meine Worte 6in seinen Mund, und er soll ihnen alles sagen, was ich ihm befehlen werde. Und wenn es einen Mann gibt, 7der nicht hören will auf meine Worte, die der Prophet in meinem Namen sagen wird, so 8werde ich selbst von ihm Rechenschaft fordern (Dtn 18,18-19).
9
Und er hob seinen Spruch an und sprach: Ausspruch Bileams, des Sohnes Beors und Ausspruch des Mannes, 10dessen Auge vollkommen ist. So spricht der, der die Worte Gottes hört und die Erkenntnis des Höchsten erkennt, der 11ein Gesicht des Allmächtigen schaut, niederfallend und enthüllten Auges. Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, 12ich betrachte ihn, aber nicht in der Nähe. Es geht ein Stern aus Jakob auf, und es erhebt sich ein Szepter aus Israel und zerschmettert 13die Schläfen Moabs und tritt nieder alle Söhne Seths (Num 24,15-17). 14Und über Levi sprach er: Gebt Levi deine Thummim und deine Urim, dem Mann, deinem Frommen, den 15du versucht hast bei Massa und gegen den du gestritten hast an den Wassern von Meriba. Der zu seinem Vater sprach 16und zu seiner Mutter ‚ich kenne dich nicht', und der seine Brüder nicht ansah und seine Söhne nicht 17kannte. Denn er hielt dein Wort und bewahrte deinen Bund. Und sie erhellen Jakob deine Rechtssatzungen, 18Israel dein Gesetz. Sie bringen Räucherwerk vor deine Nase und Ganzopfer auf deinen Altar. 19Segne, . . . . (Vier Punkte ersetzen das Tetragramm), seine Stärke und laß dir das Werk seiner Hände gefallen! Zerschlage seinen Gegnern und denen, die ihn hassen, die Hüften, 20daß sie nicht wieder aufstehen (Dtn 3,8-11).

4 Qflor I,1-13.18f. zu 2 Sam 7,10-14, Am 9,11, Ps 2,1

I,1... [Und nicht soll künftig] ein Sohn der Verderbtheit [es bedrücken] wie ehedem, seit dem Tag, da 2[ich Richter bestellt habe] über mein Volk Israel (2 Sam 7,10-11). Dies ist das Haus, das [... am En]de der Tage, wie geschrieben steht im Buche 3 [... Das Heiligtum, Herr, welches] deine Hände [er]richtet haben. Jahwe sei König für immer und ewig (Ex 15,17f.). Dies ist das Haus, in das 4[... in] Ewigkeit kein Ammoniter und kein Moabiter und kein Bastard und kein Ausländer und kein Fremdling eintreten darf in Ewigkeit, sondern diejenigen, die den Namen Heilige tragen. 5Er [wird] sein [... in] Ewigkeit. Ständig wird er über ihm erscheinen. Und nicht werden es wieder Fremde zerstören, wie sie vordem zerstörten 6das Heilig[tum Is]raels wegen ihrer Sünde. Und er sagte, daß man ihm ein Heiligtum unter den Menschen bauen solle, in dem sie ihm als Rauchopfer 7vor ihm Taten des Gesetzes darbringen sollten. Und wie er gesagt hat zu David: Und ich will dir [Ruhe] verschaffen vor allen deinen Feinden (2 Sam 7,11); das heißt, daß er ihnen Ruhe verschaffen wird vor al[len] 8Söhnen Belials, die sie zu Fall bringen wollen, um sie zu vernichten ..., wie sie kamen mit einem Plan [Be]l[i]als, um zu Fall zu bringen die Sö[hne] 9des Lich[tes] und um gegen sie frevlerische Ränke zu sinnen, damit sie seine [Se]ele aus[liefern] an Belial in ihrer fre[vl]erischen Verirrung. 10Und Jahwe hat dir [ku]ndgetan, daß er dir ein Haus bauen wird; und ich werde deinen Samen aufrichten nach dir und den Thron seines Königtums 11[in Ewig]keit. Ich [w]er[de] ihm Vater sein, und er wird mir Sohn sein (2 Sam 7,11-14). Das ist der Sproß Davids, der mit dem Erforscher des Gesetzes auftreten wird der 12 ... in Zi[on am En]de der Tage, wie geschrieben steht: Und ich will die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten (Am 9,11). Das ist die zerfalle[ne] Hütte 13Davids, [d]ie stehen wird, um Israel zu retten. ...
18
[Warum to]ben die Völker und sinnen die Nationen [Eitles? Es er]heben sich [die Könige der Erde und die Für]sten ratschlagen miteinander gegen Jahwe und gegen 19[seinen Gesalbten (Ps 2,1-2). Die Deu]tung des Wortes [bezieht sich auf die Völ]ker, und sie ... Erwählte Israels am Ende der Tage.

Vgl. 4 Q 246 I,9. II,1
Quelle für alle Texte unter c): Die Texte aus Qumran. Hebräisch und Deutsch. Mit masoretischer Punktation, Übersetzung, Einführung und Anmerkungen hrsg. von Eduard Lohse. Darmstadt 41986, 93.97.101.105.33.51.247.251.257-259
Mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt!

5. Josephus über die jüdischen Religionsparteien

a) Jüdische Altertümer XIII 5,9 §171-173

Um diese Zeit gab es bei den Juden drei Sekten, welche über die menschlichen Verhältnisse verschiedene Lehren aufstellten, und von denen die eine die der Pharisäer, die zweite die der Sadduzäer und die dritte die der Essener hieß. Die Pharisäer behaupteten, daß manches, aber nicht alles das Werk des Verhängnisses sei, manches dagegen auch freiwillig geschehe oder unterbleibe. Die Essener hingegen lehren, alles stehe unter der Macht des Verhängnisses, und es komme bei den Menschen nichts vor, das nicht vom Geschicke bestimmt sei. Die Sadducäer endlich wollen überhaupt nichts vom Verhängnis wissen und glauben, es gebe weder ein Verhängnis, noch richte sich des Menschen Geschick danach, sondern alles geschehe nur nach unserem Willen, sodaß wir ebenso die Urheber unseres Glücks seien, als wir auch unser Unglück uns durch unseren eigenen Unverstand zuzögen. Genaueres hierüber habe ich im zweiten Buche meines Werkes über den Jüdischen Krieg gebracht.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 157f.

b) Jüdische Altertümer XIII 10,5f. §288.297f.

5Um nun wieder auf Hyrkanus zurückzukommen, so erregte sein Glück den Neid der Juden, und besonders waren gegen ihn die Pharisäer aufgebracht, die, wie ich oben erwähnte, eine Sekte der Juden bilden. Sie stehen beim Volke in solchem Ansehen, daß sie stets Glauben finden, selbst wenn sie etwas gegen den König oder den Hohepriester vorbringen. ...
6
... Für jetzt will ich nur noch bemerken, daß die Pharisäer dem Volke durch mündliche Überlieferung viele Gebote aufbewahrt haben, welche in die Gesetzgebung des Mose nicht aufgenommen sind. Diese Gebote nun verwirft die Sekte der Sadduzäer und behauptet, das allein sei maßgebend, was geschrieben stehe, während die mündliche Überlieferung der Vorfahren keine Gültigkeit habe. Über diesen Punkt entstanden oft heftige Streitigkeiten, wobei die Sadduzäer nur die Reichen, die Pharisäer aber die große Menge des Volkes auf ihrer Seite hatten. Näheres über diese beiden Sekten, sowie über die dritte der Essener findet sich im zweiten Buche meines Werkes über den Jüdischen Krieg.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkung versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899),177-179

c) Jüdische Altertümer XVIII 1,2-6 §11-25

2Bei den Juden gab es schon seit langer Zeit drei philosophische Sekten, nämlich die der Essener, Sadduzäer und Pharisäer, und wiewohl ich bereits im zweiten Buche des Jüdischen Krieges mich darüber ausgesprochen habe, will ich doch die Mühe nicht scheuen, auf dieselben hier nochmals einzugehen.
3
Die Pharisäer leben enthaltsam und kennen keine Annehmlichkeiten. Was vernünftige Überlegung als gut erscheinen läßt, dem folgen sie und halten es überhaupt für ihre Pflicht, den Vorschriften der Vernunft nachzukommen. Die Alten ehren sie und maßen sich nicht an, den Anordnungen derselben zu widersprechen. Wenn sie behaupten, alles geschehe nach einem bestimmten Schicksal, so wollen sie damit dem menschlichen Willen nicht das Vermögen absprechen, sich selbst zu bestimmen, sondern lehren, es habe Gott gefallen, die Macht des Schicksals und die menschliche Vernunft zusammenwirken zu lassen, so daß jeder es nach seinem Belieben mit dem Laster oder der Tugend halten könne. Sie glauben auch, daß die Seelen unsterblich sind und daß dieselben, je nachdem der Mensch tugendhaft oder lasterhaft gewesen, unter der Erde Lohn oder Strafe erhalten, so daß die Lasterhaften in ewiger Kerkerhaft schmachten müssen, während die Tugendhaften die Macht erhalten, ins Leben zurückzukehren. Infolge dieser Lehren besitzen sie beim Volke einen solchen Einfluß, daß sämtliche gottesdienstliche Verrichtungen, Gebete wie Opfer, nur nach ihrer Anleitung dargebracht werden. Ein so herrliches Zeugnis der Vollkommenheit gaben ihnen die Gemeinden, weil man glaubte, daß sie in Wort und Tat nur das Beste wollen.
4
Die Lehre der Sadduzäer läßt die Seele mit dem Körper zugrunde gehen und erkennt keine anderen Vorschriften an als das Gesetz. Sogar gegen die Lehrer ihrer eigenen Schule im Wortstreit anzugehen, halten sie für rühmlich. Ihrer Anhänger sind nur wenige, doch gehören sie den besten Ständen an. Übrigens richten sie nichts Bedeutendes aus, und wenn sie einmal dazu genötigt sind, ein Amt zu bekleiden, so halten sie es mit den Pharisäern, weil das Volk sie sonst nicht dulden würde.
5
Die Essener dagegen lehren, man müsse alles dem Willen Gottes anheimgeben. Sie glauben an die Unsterblichkeit der Seele und halten den Lohn der Gerechtigkeit für das erstrebenswerteste Gut. Wenn sie Weihgeschenke in den Tempel schicken, bringen sie kein Opfer dar, weil sie heiligere Reinigungsmittel zu besitzen vorgeben. Aus diesem Grunde ist ihnen der Zutritt zum gemeinsamen Heiligtum nicht gestattet, und sie verrichten demgemäß ihren Gottesdienst besonders. Übrigens sind es Menschen von vortrefflichen Sitten, und sie beschäftigen sich bloß mit Ackerbau. Ganz besonders bewunderungswürdig und lobenswert aber sind sie wegen einer bei den Griechen und den anderen Völkern völlig unbekannten, bei ihnen jedoch nicht etwa erst seit kurzer Zeit, sondern schon seit vielen Jahren herrschenden ausgleichenden Gerechtigkeit, infolge derer sie vollkommene Gütergemeinschaft haben und dem Reichen nicht mehr Genuß von seinen Gütern lassen wie dem Armen. Nach dieser Lehre leben über viertausend Menschen. Sie heiraten ebenso wenig, als sie Knechte halten, und so leben sie voneinander abgesondert und dienen einer dem anderen. Zu Verwaltern ihrer Einkünfte vom Feldertrag wählen sie tüchtige Männer aus priesterlichem Stande, die für Getreide und sonstige Nahrungsmittel zu sorgen haben. Sie leben übrigens alle auf eine und dieselbe Weise und kommen am nächsten denjenigen Dakern, welche Polisten heißen.
6
Außer diesen drei Schulen nun gründete jener Galiläer Judas eine vierte, deren Anhänger in allen anderen Stücken mit den Pharisäern übereinstimmen, dabei aber mit großer Zähigkeit an der Freiheit hängen und Gott allein als ihren Herrn und König anerkennen. Sie unterziehen sich auch jeder möglichen Todesart und machen sich selbst nichts aus dem Morde ihrer Verwandten und Freunde, wenn sie nur keinen Menschen als Herren anzuerkennen brauchen. Da ihre Hartnäckigkeit indes allgemein durch Augenschein bekannt ist, glaube ich von weiteren Bemerkungen über sie absehen zu können. Ich brauche ja nicht zu fürchten, daß meine Worte keinen Glauben finden; viel eher müßte ich besorgen, daß mir nicht genug Worte zu Gebote stehen, um solchen Heldenmut und solche Standhaftigkeit zu schildern. Diese Tollkühnheit war es, die das Volk in Aufruhr brachte, als der Landpfleger Gessius Florus durch den Mißbrauch seiner Amtsgewalt dasselbe so zur Verzweiflung trieb, daß es von den Römern abfiel. So viel von den Philosophenschulen der Juden.
Quelle: Des Flavius Josephus Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. II. Bd. Köln 1959 (Nachdruck der Ausgabe von 1899), 506-508

d) Jüdischer Krieg II 8,2-7.9-11.14 §119-122.124.127-133.135-140.145f.152-154.156.162-166

2Es gibt nämlich bei den Juden drei Arten von philosophischen Schulen; die eine bilden die Pharisäer, die andere die Sadducäer, die dritte, welche nach besonders strengen Regeln lebt, die sogenannten Essener. Die letzteren sind ebenfalls geborene Juden, aber untereinander noch mehr als die anderen durch Liebe verbunden. Die sinnlichen Freuden meiden sie wie die Sünde, und die Tugend erblicken sie in Enthaltsamkeit und Beherrschung der Leidenschaften. Über die Ehe denken sie gering, dagegen nehmen sie fremde Kinder auf, so lange dieselben noch in zartem Alter stehen und bildungsfähig sind, halten sie wie ihre Angehörigen und prägen ihnen ihre Sitten ein. Doch wollen sie damit die Ehe und die Erziehung von Nachkommenschaft durch dieselbe nicht gänzlich aufheben, sondern sich nur vor den Ausschweifungen der Weiber sichern, da sie glauben, daß keines derselben dem einen Gatten die Treue bewahre.
3
Den Reichtum verachten sie, und bewundernswert ist bei ihnen die Gemeinschaft der Güter, so daß man niemand unter ihnen findet, der mehr besäße als die anderen. Es besteht nämlich die Vorschrift, daß jeder, der der Sekte beitreten will, sein Vermögen der Gesamtheit abtreten muß ...
... 4Sie haben keine einzige Stadt, sondern in jeder wohnen ihrer viele. ... Untereinander kaufen und verkaufen sie nichts, sondern ein jeder gibt von seinem Eigentum dem anderen, was dieser nötig hat, und empfängt umgekehrt von ihm das, was er selbst brauchen kann. ...
5
Auf eine eigentümliche Art verehren sie die Gottheit. Bevor nämlich die Sonne aufgeht, sprechen sie kein unheiliges Wort, sondern sie richten an das Gestirn gewisse altherkömmliche Gebete, als wollten sie seinen Aufgang erflehen. Hierauf werden sie von den Vorstehern zu dem Tagewerke entlassen, auf das ein jeder von ihnen sich versteht. Wenn sie sodann bis zur fünften Stunde fleißig gearbeitet haben, kommen sie wieder an einem bestimmten Ort zusammen, schürzen ein linnenes Tuch um und waschen sich den Leib in kaltem Wasser. Nach dieser Reinigung begeben sie sich in ein besonderes Gebäude, das kein Angehöriger einer anderen Sekte betreten darf, und versammeln sich hier, gereinigt, als ginge es in ein Heiligtum, im Speisesaal. Dort setzen sie sich in aller Ruhe nieder, und es legt alsdann der Bäcker ihnen der Reihe nach Brote vor, während der Koch jedem eine Schüssel mit einem einzigen Gericht aufträgt. Ehe das Mahl beginnt, spricht der Priester ein Gebet, und vor dem Gebet darf niemand etwas verzehren. Nach dem Mahle betet er wiederum, so daß zu Anfang und zu Ende desselben Gott als der Spender der Nahrung geehrt wird. Nachdem sie sodann ihre gleichsam heiligen Kleider abgelegt, begeben sie sich wieder an ihre Arbeit bis zur Abenddämmerung. Hierauf kehren sie zurück und speisen auf dieselbe Weise; sind zufällig Fremde da, so nehmen diese am Mahle teil. Weder Geschrei noch sonstiger Lärm entweiht je das Haus, sondern ein jeder läßt den anderen reden, wie ihn die Reihe trifft. Auf diejenigen, die außerhalb des Hauses sich befinden, macht die in demselben herrschende Stille den Eindruck eines schauerlichen Geheimnisses; doch hat die Ruhe ihren Grund nur in der beständigen Nüchternheit der Ordensmitglieder, die Speise und Trank nicht weiter als bis zur Sättigung genießen.
6
... Das gegebene Wort gilt bei ihnen mehr wie der Eid; ja, sie unterlassen das Schwören, weil sie es für schlimmer als den Meineid halten. ... Mit Vorliebe widmen sie sich dem Studium der Schriften der Alten ...
7
Wer in die Sekte aufgenommen sein will, erhält nicht sogleich Zutritt, sondern er muß zunächst außerhalb des Ordens ein Jahr lang derselben Lebensweise wie die Mitglieder sich unterziehen ... Nachdem er nämlich seine Standhaftigkeit dargetan hat, wird nun in zwei weiteren Jahren auch sein Charakter geprüft, und erst, wenn er in dieser Beziehung gleichfalls würdig erscheint, wird er förmlich in den Orden aufgenommen. Bevor er indes bei dem gemeinsamen Mahl erscheinen darf, muß er den Ordensangehörigen einen furchtbaren Eid schwören, ... daß er Treue gegen jedermann und besonders gegen die Obrigkeit üben wolle, weil niemand Gewalt habe, ohne daß sie ihm von Gott verliehen sei. ...
9
... Nächst Gott zollen sie die größte Verehrung dem Namen des Gesetzgebers (= Mose); wer ihn lästert, wird mit dem Tode bestraft. ... Peinlicher als alle übrigen Juden vermeiden sie es, am Sabbat sich mit Arbeit zu befassen ...
10
... Diese ihre Gesinnung trat so recht im Kriege gegen die Römer zutage. Auf die Folter wurden sie gespannt, ihre Glieder gereckt, verbrannt, zerbrochen; mit allen erdenklichen Marterwerkzeugen quälte man sie, um sie zur Lästerung des Gesetzgebers oder zum Genuß einer ihnen verbotenen Speise zu zwingen - aber weder das eine noch das andere vermochte man durchzusetzen. Kein bittendes Wort an ihre Peiniger kam über ihre Lippen, und ihre Augen blieben tränenleer. Lächelnd unter Schmerzen spotteten sie ihrer Henker, und freudig gaben sie ihre Seelen dahin in der sicheren Hoffnung, sie einst wieder zu erhalten.
11
Sie hegen nämlich den festen Glauben, daß der Körper zwar der Verwesung anheimfalle und vergänglich sei, die Seele dagegen in Ewigkeit fortlebe ... Damit wollen sie zunächst die Unsterblichkeit der Seele feststellen, dann aber auch zur Tugend antreiben und vom Laster abschrecken ...
14
Was nun die beiden zuerst genannten Sekten betrifft, so ist die der Pharisäer die älteste unter allen dreien. Sie gelten für besonders kundige Erklärer des Gesetzes, machen alles von Gott und dem Schicksal abhängig und lehren, daß Recht- und Unrechttun zwar größtenteils den Menschen freistehe, daß aber auch bei jeder Handlung auch eine Mitwirkung des Schicksals stattfinde. Die Seelen sind nach ihrer Ansicht alle unsterblich, aber nur die der Guten gehen nach dem Tode in einen anderen Leib über, während die der Bösen ewiger Strafe anheimfallen. Die Sadducäer hingegen, die zweite der obengenannten Sekten, leugnen das Schicksal völlig und behaupten, Gott habe mit dem Tun und Lassen der Menschen gar nichts zu schaffen; vielmehr seien gute wie böse Handlungen gänzlich dem freien Willen anheimgestellt, und nach eigenem Gutdünken trete ein jeder auf die eine oder andere Seite. Weiterhin leugnen sie auch die Fortdauer der Seele, sowie die Strafen und Belohnungen in der Unterwelt. Während aber die Pharisäer sich eng aneinander anschließen und zum Wohle der Gesamtheit die Eintracht hochhalten, ist das Benehmen der Sadducäer gegen ihresgleichen weit unfreundlicher, so daß sie mit ihren Gesinnungsgenossen so abstoßend wie mit Fremden verkehren. Das ist es, was ich über die philosophischen Schulen der Juden bemerken wollte.
Quelle: Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Heinrich Clementz. Köln 1900, 205-214

6. Philo, Über die Essener

Pro Judaeis defensio (Eus. praep. ev., VIII, 11,1-8)

(1) Unzählige von Schülern hat unser Gesetzgeber zu einer Gemeinschaft gesalbt. Sie werden Essäer genannt. Ich glaube, sie sind angesichts ihrer Frömmigkeit dieser Bezeichnung würdig. Sie bewohnen viele Städte Judäas, aber auch große, vielbewohnte Dörfer. (2) Bei ihnen gibt es keine Erwählung durch Abstammung - denn "Abstammung" schreibt man nicht bei Freiwilligen -, sondern durch Tugendeifer und Verlangen nach Menschenfreundlichkeit. (3) Bei den Essäern gibt es überhaupt kein (unmündiges) Kind, aber auch keinen heranwachsenden Knaben oder jungen Mann, denn die Unbeständigkeiten an diesen sind Gewohnheiten, die zur Unvollkommenheit des Jugendalters gehören, mit ihr neigen sie den Neuerungen zu. Es sind dagegen Männer, die schon dem reifen Alter zuneigen. Sie werden nicht mehr von den Wallungen ihres Leibes überschwemmt und auch nicht von den Leidenschaften bestimmt, sondern sie ernten wahrhaftige und wirklich alleinige Wahrheit. (4) Zeugnis von der Freiheit gibt ihr Leben. Keiner wagt es, überhaupt etwas zu besitzen, kein Haus, keinen Sklaven, kein Land, keine Herden, nichts anderes, was der Beschaffung oder Austattung von Reichtum gleich käme. Sie legen vielmehr alles geschlossen in die Mitte [ihrer Gemeinschaft] und haben den gemeinsamen Ertrag von allem. (5) Sie wohnen an demselben Ort, sie leben in Freundschaftsbünden und halten gemeinsame Mahlzeiten und führen ihre Leben, indem sie alles für Gemeinnütziges einsetzen. (6) Aber alle beschäftigen sich anders; dazu rüsten sie sich, ohne Zaudern kämpfen sie sich durch, nicht Frost, nicht Hitze, nicht wechselnde Witterung vorschützend. Bevor die Sonne aufgegangen ist, wenden sie sich ihren gewohnten Aufgaben zu; wenn sie ganz untergeht, hören sie damit auf und haben nicht weniger Freude als die, die mit Übungswettkämpfen Vergleiche ausgetragen. (7) Denn sie glauben, daß die Übungen, die sie unternehmen, fürs Leben tauglicher und für Seele und Leib besser und dauerhafter sind als die Übungen in den Wettkämpf